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Full text of "Mythologie des Buddhismus in Tibet und der Mongolei. Führer durch die lamaistische sammlung des fürsten E. Uchtomskij"

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MYTHOLOGIE DES BUDDHISMUS 



IN TIBET UND DER MONGOLEI. 



FÜHRER DURCH DIE LAMAISTISCHE SAMMLUNG 
DES FÜRSTEN E. ÜCHTOMSKIJ. 



VON 

ALBERT GRÜNWEDEL 

DK riUL. 



MIT EINEM EINLEITENDES VORWORT I)ES FÜRSTEN E. UCIITOMSKIJ 
UND IKS ABRILDUNtiEN. 




LEIPZIG: 
F. A. BKOCKHAUS. 

1900. 



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Inhalt. 



Seite 

Vorwort vii— xxxii 

Umschrift der fremden Alphahcte xxxiii— xxxv 

Erstes Kapitel. Entwicklung des buddhistischen Pantheons in Indien . . 1—28 

Zweites Kapitel. Die Geistlichkeit 2i)— 03 

1. Die indischen Heiligen 29— 43 

2. Die Heiligen des altern Buddhisnuis in Tibet 43— til 

3. Die Mongolenbekehrer und die gelbe Kirche Gl— . 03 

Drittes Kapitel. Die Gottheiten 04—103 

1. Die Schutzgottheiten (tibetisch Yi-dam) 04—107 

2. Die Buddhas 107-118 

3. Die Bodhisatvas 110-141 

4. Die Göttinnen. Täras und Däkinis 142—15« 

Mt DiunNfilM, tBeichatier dar BeUgton» . ["^nStP^TT] 

Die Lokalfotthetten 17^—194 




^Anhang löÖ- 

tot— J 

der AbW!*nigfn !ill^«l^ 

Glossar :. 217—244 



r-fS 





1 i'iinsbaikfilieii ist (ior Scblüssel ^iim Herzen 
Asiens, der kuUiirliij%torisdie Vorposten Russ- 
lanils an der Grenze des noch unter prähistori- 
schen Vcrbältnissen lebenfleii -cfcelben Orients»; 
es ist das Ilanptverbiiuiimjisglied, das das noch 
halbwilde Xatnrvolk der Biiriiten mit den Schätzen 
y\vv uralten indi^dien Weisheit verknüpft. Dem 
wird man nicht umhin können Rechnung zu tragen. 

Bei uns in Kussland giebt es eine reiche 
Welt religiöser Erscheinungen^ über die bisher 
fast nichts geschrieben worden ist^ wie man 
ihr denn überhaupt fast gar keine Beachtung ge- 
schenkt hat. Ich spreche von den ülaubensformen 



— vm — 

des tibetischen Buddhismus, zu dem sich imierhalb unseres Reiches einige hundert- 
tausend Nomaden und Halbnomaden bekennen: die Kabnücken des Astrachanschen 
und Stauropolschen Gouvernements, sowie die Kalmücken im Lande der Donischen 
und Uralischen Kazaken, die Mehrzahl der Buräten und ein Teil der Tungusen in 
Transbaikalien. 

Lässt man auch die Frage über die socialpolitische Bedeutung dieser That- 
sache ganz ausser Betracht, fasst man dagegen alles, was in Innerasien geschieht 
und geschehen ist, unmittelbar ins Auge, so kann man sich nicht genug wundern, wie 
gleichgültig wir Russen uns gegen vieles verhalten, was das Seelenleben der Buddhisten 
mit seinem vielverschlungenen merkwürdigen Kultus und seinen zahlreichen Gegen- 




Tnnirn^oTi. 




l'HuBsIand. 



M*i 



i^n der Verelmuig daiUetet Dii06 lind, Agmi0lt$ von ihrer wissenschaft- 
Bedi.«utung, die Qiulle, am wakher QBwre liWonsthätigkeit, die noch so 
>iel zu wünschen übrig lässt, schöpfen kann, wenn sie unsern Heiden zur geistigen 
Wiedergeburt verhelfen will und die Absicht hat, aus ihnen allmählich Pioniere 
des christlichen Glaubens zu machen, Bahnbrecher, die das Licht höherer Erkenntnis 
in die unerforschten Wildnisse Hochasiens hineinzutragen fähig sind. 

In der Petersburger Akademie der Wissenschaften und in den Sammlungen 
der Kaiserlichen Geographischen Gesellschaft (liauptsächUch in Irkutsk) ist wert- 
volles Material aufgestapelt, um jemand, der sich ernstlich mit dem Gegenstande 
zu beschäftigen wünscht, Arbeitsstoff zu liefern. Das Feld liegt jedoch noch fast 
völlig brach. Noch vertieft sich kein russischer Religionsforscher in das geheim- 
nisvolle Tibet und die ganze reiche Welt von Erscheinungen, die in ihm ihren 
Ausgangspunkt haben. 




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— X — 

Und doch wie leicht wäre es, die engen Beziehungen für die Wissensehalt 
auszunützen, die Ostsibirien mit Lha-sa verknüpfen! 

Hunderte von Buräten gehen jährlich auf die Wallfahrt durch die Mongolei 
nach den Centren der tibetischen Gelehrsamkeit. Die Wegweiser und Pioniere des 
russischen Handels und des guten Rufes, den wir geniessen, die Vertreter des 




Bnrätin im Festschmuck. 

Aus: Fürst Uchtomskij, Orientreisc des Kaisera yon Rassland. 



russischen Namens im Herzen der gelben W^elt, sind bescheidene Leute in kläg- 
lichen Langröcken, auf unansehnlichen Pferdchen oder auf Kamelen. Diese imsere 
halbwilden Heiden gehen dorthin, an den den europäischen Forschungsreisenden 
mühsam zugänghchen Kukunor, nach Amdo und Zaidani, in das geheunnisvolle Daschi- 
Ihunbo (bKra-sis-lhun-po) und in die an Indien anstossenden üebirgsländer, mit einer 
Beherztheit und Leichtigkeit, wie man aus grossen Städten Ausflüge ins Grüne 
unternimmt. Dieses Element trägt unbemerkt tief in die imiersten Wihhiisse Asiens 



— XII — 

hinein, mitten in halbunbekaimte Einöden, lebensvolle Vorstellungen vom Weissen 
Zaren und vom «weisssteinigen» Moskau, aus welchem das riesenhafteste Iknch 
erwachsen ist. jenes Moskau, das die kleinern orientalischen Brudervölker an sich 
zu fesseln suchte «nicht durch Kampf allein, nicht durch Härte, sondern durch 
Wohlwollen». Dieses Element ist zugleich der Träger der wenn auch einst- 
weilen noch unklaren \'orstellungen von dem Berufe des christlichen Abendlandes, 
die dahinsiechende Kultur des alten Morgenlandes durch russische Thatkraft all- 
mählich wieder zu neuem Leben zu erwecken. 




Bronze-Bodhisatvas in Japan. 

Aub: FUrst Uchtomekij. Orioutrcise deH Kaisers von Rusaland. 



In lUissland hat augenblicklich fast noch kein Mensch auch nur eine Almung 
davon, was für eine für das Gesamtreich nutzbringende Arbeit die bescheidenen 
russischen Lamaisten vollbringen, viele Hunderte Kilometer weit von der sibirisclien 
Grenze. Diese Wirksamkeit werden erst die künftigen Generationen wahrnehmen 
und nach ihrem vollen Umfange schätzen lernen. 

Das Studium des Lamaisnms ist euie noch fast uneischlossene Welt an sich. 
Auf diesem Ungeheuern Gebiete sich mit den Beligionen Indiens zu befassen, die 
hier in äussere Verhältnisse verpflanzt worden sind, die ihnen von Haus aus ganz 
fremd waren und unter denen sie dennodi starke Wurzeln zu schlagen wussteu: 
unter der Riesenanzahl der Kultusobjekte eine Kunst zu linden, die mit dem 



— XIV — 

Stempel des Übersinnlichen gekennzeichnet ist: schon das ist eine wahrhaft ent- 
zückende Geistesarbeit für jeden Freund der Archäologie. . . . Aber auch für jeden 
Wahrheitsforscher, der nach fassbaren Gründen für die Erkenntnis sucht, dass die 




Tempelwächter; eiuer der Ni-os (Indra oder Brahmil), «zwei Köni^^e». 

Aus: Fürst Uchtomskij, Oriontroisc des Kaisers von Bussland. 



Kraft des Gefühls imd des Glaubens — also jene Kraft, durch welche, im edeln, arischen 
Sinne des Wortes, der eminent friedfertige Hindu stai'k ist und sich in seinem Ele- 
ment bewegt — die Gesetze des Raumes und der Zeit nicht kennt und ül)erall schafft, 
wohin immer sie getragen wird. Wie wäre sonst das prosaisch angehauchte Japan 
dazu gekommen, seine eleganten Tempelhallen Buddha zu Eliren mit den ko.st- 
barsten Lack- imd l]ronzear])(»iton zu füllen? Ja. wären sonst von dort aus die 



— XV — 

gefahrvollen, vom geistigen Bedili*fnis bedingten Züge nach dem verschlossenen 
Korea unternommen worden, das vor einigen Jahrhunderten in hoher Blüte stand 
und sich unter dem Einflüsse der aus manchen asiatischen Ländern liervorleucli- 




Bouze Okaiuura in luassa. 

Aus: Fürst Ucbtomskij, Orientreise des Kaisors von Russland. 



tenden Sanskrit- Civilisation in Form buddliistisclier Bücherweislieit einer verhält- 
nismässig hohen Bildung erfreute? 

Die geistigen Wechselbezielmngen , in denen während des ganzen Altertums 
und Mittelalters die Länder des Orients untereinander gestiinden haben, mi*)gen sich 
vom europäischen Standpunkte aus als ziemlich unerheblich darstellen. Aber allein 
schon die Thatsache ihres ununterbrochenen Bestandes und ihrer Einwirkung auf 



— XVI — 

den Gang der Weltgeschichte ist nach meiner Ansicht für uns Russen, von unserm 
kulturhistorischen Standpunkte aus, viel wichtiger als der Kleinkram, aus welchem 
sich die von uns so eifrig studierte europäische Geschichte zusammensetzt. 

Dort, in dem von Europa ignorierten Asien, haben die Völker sich allezeit 
von mystischen Regungen durchbebt und hingezogen gefühlt zu den ätherischen 
Regionen der Andacht und des Gebetes, zu jenen lichten Räumen, wo vor den 
göttUchen Mächten der Nationalhass verstimimt und die Bruderfehden der Völker 
schweigen. Tiefe Stille weht uns aus vielen, einst durch wilden Aufrulir zerrissenen 
volkreichen Ländern entgegen, wo von dem durch blutlose Opfer verehiten Altare 
herab die Augen des in Stein gehauenen, in Holz geschnitzten oder in Metall 
gegossenen Qäkyamuni die herbeiströmende Menge voll Sanftnmt und mit geheim- 
nisvollem Lächeln anblicken. 

Trümmer von Statuen (jj-äkyamunis, unzerstörbar erhalten gebliebene Bilder des 
«weisen Fürstensolmes» und der brahmanischen Göttergestalten, verödete Kloster- 
städte mit architektonisch wunderbaren Tempehi und Basreliefs von seltener Schön- 
heit: dies alles ist z. B. von der Obertiäche Javas noch nicht verschwunden. 
Abseits der grössern Verkehrstrassen gelegen geben diese Reste in ihrer Erhaben- 
heit eine überzeugende Kunde von dem ehemaligen Zauberglanze Hindustäns und 
von dem es einst l)eseelenden typischen Drange nach Osten. Aus ihnen erklärt sich, 
dass sidi im Gebiete des französischen Indochina bis lieute grossartige Ruinen von 
G Otter palästen und ein in Steinen verewigtes Pantlieon erhalten haben. 

Die Heroen des Epos, die phantastischen Ausgeburten des Volksglaubens, die 
abstrakten Symbole der Priesterschaft, alle Eigentümlichkeiten dieser vom Ganges 
stammenden Kunstblüte der Vorzeit sind dort, im verblühten Kamboilscha, jetzt 
noch in vollem Glänze erhalten, ausgeführt von der schöpferischen Hand unbekannter 
Bildhauer und Baukünstler, deren Ratschlägen hochsinnige einheimische Fürsten 
freigebig folgten. Die Bilder Buddhas wurden als wunderthätig aus dem 
Südwesten in das HimmHsche Reich eingeführt. Religion und Wissenschaft ge- 
langten als glänzende, die Brüderlichkeit der Völker befestigende Bindeglieder 
ebenfalls aus Indien dorthin. 

Nach allem schon Gesagten dürfte die erwünschte Aufhellung der Inner- 
räume Asiens unter den milden Strahlen der indischen Vergangenheit allen diesen 
Ländern eine dem russischen Herzen sympatliische Färbung verleihen. Vom 
Momente an, wo wir den Nachbarkontinent als etwas uns Verwandtes lieben und 
anerkennen, weil er uns geistig nahe steht und eine organische Einheit mit uns 
bildet, muss sich unser Interesse eigentlich in gleichem Maasse auf den kleinsten 
Winkel Asiens übertragen, wo ein religiös gesinnter Orientale in Arbeit und Busse 
die Antwort des Herzens findet auf die bremiendsten Fragen des Menschen: wes- 
halb leben wir und wie entgehen wir schliesslich dem Leiden? 

Wenn sich jemand wie ich seit 15 Jahren praktisch mit dem Studium der 
buddhistischen Welt in ihrem vollen Leben befasst und alle Gegenden bereist hat, 
wo die Religion Qäkyamunis zimi Aufblühen gelangt ist, so kommt es ihm son- 
derbar vor, das ungeheure Feld zu überblicken, welches vom Kultus des Buddha 
überschattet ist. Am meisten Stoff zum Nachdenken darüber bietet Java, die tro- 
pische «Smaragdinsel)) der niederländisch-indischen Besitzungen. Die Götterbilder 



— XVII — 

Javas und besonders die Basreliefs von buddhistischem Typus setzen durch nichts 
mehr in Erstaimen als dadurch, dass die Götter und Symbole jener dahingeschwun- 
denen Periode in gewissem Sinne mit denen übereinstimmen, die noch heute im 
Himalaja und im Norden desselben, bei den Lamaisten Tibets, der Mongolei und 
in den Grenzmarken Russlands verehrt werden. 

Das die beiden Kulturcentren verbindende Mittelglied ist verloren gegangen. 
Die Formen der Religion Buddhas im Norden Javas und im Süden der tibetischen 
Klöster sind sichtlich nur eine allmählidie Vereinfachung des Kultus, verglichen 
mit den traditionellen Tempelheiligtümern und dem höchst verwickelten nordbuddhi- 
stischen Ritual. Einstweilen bleibt es ein historisches Rütsel, wie es kommt, dass 
der menschliche Glaube in den Hochgebirgen Nepals und in der prächtigen java- 
nischen « Tempelstadt )) Borobudor identische Gegenstände der Verehrung schuf. 
Offenbar waren Hinduprediger, die zugleich als Lehrer und Künstler wirkten, so- 
wohl hier als in Hochasien von ein und denselben Vorstellungen im Geiste der 
Prinzipien einer sozusagen prähistorischen Buddha-Religion erfüllt. 

Die Verwandtschaft zwischen beiden erscheint nur auf Grund einer Hypothese 
einigermassen verständhch, die wohl vielen mehr originell als sticlihaltig vor- 
kommen mag. 

Das Tierreich auf Java weist gr(')ssere Analogien mit der Fauna des 
Festlandes fSiam, Birma, Indien, Himalaja) als mit der der uudiegenden Insel- 
welt auf. Allerdings sind die Naturforscher überzeugt, dass Java sich viel früher 
von Asien abgetrennt hat als z. B. Sumatra oder Borneo. Die noch heute in Tibet 
und der Mongolei lebendigen Formen des Buddhisnuis sind nach meinem Dafür- 
halten weitaus ursprüngliclier als die auf Ceylon, in Hinteriiidien, China und Japan. 
Ihr Ursprung verliert sich ins graueste Altertum. Sie wanderten von einem Lande 
zum andern. Später vereinfachte sich in manchen Ländern die Rehgion des 
a weisen Fürstensolmes» sehr bezüglich ihrer äussern Form. Ihre kanonische Reinheit 
vermochte sich vielleicht an den Kultusobjekten auf Java noch ungebrochen zu er- 
halten, da man hier auf deren t'bereinstimmung mit denen Hochasiens absichtlich 
Gewicht legte. 

Der «Stüi)a)> von Bharhut iui Kalkuttaer Museum ist seinerseits ein Denkmal 
altbuddhistischen Charakters, welches einzig dastehende Ereignisse kennzeichnet, 
z. B. ein Wunder, eine Predigt des «weisen Lehrers». Die Steinumzäunung 
des Denkmals, die man ins Museum versetzt hat. um sie vor der Zerstörung 
zu bewahren, hat die Form eines Zeltes: als ob die glaubensfeurigen ersten 
Buddhisten, die 2CKX) Jahre vor uns Stftpas errichteten, ihre Nomadenbehausung 
zum Vorbild genommen und in Umrissen an den geheimnisvollen Kurgan der Steppe 
hätten erinnern wollen. Die an dem Denkmale von Bharhut ausgemeisselten Menschen 
gemahnen mit ihren Gesichtszügen lebhaft an Mongolen, jedenfalls aber an einen - 
Menschenschlag turanischen Stammes. Neben diesem Denkmal sind in der 
Residenzstadt am Hugli noch ihrer Bedeutung nach gleichwertige Überbleibsel 
der Stüpas. von Santschi in Centraliudien aufgestellt. 

Auf den Säulen und Karniesen sind Scenen aus dem Leben Buddhas darge- 
stellt, wie der a Welterlöser » in verschiedenen, noch unvollkonmienen Formen körper- 
licher Umhüllung seine Vollendungsbahn beginnt, bis er schliesslich zu lichter, freier 

Urüxwkdkl. ^ 



— xvm — 

Thätigkeit zum Wohle der lebenden Wesen durchdringt, wie er in tiefster Seelen- 
rulie ins Nirväna eingeht, aber fortfährt, an der sittlichen Erweckung und Heilung 
der Menschheit zu arbeiten. 

Danel)en finden wir Scenen aus dem Leben des historisch nebelhaften Indien 
abgebildet, Genrebilder, die auch heute noch nicht veraltet sind; Stillleben, wo 
das Gebiet des Mythus und des Märchens aufhört, wo der Faden der Tradition 
ansetzt und nicht wieder abreisst. Eines ist zweifellos: jeder hier ruhende Stein 
ist in den Augen des wahrhaft gottesfürchtigen Asiaten etwas Heiliges. Nicht um- 
sonst kamen einst sogar Koreaner ins Gangesland, um hier zu opfern und an- 
zubeten ! 

Die traditionellen Embleme, die symbolischen Schmuckgegenstände, die be- 
liebten imnatürlichen Posen auf der Oberfläche des Denkmals, alles stimmt genau 
mit den Kultusobjekten in den noch bestehenden heidnischen Kulturreligionen über- 
ein. Da halten z. B. auf den Thoren zu Santschi die Götter ein kleines magisches 
Scepter (vajra), wie es heute noch einen der Gegenstände bildet, die für betende 
Lamas imentbehrlich sind. Da ist auch die Göttin der Liebe und des Glücks, die 
auf einem Lotus sitzt, während zwei Elefanten Wasser auf sie giessen: Zug für 
Zug ein Bildchen, wie es noch jetzt in den kleinen Kaufläden eines jeden indischen 
Städtchens feilgeboten wird. Da ist der Wundervogel Garuda, wie er erbarmungs- 
los Schlangen verniclitet und dann doch neben ihnen mit den Ungeheuern Ohr- 
ringen an seinem Papageienkopfe friedlich einherschieitet , als ob er dem die 
Lehren des P>iedens und der Liebe predigenden, allen Geschöpfen zugänglichen 
Buddha lausche. An anderer Stelle dient er einem Hinnnelsbewohner als Reittier, 
einem Gotte, der zur Verehrung irgendwelcher buddhistischer Heiligtümer fliegt. 
Geflügelte Löwen, mit Gesichtern greuhcher Greife oder zottiger Hunde tibetischer 
Hasse, Stiere mit Menschengesichtern, volkreiche Prozessionen mit von den 
Terrassen herab sie betrachtenden Bewohnern, die Herniederkunft des «weisen 
Lehrers» vom llinnnel auf die Erde in der Gestalt eines Elefanten, wie er in die 
süss schlummernde Maja eingeht, von welcher er nach Schicksalsbeschluss geboren 
werden soll: jede Steinfigur, jede plastische Einzelheit ist von eigentümlich erfun- 
dener Anlage und voll tiefsinniger Gedanken. Der Charakter und die Lebensweise 
des Landes haben sich in den hier aufbewahrten Steinen allezeit abgespiegelt, in der 
Vorzeit ebenso wie in der nahen Vergangenheit; sie haben sich unter anderm auch 
in den aus ihnen gebildeten Wohnungen der Götter ausgeprägt, der Götter, die 
nach dem Volksglauben heute in Majestät prangen, aber morgen schon infolge von 
Sünden auf das Niveau ohnmächtiger, leidender Wesen herabsinken können. . . . 
Die Forscher haben mit Erstaunen die Thatsache festgestellt, dass sich an den 
Füssen der in Santschi ausgemeisselten Nordländer unsere russischen Fusslappen 
vorfinden, die auch den Afghanen und den Bewolmeni Kafiristans bekannt sind; 
ferner das Faktum, dass die daselbst abgebildeten Musikinstrumente mit denen 
identisch sind, die in Kalkutta aus dem heutigen Nepal bezogen werden. 

Die archäologische Abteilung des Museums in Kalkutta ist überreich an Er- 
zeugnissen der einheimischen Bildnerei aus vielen Jahrhunderten. Bald sieht 
man vor sich einen in Betrachtung vertieften « langhändigen » indischen Asketen 
(der Besitz einer langen Hand galt sowohl hier, wie auch in Iran von altersher als 




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— XX — 

Zeichen vornehmer Abstammung), bald bewundert man den in griechischem Stile 
gearbeiteten Kopf Buddhas: schön wie ApoUo, mit der Haartracht, wie sie einst 
im kaiserlichen Rom Mode war, gekräuselt wie die manches Herkules im Britischen 
Museum. Bewundernd bleibt man vor der riesigen, stark beschädigten Bildsäule 
des «Lehrers» stehen, der mit nackter Schulter dargestellt ist, wie es noch jetzt 
bei den buddhistischen Mimchen Brauch ist; dann wieder betrachtet man mit 
Interesse die in Stein gehauenen Nachbildungen der Thronsessel Buddhas, die von 
Löwen gestützt werden, seinen Bettelnapf auf dem von einem königlichen Sonnen- 
schirm beschatteten Piedestal u. s. w. — 

Die Zeit ist nicht mehr fern, wo sicli die zersplitterte buddhistische Welt 
vom Tramne erwachend in ein organisches Ganzes gliedern wird. 

Der Amerikaner Oleott verfolgte als Präsident der Theosophischen Gesell- 
schaft seit Jahren energisch den Gedanken, die Glieder der geistigen Kette auf- 
zufinden, welche die Länder verknüpft, in denen Buddha als Gott verehrt wird. 
Er bereiste Asien, machte sich mit den hervorragendsten eingeborenen Priestern 
bekannt und verfasste dann für die Buddhisten der ganzen Welt eine Art (ilaubens- 
bekenntnis. Alles Unwesentliche, Konventionelle, alles eng Nationale und rein 
Zufällige wurde darin beseitigt. Der Buddbismus ist stets bereit, in seine Kultus- 
formen alle möglichen andern Formen, ja selbst lliten aufzunehm(»n, wenn sie nur 
seine Hauptidee nicht beeinträchtigen: die Idee von dem v giHtlichen Lehrer» und 
der von diesem angewiesenen Bahnen zur Selbstvollendung im Zusammenhang mit 
der Mahnung des Meisters, allen lebenden Wesen allmählich die Lehre mitzuteilen, 
durch deren Befolgung sie sich von der Wiedergeburt und den mit ihr verbun- 
denen Leiden endgültig befreien kcmnen. Nur das Wesentliche der «(Lehre» sollte 
in dieses Bekenntnis aufgenommen werden. So wird allmählich vieles aus den 
religiösen Eigentümlichkeiten Asiens erklärt werden kr>nnen, die (ilaubensformen 
der Hunderte von Millionen werden sich anschaulicher darstellen, von der Seele 
der Epoche, in der sie begründet wurden und ihre Verkündigung die Menschen 
entflammte, wird der Schleier gelüftet werden. 

In Japan, Birma, Tschittagong und auf Geylon hat das Programm Oleotts 
mit den darin enthaltenen 14 Grundbestimmungen bereits Billigung gefunden. Noch 
bleibt abzuwarten, wie Oleotts Neuerungen in Bezug auf die Befestigung der 
geistigen Bande zwischen den buddliistischen ViUkern in Indochina. im Innern 
Chinas, in Korea und Tibet wirken werden. Soviel ich im Gespräch über die 
indochinesischen Laos erfahren konnte, sind sie Buddhisten, stehen aber walir- 
scheinlich dem Lamaismus näher als der ceylonesischen oder siamesiscli - bir- 
manischen Form. Belege dafür giebt es, wie mir scheint, in Menge. Sie errichten 
und verehren «Obos», d. h. Steinhaufen auf den llr)hen, zu dem Zwecke, an 
diesen Plätzen bei der Durchreise den (Jenien des Ortes zu opfern. Sie führen, 
ganz wie die Tibeter und Mongolen, Zaubeitänze auf. wobei sich ihre P»onzen als 
schreckenerregende (Gottheiten verkleiden, um die (ieister di^s B(')sen zu baniuMi. 
Jede Familie bestrebt sich, dem geistlichen Beruf wenigstens einen Knal)en zu 
widmen; die Geistlichkeit hat das Hecht, über ihr Privateigentum zu verfiiiitMi, 
die gelehrtesten Mönche erscheinen dem Volk<» als walire Verk(hi)erungen (Ut 
allvollkommenen höhern Wesen (der Buddlias) u. s. w. 



— XXII — 

Die Verbiiiduiig der Anhänger (^äkyamiiiiis auf Ceylon mit den (üaubens- 
genossen im Osten hatte sich seit der ältesten Zeit erhalten. Der Verkehr fand 
nicht nur über das Meer, sondern auch auf dem Festlande statt. Viele Ceylo- 
nesen pilgerten über den Himalaja nach China und bracliten den «Söhnen des 
Himmels» die seltensten Amethyste, Saphire und Rubine und die prächtigsten Bild- 
nisse des «Gott-Lehrers». Zuweilen brauchte man zehn Jahre zu einer solchen Reise. 

Das Mittelalter kräftigte dieses Bewusstsein der innern ZusammengelKuigkeit 
zwischen den politisch einander fremden Ländern, in denen die Verelirung Buddhas 
blühte. Was für Tibet gilt, gilt auch für die Mongolei, für unsere Buräten und 
Kalmücken; die Ideen des überzeugten Mitarbeiters der verstorbenen Frau Blavatskij 
finden auch dort Sympathie imd Beachtung. 

Die Hauptfrage ist, ob die nachfolgenden 14 Sätze wirklich die einzigen von 
den Buddhisten der ganzen Welt anerkannten Grundwahrheiten bilden. 

L Man soll allen Menschen, wer sie auch seien, mit Duldung, Sanftmut und 
brüderlicher Liebe begegnen; ebenso soll man den Gesch(*)pfen jeglicher Art mit 
Mitleid und Barmherzigkeit entgegenkonmien. 

n. Die Welt ist mierschaffen, selbstentstanden und entwickelt sich vermöge 
bekannter Gesetze. 

ni. Buddhas (erleuchtete Wesen) sind mehrmals auf Ph'den, und zwar im 
Verlaufe mehrerer Zeitabschnitte (sogenannter «Kaipas»), aufgetreten, um zu predigen. 

IV. In der gegenwärtigen Periode wird als vierter Lehrer anerkannt ^äkya- 
muni oder Gautama Buddha, der vor etwa 2500 Jahren als Spross einer iiulischen 
Fürstenfamilie geboren wurde. Man muss ihn als historisclie Persiudichkeit be- 
trachten. Sem Name war Siddhärtha Gautama. 

V. Qäkyamuni lehrte, dass das Nichtwissen der Ursprung des Begelirens 
ist. Das unerfüllte Begeliren bildet aber die Uisache neuen (ieborenwerdens, 
— dieses aber ist die Quelle des Leidens. Damit dieses letztere nicht eintrete, 
ist die Vermeidung der Wiedergeburt notwendig; mn dieser zu entgehen, ist 
die Beruhigung des Begehrens erforderlich: aus der Bändigung und Besänftigung 
des eigenen Geistes geht das Wissen der h()chsten Ordnung hervor. 

VI. Der Glaube an die Unvenneidlichkeit der Seelenwanderung erklärt sich 
aus der Unzulänglichkeit unsers geistigen Horizonts. Sobald sich dieser erw(»itert, 
überzeugt sich der Mensch von der Wertlosigkeit jeder Wiedergeburt und der Not- 
wendigkeit, ein solches Leben zu führen, dass es sich nicht wiederhole. Aus dem 
Nichtwissen gehen die trügerischen, unbegründeten Gedanken hervor, nach dem 
Tode bestehe nichts oder es erwarte uns nach demselben die ewige Seligkeit oder 
die ewige Verdammnis. 

Vn. Die Menschen hören auf, im Irrtum befangen zu sein, wenn sie die 
Werke der Liebe gegen jedes lebende Wesen üben, den Verstand entwickeln, zur 
W^eisheit empordringen und in sich jedes Bedürfnis nach Befriedigung niedrigeier 
selbstsüchtiger Leidenschaften vernichten. 

Vin. Weil der Lebenstrieb die Ursache der Wiedergeburt ist, muss man 
ihn beruhigen; dann hört auch die Wiedergeburt auf. Der Mensch ist auf dem 
Wege beschaulicher Selbstvertiefung fähig, zur höchsten Stufe der Ruhe zu ge- 
1o iffAn ^Q init dem Namen Nirväna bezeichnet wird. 




Am Thore eines Buddhatempels in Ceylon. 

Aus: Fürst Uchtomskij, Oriontreisc des Kaisers von Bussland. 



- XXIV — 

IX. Qakyamuni lehrt, es sei möglich, das Niclitwissen zu l)eseitigen, mit 
diesem aber auch das Leiden aufzuheben, wenn man vier (irundwahrlieiten 
erkenne : 

1. das Elend das Daseins; 

2. die Ursache, die das Dasein bewirkt, d. h. die unersättliche Begier nach 
Befriedigung der eigenen selbstsüchtigen Triebe, und die IJnerfüllbarkeit 
dieses Dranges; 

3. die Ausrottung dieses Dranges, oder richtiger die Selbstbefreiung von 
allem solchen Drange; 

4. die Fähigkeiten des Mensclien, zu einer solchen sittlichen Freiheit zu 
gelangen. 

Es giebt acht Grundwahrheiten, und wer ihnen folgt, wandelt auf den acht 
Pfaden der Tugend, d. li. er glaubt walirhaft, er denkt wahrhaft, er spricht wahr- 
haft, er handelt wahrhaft, er richtet seinen Lebenswandel wahrhaft ein, er strengt 
seine Kräfte wahrhaft an, er erinnert sich des Vergangenen wahrhaft, und er 
stellt wahrhafte Betrachtungen an. 

X. Dieser Zustand des Geistes, der Zustand vollkommener iimerer Ruhe, 
führt zur höchsten Erleuchtung und vermag in jedem Menschen die typischen 
Eigenschaften eines Buddha, die jedem von uns innewohnen, zu entwickeln. 

XI. «Tathägata» (Buddha), «der gleich seinen Vorgängern Erschienene und 
Dahingegangene», hat im allgemeinen gelehrt, man solle sich der Sünde ent- 
halten, tugendhaft werden und sein Herz von Befleckung rein halten. 

XII. Die Ereignisse der Welt werden bestimmt durch das «Gesetz der 
guten und bösen Werken (Karma). Jeder ruft sich selbst zu neuem Dasein 
hervor, zu einem Dasein, das sich entsprechend den Handhingen in den frühern 
Existenzen gestaltet. Wir haben früher durch unsern eigenen Willen alles das 
vorausbewirkt, was wir jetzt durchzumachen haben. 

XIII. Der tugendhafte Wandel, der Erfolg des « Karma »s besteht in der 
Beobachtung der folgenden Moralgebote des Buddhismus: 

1. du sollst nicht töten. 

2. du sollst nicht stehlen, 

3. du sollst nicht ehebrechen, oder vielmehr, du sollst dich unerlaubter ge- 
schlechtlicher Beziehungen enthalten, 

4. du sollst nicht lügen, 

5. du sollst dich hüten vor berauschenden Getränken. 

XIV. Die Pflicht der Eltern ist, für die Erziehung ihrer Kinder zu sorgen. 
Der Buddhismus ist ein Feind des Aberglaubens und des Irrtums. Nur das Ver- 
nunftgemässe lässt der Tathägata zu; man soll auf irgendeine Autorität hin nicht 
Thörichtes beibehalten, z. B. auf die dunkeln Aussprüche grosser Weiser oder auf 
die Stimme der Überlieferung hin. — 

Buddha -Gayä wird einst als Magnet dienen, der alle in der weiten Welt 
zerstreuten Anhänger Qäkj^amunis um sich gruppieren kann. Gerade dieses Denk- 
mal ist es, dem zwei Drittel Asiens seit vielen Jahrhunderten in treuem An- 
denken an Buddha huldigen, trotz allen Widerstandes von selten des Biahmanisnius 
und des Islam. 




Zukunftsbild von JJuddha-iia.va. 

Au«: Fürst U(.htom«kij, Oriontrei.so de« Kai8or8 von Hu.hUnv^S,, 



- XXVI 

Der 1 empel, der auf dem Platze errichtet worden ist, wo dem uAUerlierrlichst 
Vollendeten» endlich das höhere Licht in der Seele aufging, übt schon seit mehr 
als dreieinhalb Jahrtausenden auf die Jünger Buddhas seine Anziehungskraft aus. 

Der miter König Asoka neu errichtete Tempel erhob sich während des Mittel- 
alters und noch in unserer Zeit zu wiederholten malen aus den Trümmern. In 
den letzten Jahren haben die Engländer der Erhaltung, sogar einer, allerdings 
ziemlich kunstlosen, Restauration der Heidentempel der Vorzeit mehr Aufmerksam- 
keit geschenkt. Bei Buddha-Gayä unternommene Nachforschungen haben den daran 
Beteiligten die Überzeugung beigebracht, dass in die Mauern des Hauptdenkmals 
wahrscheinlich der «diamantene Thron des weisen Fürstensohnes» und Bruchstücke 
der ersten Statue desselben eingemauert sind, welche Stritue der Legende nach aus 
folgenden acht Kostbarkeiten hergestellt worden ist: aus Kristall, Perlen, Elfen- 
bein, Korallen, Rubinen, Saphiren, Amethysten und Smaragden. 

Gegenwärtig übt Buddha-Gayii auf die Mitglieder der in Indien residierenden 
Theosoj)hischen Gesellschaft, die vtm Helena Blavatskij gegründet worden ist, grosse 
Anziehung aus, aber auch auf die allmählich neu zu gewiimenden Buddhisten aus 
aller Herren Länder, die, von Theosophen angespornt, mit dem Gedanken um- 
gehen, bei dem alten Tempel ein internationales Kloster zu gründen und Hoch- 
schulen mit theoh)gischen und philosoi)hischen Fakultäten zu errichten, mit einem er- 
leuchteten engern Kreise von kosmopolitischen Eiferern (Mahabodhi-Socicty) , einer 
eigenen Zeitschrift, reichen Büchersammlungen u. s. w. Mit einem Wort, ein ganzes 
Städtchen soll erstehen als Ptlanzschule der Wissenschaft und des buddhistischen 
Glaubens, mit der ausgesprochenen Absicht, auf das brahmanisierte Indien wie in 
den ersten Zeiten des Buddhismus einzuwirken, um sich allmählich dessen zahllose 
Sekten einzuverleiben und von neuem unzälilige Menschen auf die Bahn der Ver- 
ehrung des «Lehrers» zu lenken. Zum Oberhaupt der geistigen und religiösen 
Bewegung will man anschehiend den Dalai Lama wählen. 

Die Frage dreht sich nur darum: Kann das verhältnismässig verschlossene 
Lha-sa in mehr oder weniger engere Beziehungen zum Vaterlande des Buddhismus 
treten? Die L(*)sung dieser Aufgabe ist nicht ganz fi'ei von politischer Färbung. 
Eine direkte Einwirkung auf Tibet ist bis heute noch keiner fremden Macht in 
vollem Maasse gestattet worden. Nur China betrachtet sich im Lande der Lamas 
auf Grund des Eingreifens in dessen Schicksale seitens verschiedener Dynastien des 
Himmlischen Reiches gewisscrmassen als ^Suzerän. Frevelhaft die Hand darauf zu 
legen, haben sich bis jetzt nur die rohen Gurkhas aus Nepal erkühnt. Im vorigen 
Jahrhundert z. B. haben diese im Süden Tibets dessen wichtiges Centrum Daschi- 
Ihumbo geplündert. Der Hof von Peking sandte dafür zur Rache eine Armee nach 
Nepal. Diese führte im Hochgebirge die schwierigsten Wintermärsche sehr rasch 
aus, holte die räuberischen Eindringlinge ein, schlug sie aufs Haupt, nahm ihnen 
die Beute wieder ab und legte den Besiegten beschämende Friedensbedingungen auf. 

Der Ruhm des Namens des chinesischen Kaisers, des Bogdychan, erhält sich 
schon seit Jahrhunderten in den tibetischen Einöden und Klöstern. Vergeblich 
klopft England an die Pforten des Landes, das zu seltsamen Inkarnationen, zu aus 
der Mitte der Eingeborenen erstandenen menschenähnlichen Buddhas betet und ein 
unerklärliches Amalgam aus Elementen des (j'iva- Kultus und des Buddhismus als 




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- XXVIII - 

einzig ^vahre lieligioii eoiiserviert. Die inilitärisdi-diplouiatische Mission Macaulays, 
^velche vor 13 Jahren die Aufgabe liatte, mit etwa dreihundert Mann nach Norden 
über die Grenzen des britischen Sikkim hinaus vorzudringen, wurde vom chinesischen 
Auswärtigen Amt hr)flich abgelehnt. Bald nachher ereigneten sich an der Grenze 
blutige, für Lha-sa sehr beunruhigende Vorfälle. Von dort aus hält es schwer, 
gegen einen Einfall der Europäer ins südliche Tibet zu kämpfen, wie sich denn 
auch die Regenten augenscheinlich der Schwierigkeiten eines solchen ungleichen 
Kampfes bewusst sind. Wenigstens erzählt Lady Dufferin in ihren Tagebüchern, 
ihrem Manne sei IHHo, als er noch Vizekönig war, aus Daschilhumbo ein freund- 
licher Brief des am höchsten stehenden Hierarchen Bantschen-Rinpotsche, eines 
«Wiedergeborenen», zugegangen mit einer Sendmig ethnographisch wertvoller 
Geschenke und mit dem Danke für den Empfang eines Prunkgewandes aus Kalkutta. 
Es beweist dies, dass die Engländer keineswegs die Beziehungen zum Norden 
unberücksichtigt lassen und beständig Verbindungen anzuknüpfen streben, da es 
unschuldige Vorwände zum Studium der (irenzgebiete in Fülle giebt. 

Mitglieder des Alpine Club in London, welche Schweizerführer mit sich 
genommen hatten, erstiegen einige IliUien von Sikkim und erblickten hinter dem 
unersteiglichen ckihiiglichen)) Kintschindscliiiiga noch viel gigantischere Spitzen und 
Grate. Wer wird als der erste Abendländer dorthin vordringen, um den Sieg der 
Wissenschaft und des Fortschrittes über rein i)hysische Hindernisse zu feiern? Wir 
Russen, die wir doch zu solchen Expeditionen zweifellos friedlichen und uneigen- 
nützigen Charakters Tausende von tief ergebenen schlichten lamaistischen Pilgern 
aus Sibirien haben, die als natürliche Pioniere betrachtet werden kinnien und uns 
immer zur Verfügung stehen? Oder schaffen sich die britischen Emissäre mit 
Gebirgsbatterien vorher Bahn? Bei uns, dies kann entschieden behauptet werden, 
hat wahrscheinlich bis jetzt noch kein Mensch ernstlich auch nur daran gedacht. 
Und doch beweist schon der verhältnismässig schwach entwickelte Handel, wie weit 
unser indirekter Eintiuss in Innerasien noch vor Jahrzehnten reichte. Als der 
Fürst von Ladak England huldigte, befanden sich unter seinen kostbarsten 
Geschenken an erster Stelle mit Gold bedruckte Lederstücke, die den russischen 
kaiserlichen Adler trugen! 

Jetzt da im Westen dem Buddhismus seitens der gebildeten Schichten der 
Gesellschaft freundliche Teilnahme entgegengebracht wird, ist es Zeit, dem gelben 
Orient klar zu machen, dass er seltsamerweise auch durch religiöse Vorstellungen 
mit mystischen Banden an uns geknüpft ist. Amitäbha, der Buddha des uunend-. 
liehen Lichts», herrscht nach der Volksüberzeugimg Ostasiens über die Paradies- 
bewohner in den fernen, unsichtbaren Ländern des Sonnenuntergangs. Dort finden 
die Frommen, die nach der Wahrheit gedürstet haben, nach dem Tode luiver- 
siegliche Seligkeit, vertauschen die vergängliche Hülle ihres irdischen Leibes gegen 
einen strahlenden Körper und versenken sich in das entzückte Schauen der voll- 
kommenen Wesen, die sich auf Lotusthronen niederlassen und über ihr Reich ein 
Meei* von milden Strahlen ausgicssen. Dabei sind die Arme dieser hiU'hsten 
Himmelsbewohner stets denjenigen Wesen entgegengestreckt, die sich zur \o\U 
kommenheit noch nicht durchgerungen haben, sondein noch leiden und beten. 
Man darf wohl sagen, dass der Buddhismus in vielen Ländern Ostasiens über die 




IViniM'l in r»aii.i:kok. 

Au««: Fürst UclitnuisskiJ. Ori».'iitrfi>c de«; KaibtTs von Uus&luiid. 



— XXX — 

ihm feindlich gegenüberstehenden Heidenreligionen zum Teil deshcalb den Sieg 
davongetragen hat, weil er neben den abstrakten Ideen der beseligenden Ruhe 
im Nirväna auch die berückenden Vorstellungsgebilde von der Zauberwelt des Ami- 
täbha eingeführt hat. Die in Gefühlen schwelgende Phantasie der Völker des 
Orients verlangt ihre Nahrung, bedarf concreter (lestalten. Ziun Erfolge der aus 
Indien eingewanderten Religion hat in bedeutendem Grade auch das von ihr 
entwickelte Ceremoniell beigetragen, sowie der Umstand, dass sie tiotz der 
Entlegenheit Chinas in dieses Land mit den Büchern des «Gesetzes» auch Götter- 
bilder von vollendeter arischer Schönheit einführte. Den Bildern folgten echte 
Wiedergeborene, sogenannte Wiedererscheinungen der allwissenden Buddhas. 

Die Gestalten dieser Verbreiter der Religion des «weisen Fürstensohnes» über 
ein unermessliches Gebiet der orientalischen Welt, von den Nilländern bis Jai)an, 
athmen ungetrübte JYeude und Ruhe. Jeder dieser Heilsverkünder und Zauberer 
hat seine besondere höchst tyi)ische Physiognomie, seinen Sagenkranz, seine Ehren- 
erwähnung in den Überlieferungen der Priestergemeinde. Von jenseit des Hindii- 
kusch brachten viele ihm ähnliche Glaubenseiferer «die lichte Botschaft Buddlias« 
ins Innere Chinas. 

Wenn man an Entfernungen denkt, die Sibirien und die Binnenländer von 
Indien trennen, wird man unwillkürlich von Bewunderung erfüllt für diese Anhänger 
der erhabensten aller am (ianges entsprossenen Lehren, für Männer, die eine 
gewaltige Entschlossenheit besitzen mussten, um sich in ferner Vergangenheit 
auf einen gefahrvollen, unbekannten Weg durch Afghanistan, Pamir und das Tarim- 
becken zu wagen*, nur zu dem Zwe(*ke, lun ganz anders gesthnmte, stammes- 
fremde Völker zum «Pfade der Wahrheit» zu bekehren, Völker, denen der Buddlüs- 
mus auf den ersten Blick als etwas Bodenloses, Phantastisches, Nutzloses vor- 
kommen musste. 

Die Religion des (Jäkyamuni stellt den Kultus des Monarchen sehr hoch. 
Die Herrscher des Volkes in Eliren zu halten, gehört von alters her zu den 
ObliegenheitÄ^n des buddhistischen Miuichtums. Die chinesischen Kaiser, die von 
den strengen Prinzii)ien der Religionstoleranz nur selten abfielen, huldigten der 
Lehre und def Priesterschaft Buddlias von dem Augenblick an, als ein Bog- 
dychan im Traume «einen wunderbaren Mann aus dem Westen» erblickte luid 
dann aus dem Westen, aus Kabul, thatsächlich weise Magier im Hhmnlischen Reiche 
anlangten, indische Glaubensverkünder auf «weissen» Rossen. 

Toleranz gehört zu den Ilaupttugenden der Religion (Jakyamunis. Als vor 
zweihundert Jahren die von den Mandschu am Amur gefangen genommenen 
Kosaken aus Albasin sich in Peking nach Religion und Vaterland sehnten, trotz 
aller Liebesbeweise und Freigebigkeit von Seiten des Bogdychan, der die Leute 
in seine eigene Leibgarde aufnalmi, entstand in der Residenzstadt i)ir)tzlich eine 
furchtbare Seuche. Ein dem Herrscher nahestehender Lama, der hochgefeierte 
heilige Tschantscha-Hutuktu, hatte ein prophetisches Traumgesicht: er sah aus 
einem Hügel in der Nähe des Lagers der Kosaken einen Greis mit weissem 
Barte steigen. Der Tibeter legte das Gesicht in dem Sinne aus, dies sei der 
heilige Nikolaus der Wunderthäter, dem man dort unverweilt (^ineii Tempel 
errichten müsse. Man grub den Boden neben dem Kosakenlaixer auf und fand in 



— XXXI — 

der That ein Heiligenbild mit dem vom Hutuktu im Traume gesehenen Antlitz. 
Der Bogdychan hörte auf den guten Rat des von ilim sehr geschätzten bud- 
dhistischen Heiligen, wies einen Platz für eine russische Kapelle an und gab den 
Kriegsgefangenen die Erlaubnis, russische Geistliche zu berufen. 




Buddhistischer Apostel, Sthavira, wahrscheinlich Panthaka, in China. 

Statuette iu Goldbronze aus der Sammlung dos Ftlrsten Uchtoniakij. 



Hätten die indochinesischen Herrscher dem Christentum nicht volle Glaubens- 
toleranz und Humanität entgegengebracht, würden sie dann wohl Bischöfe aus dem 
Abendland, in deren Person sie die Abgesandten des Papstes ehrten, in feier- 
lichen Audienzen empfangen haben, wie das z. 13. im Jahre 1G75 in Siam geschah? 
Der König von Siam befahl sogar allen Ernstes seinen Geistlichen, die Jesuiten 
in der einheimischen Sprache zu unterrichten und sie mit der Pali-Litteratur im 



— XXXII — 

weitesten Uuifange bekannt zu machen. Jedenfalls lag die M(")glichkeit offenkundig 
vor, mit dieser Welt des Heidentums in der ganzen Fülle ihrer mannigfaltigen 
Lebensformen in innige Berührung zu treten und ein für allemal die Überzeugung 
zu gewinnen, dass und weshalb die Religion (j'äkyamunis im oiientalischen Volks- 
gemüt so dauerhafte Wurzeln geschlagen hat. Die buddhistisclien Mönche dürfen 
Zinn überwiegenden Teile keineswegs kategorisch unter die Faulenzer, unter die 
Schmarotzer der Gesellschaft gerechnet werden, wie dies auf die Angaben gar zu 
vieler Touristen hin zu geschehen pflegt. Die Centren der buddhistischen Gelehr- 
samkeit sind öfters Stätten eines recthtschaffenen Lebenswandels und der Arbeits- 
lust, sodass es wahrlich seine guten Grüiule hat, wenn das Volk die Mönche liebt 
und verehrt. 

Seit alten Zeiten wird die Insel Ceylon «Sinhala-Dwipa», die «Löweninsel», 
genannt, woher au(!h die bei den Europäern gebräuchliche Benennung der VAn- 
geborenen als «Singhalesen» rührt. Löwen haben aber nie auf ihr gehaust, und 
die Benennung ist wahrscheinlich nur eine Folge davon, dass der Stifter des Bud- 
dhismus, dem Ceylon seine höliere Kultur verdankt, unter der Menge anderer 
Beinamen auch den Namen cQakya-Singha)) für sein unerschütterlich mutiges 
Wesen führte. Noch heute zählt man auf dieser Insel 50(K) Wasserreservoire, die 
davon zeugen, wie sehr es sich die buddhistischen Herrscher des Altertums 
angelegen sein Hessen, ilnem vegetariscluMi Volke, ganz im Einklang mit dem 
Geiste ihrer Religion, in reichem Maasse die M(')glichkeit zu bieten, eine Nahrung 
zu geniessen, die kein Blutvergiessen erfordert. Kann eine solche Weltanschauung 
als dem Fortschritt abliold bezeichnet werden? 



Fürst Esper Uchtomskij. 



-^ 



Umschrift der fremden Alphabete. 



Das Sanskrit ist in der jetzt geläufigsten Form umschrieben: 

a ä i i u ü ri li e ai o au, 

k kli g gh ii, c eil j jli n, 

t th (1 dh n, t th d dh n, 

p ph b bh m, y r l v 

Q sh s h ni. 
c ist etwa wie deutsches tsch. ch ebenso, aber asi)iriert, j wie deutsches dsch, 
jh ebenso, aspiriert zu si)rechen; ii ist ny (spanisches n). Die Aspirationen werden 
getrennt gesprochen, ph ist nicht f, sondern p-h: t tli d dli n sind Cerebrale, 
klingen also so, wie ein Engläiidei* deutsclie Dentale aussiiricht. Deshalb umschreiben 
die Inder englische Dentale stets mit den entsi)recheiideii Cerebralen, als(r. direktar 
= director, landra — London. 

Das Tibeti seile ist nach folgendem Schema umschrieben: 

a i u e 0, 

k k' g n, c c' j ny. 

t t' d n, p p' b m. 

ts ts' ds w, z, z, \ 

y r 1 s s h. 
Von den Aspiraten k\ c', t\ p\ ts' gilt dasselbe, was von den indischen 
Aspiraten gesagt ist (kh u. s. w.j; z ist fianzösisches j in jour. z ein weiches s, 
s ein hartes. 

Dies nur zur allgemeinen Charakterisierung. Die Fiage der Aussprache hat 
die Schwierigkeit, dass man sich dabei für einen bestinmiten Volksdialekt ent- 
scheiden müsste. Meine Transkription giebt die volle Oilhographie der Buchlitte- 
ratur, in welcher die buddhistischen Texte geschrieben sind. Alle dialektischen 
Angaben der Aussprache würden den Namen eine Lokalfärbung geben, die nicht 
beabsichtigt sein kann. Wer sich dafür interessiert, mag (iraham Sandbergs 
«Manual of Colloquial Tibetan» nachsehen, oder die Dialekttabellen in Jäschkes 
«Dictionary of the Tibetan language». Die Namen zu schreiben, wie sie irgendein 
Reisender gehört hat, konnte ich nicht über mich gewinnen. Niemand wird, wenn 
er englisch «ssai'klepss» oder «kär'ikte» gehört hat, dies so niederschreiben, son- 
dein doch die volle Orthographie «c.ydops» und «character» herstellen. 

GuCXWEDKL. C 



— XXXIV — 

Die tibetische Orthographie ist ebenso historisch wie die französische und 
englische, und wer die Wörter verstehen will, muss die volle Schreibung haben. 
Schauerliche Proben von solchem Tibetisch giebt es leider genug. So ist z. B. 
Panders Artikel über lauiaistische Mythologie (citiert in Note 29) für Fachleute ein 
stetes Rätsel; auch Chandradäs und Waddell sind nicht freizusprechen. Um eine 
Probe zu geben, so kann die Silbe tschi (ci), gesprochen und von einem Nicht- 
kundigen niedergeschrieben, in der Litteratursprache folgenden Gruppen entsprechen : 
ci, kyi, p'yi, k'yi, kyis, Yyi, Vyid, gci, spyi, pSis, Yyi, ja sogar ö'e, (i'es, mö'i, 
mc'is, 'c'i, und dabei hat jedes dieser Wörter seine eigene besondere Bedeutung! 

Die Übersetzung, welche eventuell beigegeben ist, der Zusammenhang einer 
ganzen Phrase macht die Unterscheidung m(')glich; nach dem Gehör geschriebene 
Eigennamen aber zu rekonstruieren, wenn man die Bedeutung der Elemente nicht 
kennt, ist selbst dem Faclnnann uimi('>glich. 

So ist der Name des Klosters, in welchem der Hauptzauberer inkarniert ist, 
welches Graham Sandberg Na-c'un, Waddell Nä-ch'un schreibt, nur dadurch als 
gNas-ö'un rekonstruirbar, dass der letztere angiebt, es bedeute «kleine Wohnung», 
denn na kann rna, sna, nad u. s. w., aber auch gnas (Wohnung) sein! 

Ich ziehe also vor, es dem Leser zu überlassen, wie er die Konsonanten- 
gruppen, die schliesslich nicht schlinnner sind wie z. B. im Polnischen, für seinen 
Privatgebrauch meistern will. Am besten merkt sich der Nichtgelehrte die Sanskrit- 
namen, welche schon den Vorzug haben, den Zusaumienhang der tibetischen 
Kultur- und Religionsgescliichte mit der indischen aufrecht zu erhalten. Über 
stumme Buchstaben vergleiche, was den Anlaut betrifft, das Glossar. 

Die mongolischen Namen hat Dr. F. W. K. Müller eingetragen; er 
bemerkt darüber das Folgende: 

«Was die Umschreibung der mongolischen Wörter anbetrifft, so ist im 
allgemeinen das Staudardalphabet Lepsius' befolgt worden. Statt ^ (x bei Castren 
imd Schiefner) ist hier kh gewählt, weil sich das grosse X am Anfange von Eigen- 
namen als unzweckmässig erwies ; der fragliche Laut ist - - ch im deutschen Worte 
,ach'. Die weichen Vokale e, ö, ii sind nach dem Vorgange Boehtlingks mit ä, ö, ü 
wiedergegeben. 

«Zu Grunde gelegt ist natürlich die mongolische Schriftsprache als über 
allen Dialekten stehend. Als Probe der Verschiedenheiten in den mongolischen 
Dialekten mögen hier einige der gewöhnlichsten Wörter, die im Text vorkommen, 
aus zwei räumlich weit auseinander liegenden Dialekten folgen. 



Litteratursprache 



Kalmückisch 
(an der Wolga) 



Burätisch* 
(am Baikal-See) 



äJfä (Mutter) 
yäkä (gross) 
sain (gut) 

khagan (König) 



äkä ike, ekhe 

yäkä, ikä ike, yike, yikhe 

sain saing, haing 

fkhän, khan, khang 
\khang, kang 

* Vjg^ Castr6n, Versuch einer burätischen Sprachlehre, herausgegeben von A. Schiefner, 1857. 



kbän 



XXXV 



Litteratursprache 



Kalmttckisch 
(an der Wolga) 



Burätisch 
(am Baikal-See) 



oktorgoi 
köbüii, köbüng 
khöbün, khöbüng 
ökin, öking, ökeng 
ükhiii, ükhing, ükheiig 
ftla 

dürbön 

dzorgän, zorgäii 
dolon, dolong 
siibun, subiing, subü 
zürkün, zürküng, dzürkhe 
fiideng, fiüdeng, fiüde 
du, du 

sagan, sagang, tsagang 
nogon, nogoiig, nogo 



«Für die Zusammenstellung der Eigennamen dienten als Quellen: das 
Werk Kowalewskis (Dictionnaire mongol-russe-frangaisj, der Ssanang Si 
J. J. Schmidt, Pozdn^evs Skizzen aus dem Klosterleben in der Mongolei, das 
Script Yärtüntsü-in toli (der Weltenspiegel) und polyglotte Holzdrucke and 
pasten (letztere aus der Zeit Khien-lungs ITSf)— 9()).» 

Meinerseits m()chte ich nur noch erwähnen, dass die in den Noten gegebenen 
Auszüge aus der Sädhanamälä einer Abschrift des Textes von Anton Schiefner 
entnommen sind, welche ich Herrn Professor Grube verdanke. 



oktargui (Himmel) 


oktorgui ' 


kübägün (Sohn) 


köbon, köwon 


ükin (Mädchen) 


okin 


agula (Berg) 


61a 


dörbän) , . ^ 
dürbän |(^'^^-) 


dörbön 


dzirgugan (sechs) 


zurgän 


dologan (sieben) 


dolon 


sibagun (Vogel) 


sowon 


dzirükän (Herz) 


dzüräkän 


nidün (Auge) 


nidün 


dägü (jüngerer Bruder, 


dS 


jüngere Schwester) 




tsagan (weiss) 


tsagan 


nogogan (grün) 


nogön 



Albert (irimwedel. 



I I I I I I I I I I i] a H a I t II ri I I I n 



Erstes Kapitel. 
Entwicklung des buddhistischen Pantheons in Indien. 

. . . i>Ujk oa pCkjaneyyAnam. 
Mangalasutta. 

U m die Mitte des dreizehnten Jahrhunderts, in einer Zeit des schwersten Kampfes 
der Herrscher Deutschlands und Frankreichs mit der Maclit des Papstes, einer Zeit 
der religiösen (Jegenscätze und des Ringens der Kiniige mit übermächtigen Vasallen, 
sah sich das christUche Abendland vor eine Katastrophe gestellt, wie sie seit den 
Tagen Attilas nicht mehr gesellen worden. Der niuhammedanische Orient, dttr in 
ganz ähnlicher Weise durch religiöse Kämpfe erregt war, brach zusamm« Mtüir 
diesem welterschtitternden Sturm, und Christentum und Islam wurden, ffrllll i w 
sie mehrere Menschenalter lang miteinander um den Besitz des Heiligett GnkM 
gerungen hatten, zu gleicher Zeit bedroht durch eine von Hochasien her k omm end 
Völkermasse, die alles vernichten zu wollen schien. 

Tämüdzin, genannt Tsuiggis, der Khagan (Herrscher) der Mongolen, der 
sich von kleinen Anfängen an die Spitze aller Stämme dieses Volkes erhoben, war 
es, der, nachdem ihm Hochasien und ein Teil Chinas unterthan geworden, das lleich 
Mohammads des Khowaresmiers zerstörte und damit seinen Nomadenhorden den 
Weg nach dem Abendland freilegte. Nach dem Tode des Weltenstürmers, der 
eine W^eltmonarchie gründen wollte, setzten seine Enkel und ihre Feldherrn das 
Vernichtungswerk fort; während Möngkä und nach ihm der schon von Tsinggis 
ausgezeichnete Khubilai in Hochasien verblieben und das bald ganz botmässig 
gemachte China beherrschten, unterwarf ilir Druder und Feldherr Khulagu den 
muhammedanischen Orient imd tötete den entarteten Khalifen, und Batu, Dzütsis 
Sohn und Enkel des Tsinggis, drang bis an die Grenzen Deutschlands vor, wo 
die mörderische Schlacht auf der Wahlstatt (1241) gegen den schlesischen 
Herzog und den polnischen Adel ihn zum Bückzug bewog. 

Die ungeheuren Kämi)fe, die alle Völker der damals bekannten Welt durch- 
tobten und Anhänger aller Keligionen und Vertreter der verschiedensten Kulturen 
miteinander direkt in Verbindung brachten, waren für die Kulturgeschichte von der 
grössten Bedeutimg. An den Höfen der Grosskliäne fanden sich neben Künstlern 
und Handwerkern, neben Priestern aller Religionen und Sekten auch politische 

OuCnwkdru. ^- 



Negotianten ein, die den Grosskhänen und ihren Dependenzen Ergebenheit versicher- 
ten oder die unwiderstehlichen Scharen derselben als Hundesgenossen gewhinen 
sollten. Mongolische Gesandte gelangten nach Italien, nach Frankreich und England. 
Zu den interessantesten Dokumenten jener Zeit geliören die Briefe, in welchen 
Argun, der Pinkel Khulagus, und dessen Sohn Öldzäitü dem König Tliilipp dem 
Schönen von Frankreich Bundesgenossenschaft anboten. Der Brief Arguns ver- 
spricht dem König als Lohn der gemeinsamen Aktion den Besitz von Jerusalem 
(Urislim). * In Europa galten die Mongolenherrscher als Begünstiger, ja als Konver- 
titen des Christentums; doch 
gelang es nicht, sie zu «be- 
kehren«. Tsinggis selbst hatte 
sich zu keiner der Religicmen 
bekannt, c Ein Gott im Himmel 
und ein Khagan auf Erden» war 
sein politisches und religiöses 
Prinzip; im übrigen machte er 
— alle Kulte mit. Aber von 
seinen Nachkommen wählten 
die Belierrsclier des Orients 
den Islam, die Beherrscher 
Cliiims den Buddhismus. 

Aus mongolischer Quelle 
geschah es, dass das christ- 
liclie Abendland zuerst Kunde 
erhielt von dem Gründer der 
ilun nocli unbekannten Reli- 
gion. Man hatte bis dahin — 
weniger Unterriditete thaten 
es noch lange — zwischen Mu- 
lianmiedanernundlleiden nicht 
unterscliieden. Jetzt kam die 
erste Kunde des Buddliisunis 
nach Europa und zwar in ver- 
hältnismässig rehier Form. 
Der Venetianer Marco Polo, der in Begleitung seines Vaters und Onkels an 
den Hof Khubilai-Khäns gekommen war, im Jahre 12<)1) von diesem Hoflager mit 
Aufträgen des Khans an den l*apst zurückkehrte und nadi seiner Rückkehr zu 
Khubilai (1271) bei ihm vierundzwanzig Jahre in angesehener Stellung verlebte, 
erzählt in seinem ewig denkwürdigen Buche über seine Erlebnisse, welches er nac'h 
der Schlacht bei Curzola als Kriegsgefangener dem Rusciano de Pisa diktierte, 
gelegentlich seiner Beschreibung der Insel Ceylon das Folgende:'-^ 

uEncores sachiez quil y a en ceste isle de Seilaii une moult haulte mcm- 
taigne; et est droite, et si roiste que luilz ne puot nionter dessus, fois (lue en 
ceste maniere que ilz ont fait i)rendre i^luseurs chaint's de fer grans et grosses, et 
si «rdonnees que \n\v ces chaiiies montent les lioninies lä sus. Kt vous di ({ue ilz 




Abb. 1. TypU8 eine« Nachkoiiimeii des TSiiij^jp}». 

Aus: Fürst Uchtomskij, Orientreitie (U'8 KaiHira von Raesluiid. 



— 3 — 

dient que sur ceste montaigne est le monument d'Adam notre premier pere ; et ce 
dient, les Sarrasins. Et les ydolastres dient que c'est le monument du premier 
ydolastre du monde, qui ot nom Sagamoni borcam, et tiennent que il feust le 
meilleur homme du monde, et que il fu saint selon leur usage. Et fu filz, selon 
leur dit, d'un leur roy grant et riebe. Et fu de si bonne vie que il ne voult 
oncques entendre aus choses mondaines, ne ne voult estre rois. Et quant son 
pere vit qu'il ne voult estre rois, ne qu'il ne vouloit ä nulle diose entendre, 
si en ot moult grant ire, et Tassaya avant de grans promesses. Mais il n'en 
vouloit riens; si que le pere en avoit moult grant douleur; et d'autre i)art aussi 
pour ce que il n'avoit nulz autres filz que lui, a qui il peust l^issier son royaume 




Abb, 2. Die soj^naniite grosse Kavalkade vom Campo Santo zu Pisa. 

(Im letzten Drittel des 14. Jahrhunderts gemalt.) 
Sie illustriert die Einwirkung buddhistischer Ideen auf das abendländische Mittelalter. 



apres sa mort. Si pensa le roy, et tist faire un grant palais, et leans fist 
mettre son filz, et le faisoit servir ä moult de pucelles les plus belies que il 
povoit oncques trouver. VA leur commanda que elles jouassent avecques lui 
toute jour et toute nuit, et que elles chantassent et dansassent devant lui, a ce 
que son euer se peust traire aux cboses mondainnes. Mais tout ce n'y valoit 
riens; car il disoit quMl vouloit aler cercbier celluy qui ne mourra jamais; et 
que il veoit bien que cbascun qui est en ce monde convenoit mourir ou ^eune 
ou viel. Si ne fist autre cliose une nuit, fors que priveement se party du 
palais, et s'en ala aux grants montaignes et moult desvoiables. 

«Et illec demoura moidt bonnestement, et moult menoit aspre vie; et fist 
moult grans abstinences, ainsi comme sMl eust este crestien. Car sMl Teust este, 
il feust un grant saint avec notre Seigneur Jbesucrist, ä la boime vie et hon- 
neste quMl mena. Et quant il fu mort, si fu trouve et apporte a son pere. 

1* 



— 4 — 

Et quant le pere vit mort celluy qu'il, amoit mieulx que soy meismes, ä pou 
qu'il ne devenoit fol de douleur; et fist faire ä sa seinblance un ymage d'or 
et de pierres precieuses; et la faisoit aourer par tous ceulx du pays. Et di- 
soient tous qu'il estoit dieux. Et encore le dient ilz. El dient encore qu'il 
mouru iiijxx et iiij (quatre-vingt-quatre) fois. La premiere il morut homme, 
et puis resuscita; et puis devint beuf. Et beuf morut et devint cheval. Et 
ainsi dient qu'il moru iiij.xx et iiij (quatre-vingt et quatre) fois; et ii chascune 
d'une maniere de beste. Et ä la derreniere fois mourut et devint dieux, selon ce 
qu'ibs dient. Et le tiennent pour le plus grant dieu que ilz aient. Et si comme 
ilz dient fu faite pour cestuy la premiere ydole que les ydolastres orent oncques; 
si que depuis sont descendues de cestuy toutes les autres ydoles. 
«Et ce fu en l'isle de Seilan en Ynde.» 

In diesem Bericht ist zunächst die Notiz vom « (Jrabmal » des Sagamoni Borcam 
(d. h. ^äkyamuni Buddha) unrichtig, deim auf dem Adamspik ist nicht das Grab, 
sondern der Fusstapfen des «grossen Mannes» (Sanskrit: mahäpurusha) zu sehen, 
den er bei einem übrigens vi')llig legendenliaften Besuche der Insel auf Bitten der 
dännmisch gedachten Bewoliner zurückgelassen haben soll. Unrichtig ist femer, 
wie wir unten sehen werden, in Bezug auf die Zahl die Nachricht von vierund- 
achtzig Wiedergeburten und schliesslich die Angabe, dass Buddhas Vater beim 
Empfang der Leiche zuerst ein Bild seines verstorbenen Sohnes hergestellt hätte. 
Die Bemerkung aber, dass daher alle Idole stannnten, wollen wir, soweit es sich 
dabei um buddhistische handelt, in der Folge etwas näher untersuchen. Im übrigen 
ist Marco Polos Bericht korrekt und erstaunlich voruiteilsfrei, gerechter und kor- 
rekter zugleich als der manches modernen (belehrten, der, wenn er über Buddha 
und Buddhismus spricht, «vorurteilslos» wie ein «exakter» Naturwissenschaftler 
beginnt und wie ein Hofprediger endet. 

Die Quellen, die uns jetzt über das Leben Buddhas zu (iebote stehen, sind 
die folgenden^: 

4. Jahrb. v. Chr. Ein alter IkMicht in Pali-Spraclie über den Tod des Buddha, 

genamit Mahäparinibbanasutta, herausgegeben von Childers im Journal of 
the Asiatic Society VII, VIII, übersetzt von Rhys Davids, Sacred Books of 
the East, vol. XI (London 1S81). 
1. Jahrb. n. Chr. Das Buddhacärita des A^vaghosha (lebte am Hofe des 
Indoskythenkimigs Kanishka), übersetzt ins Chinesisdie von Dharmaraksha 
(r>. Jahrb. n. Clir.), übersetzt von S. Beal, Sacred Books of the East, vol. 
XIX; aus dem Sanskrit-Original übersetzt von Cowell, a. a. ()., vol. XLIX. 

5, Jahrb. n. Chr. (9(X) n. Buddha). Kommentar zu den Jätakas (so heisst der 

Titel der buddhistischen Kanons in Päli-Sprache, der die Wiedergeburts- 
• legenden Buddhas enthält), herausgegeben von V. FausbölL übersetzt (bis 
jetzt i] Bände) von Chalmers, Rouse, Francis und Neil, unter Redaktion von 
Prof. Cowell. Kleine Teile des Werkes sind ins Tibetisclie übersetzt, vgl. 
Rockhill, Journal of the American Oriental Society, IH, L 1 fg. 
G. Jahrh. n. Chr. (ICKX) n. Buddha). Lalitavistara in Sanskrit- und tibetischer 
Übersetzung; der erstere Text herausgegeben von Räjendralalauiitia (über- 
setzt von Foucaux. Annales du Musee Guimet VI), der letztere heraus<iegeben 



— 5 — 

und übersetzt von Foucaux. Gleichzeitig eine chinesische Übersetzung des 
Mahänishkramanasütra, übersetzt von Beal, Romantic Legend, 1875. 
Nach dem 12. Jahrh. (1600 n. Buddha). Sinhalesische Berichte bei Spence Hardy, 

Manual of Buddhism (London 1880). 
18. Jahrh. (2200 n. Buddha). Birmanische Lebensbeschreibung: Mallalinkara- 
Woottoo, aus dem Päli übersetzt 1773 (Quelle ist der Jätaka-Kommentar), 
englisch von Bigandet, 1860. 
18. Jahrh. Hierher wohl auch das siamesische Werk Pathamasambodhi, in ver- 
schiedenen Versionen vorhanden, in P{\li- und siamesischer Übersetzung; der 
Text ist zum Teil identisch mit dem Jätaka-Kommentar, während die Verse 
den Charakter und die Dialektformen der Verse des Lalitavistara zeigen. 
Englische Probe bei Alabaster, The Wheel of the Law (London 1871). 
18. Jahrh. Eine tibetische Lebensbeschreibung, 1734 verfasst nach dem Lali- 
tavistara und MahabhinishkramanasAtra. Auszug bei Schiefner, M^moires de 
l'Acad^mie Imperiale de St. Petersbourg VI, 3 (1851)*; vgl. auch Rock- 
hill, Life of the Buddha (1884). 
Alle diese Fassungen enthalten aber keine (ieschichte von Buddhas Leben 
und Wirken, sondern nur eine mehr oder weniger stark ausgeschmückte Legende, 
deren Entwicklung in interessanter W^eise Hand in Hand geht mit der Kunst- 
geschichte und welche so allmählich in eine Mythologie übergeht. Was wirklich 
historisch zu Grunde liegen mag, ist kaum mehr als das Folgende: 

Der hochbegabte Sohn eines Thäkur (Rajputen- Adeligen) im Nepal-TarM 
(Dschangelland am Fusse des Himälaya), Gautama, genannt Siddhärtha (aefal Qe* 
burtsoit ist jet^t gefunden^), giebt sein Leben im Vaterhause auf, 
das Übel in der Welt, dessen Ursi)rung und dessen Beseitigung nacl 
Er wird der Schüler bedeutender Lehrer der Brälmiana- Kaste, deren Onittj 
lehren über Seelenwanderung und endliche Emanzipation er beibehält — moderne 
Verkleinerer wollen ihn deshalb zum blossen Nachbeter des Sänkhya- Systems 
stempeln — fühlt sich aber durch ihre Methode nicht befriedigt. Vor allem 
giebt er die brahmanische Askese als den Geist schwächend auf, sucht sich einen 
Ort, wo er meditieren kann, in der Gegend, wo heute der Tempel von Gayä 
(Buddhagayä, Gayä-Distrikt in Bengalen) steht, und kommt dort zum Ziele seiner 
Betrachtungen. Er wird dort «Buddha », d. h. ein «Erleucliteter». Nachdem er 
lange überlegt hat, ob er seine J'rkenntnis für sich behalten oder der Welt 
zum Heile verkünden soll, entschliesst er sich zum letztern. Er verlässt das 
Dschangel, gewinnt in der berühmten Predigt im Gay.ellenhaine zu Benares seine 
ersten Schüler und sammelt in der Folge einen Orden gelbgekleideter geschorener 
Mönche (Päli: bhikkhu, Bettler) um sich, von denen umgeben er fünfundvierzig 
Jahre lang das westliche Bengalen durchwandert, hochgeehrt von den Fürsten, 
beliebt bei dem Volke, in dessen Sprache er predigt, aber auch angefochten von 
andern Sektengründem, bis er am Ufer des Kakutthä- Flusses bei Kusinärä im 
Haine der Malla-Fürsten hochbetagt stirbt, nach der wahrscheinlichsten Datierung 
im Jahre 477 v. Chr. 

Bei der Beurteilung seiner Lehre (Sanskrit: dharma), oder sagen wir lieber 
seiner Philosophie, muss vor allem der Thatsache gegenüber, dass er Schüler der 



— 6 — 

Brähmanas war, betont werden, dass sein Standpunkt nicht der einseitige der nur 
für ihre Kaste und die Wiedergeburt in ihrer Kaste philosophierenden Brähmanas 
war, sondern dass er für alle das Heil suchte und dass er ferner, wie schon ein 
oberflächlicher Blick auf die älteren Texte zeigt, zweifellos eine ungewöhnliche 
Persönlichkeit war. Er war ein Hindu und blieb innerhalb der nationalen An- 
schauungen, aber sein persönliches Wirken überschritt zuerst die Schranken der 
nationalen Beschränktheit und bahnte die erste Weltreligion an. Alle seine 
Zeitgenossen und Gegner haben nur lokales Interesse. 

Um das seiner Legende zu Grunde liegende zu verstehen und um die 
nötigen Daten zu gewinnen, aus denen die Hagiologie der spätem Kirche sich 
entwickelte, müssen wir so weit auf seine Lehren eingehen, als es zu unserer 
spätem Darstellung nötig sein dürfte. Obwohl diese späteren Kirchen die grösste 
Mythologie entwickelt haben, die auf Erden existiert, so werden wir zu unserer 
Überraschung sehen, dass die ursprüngliche Lehre keine Religion war und keine 
sein wollte. Denn die überirdischen Dinge: Götter und Dämonen, die Entstehung 
der Welt, Himmel und Hölle, haben keinen Platz darin; sie sind wohl stillschweigend 
eingeschlossen, spielen aber gar keine Rolle. Es ist eine Philosophie des Diesseits : 
der Mensch muss selbst seine Erlösung bewirken und für alles einstehen, was er 
thut. Seine Sünden löscht keine Gnade, keine Busse, kein überirdischer Eingriff. 
Ein mannhafter Standpunkt, der über dem Bestreben, dem Buddhismus alles Böse 
unterzuschieben, nur zu gern vergessen wird! 

Als Basis der Lehre des Buddha müssen wir das Thema betrachten, das 
seiner ersten Predigt, der Predigt im Gazellenparke zu Benares, zu Grunde lag: 
die Lehre von den vier Wahrheiten (Päli: äriyäni saccäni). 

1. Das Übel (Päli: dukkha). Gebuit, Krankheit, Tod bringen Schmerz, 
Trennung von beglückenden Gegenständen, Verlangen nach dem, was man nicht 
erlangen kann, hervor. Alle Zustände, die mit dem Selbstbewusstsein verbunden 
sind, sind Ursachen des Übels. 

2. Das Entstehen des \%eh. Die Einwirkung der äussern Welt auf die 
Sinne erzeugt Verlangen (tanhä) oder den Trieb zur Sinnlichkeit. Dies ist von Übel. 

3. Das Aufhören des Übels geschieht durch das viUlige Überwinden dieses 
heftigen Verlangens. 

4. Der Pfad, der zur Überwindung führt, ist der sogenannte mittlere; einer- 
seits die Enthaltsamkeit von der Sinnlichkeit, die herabwürdigend und nutzlos ist, 
andererseits das Aufgeben des Vertrauens auf die Wirksamkeit der Selbstpeini- 
gung, die zerrüttet und vergebens ist. 

Dieser Pfad gilt als achtfach. Er umfasst — die ersten vier Punkte gehen 
alle Menschen an, die übrigen nur die Mönche — die folgenden Stufen : den rich- 
tigen Blick, der die Wahrheit vom Irrtum zu unterscheiden weiss; den richtigen 
Sinn und die richtige Auffassung der Wahrheit; die richtige Rede; die richtige 
Handlungsweise; die richtige Lebensweise; das richtige Streben nach der völligen 
Erlösung; das richtige Gedächtnis und die richtige Meditation. 

Alle lebenden Wesen sind dem Übel unterworfen. Die Zahl der lebenden 
Wesen ist unendlich, und alle haben wesentlich dieselbe Natur: Götter, Dämonen, 
Menschen und Tiere sind nur verschiedene Stufen der äussern Existenz. Die 



— 8 — 

menschliche Existenz aber ist die beste; denn nur in ihr kann die Erlösung be- 
wirkt werden. 

Der Mensch besteht aus einem Aggregat verschiedener körperlicher und 
geistiger Eigenschaften; selbst das, was wir die Seele nennen, ist in Funktionen 
zerlegt, und alle diese körperlichen und geistigen Eigenscbaften, die den Men- 
schen ausmachen, sind vergänglich. Nur eines überlebt: es ist das innere 
Organ (Päli: mano). Durch dieses wird die Wahrheit (Päli: dhamma) erkannt, die 
zur Erlösung führt. Die Wiedergeburt eines Wesens nach dem Tode geschieht 
durch ein Geheimnis (Päli: rahassa) auf der Basis dessen, was das Wesen gethan 
(Päli: kamnia). Daraus entwickelt sich ein neues Wiesen mit den Eigenschaften 
u. s. w. des Vorhergegangenen, wenn nicht die Erkenntnis der Wahrheit auf den 
Weg des Heiles geführt und die Erreichung des «unsterblichen Ortes» (Päli: 
amatam padam), des Nirväna (Päli: Nibbäna), bewerkstelligt hat. Dieses geschieht 
auf dem achtfachen Pfade in vier Stufen: 

1. Durch das «Eintreten in den Strom» (Päli: sotäpatti) oder die Bekeb- 
mng. Dazu gehört, dass man sich zu den Guten hält u. s. w., kurzum die 
vier ersten Pflichten des «Pfades» erfüllt. Der ausserhalb des «Stroms» befind- 
liche Mensch ist thöricht unter dem Einfluss der Sinnlichkeit, der Feindschaft 
und jeder Sünde. Wenn er aber durch die gegebenen Mittel zur Erkenntnis 
der Grundwahrheiten gelangt so ist er in die erste Stufe eingetreten, von Selbst- 
täuschung frei und frei vom Glauben an die Wirkung des brahmanischen Opfers 
und der Askese. 

2. Auf der zweiten Stufe vermindert er I.ust, Hass und Selbsttäuschung auf 
ein Minimum und hat nur noch «einmal auf der Welt zu erscheinen» und zwar nur 
als Mensch oder Deva (wörtlich «Gott», besser «Engel»); er ist «sakadägämi». 

3. Auf der dritten Stufe werden die letzten Reste v(m Sensualität und Übel- 
wollen zerstört, sodass keine Lust und kein Hass mehr aufsteigt; er ist «anägäml», 
d. h. er kehrt nicht mehr zur Erde zurück, soniU^n wird nur noch in Götter- 
himmeln wiedergeboren. 

4. Auf der vierten Stufe wird er frei von allem Verlangen nach materieller 
Existenz, von Stolz, Selbstgerechtigkeit und aller Unwissenheit; er erkennt alle 
Sünden und alle Dinge in ihrem wahren Werte; er hat die zärtlichste Liebe zu 
allen Wesen: er ist Arhat. Noch weiter emanzipiert, wird er zum «asekha», d. h. er 
hat «ausgelemt» ; er hat alle Eesseln gebrochen, sein Kaunna ist erloschen, und eine 
neue Wiedergeburt tritt bei ihm nicht mehr ein. Die höchste Stufe ist samädhi: 
Ablösung von allem, was sich auf Leidenschaft bezieht, tiefer Seelenfrieden. In dieser 
Stufe erreicht er das Nirväna, bei seinem Tode das Parinirväna. 

Wieweit die Legenden, die dem Arhat «iddhi» und «änubhäva» geben, 
d. h. Wunderkräfte (Erinnerung an frühere Existenzen, Sehen und Hchen weit ent- 
fernter Vorgänge, Fähigkeit, sich über die Naturgesetze zu erheben u. s. w.) für 
das System gelten, ist schwer zu sagen. Jedenfalls ist hier ein Punkt gegeben, wo 
die vergröbernde, wundergläubige Volksanschauung bald einsetzte, so fern auch 
Buddha selbst der Wunderglaube gewesen sein mag. Hier beginnt das Volkstüm- 
liche zu wirken, das mit der Vei-göttlichung endigt. Wir werden solchen Eh^menten 
noch weiter begegnen. 



— 9 — 

Auch der «Buddha» ist das Resultat langgeübter wiederholter guter Hand- 
lungen und Liebesakte in früheren und der letzten Existenz auf der angegebenen 
Bahn. Es gab der Theorie nach unzäldige Buddhas: solche, die nicht das Dharma 
predigten, und solche, die es der Welt verkündigten; von diesen gehört je einer zu 
einer Weltperiode. Er muss in einer Existenz mit einem andern «Erleuchteten» 
zusammengetroffen sein und diesem gegenüber den Wunsch geäussert haben (Päli: 
panidhim kar), Buddha zu werden. 

So gelangen wir zu einer Systematisierung des Buddha-Begriffs, die in der 
Folge verhängnisvoll wurde und die Philosophie in eine Religion verwandelt hat. 




*iw;|^^aj'Ä(^ap4^ 



^m^^-^Y^ 



«^' 



L^4a*^-4^- 




kiVf^y^^^n^rm^ 



^m^s>^x^ 



^L^^nti^ 



Vipa^yl 
Krakucchanda 



gikhl 
Kauakamuni 



ViQvabhü 
K&gyapa 



Abb. 4. Die frühereu Kutldhas. 

über die tibetischen und mougolischen Namen u. 8. w. vgl. das Glussar. 



In seinen Vorstufen heisst das Wesen, welches durch eine besondere Heils- 
that mit dem ausgesprochenen Wunsche, Buddha zu werden, seine Qualifikation 
dazu erlangt hat, Bodhisatva, d. h. einer, dessen Wesenheit (satva) die Erkenntnis 
(bodhi) ist. 

Der historische Buddha Gautama hat, wie seine Vorgänger, 550 Wieder- 
geburten durchlaufen, als Mensch, als Gott, als Tier, l)is er seine letzte Geburt 
als Sohn der Mäyä erlangte; wie envähnt, führt nur die menschliche Existenz 
zur Befreiung. Daraus entsteht auf der Basis seines Lebens das folgende 
Legendenschema: 



— 10 — 

1. 550 Existenzen, welche die kanonische Litteratur der südlichen Kirche 
in den Jätakas aufzählt. Die Zahl 84 bei Marco Polo kann herausgerechnet werden, 
wenn man die verschiedenen göttlichen, menschlichen und tierischen Existenzen* 
entsprechend gruppiert; die Zahl selbst erscheint wie eine Verkürzung des in den 
Legenden so oft gebrauchten Zahlenausdrucks 84000 für «unendlich». Die vor- 
letzte Existenz erlangt er als Jotipäla im Himmel Tushita. 

Die Legende zählt ferner 12 und in weiterer Ausführung 125 «Thaten 
Buddhas»'' auf, die das ganze Leben imifassen. Die «zwölf» sind die folgenden: 

2. Er verlässt den Himmel Tushita. 

3. Er inkaiTiiert sich als Sohn der Mäyä, der Gattin des Königs (^uddhodana 
von Kapilavastu. Die Legende lässt die Inkarnation während eines Traumes vor 
sich gehen: «ein weisser Elefant tritt durch die Seite in Mäyäs Leib». 

4. Er wird geboren im Limibini-Park bei Kapilavastu, während einer Aus- 
fahrt seiner Mutter. Als sie nach dem Zweige eines blühenden Baumes greift, 
tritt das Kind, von den Göttern Indra imd Brahma begrüsst, aus der Hüfte; 
Schlangengötter (Nägas) baden das Kind. P^s geht aufrecht sieben Schritte und 
stösst einen Siegesruf (udäna) aus: «Dies ist meine letzte Geburt» u. s. w. 

5. Das heranwachsende Kind lernt alle Künste und Wissenschaften und über- 
trifft seine Lehrer. 

6. Herangewachsen wird er mit der Qäkya-Prinzessin Yagodharä und anderen 
Frauen verheiratet. Bezüglich der Namen der Frauen variieren die Legenden. Es 
scheint, dass die ältesten Legenden nur die Bezeichnung Rähula-mätä «Mutter 
Rähulas» kennen, nach dem Namen von Buddhas einzigem Sohne, den er später 
in den Orden aufgenommen hat. 

7. Bei einer Ausfahrt begegnen ilnn vier Erscheinungen: ein alter Mann, 
ein Kranker, eine Leiche, ein Minich. Der Anblick dieser — im Lalitavistara ist 
es nur ein Leichenzug — und die Erklärungen, welche ihm sein Wagenlenker 
giebt, reifen in ihm den Entschhiss, der Welt zu entsagen. Er führt dies gegen 
den Willen seines Vaters durch, indem er auf seinem Pferde Kanthaka, von Göt- 
tern geleitet, den Palast verlässt und sich in das Dscliangel begiebt. 

8. Er lernt die Systeme brahmanischer Lehrer und übt brahmanische Busse. 
Aber er lernt die Nutzlosigkeit der Askese kennen und sucht selbst zur Erleuchtung 
zu gelangen. Er verlässt seine Lehrer und ihre Methoden und begiebt sich in das 
Dschangel von Gayä, wo ihm der «Löwenthron» (simhäsana), der «Diamantthron» 
(vajräsana), unter dem Bodhibaume bereitet steht. 

9 — 10. Mara, der Dämon der Leidenschaft, bekämpft ihn und sucht ihn durch seine 
Töchter zu verführen. Er überwindet die Angriffe des Satans und wird «Buddha». 

IL Er predigt zu Benares im Gazellen walde und verbreitet seine Lehre und 
seinen Orden. 

12 — 13. In Pävä geht er, nachdem er 45 Jahre lang als Haupt seiner Jünger 
gewirkt hat. zur Ruhe ein: er erreicht sein Parinirväna. Seine Reliquien werden 
verteilt und beigesetzt. 

Bevor wir auf die Systematisierung der Legende von Buddha, welche bald 
zu einer Lehre vom Buddha werden sollte, eingelien, müssen wir noch ein paar 
Notizen über das Scliicksal seiner Anhänger nacli seinem Tode geben. 



— 11 — 

Wie erwähnt, ist nach Buddhas Lehre das Leben als Mönch der einzige Weg 
zur Erlösung. Die heilige Gemeinde (sangha) bilden allein die Mönche; die Laien 
können nur durch Unterstützung des Ordens sich befreien. Nach Buddhas Tod war 
es die erste Arbeit seiner Schüler, die Regeln über den Orden und die Lehren 
Buddhas überhaupt zusammenzustellen. Es wurde in der ersten Regenzeit nach 
seinem Tode unter dem Vorsitze des Mahäkägyapa ein Konzil — das erste — 
in der Qataparna- Grotte bei Räjagriha abgehalten, wo sich fünfhundert Mitglieder 
einfanden. Dort soll unter dem Schutze des Königs Ajätagatru der Kanon der 
Kirche festgestellt worden sein: der sogenannte Drei korb (Tripitaka), welcher in 
drei Teilen, dem Vinaya oder der Disziplin die Regeln der Mönche, in den Sütras 
das legendarische Material und in dem Abhidharma das philosophische enthält. 
Doch sollen sich im Orden bald viele Missbräuche eingeschlichen haben, was zur 
Berufung des zweiten Konzils 100 — 110 Jahre nach Buddhas Tode zu Vaigäli 
führte. Auf diesem Konzil sollen über zehntausend dissentierende Mönche, welche 
zehn Indulgenzen, darunter die Annahme von Gold und Silber und das Trinken 
von gegorenen Stoffen, die wie Wasser aussehen u. s. w., für erlaubt hielten, 
aus der rechtgläubigen Gemeinde ausgeschlossen w^orden sein. Die Ausgeschlossenen 
konstituierten eine noch grössere Versammlung und nannten sich «Angehörige der 
grossen Versammlung», Mahäsänghikäs. Kurz, es begann das Sektenwesen in dem 
noch jungen Buddhismus seine verderbliche Rolle zu spielen. 

Im Jahre 325 v. Chr. kam Alexander der Grosse auf seinem Siegeszuge 
nach Indien, eroberte einen Teil der Gebirgsländer nördlich vom Panjäb und 
durchzog unter harten Kämpfen und Belagerungen dieses Flussgebiet, um nach 
Persien zurückzukehren. Nach seinem Tode fielen zunächst seine indischen Be- 
sitzungen dem syrischen Reiche zu. 

In dem damals mächtigsten Reiche Indiens, dem Reiche von Mägadha, wurde 
die herrschende Dynastie gestürzt durch einen Mann niedriger Kaste Namens 
Candragupta (2av8p(£xoTToc und SavSpdtxuTTTo^) , der den Thron des eimor- 
deten Königs an sich riss. Er war ein energischer Fürst, welcher die von Alexan- 
der dem Grossen und seinen Nachfolgeni eingesetzten Statthalter mit Glück be- 
kämpfte. Er verlegte seine Residenz von Räjagriha nach Pätaliputra und vereinigte 
zum ersten male ganz Nordindien zu einem Reiche. Diese politische Verände- 
rung kam dem Buddhismus zu gute, obwohl Candragupta und sein Sohn und 
Nachfolger Bimbisära noch nicht erklärte Buddhisten waren. Aber Candra- 
guptas Enkel A 50k a trat offen zum Buddhismus über und wurde der Konstantin 
der buddhistischen Kirche. 

Berühmt sind seine Religionsedikte, in denen er sich Piyadasi nennt und in 
welchen er seinen Unterthanen die Grundsätze der Lehre Buddhas einschärft. Man 
sieht aus diesen Edikten, dass damals die Lehre Buddhas noch relativ rein war; 
die Edikte verlangen Gehorsam gegen die Eltern, Güte gegen Kinder und 
Freunde, Erbarmen gegen die stumme Kreatur, Ehrfurcht gegen Brähmanas und 
Mönche und allgemeine Liebe und Toleranz. Sie erzählen von der Anlage von 
Strassen, Brunnen und Hospitälern auf königlichen Befehl; sie berichten aber auch 
von den Gesandtschaften des Königs an alle indischen Länder, darunter auch 
Ceylon, und an die von den Diadochen beherrschten Staaten des W^estens, welche 



— 12 



die Erben des persischen Reiches geworden waren. Ein drittes Konzil, unter - 
diesem König 246 v. Chr. zu Pätaliputra gehalten, stellte aufs neue die Disziplin 
des Ordens fest und fixierte wieder die Lehrsätze Buddhas. 

Am wichtigsten für unsere Zwecke sind aber die Bauten des « götter- 
geliebten » Königs. Die Legenden wissen Überschwengliches darüber zu berichten, 

wie er die heihgen Stätten mit 
Denkmälern schmückte. Die 
archäologischen Funde bewei- 
sen, dass er z. B. den Ge- 
burtsort Gautama Buddhas zu 
Nigliva im Nepal -Taräi mit 
Denkmälern bezeichnete, dass 
er in Gayä eine Kapelle über 
dem Orte, wo Gautama «Bud- 
dha» wurde, gebaut hat. Wir 
besitzen u. a. von diesem Bau 
eine Abbildung auf einem an- 
dern Monumente der gleichen 
Stilperiode, nämlich auf den 
Pfeilern der Thore, welche einst 
den Stüpa von Bharhut (Ba- 
rähat, Fürstentum Nagöd, Cen- 
tralindien) schmückten.* A^oka 
soll alle im Leben (iautamas 
bemerkenswerten Orte mit Stü- 
pas ausgestattet haben. 

Diese Bauten — die aus der 
Pali-Form Thiipa entstandene 
englische Bezeichnung «Tope»> 
ist in Europa geläufiger ge- 
worden als das Sanskrit -Wort 
Stupa^ — bestehen aus einem 
(luadratischen Unterbau mit 
einem darauf ruhenden massi- 
ven Aufl)au in Form einer 
Wasserblase, welcher von einer 
Terrasse bekrönt wird. Über 
dieser Terrasse erhebt sich 
in der Kegel ein mehrfacher Schirm. Diese Gebäude — ursprünglich als Grab- 
denkmäler gedacht — enthielten lleli(iuien. So fand man u. a. in einem der 
Stüpas von Sänchi (Fürstentum Bhopul, Centralindien; zwei Steingefässe und in den- 
selben Reliquien, welche die Inschriften auf dem Gefässe als von den Lieblings- 
schülern Moggalläna und Stiriputta (Abi), a. Mitte) stammend bezeiclmeten u. s. w. 
In den verschiedenen Ländern, die in der Folge den Buddhismus annahmen, 
erhielten die Stüpas, wie alle buddhistischen Monmnente, leichte stilistische 




:mß&&&mm^^ 



^ 




Abb. 5. Miniatur- Stüpa. 

Mongolisch Subur^an. (Vgl. im Glossar unter stüpa und caitya.) 
Ans der Sammlung des Pursten Uchtomskij. 



— 13 — 

Veränderungen je nach dem Geschmack des Landes. Aber der Haupttj-pus ist in 
den modernen, zu den Ritualgeräten gehörigen Stupas noch wohl erhalten (Abb. 5). 

Die schon erwähnten Reste des Steinzaunes von Bharhut und der Tliore des- 
selben, welche vop A. Cunningham im Jahre 1>^73 entdeckt wurden, zeigen, obwohl 
etwas jünger, denselben Stil wie Agokas Bauten. Dieser Stil kann kurz skizziert 
werden als eine anmutig naturalistische indische Grundlage, welche ungemein 
liebevoll die nationale Tracht, den Schmuck u. s. w. behandelt, die nationalen 
Tiere und Pflanzen vortrefflich darzustellen weiss, kombiniert mit dekorativen Ele- 
menten und Symbolen, welche persisch-westasiatischen Charakter tragen, ja 
in einzelnen Fällen griechische Elemente zeigen. Dazu gehören Mischwesen: 
geflügelte oder mit Fischschwänzen versehene Vierfüssler, Chimären und Greife, 
die üräusschlange im Nacken menschlicher Gestalten und das Motiv, dass die 
(lottheiten auf ihren Attributen stehen wie assyrisch-babylonische Götter u. s. w.^*^ 
Die Reliefs von Bharhut sind femer für die Geschichte der Mythologie des 
Buddhismus besonders wichtig dadurch, dass fast alle Reliefs mit erklären- 
den Inschriften versehen sind. Wir sehen also, wie, entgegen dem Bilder- 
verbote des Kanons, der es für Mönche nicht für angezeigt hält, Bilder zu besehen, 
«erdachte Bilder, Figuren von Weibern und Männern« zu malen, das «Bilderhaus des 
Prasenajit zu beschauen» u. s. w., eine reiche Formenwelt sich an der Legende im 
Lustparke des Königs entwickelt. Ja diese entstehende Kunst begnügt sich nicht, 
die Verehrung der heiligen Oite, die Vorgeburtsgeschichten des (iautama Buddha 
darzustellen, sie fügt auch die volkstümlichen niedrigen Gottheiten als Hüter und 
Verehrer bei und giebt durch die reichen dekorativen Elemente die Grundlage zu 
einer künstlerisdien Überwucherung und legendarischen Weiterl)ildung der alten 
einfachen Legenden. 

Was das eben erwähnte Verbot l)etrift't, so mag es sich auf profane Dar- 
stellungen bezogen haben, nicht aber auf solclie aus der Legende selbst, deren 
Bedeutung für die Propaganda auf der Hand lag. Oder wir mögen darin eine 
Verschärfung einer solchen Vorschrift aus mimchischen Kreisen sehen, denen an 
strengerer Disziplin gelegen war und welche die infolge der Poi)ularisierung ent- 
steheÄJjJI' fremdartige Formenwelt bekämpften. Vielleicht können wir so weit gehen, 
0m W ▼eil— Iwi, diese ttbarwvclimiidett mjtiiologiedieB' Etaneote und damit die 
rnUmmiB Mjfhelesle eelbet eoltten ebgelehot iverden; dena «0 Vorschrift ge- 
WBnAm, cKtIbm ni BeUlBgpleiiMtti» n nteu 
\mmk ZiMMWWh aig mBim wir i^eh feeytaBen, dass die ältere 
Pcr f ode tfer Incüschen Kunst Buddha selbst nie darstellt, sondern ihn durch Sym- 
bole bezeichnet. Da der Ausdruck «das Rad des Gesetzes drehen» typisch ist 
für die Predigt Buddhas, so dient ein Rad auf einem verzierten Untersatze, neben 
welchem zwei Gazellen sitzen, zur Darstellung von Gautama Buddhas erster Predigt 
im Gazellenwalde zu Benares; umgeben ist dann dieses Symbol von Gruppen von 
anbetenden und Blumenopfer bringenden Göttern und Menschen. In ähnlicher 
Weise werden die Bodhibäume Gautamas und seiner mythischen Vorgänger, Säulen 
mit einem Dreizack darüber u. s. w. ebenfalls Syml)ole der Lehre Buddhas, 
und es werden die Centren von Reliefs anbetender Figuren zur Darstelhmg ein- 
zelner Scenen in seinem Leben. Auch seine Fleischwerdung ist dargestellt 



— 14 — 

zwar in einer Weise, die deutlich die werdende Vergöttlichung zeigt. Auf einem 
Relief innen am östlichen Thore zu Bharhut (bei Cunningham Tafel XXVTH)^^ 
sehen wir Buddhas Mutter Mäyä auf einem Lager liegen; eine Dienerin sitzt neben 
ihr, und über der Schlafenden sehen wir einen Elefanten herabkommen. Bezeichnet 
ist dieses llelief mit der Inschrift: BHAÜAVATO OKAMTI, «das Herabsteigen des 
Heiligen » (bhagavän). 

Man hat geglaubt, daraus schliessen zu dürfen, dass die Bodhisatva- 
Tlieorie damals noch nicht entwickelt gewesen sei. Dies ist aber schon dadurch 
ausgeschlossen, dass der Steinzaun zu Bharhut aufs reichste mit Vorgebuits- 
geschichten illustriert ist, welche auch durch Inschriften als solche bezeichnet 
sind. Seltsamerweise finden wir auf demselben Monument noch einmal die Dar- 
stellung, wie der Bodhisatva den Himmel Tushita verlässt, nämlich auf dem Ajata- 
gatru-Pfeiler (bei Cunningham Tafel XVII). Da sehen wir, wie eine in den Himmel 
reichende, von Anbetenden umgebene Leiter aufgestellt ist; auf der obersten wie 
auf der untersten Sprosse sehen wir einen Fusstapfen: im Stile des Denkmals der 
Ausdruck dafür, dass der Bodhisatva herabgestiegen ist! Ich glaube, dass wir 
hier die ältere Form der Legende vor uns haben, welche später auf einen Besuch 
im Himmel umgedeutet wurde. Mit Recht hat also Cunningham das erste Relief 
als «Traum der Königin Mäya« bezeichnet; wir bemerken aber zugleich, dass die 
Inschrift nicht auf die Finessen der hagiologischen Unterscheidung eingeht, sondern 
in volkstümlicher Weise das Relief nicht als das «Herabsteigen des Bodhisatva», 
sondern als das «des Heiligen (bhagavän)» bezeichnet, ohne des Traumes zu 
gedenken. Halten wir dieses Vorzeichen der werdenden Vergöttlichung 
fest, so ist es vielleicht nicht zufällig, dass die Schule der oben schon erwähnten 
Mahäsäiighikäs als Lehisatz aufstellt, dass die Bodhisatvas in Elefantengestalt in 
den Leib ihrer Mutter eingelien.*'^ 

Für die Entwicklung des buddhistischen Pantheons noch wichtiger sind jene 
rfeilerbilder zu Bharhut, welche volkstümliche (iottheiten darstellen. 

Alle diese Pfeilertiguren (die Pfeiler sind etwas über 7 englische Fuss hoch) sind 
mit einem liebenswürdigen Naturalismus, welcher die indischen Typen gut wieder- 
giebt, gearbeitet, zugleich al)er so charakteristisch, dass wir sie als die Griifi^ypen 
der buddhistischen Mythologie der spätem Zeit wie der brahmanischen be||;^hten 
dürfen. Trotz der nationalindischen Art der Behandlung des Körpers, der feacht 
und des Schmuckes volbieht sich die Charakterisieriuig der einzelnen (iotillpiten 
auf eine Weise, die uns auf vorderasiatische Vorbilder hinweist. Denn gleich baby- 
lonisch-assyrischen Gottheiten — auch bei ägyptischen ist dies der Fall — stehen 
sie auf ihren Attributen, wenn wir auch bei einzehien über die Gründe, warum 
gerade dieses oder jenes Attribut gewählt wurde, nicht im klaren sind. Bei den 
(i(*)ttinnen zweiten Ranges, den Yakshinis, verbindet sidi damit die, wie es scheint, 
nationalindische Pose, dass die G(*)ttin als eine in die Zweige eines Blütenbäumes 
greifende Tänzerin dargestellt ist. Von den Elementen, welche hier, inschriftlich 
bezeugt, zum erstenmale typisch auftreten und dauernd der indisch-buddhistischen 
Kunst verblieben sind, wollen wir in aller Kürze auf das Folgende hinweisen. 

Eine männUche, betend dargestellte königliche Gestalt, die auf einem 
kauernden Dämon steht, ist der Kihiig dieser als Yakshas ])ezeichnet(Mi Dämonen, 



15 



der Reichtumsgott Kubera (oder Vaigrävana u. s. w., inschriftlich KUPIRO 
YAKHO) (Abb. 6)'; ein anderer, mit fünf Schlangenhäuptern im Nacken — fast 
in der Art der ägyptischen Uräiisschlange — steht auf einer bewässerten Fels- 
partie, in deren Löchern wir Schlangen erblicken: es ist der Schlangenkönig 
(Näga-König) Cakraväka (inschriftlich: CAKAVÄKÜ NÄGARÄJÄ). Es darf nicht 



vergessen werden, daran 
zu erinnern, dass dem 
Motiv des Stehens auf dein 
Attribute der (ledauke des 
Beherrschens des Unter- 
liegenden, des Bewältigeiis 
eines Widersathers nahe- 
liegt und dass, wie es 
st*!ieint, diese leUtere Auf- 
^sung^^^d die einzige 
und mMlIbende wurde. 
Was die Göttinnen betrifft 
lii« in graziriser Stelhm^fi 
itntur einem Baume su 
pcmtiert mnA, dass sie mit 
iliOi recliten Arme in die 
Zweige desselben grei 
Ulli Blüten litM^ibzuli 
so habe ich an 
Olli wahrst'h 
maAen ^mnc] 
ihr Typim iii 
liirstelhinv 

i\K 7) 

vielleicht 

I/Ogeiide von 

imttt'rbareu üe- 

später ein 

beliebter Stoff 





Ditr Yakfliä-Kü<njg Kubprii ; liuf der Statte 
eine Oöttin, wi^lche »iif eiiiem MAku.ra 

üla YukflhJnl Onndri ( YAKHIXI 

Nach A. CunningliAiii, The St^im nf 
Btmfliut, Taftjl XXII, 



Abb. ß. Ffele rühren vöüi Btüpa 
Yon HKarhnt (BanthatK 

ftitflftiütiBchen Kunst 

ilen ist, er>t auf 

ein«*r Umdeutimti 

Ir rein dekciuitiven 

llt<*ri eiib^tanditn ist. 

|t<MK Iw int*ni^ssanteste unter ihnen ist König Menandros, um 150 v. Chr., 

?i S4keU (Ayiniliyä) belagert haben soU. Seine Identität mit dem Yavana- 

^ÜHid^^i^ Pal] -Werkes Milindapaiiha ^^ wird zweifellos durch einen 

st" bJ Nach diesem soll der König - — auch von Buddha wird es 

t - lem Tode von den wetteifernden Bürgern der Städte se* 



Indem wir diese kurze 
Skizze der ersten Phase 
der sich entwickehiden 
buddhistischen Mjthologie 
schliessen, müssen wir, be- 
vor wir auf die zweite ent- 
scheidende und dauernd 
Grundlage gebliebene Pe- 
riode — die Gandhära- 
Periode — übergehen, erst 
ein paar Notizen über die 
Weiterentwicklung der Re- 
hgion wie der politischen 
Lage anfügen. 

Das freundschafthche 
Verhältnis, welches einem 
ersten Konflikt zwischen 
Agoka und dem Seleuciden- 
reiche gefolgt war — in 
PätaHputra am Hofe A50- 
kas war ein ständiger 
griechischer Gesandter — 
dauerte nicht lange. Nach 
der Revolte der baktri- 
schen Satrapen gegen die 
Seleuciden entstanden neue 
griechische Staaten unter 
eigenen Königen, >vie als 
Schutzmauer gegen die vom 
Norden her drohenden Völ- 
ker Hochasiens. Diese Kö- 
nige wurden in der Folge 
so mächtig, dass sie ihre 
Eroberungen bis nach dem 
eigentlichen Indien aus- 



— 16 — 

Reiches feierlich bestattet iiii<l seine Reliquien an die einzelnen Städte verteilt 
worden sein. 

Fortdauernde Kämpfe der Gi'iechen untereinander schwächten ihre Herr- 
schaft und ermöghchten den Einbruch der skythi sehen Horden, die schon zu 
den Zeiten der ersten Revolte der griechischen Satrapen gegen die Macht der 
Seleuciden als eine stets alle bedrohende Gefahr gefürditet wurden. Die Indo- 
skythen, wie man sie genannt hat, die Ephthaliten der griechischen Berichte, 




Mit 

Abb. 7» i«'huii ihs *iautairiu rBiiddlui" im Laiubini-HüinL'. »-. 

M&yiVw ctitf MuIUt Riiddhufl^ gTDirt io div. Zweige cinttn AtUnhamnca ; dabei »rfi»gt ilai Klnrl mip ih , i^^.. j>k*.|/^PiWlr 
Die ((Otter, rlurmittfr ilff tiiic-ti PpJitiniliMebc'r I>HT«lelJub|f vJerkftpUK^ Brnhinft, L-'iniifaDijriMi das Kiibd auf »^^^^oiQlMi^l^ 
Neben lit^h. Kchirni iin.il Fabnen. tTappniieu Znf^n livt MijA lehffii vir ciiki* NAg) (S'Tblf.i^f^i^nfrrtUl n. ^ iVff^Hr 
gebildetem Iltit^rkOrtv^rt «Sehlaugf^iiMqptor iro Xacken; tle ffeutft Iti einer Vnre bimnilJAcbife' WaBaer im^ ''Wi#lf^ 
Bade berNbalrOmt. Kncb L^itieta iilten llbetiaDben Bilde im Kt^riiiitir ^fuecnim fUr Tr'ilki^rkuiid. *inrn 



die Yue-chi der cbhiesischen, die Tunishkas der indischen, oder die K 
wie sie sich selbst nannten, wurden die Eriieu der griechischen Throne. ^ H: 
sie der griechischen Herrschaft ein Ende machten, behielten sie giiechisclH^ lu 
eine Zeit laug bei, völlig Fremde (noch unbeHtiniuit in ihrer ethnischeri Zu^- fiii 
keit) nahmen sie teil an deu Kulturen der von ihnen eroberten llebiete» dn 
einsehen und chinesii^chen , der indischen und persischen Kultur. Knshaii-1 rirSH 
welche jjersische Gottheiten mit griechischen Typen, griecliische uiul indische,. IWI 
Schriften auf ihre Münzen setzten^®, übertiiigen buddbi^ti^clie Büclier aus 'äßm% 
Sanskrit ins Ciünesischc i ivurz sie scheinen, Kleines nut »jiosseni viTglf^^ 



— 17 — 

ebenso die verschiedensten Kidturströmungen an ihren Höfen versanmielt zu haben, 
wie es später im grossen am Hofe der Mongolenherrscher zu Karakorum der Fall 
war. Was Alexander nicht möglich gewesen war, den äussersten Osten erobernd 
zu erreichen, geschah jetzt am Hofe dieser Kernige, und der kräftigste Mittler 
des Kulturaustausches wurde der Buddhismus — und die spätantike Kirnst. Der 
mächtigste dieser Könige war Kanishka lun 1(X) n. Chr., der sich mit persi- 
schem Titel «K<mig der Könige» (PAONANOPAO) nennt und auf dessen Münzen 
wir der Darstellung des Buddha in griechischem Stil mit der griechischen Inschrift 
BOAAO begegnen. 

Das vierte und letzte Konzil der buddhistischen Kirche fand unter 
diesem König statt, der ebenso wie einst Aqoka als staatlicher Organisator 3er 
Form des Buddhismus erscheint, welche dieselbe in seinen Tagen gehabt hat. 
Dieses Konzil, das zu Jälajidhara statt^jefunden haben soll, ist entscheidend durch 
die bleibende Religionsspaltung, welche es zur Tliatsache machte. Das Konzil 
sollte die verschiedenen Sekten, die im Buddhismus aufgeschossen waren, ver- 
söhnen und die heiligen Schriften neu sammeln; diese Texte wurden aber nicht 
mehr in der Dialektform fixiert, sondern in Sanskrit. Diese Sanskrittexte, zu denen 
noch umfangreiche Kommentare liinzukamen, bildeten in der Folgezeit die Basis für 
die Übersetzungen in nichtindische Sprachen. 

Die Untersuchungen über den Buddha -Begritf standen nunmehr in erster 
Linie, zugleich die Frage, wie man Bodhisatva werden könne. Diese letztere 
Frage wurde als «die grosse Karriere» (Mahayana) das Hauptziel der Reli- 
giösen. Aus einem Hinweise Buddhas auf einen künftigen Fortsetzer der Erlö- 
sung war der Bodhisatva Maitreya, Gautama Buddhas unmittelbarer Nach- 
folger geworden, und ])ald vermehrte sich die Zahl dieser Heiligen um eine Reihe 
bestimmter (xestalten. 

Die südliche Kirche kennt das Konzil unter Kanishka nicht; ihre Mönche 
streben nur ihre eigene Erlösung an und werden daher als Vertreter der «kleinen 
Karriere» (Hinayäna) über die Achsel angesehen. 

Diese südliche Kirche fixierte ihren Kanon in der Bali -Sprache und verfuhr 
dabei mit nicht zu verkennendem Puritanisnuis; denn es ist nicht zu leugnen, dass 
der Prdi-Kanon. obgleich er die ältesten buddhistischen Texte in einzelnen seiner 
metrischen Partien besitzt, doch andererseits in vielen Dingen einfach abbricht, 
•wo im Norden die Tradition weitergeht oder sogar besser erhalten ist. ^^ Die süd- 
liclii Kirche, deren Centrum das schon unter A^oka gewonnene Ceylon blieb, 
mis^onierte später mit Erfolg in Hinterindien, blieb aber, was die Kunstbethätigung 
betrifft, doch vom Norden abhängig. Denn es ist kein Zweifel, dass wir an den 
Monumenten Hinterindiens Einflüssen der nördlichen Kirche begegnen.^* Auch in 
doktrinärer Beziehung sind im Mittelalter noch Zusammenhänge nachweisbar. 

Der Zeit der Mahäyäna-Schule und der Herrschaft der Indoskythen gehören 
jene merkwürdigen Überreste einer ausgedehnten Kunstübung an, welche man 
wegen der zweifellos vorliegenden Beeinflussung durch antike Formen die graeco- 
buddhistische Kunstperiode^® genannt hat. Aber der Name graeco- buddhi- 
stisch ist in seinem ersten Teil insofern unrichtig und irreleitend, als er, wie man 
ja auch vorübergehend angenommen hat, auf eine griechische Beeinflussung zur 

OrCxw«d»l. '^ 



— 18 — 

Zeit Alexanders des Grossen oder seiner unmittelbaren Nachfolger bezogen werden 
könnte, während doch die Züge spätantiker römischer Stilformen sich deutlich 
markieren. Man hat deshalb den alten Namen des Landes, dem der grösste Teil 
der bisher gefimdenen Monumente entstammt, vorgezogen und jetzt ziemUch allge- 
mein die Bezeichnung Gandhära-Kunst gewählt und damit einen Namen zur Gel- 
tung gebracht, der den Inschriften des Darius ebenso geläufig war wie den grie- 
chischen Berichten der Zeit Alexanders des Grossen, einen Namen, welcher auch im 
Buddhismus jener Tage als Geburtsland hervorragender KirchenUchter eine beach- 
tenswerte Rolle spielte und auch sonst in den Legenden oft genug genannt wird. 

Das Gebiet, in welchem die Denkmäler sich finden, ist das untere Kabul- 
Thal, das heutige Land der Afridi und Momand, Bajaur, Bun^r und Swät, ein Teil 
des Rawalpindi -Distrikts mit der alten Stadt Taksha^ilä (Päli: Takkasilä), ferner 
der Yüsufzäi- Distrikt, der vorübergehend als eigenes Königreich Udyäna. «der 
Galten», bestand und uns in der Folge noch begegnen wird. Auch die schon 
länger bekannten Kolosse von Bämian an der indo-baktrischen Königsstrasse 
gehören zu den Monumenten der Gandhära-Periode, ebenso weiter nach Norden die 
neuesten Funde buddhistischer Reste in Borazan bei Khotan und die grossartigen 
Entdeckungen der Russen in der Wüste Takla-Makan (Turfan). Obwohl die ersten 
Funde etwas über zwei Menschenalter zurückliegen, sind diese Denkmäler, deren 
enorme Bedeutung für die Religions- und Kunstgeschichte Asiens sich jetzt kaum 
ermessen lässt, erst in der neuesten Zeit in den Vordergrund getreten und noch 
wenig studiert. 

Bedauerlich ist es, wie Jas. Burgess mit Recht hervorhebt, dass nirgends 
systematisch gesanmielt wurde, sodass unser Material aus zufäUig zusammen- 
geschleppten, ohne Rücksicht auf den Ort, woher sie stammen, aus dem Konnex 
gerissenen Stücken gebildet ist. Nur die l)essere Erhaltung war bei dieser 
unglücklichen Art zu sammeln massgebend, während fragmentarische Stücke, die 
wissenschaftlich oft unendlich wertvoller sind als die in (he Augen fallenden, meist 
nicht beachtet wurden. Indes tritt hier neuerdings eine Wendung zum Bessern 
ein, und wir dürfen hoffen, das das Interesse, welches diese Dinge, die die aus- 
gehende Antike mit Ilochasien und dem äussersten Osten verknüpfen, erregt 
haben, so weit reichen wird, dass systematische Forschungen uns das zu ergänzen 
suchen werden, was uns bis jetzt fehlt. 

Daran ist ein weiterer Wunsch anzuschliessen, der die Erschliessung der 
zugehörigen Litteratur betrifft: die Übersetzung der ikonographischen und kmnst- 
geschichtlichen Bücher der buddhistischen Welt und vollständigere Übersetzungen 
der Legenden. Diese Legenden sind nicht als Fiktionen zu verachten; sie haben 
ausser ihrer Bedeutung für die Geschichte des Märchens sehr aktuelles Interesse 
für archäologische Zwecke. W^as können uns auszugsweise Mitteilungen legen- 
darischer Bücher helfen, wenn gerade diejenigen Motive weggelassen werden, die 
für archäologische Zwecke wichtig sind? Ist ja doch andererseits die beschrei- 
bende Tendenz der Texte — sie enthalten Schilderungen von Skulpturen oder 
Bildern — deutUch genug. -^^^ 

Indes misere Aufgabe ist nicht eine eingehendere Würdigung dieser rein 
archäologischen Frage, sondern nur die Kontinuität der Typen der spätem 



— 19 — 




Abb. 8. Relief ans Loriyän Tangai. 

In der Mitte Buddha auf einem LotuB; die Hände bilden 
die Dhamiacakra - Mudr&; neben ihm zwei BodliitatTas. 
Neben der Lotusblumo zwei niedrige Gottheiten, ein an- 
betender Mönch und eine anbetende Frau. — Nach Jat. 
Burgcss. Journal of Indian Art VIII, Nos. f>9, 82, 22. 



nordbuddhistischen Mythologie mit die- 
ser klassischen Periode zu skizzieren. 
Greifen wir die für unsern Zweck 
grundlegenden Motive heraus, so sind 
es die folgenden Punkte, die uns 
auffallen : 

1. Die Darstellung des Buddha. 

2. Die Darstellung der Bo- 
dhisatvas. 

3. Die veränderte Rolle der 
volksttimlichen indischen Gottheiten, 
welche nun als Beschützer der Religion 
direkt in die Legenden eingreifen. 
Die Attribute werden typischer, und 
es entwickelt sich eine Mythologie. 

4. Die Darstellung der niedrigen Gottheiten und der Dämonen; die Vorboten 
der «bösen» Götter. 

5. Die Göttinnen. 

6. In der Luft fliegende Gestalten: Nike-Typen und naiyvia. 

7. Bakchische und erotische Scenen, die ursprünglich wohl nur dekorativ 
gedacht waren. 

Beginnen wir mit Buddha. 

Der Typus des Buddha wird geschaffen auf Grund des antiken Apollo- 
Ideals. Daneben kommen unter Zugrundelegung der idealen Form nationale, 
naturalistische Typen vor, die die Umgestaltung der Buddha-Figur in die Stilarten 
der verschiedenen Länder vorl)ereiten. Das Gewand, das Mönchs- 
kleid, ist in antiker Art in reichem, leichtliegendem Faltenwurf 
gegliedert. Es wird überliefert — ich erwähne der Kürze halber 
nur die tibetische Version der «Lebensbeschreibung des Qäkya- 
muni » — dass der Sagenreiche König von Baranäst (oder Kaugambt) 
Udayana, «welcher Bhagavant sehr in Andenken hatte», sein Bild 
zuerst habe anfertigen lassen. Es ist das berühmte Sandelholzbild, 
die Buddhastatue aus Gogirshacandana. Reproduktionen dieser 
Statue sind uns traditionell beglaubigt erhalten, und es ist von 
Interesse, dass ihr der Gandhära -Typus zu (jrunde liegt, dessen 
fremdartige Gewandbehandlung noch in den rohesten Repliken fest- 
gehalten wird und der zu den wunderlichsten Umdeutungen Anlass 
gegeben hat. ^^ Die Buddha -Gestalt wird in den Darstellimgen in 
die Mitte gerückt, entweder zu einer Trias mit zwei Nebenfiguren 
(Abb. 8) oder in reicheren Reliefs, die Scenen aus dem Leben 
darstellen. Buddlia kommt stehend (Abb. 9) und nach indischer 
Art sitzend vor (Abb. 10), mit untergeschlagenen Beinen, sodass 
die Fusssohlen nach oben gewendet sind. 

Was die Stellung der Hände betrifft, so sehen wir an den 
Skulpturen bestimmte Noimen sich entwickeln: die rechte Hand 




Abb. 9. 
Stehender 
Buddha. 

Ans einem Gan« 
dhAra- Belief (aus 
LoriyAn Tangai?). 

Nach Jas. Burgess, 

Jonmal of Indian 

Art VUI, Nos. «9. 

76, 8. 



— 20 — 

zum Beispiel wird mit der Fläche fast gaiiz nach vorn gewendet mid gehoben, 
wenn Buddha predigt; beide Hände werden im Schoosse aufeinander gelegt — 
meist sind sie dann auch noch vom Oberkleid umhüllt, wenn er meditiert u. s. w. : 
die sogenannten Mudräs.^*- Diese Handstellungen bezeichnen zunächst verschie- 
dene Scenen in Buddhas Leben; sie scheinen aber schon in Gandhära bezeichnend 
zu werden für bestimmte Buddhas, wie dies in der spätem Kunst thatsächlich der 
Fall ist (Abb. 4). 

Eine besondere Darstellung ist die des sterbenden, des his Parinirväna ein- 
gehenden Buddha. Dann liegt ei-, die rechte Hand unter der rechten Wange, 




Abb. 10. Relief aus Gaiidhilra. 

Unten din Predigt von BeuiireH(t): Buddha hinter dem Symbol d(>8 Kadcs vun München umgeben, im llinter- 

grundi- ein bärtiger und ein unbärtiger Gott. Der 7,weite Streifen zeigt irgendeine Scene ann dem Leben 

Jiuddhas; Münche und Laien umgeben ihn, hinter ihm der Donnerkeilträger. Oben Verehrung der Almoien- 

tichale Duddhas durch Andächtige (wohl Götter'k und VTapHcrdrachen (NAgHH). 



langgestreckt auf einem erhielten Lager, umgeben von seinen trauernden Schülern, 
den trauernden (iöttern, Dämonen und den Malla-Fürsten, in deren (iebiot er starb. 

Das Schema der Komposition, das in der Imddhistisclien Kunst als eines der 
gefeiertsten eine grosse Dauerhaftigkeit bewahrt liat, ist nach der Bemerkung 
Vincent Smiths nach der Art spätantiker Sarkophagreliefs aufgebaut. 

Zu den äussern Merkmalen, welche die Beliefs bestimmen, gehört, wenn 
eine Predigt dargestellt werden soll, das auf einem l'ntersatze stehende Rad 
(Abb. 10), das uns aus der Acoka-lViiode her wohl bekannt ist. Wenn rechts 
und links davon kleine (fazelleii kauern, so ist damit die Predigt von Benares 







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^ — 5) 



— 22 — 




Abb. 12. 

Darstellung eines Bodhisatva, 

Gandhära. 

Nach Cole, PreiervatioD of National Mo- 
numents, India,Yü8ufz&i-Di8tiict,Tafel 35. 
Vgl. ttber die Figur Globus LXXII (1900), 
No. 5, 8. 75. 



im Gazellemvalde (Mrigadäva) daselbst gemeint. 
«Der Buddha dreht das Rad der Lehre» ist der 
Kituälausdruck für seine Predigt. Dieses S}Tnbol 
der ältesten l)uddhistischen Kunst hat sich unver- 
wüstlich erhalten: wir sehen es in der That noch 
auf den Dächern moderner Tempel angebracht 
(Abb. 11). 

Ebenfalls aus dem Geschmack der ausgehenden 
Antike stammt es, dass der Buddha — wie die 
Bodhisatvas, wenn diese die Centren der Kompo- 
sition sind — grösser dargestellt wird als seine 
Umgebung; ja die Vorliebe für Kolosse ist noch 
besonders erwähnenswei*t. Am liebsten wird der 
Buddha des künftigen Weltsystems, der Bodhisatva 
Maitreya, kolossal dargestellt. 

In der Folge nehmen die Buddlia -Typen, wie 
alle buddhistischen Kultfiguren, aber auch das deko- 
rative Material, die Stilailen des jeweiligen Landes 
an, zu dem der Buddhismus kam, und es entstan- 
den national indische, tibetisch-mongolische, hinter- 
indischc u. s. w. Typen. 

Der Bodhisatva tritt innerhalb der Gandhära- 
Periode als fertiger Typus auf und zwar als jugend- 
licher Mann mit indischem, aber manieriert archäisch, 
nach spätantiker Art stilisiertem Gewände, reichem 
indischem Sdunuck (Brustketten, Armbändern, Ohr- 
gehängen u. s. w. ). Als Attribute erscheinen Fläsch- 
chen, Büschel von Lotusblumen, gelegentlich auch 



ein Buch. Über dem Scheitel sehen wir bisweilen ein 
aufrecht stehendes, über dem hochgelegten Haar an- 
gelehntes und mit Perlenketten lunzogenes Juwel, das 
in der spätem Kunst der buddhistischen Kirche, als 
die Attribute der Bodhisatvas zurechtgelegt werden, 
bald die Gestalt eines sitzenden Buddha, bald die eines 
Stftpa annimmt. Vgl. die Abbildungen 8 (Seitenfiguren) 
und 12. 

Was die Götter betriff't, so begegnen wir in der 
Gandhära-Periode bereits einem komplizierteren Pan- 
theon mit selbständigeren Funktionen, als die ältere 
indische Schule uns bot, wo die Reliefs nur anbetende, 
Bliunen opfernde. Wache haltende Gottheiten zeigton. 
Besonders tritt ein donnerkeilbewehrtes Wesen, bald 
bärtig, bald unbärtig, direkt als Beschützer des Buddha 
auf, bisweilen mit zur Abwehr gesdiwungenem Don- 
■"'Veil. Wir müssen den Mahäyäna-Xamen Vajrapuni 




Abb. 13. VajrapÄiii-Typeu 

UU8 Kclicfs von Gandh&ra. 

V^I. Jus. Burgess. Journal of Indian 

Art and Industry Vlll, No. 69, 8. 87, 

Fig. M und No. 62, Tafel 14, Figr« 1. 



23 — 



fnr ilin ansetzen, da er sichtlich schon von dem altindischen Donnergott Qakra*', 
den die Legenden so oft ei*wähnen, losgelöst ist und als der Religion Buddhas ver- 



pflichteter Schutzgott 
wie ein antiker «Deus 
ex machina» wirksam 
auftritt (Abb. 13). 

Der Reichtums- 
gott Kubera ist uns 
von Bharhut her er- 
innerlich; er ist in 
Gandhära nachweisbar, 
aber etwas verändeit. 
Zwar sieht man noch 
kleine Dämonen zu sei- 
nen Füssen, aber sein 
Hauptkennzeichen wird 
der neben ihm kauernde 
« Tributbringer » der 
spätantiken Kaiserpor- 
träts. Ein Anschluss 
an diese spätrömischen 

oder Qiva. Eine Statue dieses Gottes wird als 
aber wenn die dafür in Anspruch genommene, 




Abb. 14. Der Reichturasgott Kubera oder 
Vai(jravana. 

Relief aus dem Lahor-Museum. 

Nach Jas. Burgess, Journal of Indian Art and 

Industry Vni, No. 62, Tafel 14, No. :\. 



Kaiserbilder ist auch 
in der Gestalt beach- 
tenswert. Der Tribut- 
träger leert zu den 
Füssen des Gottes einen 
Sack mit Gold aus 
(Abb. 14). 

Eine neue Gestalt 
begegnet ims von der 
Gandhära - Schule mit 
ihren Ausläufern an: 
es ist eine volkstüm- 
liche Gottheit, deren 
Kreis sich an den spä- 
tem Buddhismus an- 
klammert , mit ihm 
grosswächst und ihn 
schliesslich gründlich 



modifiziert: Mahäkäla 
in Gandhära befindlich ei'wähnt; 
mit der Beschreibung überein- 
stimmende Figur sich als richtig bezeichnet erweisen sollte, so war zu jener Zeit 
der später gewöhnlichste Typus des Gottes nocli nicht geschaffen; denn die Figur 
(Abb. 15) ist nur die eines indischen Königs. Der später allgemein anerkannte 



Typus ergab sich aus den Münzen 
Gott unter dem Namen Ugra 
(Okro, OKRO) in verschiedenen 
Tyi)en. Wir sehen, wie er aus 
der Darstellung des antiken 
Poseidon sich entwickelt. Der 
Dreizack des griechischen Got- 
tes wird mit übernommen und 
nur der Stier beigefügt; die 
Nacktheit des griechischen Got- 
tes passt der indischen Auf- 
fassung vortreflflich. Wir ken- 
nen jetzt auch eine Bronze aus 
Khotan mit demselben Typus. 
Okro kommt auch vielgliedrig, 
mit mehreren Köpfen und Hän- 
den vor.^"* 

Besonders wirkungsvoll hat 
sich der antike Einfluss in der 



Die Münzen 




Abb. 15. Sog:enaniit4jr 
Mahäkäla. 

Gandhftra- Skulptur, Kft- 
ram&r Hill, acht engl. Mei- 
len ONO. von ShAhbAz- 

garhL 
Nach Jas. Burgess, Jour- 
nal of Indian Art and In- 
dustry VIII, No. 62, Taf.4, 

Fig. 3. 



der Indoskjthen kennen den 
Darstellung der Dämonen- 
typen erwiesen. Ich gebe hier 
die Darstellung einer Kolonne 
des Dämonenheeres wieder, 
welches Mära gegen den unter 
dem Bodhibaume meditieren- 
den Buddha führt. Diese stark 
ausgeprägten Dämonentypen 
mit ihren halb tierischen Kö- 
pfen, mit struppigem Haar und 
Bart, mit grossen quellenden 
Augen , gedrungenem Körper 
und Klauen an den Händen, 
sind die Vorstufen der Dämo- 
nen der spätem Mythologie 
(Abb. 16). 

In einigen Fällen sehen 
wir einen wilden bäilige« 



— 24 — 



i'n)i\vi'i\\)\is i'iiieiii uiihäi1ij:<»ii ^efitfiiülxT^jestellt. zunächst vielleicht nur aus küiist- 
h^riHi'lM^n (iründiiii CAbl). 10;. Wir haben ferner schon erwähnt, dass die Gestalt des 
Vajnipaui in diesem l'unkte sc^hr schwankt: dieses Motiv wird die Vorstufe der bösen 
und ^(uten Forni<»n eines (iottes, eines «'Beschützers der Uelijiion» (Dhaiinapäla) sein. 
Mit der Uarstellmi}; von (röttinnen kommen wir auf ein (iebiet, welches 
dem Huddhisnuis des Nordens ganz wesentliche Verändeningen bringen sollte. 

Zwei (l(')ttinnen fallen als selbst- 
stän<lige ( iestalten auf, da ihre Typen 
in der spätem Kunst weiterleben: 
die eine ist eine (»("»ttin, welche, ein 
Saiteninstrument spielend, quer auf 
einem Löwen sitzt (Abb. 17). die an- 
dere ist eine königlich thronende 
oder wohl auch stehende Frau, die 
von kleineren Gestalten, Kindern, 
umgeben ist, die sich an ihr fest- 
halten, indem sie an ihr hinauf- 
klettern u. s. w. Die erstere reprä- 
sentiert, wie ich anderwärts darzu- 
stelhMi g(»sucht habe, zusammen mit 
mwm ähnlichen Münztvpus die Vor- 
stufi» der (i(')ttin Sarasvatt, die zweite 
ist nocli nicht zweifeUos richtig be- 
nannt. Wir wollen diese Typen aber 
hier niclit übersehen, da sie die 
plastisch dargestellten Vorboten für 
die uns später begegnende Lehre von 
(l(Mi weiblichen Energien der Bodhi- 
satvas, der (Jaktis, sind. 

Hin weiteres Element, welches in 
di(^sen Zusannnenhang gehört, sind 
die über diMi Huddha- und Bodhi- 
satva-Kiguren in der Luft schweben- 
den. Kränzt* und Kronen haltenden 
Figuren von (iiUtern. welche zum 
Teil auf antike Nike-Darstellun- 
gen zurückgehen, und \on nackten 
gotiügelten. ja bisweilen mit national- 
inilischem Schmuck versehenen Ero- 
ten. niese Figuren haben ^irli in der indJM'hen Malerei und Plastik lange 
erhalten, und ich \iMiuutc. d;i>s wir in ihnen die tonualen Vorstufen der ««Luft- 
wamUer- ^^Sauskiu IVUx.i und Päkini. til^otlMh nd\ a- un»i -nia |i vm- uns haben. 
.Vielehe den Ueiiiiit^u 'iiic Weiln^:! lit-bcn ■ " iAl»l». l^ . 

/u den dekoiat:\eu llcnieMteu dei- oanii'iaia - l'rjiodo -tiioitn h-rner. um 
•^i^ entnrtetste Seite lie^ lUuidhi>niu> v«»i.ubereiteii. >eiir realistisclie bakchisch 




\M». H». Pas Päinoiioiiheor MAnis. 

:'. Atirt . S :>:. 



25 — 



Sceneii, die uns in der Nachbarschaft der übrigen Typen seltsam berühren. 
Vielleicht sind auch sie die Vorboten der Qakti- Kulte, in formalem Sinne wenig- 
stens, und parallel jenen Darstellungen, welche in Mathurä in seltsamer Weise 
Krishna-Kult und Jaina-Religion in Zusammenhang bringen.** 

Zwei halbgöttliche Wesen haben wir noch zu erwähnen, die in der Regel in der 



buddhistischen Kirnst, 
wie in der brahmani- 
schen, miteinander in 
Beziehung gesetzt auf- 
treten: es ist das Ge- 
schlecht der Schlan- 
genhalbgötter, der 
Nägas, und ihr Tod- 
feind Garuda, ein rie- 
siger Vogel, der «König 
der Gefiederten», und 
seine Sippe. 

Beide haben der 
Legende nach die Fähig- 
keit, sich in menschliche 
Gestalten zu verän- 




Abb. 17. 
Musizierende Göttin aus (laudhara. 

Vgl. Grünwedcl, Handbuch der biiddlustiscbcn 
Kunst, 2. Aufl., S. 101. 



dern, und infolgedessen 
schwankt auch ihre Dar- 
stellung. Den Schlan- 
gengöttera sind wir oben 
schon begegnet; sie' 
erscheinen bereits in 
der altern Periode als 
menschlich gebildet mit 
Schlangenhäuptern im 
Nacken ; bisweilen ist 
aber bei mi übrigen 
menschlicher Gestaltung 
der untere Teil des Kör- 
pers tierisch. Dies ist 
besonders häufig der 
Fall, wenn sie dekorativ 



vei-wendet werden, wobei infolge räumlicher Forderungen bisweilen merkwürdige 
Varianten entstehen (Abb. 19, 7 und die Ecken des obersten Streifens von 
Abb. 10). Der Garuda ist in den Gandhara- Skulpturen entweder ganz tierisch, 
aber mit Kopfschmuck und Ohrringen (Abb. 19). oder ganz menschlich mit wilder 
Miene, struppigem Haar und grossen Flügeln dargestellt. Charakteristisch ist an 





Abb. 18. Fliegende Gottheiten über der DarsteUung Buddhas. 

a. Schwebende Gottheit, welche Blumen wirft (etwas zerstört), nach einem Belief aus Loriy&n Tangai im Journal 

of Indian Art and Industry VIII, No. 09, S. 81, Fig. 27. 

b. Zwei Eroten, eine Blumenkrone haltend, von einem Relief im Museum von Lahor; a. a. O. VIII, No. 62, Tafel 7, Fig. J». 

dieser Figur der breite Stoflfstreifen, der von der Körpermitte aus dem Gürtel 
herabhängt. Dieser Typus, welcher als Balken- und Pfeilei-träger verwendet wird, 
lehnt sich an antike Titanentypen an (Abb. 20). 

Damit sind die bis jetzt festzustellenden Hauptfiguren im einzelnen erledigt. 
In Hinsicht auf die Komposition bleiben bestehen: 

1. einige Musterkompositionen, besonders die Darstellung der Geburt und 
des Parinirväna; 



\ 



26 



2. die Vorliebe der Zusammenstellung 
dreier Figuren, einer Mittelfigur mit zwei Be- 
gleitern, zu einem Bilde und die Weiterbildung 
dieses Schemas zu Gruppen von fünf und mehr 
Figuren ; 

3. die aus antikem Geiste geflossene Nei- 
gung zur Personifikation. Eigenschaften eines 
Buddha oder Bodhisatva werden beständig ab- 
gelöst und neu weiter entwickelt. Es ist dies 
ein Vorgang, der einerseits die Aufnahme loka- 
ler Formen von Gottheiten fremder Länder, 
in welche der Buddhismus Eingang erlangt 
hat, ermöglichte, andererseits aber der nord- 
buddhistischen Mythologie jenen Ungeheuern 
Umfang verschafft hat, welcher sie als das 
grösste Pantheon der Erde erscheinen lässt. 

Unsere Führer für die Erkenntnis der zur 
Gandhära- Periode der buddhistischen Kunst 
gehörigen religiösen und politischen Verhält- 
nisse sind Pilger aus der Fremde, Chinesen, 
welche die alte Handelsstrasse von China 
über Turkistän benutzten, um die heiligen 
Stätten zu besuchen und Bilder, Bücher 
und Reliquien heimzubringen. So wissen wir, 
dass schon im Jahre 2 n. Chr. dem chine- 
sischen Kaiser Ai-li buddhistische Bücher 
gesandt worden sein sollen, dass Kaiser 
Ming-ti (62 n. Chr.) infolge eines Traumes, 
der ihm eine goldstrahlende himmlische Er- 
scheinung zeigte, die sich seinem Throne näherte, Gesandte nach Central- 
indien geschickt, um Bücher und Bilder zu holen. Das von den Abgesandten 
mitgebrachte Bild zeigte ihm dieselbe Person, die er im Traume gesehen hatte. ^'^ 

Der Verkehr mit Indien wuchs bald, und im vierten 
Jahrhundert wurde der Buddhismus in China Staatsreligion, 
ohne jedoch die alten Systeme zu verdrängen. Bis zum 
siebenten Jahrhundert scheint der Verkehr mit Indien am 
regsten gewesen zu sein. Die Pilger Fa-hien (um 400 n. Chr.), 
Sung-Yun (um 518 n. Chr.) imd der gefeierte Hiuen- 
Thsang (629 — 648 n. Chr.) sind die Verfasser mehr oder 
weniger umfangreicher Berichte über ihre Reisen, die 
für uns eine unschätzbare Quelle der Belehrung bilden. 
Die mitgebrachten Bücher wurden ins Chinesische über- 
setzt; mit den Büchern fand die Kunst Eingang. Wir haben 
darüber ein positives Zeugnis in der interessanten Mittei- 
"rths, dass ein aus Badakshan stammender Maler 




Abb. 19. Garuda, eine Nägi raubend. 

Aus Sangbao (Sw&t). 

Nach Cole, Presorvation of National Mouumeuts, 
YüaufBAi-DIatrict, Tafel 3. Vgl. Grttnwedel, Hand- 
bach der baddbiBtiaoben Kunst, 2. Aufl., S. 103. 




Abb. 20. Garuda, 

ans Jam&lgarbl. 



Nach Jas. Burgoss, Journal 

nf Indian Art and Industry 

VUI, Tafel 26, 4. 



— 27 — 

Namens Wei sclii I-söiig in die damalige Hauptstadt Chinas gekommen sei und 
doit gearbeitet habe.** 

In Korea wurde der Buddhismus ebenfalls im 4. Jahrhundert (372 n. Chr.) 
eingeführt; von da gelangte er im Jahre 552 nach Japan. Von Ch'ang-an 
aus fand Wei schi I-söngs Kunstrichtung auch in diesen Ländern Eingang, und 





Abb. 21 und 22. Japanische Bodhisatva-Statuen. 

Darstellung zweier Formen des Bodhisatva Fadmap&ni. 
Aus: Fürst Uchtomskij, Orientreise des Kaisers von Russland. 



gerade in Japan hat sich der alte Stil, der noch die Elemente der Gandhära- 
Schule verrät, \Yohl erhalten, während er in China durch Neubildungen auf reU- 
giösem Gebiete -r- es war besonders die formenfeindliche Dhyäna- Schule — unter- 
gegangen ist. Die Thatsache, dass die Gandhara- Skulpturen der buddhistischen 
Kunst Japans zu Grunde liegen, wird jetzt selbst von den Japanern anerkannt 
(Abb. 21, 22). Es geht daraus hervor, dass zur Herstellung einer Geschichte 



— 28 — 

der nordbuddliistischen Mythologie eine wissenschaftliche Bearbeitung des japani- 
schen Buddhismus wegen des hohen Alters dieser Schule ebenso wichtig ist wie 
die Verfolgung der weitern Entwicklung in Indien und seinen Kolonien. 

Unter diesen indischen Kolonien muss Java besonders erwähnt werden, da 
es grossartige Werke der Plastik (den Tempel von Bärä Budur u. s. w.) hervor- 
gebracht hat. £s ist gleichzeitig angezeigt, daran zu erinnern, dass in Japan wie 
in Java dem Buddhismus jene widerlichen Entartungen erspart geblieben sind, die 
wir im Folgenden leider nicht übergehen können und die heute nur zu gern als 
aus dem alten Buddhismus «logisch» entwickelt hingestellt werden. 

Nach dieser Skizze der Vorstufen des Pantheons des Buddhismus, 
wie es heute in Tibet und der Mongolei erscheint, die wir hier anführen, um zu 
zeigen, welche Bedeutung die wissenschaftliche Untersuchung des Themas hat, ohne 
dass wir annehmen wollten, überall das Richtige getroffen zu haben, wollen wir 
auf unser Thema näher eingehen und nur noch einige Notizen vorausschicken. 

Die ersten Anfänge des Buddhismus in Tibet sind uns unbekannt. Die 
Legende lässt die Religion des Erleuchteten, die für das «Land des Eises» 
zugleich der Anfang der Kultur ist, beginnen mit König Sroh-btsan-sgam-po, 
der im Jahre r>32 den T'on-nii sambhota nach Indien schickte, lun eine Schrift zu 
schaflfen und Bücher zu holen und zugleich eine Erklärung für früher dem Lande 
auf wunderbare Weise zugekommene Heiligtümer zu erlangen. Wie der Buddhis- 
mus in diesem Lande sich weiter entwickelte, wird sich im Laufe der Darstellung 
ergeben, desgleichen, wie er dort alle Macht in seine Hände bekam und zu einer 
Hierarchie geworden ist. Die sichtbaren Vertreter der Religion, die Geistlichkeit, 
stehen auch in der Reihe der Verelirungswürdigen obenan. Wir beginnen daher 
mit der Aufzählung der bekanntesten dieser Religiösen, indem wir der einhei- 
mischen Darstellung des Pantheons folgen, das die folgende Reihenfolge aufstellt: 

1. Die Geistlichkeit. 

2. Die Schutzgottheiten. 

3. Die Buddhas und Bodliisatvas. 

4. Die Däkinis. 

5. Die «Beschützer der Religion». 

6. Die Lokalgottheiten. 

Es muss schon hier betont werden, dass eine Geschichte des Pantheons^* 
aus dem Grunde noch nicht geschrieben werden kann, weil die Entwicklung des- 
selben Hand in Hand geht mit der Geschichte der Sekten, die noch sehr im 
argen liegt. Die folgenden Reihen von Göttern haben auch mehr den Zweck, eine 
populäre Übersicht über die geläufigsten Formen zu geben, als dass sie zu einer 
bestimmten Sekte allein gehörten. Es werden mehrere Fonnen erscheinen, die 
in den geläufigen einheimischen Bücliern als heterodox ausgelassen sind. 

Leser, denen der Stoff neu ist, mögen das am Schlüsse beigegebene Glossar 
der Fremdwörter benutzen. 



Zweites Kapitel. 



Die Geistlichkeit. 



1. Die indischen Heiligen. 



Wenn ich ins Nirvftna eingegangen nein 
werde, und dieses Erdenrund leer sein wird, 

wirst du die Buddha-Tbaten vollbringen, 

dann wird ein von hoher Freude erfnlltes 
Kloxtor da» Schneeland sein. 

Manjn^rimülat antra. 30 

Als der Erste unter den Heili^^en der nfhdlichen Kirclie und zugleieli als 
der Begründer des Mahäyana- Systems, über welches wir im vorigen Abschnitt 
einige erklärende Worte gesagt haben, erscheint eine legendenumwobene merk- 
würdige Persönlichkeit, der Faust des Buddhismus, (Jrinatha Nägärjuna oder 
Bodhisatva Xagärjuna^^ (Abb. 23). 

Ausgestattet mit einer unmässig langen Lebensdauer — dreihundert Jahre 
lang soll er als Patriarch die Religion Buddhas gehütet haben — als Märtyrer ent- 
hauptet und doch nicht tot, Verfasser einer Unmasse von Werken, gleichbeteiligt 
an der Philosophie und an der Zauberei, uns überall begegnend, wo es sich um 
die ältere Schicht des nördlichen Buddhismus handelt — die Kunstgeschichte, die 
Geschichte des Märchens kennt ihn — scheint er eher der Repräsentant einer 
ganzen Periode, als eine einzelne Persönlichkeit zu sein. 

Geboren in Südindien fVidarbha) aus Brähmana- Geschlecht, soll er Arjuna 
genannt worden sein, entweder weil er unter einem Arjunabaume (Pentaptera) 
geboren wurde oder unter einem solchen lebte. Den Beinamen Näga — auf Bil- 
dern wird er von sieben Nägas überschattet — soll er erhalten haben, weil Nägas 
bei seiner Bekehrung zum Buddhismus mitgewirkt haben sollen. Über sein Leben 
haben wir zwei Legenden, eine sehr alte chinesische und eine jüngere tibetische, die 
ich, da sie beide aus verschiedenen Gründen interessant sind, kurz mitteilen will. 

Die cliinesische Fassung (bei Wassiljew, Der Buddhismus I, 232, 211 fg.) lässt 
ihn Indien durchreisen, alle Wissenschaften: Astronomie, Geographie, mystische 



— 30 — 

und maj^isclie Künste ebenso eifrig studieren wie die Vedas, die er schon als 
Kind auswendig wusste; sie lässt ihn drei ausgezeichnete Lehrer und endlich 
das Mittel linden, sich unsichtbar zu machen. Unsichtbar besucht er mit seinen 
Freunden den Harem eines Königs, aber die Fussspuren werden entdeckt und 
seine drei Freunde in Stücke gehauen. Seine kluge Art, sich zu verbergen, imd 
das (iclübde, buddliistischer Mönch werden zu wollen, rettet ilm; er führt das 
Gelübde aus und lemt die drei Pitakas und von einem alten Mönch im Himälaya 
das Mahäyäna. Aber alle Kommentare befriedigen ihn nicht; er will eine neue 




• 3JB|ä|-q jn-'S'^'^l 



51 



Abb. 23. QrinÄiha Nägärjuna oder Bodhisatva Näj,^rjuiia. 

Tibetisch mOon-po Klu-sgrab, dPal-mgon Klu-sgrnb; mongolisch Nagandxuna bakii == Lur 

btttüksan k^ntoktu. 
Er hat den Typus von Buddha • Figuren ; denn Kftgftrjnna fhat die Merkmale Buddhas», 

Schief ner, TAranAtha II, 304. 

Auf Gom&Iden ist die Hautfarbe weiss, das Haar blanschwarz, das Unterkleid dunkelkirschrot, 

das Oberkleid hochrot, der Liohtkranx um die Figur hellblau mit goldnen Strahlen, der Nimbus 

hellgrau - grttn mit (roldrand. Bio mittlere der sieben Schlangen ist gelb, die übrigen grau mit 

weissem Bauch und schwarzen Ringen. 



Religion gründen, kommt aber damit nicht zu stände. Da bringt ihn der Näga- 
könig ins Meer und zeigt ihm unbekannte Bücher; er studiert sie und kehrt mit 
Schriften beladen auf die Erde zurück. 

Ein damaliger indischer König liatte keine Achtung vor der Lehre Buddhas. 
Nftgarjuna, der ihn gewinnen wollte, zog jahrelang mit einer roten Fahne vor ilim 
her, und als der König von ihm eine Probe seiner Allwissenheit hören wollte und 
ihn frug, was jetzt im Himmel geschehe, gab ilim Nägärjuna zur Antwoit, es sei 
im Himmel ein Krieg zwisdien den Göttern ulevas) und Nichtgöttern (asiuas) — 
^"*" Beweis fielen Waffen und abgehauene (Uieder der Asuras vom Himmel 



— 31 



herab vor dem König nieder! Da wurde der König gläubig, und Nägarjuna ver- 
breitete die Religion gewaltig. Auf den Wunsch eines Lehrers des Hinayana ver- 
schloss er sich in ein Gemach und verschwand! 

Anders lautet die tibetische Fassung. Einem reichen Brähmana in Vidarbha 
wird ein Sohn geboren — schon dieser Sohn war durch reiches Almosengeben 
erfleht — , aber als dem Kind das Horoskop gestellt wird, muss dem Vater ver- 
kündet werden, dass es nur sieben Tage zu leben habe. Durc'h neues Almosen- 
geben 'und andere Heilswerke werden die Lebenstage des 
Sohnes auf sieben Monate und endlich auf sieben Jahre 
verlängeit. Darüber hinaus aber giebt es keine Verlänge- 
rung. Auf den Hat des Bodhisatva Avalokitegvara wird 
der Knabe nach Nälanda in das Kloster gebracht, wo er 
bei Saraha (Rähulabhadra) studiert und den Buddha Ami- 
tayus verehren lernt. Die fatale Stunde geht vorüber. Er 
wird Mönch im Kloster ^^iilanda und es gelingt ihm, die 
Göttin Candikä zu bannen, indem er, um sie festzuhalten, 
einen hölzernen Zauberdolcli (Abb. 24) im Hofe eines von 
ihm erbauten Tempels des Bodhisatva Manjugri befestigt. 
Die Göttin bedient die Klosterinsassen in der Gestalt eines 
Mädchens. Als der Koch ihr nachstellt, verspricht sie ihm 
zu Willen zu sein, wenn er den Zauberdok'h verbrenne. 
Dies geschieht, und die Göttin entflieht. 

Als Nägarjuna diesen Verlust durcli überirdisclie Ein- 
sicht erkannt hat, sudit er die herrschenden Fürsten zu 
gewinnen, um die Religion uielir zu verbreiten. Mittelst 
zauberkräftiger Blätter gelangt er auf eine ferne Insel im 
Meere, wo er einem alten Zauberer die Kunst des Gold- 
machens abringt. Durcli seine Zaul)erblätter kehrt er nach 
Indien zurück, wo er l)ald übernatürliclie Gaben (siddhi) 
erlangt und sein Kloster mächtig fördert. Er bekämpft 
den Brähmana (^ankara, baut Tempel und errichtet Götter- 
bilder. Die Nägas besuchen ilm in Gestalt kleiner Knaben 
und laden ihn ein, ins Meer zu kommen und bei ihnen 
zu bleiben. Er lernt bei ihnen unbekannte Bücher, kehrt 
aber nach Indien zurück, da hier sein Wirkungskreis sei. 
Auf einer seiner Reisen nach dem Norden (Uttarakuru) be- 
gegnet er einem Knaben, dem er vorhersagt, dass er König werden würde, und 
zwölf Jahre später, als er dorthin zurückkehrt, findet er ihn wirklich als König. 

Dies war Udayana, der auch Äntivähana hiess. Udayana lernte die Zauberei 
(die Tantras) von Nägarjuna und konnte nicht früher sterben als dieser. Da begab 
sich der Sohn Udayanas, welcher König werden wollte, zu Nägarjuna und verlangte 
seinen Kopf, um. seinem Vater nachfolgen zu können. Als alle W^affen versagen, 
wird der Kopf des Heiligen mittelst eines Kugagrashalmes abgeschnitten — in 
früherer Existenz hatte der Heilige den Prinzen, der damals ein Wurm war, mit 
einem Kugahalme zerschnitten. Im Moment des Todes zeigt der Heilige an, do«^ 




t ^^3 » 

Abb. 24. Fur-bu, 
hölzemer Zauberdolch. 

Dor Kopf des Dämons, welcher 
den Griff bildet, ist dunkelblau, 
die drei Augen sind gelbrot 
gerändert, die Schädel weiss, 
Kronenspango hellgelb, ebenso 
der Ohrschmuck ; das struppige 
Haar iet feuerrot. 



— 32 — 

er wiederkouiuieii weide und sein Haiii)t wieder mit dem Rumpfe vereinigt werden 
würde. Ein Dämon (Yaksha) schleppte das Haupt weg — und Rumpf und Haupt 
wurden zu Stein. Aber sie rücken immer näher aneinander, und wenn sie sich 
vereinigen, wird der Dämon vcm Gayä die Stadt (iaya zerstören. Nägärjuna 
aber wird wiederkommen und hundert Jahre lang Gittern und Menschen die Ijehre 
Buddhas predigen. 

Für unsere Zwecke ist es von besoiulerer Bedeutung, dass ihm die tibetische 
Fass\mg seiner Legende das Errichten von zahlreichen Götterbildern xu^pricht, 
besonders deshalb, weil gerade die in den tibetischen kanonischen Schriften (Ab- 
teilung Tanjur) ilnu zugeschiiebenen Werke * nicht nur eine ganze Menge von 
Götternamen enthalten fAvalokite(;vara, Manju^-ri, Yaksha -König Vajrapani, Haya- 
griva [der pferdenackige Gott]), Mahakala, Mahakalidevi und Tara), sondern geradezu 
Preislieder (Stotras) auf Gottheiten dabei sind. In diesen Stotras werden aber die 
Götter meist genau beschrieben imd ihr Wirkungskreis dargestellt. Wenn wir nun 
kaum die erhaltenen Texte ihm direkt werden zuschreiben dürfen, so ist doch die 
Thatsache, dass diese Dinge an seinem Namen hängen, l)eachtenswei*t. In diesem 
Zusammenhang darf auch daran eiinnert werden, dass die Buddhastatue Uddyanas 
(vgl. S. 19) oder Äntivähanas (Antiochos) auf die Buddha typen der (iandhara- 
Periode zurückgeführt werden kann. Was seine Bauthätigkeit betrifft, so haben 
wir die Nachricht, (hiss er einen Steinzaun um den Tempel von Dhänyakataka 
gebaut hat. 

Dies giebt einen Wink für seine Datierung. Ein festes Datum für ihn anzu- 
setzen wage ich nicht; genug, er war der Gründer der Mahayami-Schule: die 
Gandhära-Skulpturen (von :^0 n. Clir. an während einiger Jahrhunderte) gehörten 
der Mahäyäna-Schule an. Er nuiss also etwa gleichzeitig mit diesen gelebt haben; 
Eitel giebt 194 n. Chr. als sein Todesjahr an. Es giebt Legenden, die das 
berühmte Kloster zu (Jri(;aila an der Krisln.ia als seinen Sterbeort bezeichnen. 
Die lange Lebensdauer, welche wir oben erwähnt haben, hat Wassiljew sehr 
passend auf die ganze von Nägärjuna ausgehende Scliule bezogen: eine neue 
Phase, die wir die brahmanische Systematisierung nennen möchten, die mit 
Nägärjuna beginnt und mit Asanga und Vasubandhu zu Ende konmit. 

Es ist hier nicht der Ort, die Philosophie des Nägärjuna ausführlicher dar- 
zulegen, und ich würde kaum wagen, dies zu thun. Doch sind ein paar Winke 
über das Wirken dieser «Sonne der Religion» (die übrigen drei «Sonnen» .sind 
r^kv<5LTrijini^ Atica und Tson-k'ajhg;)i»-^j^g^jp^ jiötig. 



Als Hauptwerk ^Nagarjunas gilt die Prajnäparamitä, ^<die ans jenseitige 
Ufer der Welt (mit ihren Wiedergeburten: sansära) gelangte Weisheit»; es ist 
dies eben jenes Buch, das er den Nägas verdankt. Sie s(dlen es aus Gautama 
Buddhas Munde vernommen und bei sich behalten haben, bis eine Generation 
kommen würde, welche befähigt sei, es zu verstehen. Als der Kern seiner Lehre 
erscheint der Alu^druck günyatä, was man gewöhnlich mit «die Leerheit» übersetzt. 
Wir haben erwähnt, dass nach der Ansicht auch des alten Buddhismus alle Wesen 
nur eine Existenzform (satva) bilden, von denen die mensdiliche allerdings die 
beste ist, da in ihr die Befreiung erlangt werden kann. Im alten l^uddhismus 
war es das Ziel des Einzelnen, sich durch Selbstbeherrschung und tugendhaften 



— 33 — 

Wandel seine Erlösung zu erringen : die Buddhas und Bodhisatvas zeigten den Weg 
dazu. Aber bald gingen in Bezug des Begriffes «satva» die Meinungen auseinander, 
und die achtzehn Sekten, die nach dem Konzil von Vaigiili sich befehdeten, das zur 
Einigung nur den Satz beschliessen konnte: «Der Lehre Buddhas könne allein 
entsprechen, was der Vernunft nicht widerspräche», traten einander bald in den 
schärfsten Gegensätzen gegenüber. Während die einen — so besonders die Sar- 
västivädi-Sekte — die Fortdauer der «satvas» behaupteten, redeten ihre Gegner 
der völligen Auflösung des «satva» durch die Erlösung das Wort. 

Nägärjuna fand den Mittelweg, die Madliyaniika-Philosophie, indem er von zwei 
Grundsätzen ausging, die er aufstellte: die Existenz der Illusion (Samvrittisatya) 
und das Selbstbewusstsein des Weisen in Selbstbeschauung, welche die Illusion 
überwinden kann (Paramärthasatya). Durch eine scharfe bedingungsweise Beweis- 
führung kommt er dazu, duich das Leugnen der Extreme der Existenz auch die 
Nichtexistenz zu leugnen, welche nicht erkannt werden kann. Daher ist die Welt 
zu überwinden nicht, weil sie der Heimatsort des Übels ist, sondern weil sie 
unreal (leer) ist und nichts enthält, was den Geist befriedigen kann. Zulassung 
einer subjektiven Vorstellung ist schon Verfinsterung, ein Hindernis der Reinheit. 
Gewöhnliche Moralität genügt daher nicht zur Befreiung — das Wort «mukti» 
stellt sich hier wieder ein; die Befreiung muss vielmehr durch ausserordentliche 
Tugenden angestrebt werden: Almosengeben, Moralität, Geduld, Ausdauer, Medi- 
tation und Erkenntnis (prajfiä). So ist die Tugend des Almosengebens so gestei- 
gert (param itä), dass der Religiöse zum Heile der Kreaturen alles, sogar sein 
Leben opfert. Wer die Tugend der ans Ende gelangten Prajfiä besitzt, ist am 
Ziele, denn Raum und Zeit, alles Endliche bestellt nur in der Illusion. 

Die Bodhisatvas — eine ganze Reiiie tritt auf, bald sogar mit weiblichen 
Energien — erweitern ihren Berufskreis. Die höchsten unter ihnen sind fast 
Buddhas; sie könnten es sein, wenn sie nicht v()rz()gen. zum Heil der Kreatur ihre 
transcendenten Tugenden auszuüben. Als Buddha erhält der vollendete Bodhi- 
satva den magischen Leib (nirmänakäya), in dem er die Welt besucht, lehrt, wirkt 
und stirbt (bald — sicher nicht am Anfang der Mahäyäna-Schule — tritt der zweite 
Leib des Buddha auf, in dem er sich aller seiner Vollkommenheiten erfreut 
[sambhogakäya]). Nach dem Tode des Nirmänakäya blieb der Leib der personi- 
fizierten Lehre, der Dharmakäya, ewig in Meditation versunken, ewig als Basis 
des Ganzen, tausend-, ja millionenmal für jedes Weltalter wiederholt. 

Hatte der alte Buddhismus die Existenz der brahmanischen Götter nicht 
beachtet und stillschweigend gelten lassen» so lässt die Mahäyäna-Schule sie als 
mitbeteiligt auftreten; sie greifen als Schützer der Religion direkt ein und erhalten 
ihren angestammten Kult. 

In der Lehre von der Leerheit lag aber noch ein Keim, der, bezogen auf 
die durch die transcendentalen Tugenden zur Vollkommenheit gelangte über- 
natürliche Kraft des Heiligen, eine praktische Wirkung hatte, die sich bald eigen- 
artig entwickeln sollte. Der über die Illusion Erhabene kann das der Illusion 
Untenvorfene festhalten: sein Wort — eine Kernformel, welche fasst — mid der 
plastische Ausdruck des Bannwortes (dhäranl), die Eingerstellung (mudrä), haben 
übernatürliche Kräfte. 

OmÜNWKDKL. ä 



34 — 




Abb. 25. Aryadeva, Devabodhisatva udor 
Nilanetra. 

Tibetisch rJe-btsun ^P^ags-pa lha;^inonKoli8ch 

nur Umschrift des Sanekritnamens Aryadeva 

Wenn bemalt, ist die Hautfarbe weiss, Milt/.e und 

Oberkleid hochrot, Unterkleid dunkel rot, Nimbus 

graugrün, Kissen und Lehne hellblau, Lotu88it% 

hell rosa. 



Die im altindiscben Leben tiefliegeiule 
Lehre von der Bannung oder Bezaiiberung 
entwickelte sich daraus. Schon das altindisehe 
Opfer der Veda-Periode war kein Bittopfer, 
sondern ein Zauber; der Gott erhielt seine 
Gabe und war gezwungen zu geben, was man 
verlangte. Schon der alte Buddhismus kannte 
die Wirkung der Meditation, die Betrachtung 
über einen bestimmten Gegenstand zur Selbst- 
belehrung, z. B. nach den Farben, nach den 
Formen einer Blume in Bezug auf eine be- 
stimmte zu erringende Vollkommenheit. Beide 
Elemente kommen auf der Basis der oben 
skizzierten Anscliauung zusammen, und die 
Tantras nehmen ihren Entwicklungsgang bis 
zum System der Zauberei, das nunmehr fast 
die Hauptsadie wird. 

Indem wir unter allem Vorbehalt diese 
Notizen referierend wiedergeben, müssen wir 
vor allem daran erinnern, dass wir diese Ent- 
wicklung nur der ganzen mit Nagärjuna beginnenden Periode zuschreiben dürfen, 
ohne genau sagen zu kiumen, was jedem der einzelnen Lehrer zugehört. 

Ebenfalls aus dem Süden und zwar aus CVylon stammt eine Persönlichkeit, 
die als Schüler des Nfigarjuna hingestellt wird. Äryadeva^*^ oder Deva- 
bodhisatva (Abb. 25 ); er führt auch 
angeblich wegen zweier dunkler Flecken 
auf den Wangen den Namen «der Schwarz- 
augige» (Nilanetra). 

Seine Biographie { bei Wassiljew, 
a. a. 0., S. 234 [214]) berichtet, dass er 
in Südindien aus brahmanischem Ge- 
schlecht geboren sei und sich durch seine 
Kenntnisse berühmt gemacht habe. «In 
seinem Königreich war ein aus Gold ge- 
gossenes Idol des Mahe(;vara . . . ., die, 
welche kamen (um ihre vom Gotte stets 
gewährten Bitten erfüllt zu sehen), wur- 
den nicht in die Nähe des Idols gelassen, 
aber Deva bestand darauf, dass man ihn 
zuliess, und als der erzürnte Geist die 
Augen zu rollen anfing, riss er ihm (soll 
heissen: sich?) ein Auge aus; darauf er- 
schien am andern Tage Mahe^vara und 
versprach ihm, dass man seinen Worten 
Glauben schenken würde ... Da er früher 




XZ^(r^(Ki;i 



Abi). 2G. Der Zauberer (^'üravajra. 

Tibetisch dPa-ho rdo-rje. 
Wenn bemalt, ist die Körperfarbe weiss, Lendentuch 
t?rUn, langes Oberkleid mit tiatternden Zipfeln feuerfar- 
bi^, Mundorla hellblau, Nimbus hellgrau mit (ruldrand; 
in der linken Hand die mit Blut gefüllte Schädelschale. 



— 35 — 







Abb. 27. Der Mahäyäna-Lehrer iryäsaiiga 
(Asan^^a) aus Purushapura (l^eschaiir). 

Tibetisch r.lc-btsun T*off8-raed; mongolisch Tttr- 

bäl ügäi bakAi. 
Wenn bomitlt: Hautfarbe weia«; Obcrkleid xin- 
iioberr«»t, ebenso ilio Mütze, Unterkleid dunkel- 
rot; Aureole hellgrau mit Ooldrand; Kissenlchno 
bellblau; LotuM bellrosa. 



Mahe^vara eines seiner Augen gegeben hatte 
und einäugig blieb, erhielt er auch den Namen 
Känadeva, der , einäugige Deva'». 

Es ist merkwürdig, dass die südindische 
Mythologie thatsächlich einen Verehrer (Jivas 
(Mahe^varas) keimt, von dem eine fast gleich- 
lautende Legende erzäldt wird; er lieisst 
Kannappanäyanär.33 Es wird als Geheimname 
Aryadevas, welchen er bei den Anhängern der 
mystischen Schule gefühlt haben soll, der ety- 
mologisch unklare Name Karnaripa (Karnarüpa) 
erwähnt. Man hat den Eindruck, als ob 
dieser Name mit dem dravidischen Kannappa 
identisch sei und beide vielleiclit Missfornien 
und Umdeutungen eines andern uns unbe- 
kannten seien; der oben erwähnte Name 
Nilanetra gehört sicher in denselben Zusam- 
menhang. In KoQala soll er mit NAgarjuna 
zusammengetroffen sein und sich als seinen 
Schüler erklärt haben. Sein Hauptwerk schrieb 
er in Prayäga. Als ein Lehrer von ihm wird 
der Zauberer König ^üravajra bezeichnet (Abi). 20), als sein Hauptschüler der 
berühmte Dharmaträta oder Dharmätala aus (uiiidhara (Abb. 3), der bisweilen 

zu den Sthaviras gezählt wird. 

Tausend Jahre nach Gautama Buddha 
wurde nach Hiuen-Thsang der Mönch geboren, 
auf welchen die Tradition die Ausgleichung 
des Hindu- Göttersystems mit der Lehre des 
Mahäyäna zurückführt. Er soll aus brahma- 
nischer Familie stammen, deren Namen Kau^ika 
Wassiljew nennt, und ursprünglich Vasubandhu 
geheissen haben. Er gehörte der Sarvästivädi- 
Schule an, soll aber den Begriff der (^ünyatä 
nicht hallen erfassen können und sich selbst 
deshalb haben töten wollen. Aber der Arhat 
Pindola aus Purvavideha (Abb. 3) verhinderte 
ihn daran und versuchte, ihn vom Standpunkte 
des Hinayaiia aus aufzuklären. \'asubandhu 
genügten aber diese Belehrungen nicht und 
er wandte sich daher an den im Himmel 
Tushita weilenden Bodhisatva Maitreya. Von 
diesen wiederholten Besuchen im Himmel, die 
ihn endhch den Sinn des Mahäyäna ver- 
stehen leinten, bekam er, da er endhch volle 
Anschauung erhielt, den Namen Asanga^**, 

3* 




Abb. 28. Vasubandhu. 

Tibetisch rJe-btsun dByig-gnjen; mongolisch 
Ärdäni-iu nökUr. 
Wenn in Farben: rote Mutze, hochrote» Ober- 
kleid, dnukelrotes Unterkleid, graugrtlne Aureole ; 
hellblaue Polsterlehne. Auf einem Tischchen im 
Hintergründe fliegen Bücher. Auch dieses Bild 
ist, wie das Aryadevas und Asaügas, ein con- 
ventiouelles ; besonders die Mütze ist ein starker 
Anachronismus. 



— 36 — 

«der, welcher kein Hindeniis hat». Vierzig Jahre lang soll er der Lehre des 
Mahäyäna gedient haben. Unter den zahlreichen Werken, die ihm zugeschrieben 
werden, ist das bedeutendste das Yogäcäryahhümi^ästra. Er soll beinahe hundert- 
undfünfzig Jahre alt in Räjagriha gestorben sein. 

Ich will schon hier erwähnen, dass sicli in Japan ein traditionelles Porträt 
Asaiigas erhalten hat, das, im 8. Jahrhundert entstanden, noch deutlich die Spuren 
der Gandhära- Schule verrät und zu den Meisterwerken japanischer Kunst, viel- 
leicht der Kunstgeschichte überhaupt zählt. Die in Abb. 27 gegebene Zeich- 
nung ist ein konventionelles Mönchsbild in tibetischem Stil , ohne irgendwelchen 
historischen Wert; es hat nur im Lamaismus allgemeine Geltung und beweist in 
für Tibet sehr negativer Fonn die Güte der japanischen Tradition. 

Asaiigas System, die Yoga- oder T antra- Schule, führt die oben 
kurz angedeuteten Ansätze systematisch aus. Durch mystische Formeln (dhä- 
ranis und tantras) bringt sich der lleligiose (Yogi) unter Musikbegleitung und 
mystischen Fingerstellungen (mudra) in ein Stadium der Beschauung (samädhi), 
in welchem er den ihm erwünschten Bodhisatva oder (iott sieht und Wunder- 
kräfte (siddhi) erlangt. Wesentlidi ist z. B. die folgende Ceremonie zum Beginn 
einer Samädhi. 

Man beginnt damit, eine Dliarani-Formel oder den Anfangsbuchstaben einer 
solchen, z. B. HRI oder BHRIM u. s. w.. an einer bestimmten Stelle seines Körpers 
zu beschauen, je nach der Eigenart des zu bannenden (lOttes an Hals, Brust, 
Nabel u. s. w.; dann muss man daran denken, dass der eigene Leib der Reflex 
des Dhärant- Zeichens ist, wie der Reflex in einem S})iegel; dieses dient zur Ein- 
leitung, bis man in das Stadium kommt, den Gott zu sehen. 

Zauberkreise (mandalas), Brandoi)fer (homa), wobei Senfsamen eine wichtige 
Rolle spielt, sind erforderlich; eine besondere Art der Bannung ist die mit Hilfe 
einer frischen Leiche, in welche man einen Geist herabruft, um von ihm, der die 
Leiche belebt, Wunderkräfte zu erlangen ( V'etalasiddliij. 

Es erübrigt noch, daran zu erinnern, dass Nägärjuna, Äryadeva und Asanga 
auf Bildern sehr häutig zu einer Trias vereinigt werden und dann an der Mittel- 
figur Nägärjuna, dessen l)uddliaähnliche Gestalt mit den Sclilangen über der Aureole 
auffällt, auch wenn keine Namen beigeschriel)en sind, doch leicht erkannt wer- 
den können. Eine zweite Trias bilden die Heiligen Vasubandhu, Dinnäga und 
Dharmakirti; alle sechs zusammen sind die sogenannten sechs Zierden von 
Jambüdvtpa (Indien). 

Als jüngerer Bruder des Asanga (oder, wie wir gesehen haben, Vasubandhu 
Asanga) gilt der Heilige, der nur mit dem Namen Vasubandhu ^^ (Abb. 28) 
ins Pantheon aufgenommen worden ist. Obwohl die Legenden über die Lebens- 
umstände (Geburtsort u. s. w.) schwanken und teilweise Rekonstruktionen sind, hat 
<loch Vasubandhu seinen festen Typus, d. h. er ist ebenso wie die schon erwähnten 
HeiUgen der Repräsentant einer bestimmten Pliase des Mahayäna- Systems, ohne 
dass wir bis jetzt eine genauere Normierung angeben könnten. Vasubandhu gilt 
vor allem als Vertreter der Amitäbha- Doktrin, d. li. der Lelire von einem Para- 
diese, genannt Sukhävati, in welchem der Buddlia Amitäbha residiert und in 
dessen Umgebung die Seelen der Guten aus Lotusl)lumen wiedergeboren werden: 



— 37 — 

ein Paradies, welches als im Westen von Indien liegend gedacht ist. Dort wieder- 
geboren zu werden, ist namentlich das Ziel der tugendhaften Laien, welche nicht 
die strengen Pflichten, um ein Bodhisatva zu werden, auf sich nehmen können. 
In der Praxis ist diese wohl persischen Vorstellungen entsprungene und an den 
Anfang des Mahäyäna zu stellende Lehre so weit entwickelt worden, dass sie die 
alte Lehre von Buddha fast verdrängt hat. Der am häufigsten — namentlich in 
Cliina und Japan — dargestellte Buddha ist Amitäbha in seinen verschiedenen 
Formen, über welche wir unten mehr mitteilen wollen. 

Es wird ferner von Vasubandhu berichtet, dass er, ursprünglich ein sehr 
gelehrter Anhänger des Hinayäna - Systems, sich gegen die Lehren seines Bruders 
ablehnend verhalten, aber, mit ihm selbst zusammengetroffen, sich bekehrt und das 
Mahäyäna-System ernstlich betrieben und verbreitet habe. Er soll auch nach Nepal 
gekommen und dort für die Mahäyäna-Lehre thätig gewesen sein. Interessant ist 
ferner eine Notiz Täranäthas, dass Schüler Vasubandhus das Mahäyäna-System nach 
den «östlichen Koki-Ländern» gebracht haben. In der That finden sich im Buddhis- 
mus Hinterindiens, der nur der südlichen Kirche, also dem Hinayäna angehört, 
Mahäyäna-Elemente, ganz besonders in der bildenden Kunst. Man wird also diese 
Thatsache mit Täranäthas Notiz in Zusammenhang bringen dürfen. Von seinen zahl- 
reichen Werken ist ein kleiner interessanter Text, Gäthäsamgraha, aus dem Tibe- 
tischen in das Deutsche übersetzt worden. 

Mit Vasubandhu sind die Hauptvertreter der Mahäyäna-Schule abgeschlossen. 
Ebenfalls dem Mahäyäna gehören dieArhats (tibetisch dGra-bcom-pa) an, welche, 
sechzehn (siebzehn oder achtzehn) an Zahl, unter dem Namen Sthaviras^* 
(tibetisch gNas-brtan), die «Ältesten», einen hervorragenden Rang beanspruchen 
und bildlich oft dargestellt werden. Sie sind die berühmtesten aus einer ganzen 
Gruppe von fünfhundert Arhats. Über ihre Lebensverhältnisse ist bis jetzt leider 
wenig bekannt. Die auf Abbildung 3 neben Buddlia und seinen Lieblingsschülern 
Qäriputra und Maudgalyäyana dargestellten sind ausser dem schon erwähnten 
Dhanuaträta oder Dharmätala die folgenden (die indischen Namen sind zum Teil 
Rekonstruktionen Schiefners, die durch chinesiche Umschriften gestützt sind): 

1. Angaja oder Agnija?, tibetisch Yan-lag-'byun, Me-skyes. Er ging als 
Missionar nach dem Te-se-Gebirge (in mNa-ris, Tibet): seine Attribute sind 
Räuchergefäss und Wedel. 

2. Ajita, tibetisch Ma-pam-pa, Mi-p'am-pa. Er ging nach dem Rishi-Berg 
ÜQira. Kenntlich ist er dadurch, dass er die Hände meditativ im Schoosse 
liegen hat. 

3. Vanaväsa (Khadiravana), tibetisch Nags-na-gnas, Sefi-ldeh-nags-pa. 
Er wirkt in Qrävasti und in der Berggrotte Saptaparna (?). Sein Attribut ist 
ein Wedel. 

4. Kälika, tibetisch Dus-ldan oder Nag-po. Er geht als Missionar nach 
Tämradvipa. Er ist kenntlich an zwei goldenen Ohrringen , die er in den Händen 
hält. (Auf Abb. .3 1.— 4. Mittelbild). 

5. Vajriputra, ^arana Vatsaputra, tibetisch rDo-rje moi-bu; er geht nach 
Simhaladvipa (Ceylon). Kenntlich an der erhobenen Rechten und dem nach unten 
hängenden Wedel in der Linken. 



— 38 — 

6. Bhadra, tibetisch bZan-po. Er geht als Missionar nach Yamunädvtpa. 
Sein Attribut ist ein Buch in der Linken, die Rechte ist lehrend erhoben. 

7. Kanakavatsa oder Gopäla, tibetisch gSer-beu, gLan-po-skyon. Er geht 
nach dem Berge abester Safran» in Käshmir. Sein Attribut ist die Wurfschlinge. 

8. Kanakabharadväja, tibetisch Bhara-dhva-dsa gser-can. Er geht nach 
Aparagodäna. Kenntlich an seiner meditierenden Pose: beide Hände im Schooss. 

9. Vakula, tibetisch Ba-ku-la oder Sre-mon. Er geht nach Uttarakuru. 
Sein Attribut ist eine Ratte, weldie ein Juwel speit. 

10. Rähula, tibetisch sGra-can-dsin. Er geht nach Priyangudvlpa. Sein 
Attribut ist eine Krone. 




Abb. -ÜK Ein Mahäsiddha. 

Tibetisch Grub-öSm. 

Die Oriffinalbezeichnung (durch einen njongolischen Lama) nennt ihn rnal-'byor-pa; die tibetische 

Übersetzung von Sanskrit: Yogi ^^ Anhänger des Yoga, Asket, Zauberer« ohne nähere Bezeichnung. 

Aus der Sammlung des Fürsten Uchtomskij. 

11. Ciidapanthaka, tibetisch Lam-p'ran-bstan. Er geht nach dem Berge 
Gridhraküta in Magadha. Er sitzt in Meditation. 

12. Pindolabharadvaja, tibetisch Bha-ra-dhva-dsa bsod-snjoms-len. Er 
geht nach Pürvavideha. Seine Attribute sind Almosenschale und Buch. 

13. Panthaka, til)etisch Lam-bstan. Er geht in den Himmel der «dreiund- 
dreissig» Götter. Er erläuteit aus einem Buche die Lehre. 

14. Niigasena, til)etisch kLui-sde. Er geht nach dem Berge Urumunda bei 
Räjagriha. Seine Attribute sind ein Wassergefäss und der Rasselstab Khakkhara, 
tibetisch 'K'ar-gsil. 

15. Gopa, Gopaka, tibetisch sBed-byed. Er geht nach dem Berge Bi-hu. 
Sein Attribut ist ein Buch, das er mit beiden Händen hält. 

16. Indischer Name unbekannt, tibetisch Mi-p'yed. Er gelit nach dem Himä- 
laya. Sein Attribut ist ein kleiner Stupa eines Bodhisatva, den er in den Händen hält. 




Abb. 30. rJe-btsun K*ol-po-d^, einer der Mahäsiddhas. 

über ihm schwebt Tai-lo-pa, ein anderer Mah&siddha. Im Vordergrand tanxende Mohammedaner und 
xwei Hindtia an einer Ziegelquetschmaschine. Hautfarbe der Mittelflgur hellbraun, die Tai-lo-pas dank.«l> 

braun. Die Kleidet matt^eiM. 



— 40 — 

(Auf Abb. 3 sind 5 — 16 von oben an gegenüberstehend auf den Seiten- 
blättern dargestellt; nur in der zweiten Reihe der linken Seite ei'scheint eine Um- 
stellung, wodurch die zwei Bharadväjas untereinander stehen.) 

Als 17. Arhat wird der schon erwähnte Dhannaträta aufgeführt und als 
18. und gleichzeitig als Repräsentant der Mahäyäna-Schule der sogenannte «Dick- 
bauch-Buddha» Hva-shan, ein Mönch mit dickem Bauche, umspielt von Kindern, 
der auf Abbildung 3 wohl aus Sektengründen weggelassen ist. 

Bevor wir diese Skizze der altern Periode des nördlichen Buddhismus 
schliessen, müssen wir noch einer Gruppe von 84 Heiligen gedenken, die in der 
M)thologie des Lamaismus eine grosse Rolle spielen. Von ihren Biographien 
kennen wir bis jetzt wenig: nur Auszüge in Wassiljews Nachträgen zum Täranätha 
stehen uns zu Gebote neben gelegentlichen Mitteilungen bei diesem tibetischen 
Historiker selbst. 

Es sind dies die sogenannten Mahäsiddhas, tibetisch Grub-6'en, deren 
Thätigkeit mit dem Beginn des Mahavtina einsetzt und bis zum 13. Jahrhundert 
hinabzureichen scheint. Schon Saraha oder Rähulabhadra, der Lehrer Nägärjunas, 
gehört (wie dieser selbst) zu ihnen, und wir werden mit der Annahme nicht irren, 
dass die eigentliche Entwicklung des Tantra-Systems, d. h. der Zauberei, ihr Werk 
genannt werden kann. Die ausführliche Bearbeitung ihrer Biographien mit den ihnen 
zugeschriebenen Werken würde viel zur Geschichte dieser entartetsten Periode 
des Buddhismus beitragen. 

Besonders interessant sind sie schon durch ihre fremdartigen, unindischen 
Namen, welche über Indien hinausführen, obwohl die meisten unter ihnen in 
Indien gewirkt haben sollen. Namen wie Bir-va-pa, Na-ro-pa oder Na-ro-ta-pa, 
Lui-pa, Di-bhi-pa, Ka-so-ri-pa, neben denen sanskritisierte Namen erscheinen, ver- 
hüllen eine uns noch völlig unbekannte Periode der Entwicklung des nördlichen 
Buddhismus. Wir wollen uns daher mit ihnen nicht weiter aufhalten und nur 
erwähnen, dass sie auf Bildern und in Bronzen, in Tracht und Haltung von indischen 
Asketen dargestellt werden. Wie indische Asketen sind sie, von einem Lenden- 
tuche abgesehen, meist ganz nackt, tragen das Haar auf dem Scheitel zu einer 
tuimartigen P^rhöhung (Sanskrit jata, tibetisch Ican-lo) aufgebunden; die unter den 
Körper gelegten Füsse sind meist mit einem vom Oberkörper herabhängenden 
Gurt, wie ihn heute noch Brähmana- Asketen benutzen, zusammengehalten. 

Ihre Attribute schwanken; so hält Saraha einen Pfeil (Sanskrit Qara), Dril- 
bu-pa eine Glocke in der linken Hand, in der rechten eine kleine Trommel (Sanskrit 
damaru, tibetisch can-te, can-teu), Lui-pa verzehrt Fischeingeweide, LaUtavajra, 
Nag-po spyod-pa, Dsa-wa-ri-pa halten eine Schädelschale (Sanskrit kapala, tibetisch 
t'od-pa), die mit Blut gefüllt ist, Dombhi-pa und Na-ro-pa eine Trommel und 
Schädelschale, Qa-va-ri-pa einen Leibgurt von Pfauenfedern, welcher indes nur eine 
Umbildung eines alten, dem Stamme der (^avaras (Sauras) eigentümlichen Blätter- 
kleides darstellt (Sanskrit parna bedeutet sowohl «Blatt» als «Feder»). Ausserdem 
führt er einen Bogen u. dgl. mehr. Etwas abweidiend ist der auf Abb. 30 dar- 
gestellte K'ol-po-dga; vor ihm tanzen muhammedanische Derwische, während wir 
im Vordergrund den Heiligen, der aus niedrigem Stande war, als Arbeiter mit 
einer Stampfinaschine Ziegelmehl bereiten sehen. Ich vermute daher, dass er mit 



41 




dem bei Täranätha erwähnten Siddha Tenki identisch ist; denn eine solche Ziegel- 
stampfmaschine heisst im Hindi dhenki oder dhenka. ^^ Die auf Abb. 29 dargestellte 
Bronze ist ebenfalls ein Siddha, doch ist es unmögUch, sie genauer zu benennen. 

Das Auftreten von Hindi -Namen, wie Tenki, führt uns zu einer Periode 
herab, in der das Sanskrit und die daraus entsprungenen Präkritdialekte schon aus 
den Fugen gegangen waren und Neubildungen, wie das Hindi (oder besser Hindüi) 
eintraten. Das Auftreten ganz fremdartiger Namen, worauf wir schon oben auf- 
merksam gemacht habjen^ wird durch die folgenden Erwägungen noch besonders inter- 
essant, wenn es auch zur Zeit unmöglich ist, daraus direkte Beziehungen abzuleiten. 

Wir wissen aus den Nachrichten der chinesischen Pilger, dass in den ersten 
Jahrhunderten n. Chr. Turkistän (Borazan, 
Khotan u. s. w.) buddhistisch waren, wir 
wissen ferner, dass schon im Indoskytlien- 
Reiche — die Indosivythen hatten vielleiclit 
schon in ihrer Heimat den Buddhisnuis ken- 
nen gelernt — eine uns im einzelnen noch 
unentwirrbare Vermischung der verschieden- 
sten Völker stattgefunden liat; ferner wissen 
wir, dass Ostpersien zum Teil dem Buddhis- 
mus gewonnen war — so stammt der heute 
noch im Kloster Se-ra bei Lha-sa aufbe- 
wahrte Zauberknüttel (vajra) aus Persien. Die 
epochemachenden Entdeckungen der Russen 
in Turfan (Takla-Makan) müssen hier zu- 
sammen mit denen Sven Hedins in Borazan 
erwähnt werden. Ausserdem weisen die Jüngern 
Systeme auf die im Nordwesten von Indien lie- 
genden Länder, besonders was die Überhand- 
nähme der Zauberlitteratur (Tantras) betiifft. 

Ich kann hier nur Skizzen geben, da 
alles noch im Werden ist und neue Ent- 
deckungen neue Überraschungen bringen mö- 
gen. Zwei für unser Werk wichtige Dinge gehihen aber unbedingt hierher: 

1. Die Thatsache, dass in den Hölilen Turfans Fragmente buddhistischer 
Schriften gefunden sind in alttürkischer Sprache und einer aus der syrischen 
abgeleiteten Schrift mit beigeschriebenen Sanskritglossen. Diese Schrift haben, 
wie wir später seilen werden, die Mongolen übernonmien. 

2. Die Angabe, dass das jüngste System des Buddhismus, der Kälacakra, 
tibetisch Dus-kyiVor-lo, aus dem Reiche Zanibhala stammen soll. Dieses Reich 
2ambhala ist aber trotz seiner mythischen Einkleidimgen am Jaxartes zu lokali- 
sieren.^** Der Kulika (tibetisch Rigs-ldan) — dies ist der Titel der Herrscher 
von Zambhala -7- Sucandra (nicht Somabhadra, tibetisch Zla-bzanj soll es von 
Buddha in dessen achtzigstem Jahre zu Dhänyakataka (Orissa) auf wunderbare 
Weise erhalten und, zurückgekehrt, um 905 n. Chr. den Kälacakramülatantra 
verfasst haben. 



^•^^^*ab^*2sjs|5^ 



Abb. 31. Per heilige Pharmakirti. 

Tibetisch rJc-btsun t'^os-grags mongolisch 

Dharmakridi. 

Auf GoDiälden: weisse Hautfarbe, dunkelrotes 

Unterkleid, hochrotes Überkleid und Mütze. 



— 42 — 

Wir haben auch die Tradition, dass der jetzt in Tibet gebrauchte Kalender 
aus Zambhala stammt. Die Grundlehre des Systems, dessen Verbreitung auch einem 
Siddha Pito zugeschrieben wird, scheint die ausgesprochene Lehre zu sein, dass 
alle Buddhas aus einem Urbuddha, Ädibuddha, hervorgehen: also eine Art Mono- 
theismus. Das System gehört dem 11. Jahrlumdert an und hat keine allgemeine 
Annahme gefunden. 

Merkwürdig ist, was ich aus Durchsicht einiger Kälacakra- Texte weiss, dass 
die Einkleidung eine durchweg vishnuitische ist, wie wir denn auch die Avataren 




\ ^^-^^B^^^-^^^^^-s,^ I 



AI)]), i^'2. Der hdlij^e Acarya Abhayäkara^nipta. 

Tibetisch slob-dpoii 'Jigs-mod ^byun-guas; mongolisch Abiakara. 

Auf Gemälden: rotbraune Hautfarbe, purpurrotes Unterkleid mit gen)em UmschlHg. Die Mtttzc und das 
Oberkleid sind hochrot. Die Aureole ist hellgrau; der Strahlenkranz um die Figur heUblau. 



Vishnus und besonders Kalki, den letzten Avattira Vishnus, ausdrücklich erwähnt 
finden neben der Erwähnung des Islam imd seines Gründers Muhammed (Sanskrit 
Madhumati, tibetisch sBran-rtsi l)lo-gros). Der über K'ol-po-dga auf Abb. 30 
dargestellte Siddha Te-lo-pa (auch Tai-lo-pa, Ti-li-pa, Tillipa) gilt als ein Haupt- 
bekämpfer des Islam. 

Als gleichzeitig mit den Siddhas — etwa die Hälfte von ihnen soll erst 
danach aufgetreten sein — muss ich noch einen Heiligen erwähnen, der auch zu 
den Zierden der Mahäyäna-Schule gehört; es ist dies Dharmakirti ^^ (Abb. 31). 
Er soll ein Zeitgenosse des tibetischen Königs 8ron-tsan-sgam-po (G29 — OöO n. Chr.) 
gewesen sein, und es wird ausdrücklich angegeben, dass bis. zu seiner Zeit die 
Lehre des Buddha geleuchtet habe wie die Sonne, dass sich aber von seinerzeit 
an ein Zurückgehen derselben l)emerkbar gemacht habe. Er stammte aus Südindien 



— 43 — 

und war einer der Patriarchen von Nälanda; wir kennen ihn ferner als den Ver- 
fasser zahlreicher philosophischer und dialektischer Werke. Mit ihm schUesst die 
Mahäyäna-Schule. Er war ein grosser Kämpfer gegen die Brähmanas. Der Siddha 
Tenk! gilt als sein Lehrer. 

Als eifrigen Kämpfer gegen den in Indien eindringenden Islam finden wir 
den Abhayäkara oder Abhayäkaragupta**^, tibetisch 'Jigs-med-*byun-gnas, 
(Abb. 32), der im 9. Jahrhundert aus Brähmana- Geschlecht in der Nähe von 
Gaur (Bengalen) geboren wurde und als tiefer Kenner des Vinaya auch bei den 
Qrävakas (Anhänger des Hinayäna) bekannt war. Seine bekannteste That ist die 
Befreiung einer grossen Anzahl von Gefangenen, welche ein König aus niedriger 
Kaste (Candäla-König) zum Opfertode bestimmt hatte. Als der Heilige in Gegen- 
wart des Königs für diese Unglücklichen betete, soll eine ungeheuere Schlange 
sich über seinem Haupte erhol)en haben. Aus Angst vor dieser liess der König 
die Gefangenen frei. 

Die Armee der Turushkas, d. h. der Muhammedaner, soll er in Gestalt eines 
Garuda bekämpft haben. Seinen bleibenden Wohnsitz soll er zu Otanta-puri bei 
Nälanda gehabt haben. Unter seinen Werken gelten Vinaya- und Tantra-Kommen- 
tare als die wichtigsten. Unter den letztern ist besonders das Sädhanasägara 
bemerkenswert, vielleicht auch zur Inangriffnahme des Studiums der Tantras beson- 
ders wichtig, weil es alle Formeln zur Benennung der verschiedenen Gottheiten 
enthält, ebenso die Vajramälä, welche alle Zauberkreise beschreibt. 



2. Die Heiligen des altern Buddhismus in Tibet. 



Verneige dich vor mir, o König, denn ich 
bin ohne Vater und ohne Mutter aus einer 
Lotusblume geboren , ein solbstentstandener 
Buddha. Tä-fie-8un. 



Die legendenhafte Geschichte der ältesten Könige Tibets erzählt, dass unter 
König Lha-t'o-t'o-ri vier wunderbare Gegenstände vom Hinnnel auf den Altan des 
Königspalastes sich herabgesenkt hätten: ein goldener Stupa (tibetisch m6' Od- 
ilen), ein Kästchen mit einem Wunderedelstein (cintämani, tibetisch yid-nor oder 
yid-bzi nor-bu, mongolisch sätkil khanggaktsi ärdäni), zwei gefaltete Hände und das 
Buch Za-ma-tog (Sanskrit karanda). Da Lha-t'o-t'o-ri die Bedeutung dieser Gegen- 
stände nicht verstand und eine Stimme vom Himmel erklärte, unter dem fünften 
Nachfolger des Königs würde man den Gebrauch dieser Gegenstände verstehen, liess 
der König sie in seiner Schatzkammer aufheben. 

Der Nachfolger Lha-t'o-t'o-ris auf dem Throne von Tibet war Sroii-btsan- 
sgam-po (Abb. 33), der im Jahre 629 die Zügel der Regiei-ung in die Hände nahm. 



— 44 — 

Es ist erwähnt worden, dass er den Ton-mi sambhota nach Indien schickte, um 
Bücher und Bilder zu holen, und nach dem damaligen indischen Alphabet (der 
sogenannten Vartula-Schrift) ein Alphabet für die Sprache seines Landes herstellen 
Hess. Die alte Hauptstadt des Landes war in Yar-lun gewesen; er baute seine 
Hauptstadt da, wo jetzt Lha-sa liegt, imd verlegte den Sitz der Regierung nach 
Centraltibet (tibetisch dBus). Bei seinem Werke der Civilisierung nach indischem 
und buddhistischem Muster sollen ihn seine beiden Gemahlinnen, eine Tochter 
des Königs von Nepal und eine erst nach einem siegreichen Kriege mit China 
erhaltene chinesische Prinzessin, unterstützt haben. Beide gelten als Fleisch- 
werdungen der Göttin Tara (tibetisch sGrol-ma, mongolisch Dara-äkä). Die chine- 
sische Prinzessin soll aus ihrer Heimat ein berühmtes Sandelholzbild des Qäkya- 
muni mitgebracht haben; die Klöster von bLa-bran und Ra-mo-ö'e in der Nähe 
von Lha-sa wurden gebaut trotz des Widerstandes der dem Buddhismus feind- 
seligen Dämonen, die bisher im Lande Kult genossen hatten. Der König soll in 
hohem Alter gestorben sein, und sein Geist soll, wie der seiner Gemahlinnen, 
in einer alten Statue des Bodhisatva AvalokiteQvara, welche in Lha-sa noch gezeigt 
wird, Wohnung genommen hal)en. 

Unter seinen unmittelbaren Nachfolgern scheint der Buddhismus nach seinem 
ersten Aufschwung keine besondern Fortschritte gemacht zu haben, erst etwa zwei 
Menschenalter später fasste er festern Fuss im Lande. 

Als den eigentlichen Begründer des Buddhismus in Tibet, jener eigentüm- 
lichen Mischung von indischem Buddhismus mit reiclüichen Zuthaten der Tantra- 
Schule und altern einheimisclien Elementen, müssen wir eine Persönlichkeit an- 
sprechen, welche uns merkwürdigerweise iiidit einmal mit ihrem eigentlichen 
Namen bekannt ist und welche, ausser bei den Anhängern ihrer jetzt zurück- 
gedrängten Sekte, bei der heute lierrschenden reformierten Kirche nur gelegent- 
lich erwähnt wird. 

Wir haben oben erwähnt, dass das Land Udyäna in den ersten Jahr- 
hunderten nach Christus in der (ieschiclite des Buddhismus eine hervorragende Rolle 
zu spielen anfängt; wir wollen hier gleich anschliessen, dass es ebenso wie das 
benachbarte Käshmir das klassische Land der Zauberei und Hexerei ist: es gilt 
geradezu als das Lieblingsland der Däkinis. 

Aus diesem Lande stammt der Heilige, der bei seinen Anhängern unter dem 
Namen «der aus dem Lotus geborene*^ (Padmasambhava) grosse 
Lehrer» (Mahäcärya, Mahäguru) oder kurzweg als der «Lehrer» (Guru) bekannt 
ist (Abb. 34 und 85). In Tibet erscheint er dabei ebenso häufig unter dem Namen 
seines Vaterlandes als «der Mann aus Udyäna», tibetisch U-rgyan-pa, 0-rgyan-pa 
oder U-rgyan Pad-ma. Die Umgebung, aus der seine Entwicklung — wenn wir 
den Legenden trauen dürfen — stattfand, zeigt uns mancherlei Fremdartiges und 
lässt uns, falls es gelingt, seine Geschichte und seine Werke genauer zu studieren, 
wohl noch manche Überraschung erwarten. Schon die eigenartige Tracht des 
Heiligen, die nach ihm genannt wird (Za-hor-ma — von einer Lokalität Za-hor, 
welche in seinen Legenden viel erwähnt wird) fällt auf. Ferner beginnt bei ihm 
eine neue Art der Herbeischaffung mystischer, bis dahin imbekannter oder imver- 
standener Bücher : es ist das Auffinden solcher Enthüllungen in Berghöhlen, wo die 




i^l«§tA^^»itI^ 



^K 



Abb. 33. Der «Gesctzesköiiig» Sron-btaan-sgam-po von Tibet. 

Tibetisch ^^08 rgyal, Sanskrit dharmar&ja. Mongolisch: der erhabene Tsakravarti (= Weltbeherrschor) Khag^an 

Sron-btsan-sgam-bo. 

Mit Speer und Fangschlinge (Sanskrit pftija, tibetisch zags), auf der Stirne das Augo der Weisheit (tibetisch sos- 

rab spyan), neben ihm T&rft (tibetisch s(}rul-ma, mongolisch Dara-äktt) mit einem Weihwasscrgefäss (Sanskrit man- 

galakal&^a, tibetisch rnam-rgyal bum-pa) in der linken Hand. Auf dem Umschlag dieses Works ist der Gesetzes- 

knnig mit der weissen TArA in rituell richtigen Farben wiedergegeben. Über die TArA s. S. 144. 



^ 



— 46 — 

sogenannten Schätze (tibetisch ter) von Gottlieiten — es sind besonders Däkints 
— unter seiner Leitung und auf seinen Wunsch niedergelegt sind. 

Wir haben erwähnt, wie der Begründer des Mahäyäna- Systems, Nägärjuna, 
sein merkwürdigstes Werk, die Prajfiäparamitä , von den Nägas erhielt und wie 
Äryadeva seine mystische Lehre, den Beginn der Tantras, von dem künftigen 
Buddha, dem jetzt im Himmel Tushita weilenden Bodhisatva Maitreya holte; wir 
wissen ferner, dass andere Bücher durch Beschwörung verschiedener Götter herbei- 
gebracht wurden. Padmasambhava erhielt die seinen von den Däkinis in einer 




•Abb. 84. Mahücärya Padmasaiubhava. 

Tibetisch Slob-dpon Pad-ina 'byun-guas; mongolisch yäkä tarnitsi Badma SambhaTa baksi. 

Er sitEt auf einein Lotus (Padma). Seine gewöhnlichen Attribute sind : in der rechten Hand ein Donnerkeil 

(vajra), in der Linken eine Schftdelschale (kap41a), an deu linken Oberarm gelehnt ist der Dreisack, dessen 

unterer Teil ein khaty&nga ist: ttber einem kreusförmigen Donnerkeil ein Ambrosiagefäss, darttber der Kopf 

eines Kindes, eines Mannes und ein Sch&deL 

Auf Bildern in Farben ist das Gewand rot (rotbraun), ebenso die Mütze. 



fremden, unbekannten Sprache und verbarg sie in Höhlen für die Zeit, in der sie 
verstanden werden würden. Diese Erwähnung einer unbekannten Sprache wird 
besonders interessant durch die Thatsache, dass in den Titeln seiner Legenden- 
bücher merkwürdige unverständliche Titel vorkommen, die sich mit den als Über- 
setzung gegebenen tibetischen Titeln nicht vereinigen lassen, dass ferner ein von 
seiner Schule herrührendes grosses Werk einen bis jetzt sprachlich ebenso wenig 
behandelbaren Titel «in Bru-za- Sprache» trägt. Selbst die Schrift der tibeti- 
schen Übersetzungen seiner Werke und sogar der auf ihn bezüghchen Bücher zeigt 
Eigentümlichkeiten; vielleicht führen gerade diese Kleinigkeiten auf die Quelle, 



— 47 — 

woher sie stammen. Ich erwälme nur das dort vorkommende, vom gewöhnlichen 
Tibetisch abweichende Unterscheidungszeichen ^. 

Die Abneigung der jetzt dominierenden Sekten seiner Persönhchkeit gegen- 
über wird einerseits begründet dadurch, dass Padmasambhava behauptet habe, er 
sei ein grösserer Zauberer als Gautama Buddha, andererseits dadurch, dass viele 
betrügerische Schätzesucher, welche von Padmasambhava deponierte Bücher produ- 
ziei-ten und Lehren der widerwäiligsten Art verbreiteten, sein Ansehen dadurch 
herabsetzten. Es scheint, dass es im wesentlichen drei Dinge sind, welche diese 




Abb. 35. Mahucilrya Padmasanibhava. 

Aus der Sammlung des Fttruteii Uchtomskij. Der Drei/ack fehlt. 

Ablehnung hervorriefen: zunächst der Versuch, eine eigene Rehgion zu stiften, 
dann das übermässige Betonen der Zauberlitteratur mit ihren stärksten Entartungen 
und endlich das Fremdartige in der ganzen Persönlichkeit und seiner ganzen Schule. 

Über seine Lehren wissen wir wenig. Es werden drei Gruppen seiner Lehre 
genannt: A-ti yoga, Spvi-ti yoga und Yan-ti yoga, und wir lernen ihn als Gold- 
macher, Bereiter von Zaubertränken und als Meister aller Art Magie kennen, ja 
diese Seite ist es gerade, die ihn nach Tibet geführt hat. 

Das Pad-ma-t'an-yig, ein in verschiedenen Recensionen vorhandenes umfang- 
reiches Buch, welches seine Lebensbeschreibung enthält und das, zum Teil 
aus Versen, zum Teil aus Prosa bestehend, ein vielgelesenes popidäres Werk 
genannt werden kann, erzählt in zwei Hauptteilen im Stil der verwandten Erzählungen 



— 48 — 

über andere Heilige, im ersten Teil seine wunderbare Geburt, seinen Entschluss, 
der Welt zu entsagen, seine abenteuerlichen Bekelirungszüge, in welchen ,er 
immer wieder mit den fünf Däkinis, seinen mystischen weiblichen Energien, 
zusammentrifft, wobei er von ihnen Weihen (abhisheka)' und (Jeheimlehren erhält, 
und im zweiten Teil seinen Zug nach Tibet. 

Was die im ersten Teil vorkommenden Stoffe betrifft, so ist das Schema, 
das fast allen Legendenbüchern zu Grunde liegt und sich in dem unserigen 
neben den interessantesten lunzelnheiten bis zum Überdruss wiederholt, etwa das 
Folgende: ein Wesen, welches aus Liebe zu den beseelten Kreaturen (satva) zu 
einer ausserordentiichen Heilsthat entschlossen ist — ein meist auf wunderbare 
Weise Wiedergeborener — durchwandert fremde Länder und Völker, überwindet 




Abb. 3«. Das Kleinod Cintämaui, von einem Pferde jjetragen. 

In dieser Form gchürt die Figur zw einer ganzen Gruppe von Kostbarkeiten, welche gewöhnlich als 
Altarschmuck dienen. Moist sind dieselben aus kostbarer emaillierter, vergoldeter Bronze verfertigt, doch 
kommen auch (tcmälde vor. Es sind die sogenannten « sapta ratnftni », die sieben Juwelen: Bad (cakra), 
Edelstein (cint&mani), Königin (Rtri), Minister (maiitri), Klefant (hastl), Pferd (a^va), General (senApati). 
Hier ist Aqva (das Pierd), durch cinou CintAmani auf doniRiickcn bey.eichnet, aus einer solchen Gruppe genommen. 

Aus: Fürst Uchtomskij, Orientroiso des Kaisers von Russland. 

Über die tibetischen und mongolisclien Namen vgl. die Sanskritwörter im Glossar. 



alle möglichen Hindernisse, welche Zauberei und grimmige Feinde der Wahrheit 
bereiten, Heere von Dämonen, Leichenstätten, Hr>llen und aller Art Blendwerk, 
um durch seine übernatürliche Liebe, durch ein magisches Wort (dhärani), durch 
Selbstaufopferung, kurz durch Übung aller überirdischen Tugenden seinen Preis, 
eine Däkini und ihren Segen, ihre Geheimlehre und durch die Vereinigung mit ihr 
sein Ziel zu erlangen, ein Schema, das heute noch in unsern Märchen foillebt! 

Gehen wir auf die Einzelnheiten von Padinas Legendenbuch genauer ein. 
Freilich ist es ein Tendenzbuch und mehr oder weniger mit spätem Zuthaten auf- 
geputzt, aber die Grundhnien desselben sind typisch. 

Das Buch beginnt mit der Beschreibung von Amitäbhas Paradies. Padma- 
sambhava ist ein spiritueller Solin Amitäl)lias zur Bekehrung Tibets. 

Er wird als der Sohn des kinderlosen blinden Königs Indrabhüti aus einer 
Lotusblume geboren. Kiniig Indrabhüti hat dunh zu reichliches Almosengeben 



— 49 — 

seinen Schatz erschöpft; um ihn zu ersetzen, holt er den Wunderedelstein, der 
alle Wünsche erfüllt, Cintamani genannt, von einer fernen Insel. 

Padmasambhava wird als der Sohn des Königs erzogen; er übertrifft alle 
Altersgenossen und wird mit einer Prinzessin vom Siinhala (Ceylon) verheiratet. 
Eine überirdische Stimme fordert ihn auf, während alle Herrlichkeiten der Erde 
ihn lungeben, der Welt zu entsagen; man will ihn nicht ziehen lassen. Da tötet 
er mit einem Vajra (Donnerkeil), als Yogi nackt auf dem Balkon des Palastes 




Abb. 37. Der grosse Übersetzer Qriküta. 

Tibetisch Ka-bft dpal-brtBcgs; mongolisch Tsok dsali dabkhurlaksan. 

Wenn in Farben ausgeführt: weisse Gesichtsfarbe, dunkcirotes Unterkleid, feuerrotes Überkleid, graublaue 
Weste; der Nimbus ist hellgrau, die ihn umgebende Glorie hellblau. 



tanzend, Unterthanen des Königs. Die Minister, in deren Rat die ihm feindlichen 
Ketzer (tirthika) die Oberhand haben, verurteilen ihn zur Pfählung. Da er nach- 
weist, dass die Getöteten durch schlechte Tliaten in frühern Existenzen ihre Strafe 
verdient haben, wird er nur verbannt. Däkiiüs und Jinnen (tibetisch g)'in) bringen 
in der Luft das Wunderpferd Valähaka herbei, das ihn entführt. 

Darauf meditiert er auf acht Leichenstätten, wo er übernatürliche Kräfte 
durch Bannungen und Weihen verschiedener Däkinis erhält, durchwandert dann alle 
Länder und studiert, «obwohl er als vollendeter Buddha alles wusste, doch sich 
stellend, als wüsste er nichts», alle Wissenschaften, Astrologie, Alchemie, alle 

Obüvwsdel. ^ 



50 — 




Yänas (Mahäyäna, Hinayana und die Tantras) und alle Sprachen; darauf bekehrt 
er die Prinzessin Mandärava, die Fleischwerdung einer Däkinl, welche ihn fortan 
in allerlei Formen, bald menschlich mit einem Katzenkopf, bald in andern 
Veimummungen begleitet. Sein System entwickelt er in Gayä, dem Orte, wo einst 
Gautama geweilt hat. 

Der Text fahit dann fort: «Zu den Füssen des , Löwenthrones' (simhäsana) 
des heiligen Lehrers enthüllte er nach dem Atiyogasfttra die leuchtende Scheibe der 
Heiligkeit (äryamamlala), deren Name dem Sinne entspricht, die Glanzscheibe des 

Symbols des Spyi-ti-yoga, die Sonnen- und Mond- 
scheibe des Yan-ti-yoga, und als er so in das 
Herz der vollendeten Erkenntnis (Samyaksam- 
bodhi) eindrang, welche alle Yänas (Htnayäna, 
Mahäyäna und die Tantras) lunfasst, zerfloss des 
Heiligen Leib in den Himmel: er wurde licht wie 
der Himmel. So zeigte er eine Wundererschei- 
nung, welche den Himmel ausfüllte, indem sein 
Leib in viele regenbogenfarbige Wolken sich 
formte. » 

VjY entschliesst sich nun, durch magische 
Verwandlungen die Völker Indiens, je nach ihrer 
Fähigkeit, zu bekehren. Von Udyäna ausgehend, 
welches er zuletzt bekehren will, gedenkt er 
der (irenzländer. «Im Osten von DhanakoQ-a 
(Padmas Geburtsort in Udyäna) lag das Land 
Jambumaledvipa , im Süden Parbatadvlpa , im 
Südosten Rishidvipa, im Südwesten Bakshasa- 
dvipa, im Nordwesten Väyudevadvfpa, im Nord- 
osten (las Dvipa der Dämonen, im Westen 
Kai)ita(lvii>a, im Norden Ka(;akamaladvlpa. Dies 
waren (mit Udyäna) die neun Länder. Da sind 
zunächst im östlich gelegenen Lande Jambu- 
male wohl sechzehn Millionen Städte. Iwnitten 
des Landes steht der Baum, genamit Jam- 
buvriksha; er ist wie die Axe des südlichen 
Jambudvipa; seine Höhe beträgt viertausend Faden; er ist weithin ausgebreitet; 
er hat sechzehn grosse Äste, die Zahl der kleinern geht über alle Vor- 
stellung, seine Blätter sind weich wie die feinste Seide und rötlich gi'au. Die 
Blüte leuchtet in goldfarbenem Glanz. Die Frucht hat süsse Kerne, etwa wie 
ein (iänseei gross, viele hundert, von mancherlei vorzüglichem Wohlgesclmoiack; sie 
vertreibt alle Krankheiten; ihr Saft ist goldgell) und läuft wie Sclunelzbutter (ghrita) 
herab. Da man, wenn ein Wind weht, den Laut ,jambu' liört, heisst das Land 
Jambudvipa. Das Volk, welches dort wohnt, lebt von dem Baume. Da em Deva 
die Herrschaft über sie führt, ist zum Königreich das (Jeschlecht des Jayaja 
berufen. Da sie Vergnügen finden an den aclit MAyäsütias und dem daraus ent- 
wickelten Dhaima, so drelite radniasiunbhava, als er zu ihnen gekonnnen war und 



^q^K4f>a-f^-<J^'^-^ 



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Abb. 38. Der_ heilige Lohror Ati(;a, 
l)ipaiikara<;rijiiiliia. 

Tibotiüch Jo-bo-rje dPul-Idan A-ti-sa; mon- 
golisch l)zü Adhiiia. 
Wenn bomalt: weisso OcuichtJifarbc, «lunkel- 
rotoB Unter-, hochrntos Obcrkloid, hoehroto 
Mütce. Nebnn der Figur eine groHxe goldene 
Lampe; graue Aureole, blauer Strahlenkranz. 
Die H&nde in dharmaeakramudrA. 



— 51 — 

lange Zeit doit geweilt hatte, das Rad des Dharma des Vajrayänamulatantramäyäjala, 
hatte Erfolg damit und gewann die Bekehrungsfähigen in unzählbarer Menge für 
die Religion. Auf der Südseite, im Lande Parbatadvipa, waren sechzehn Millionen 
Städte; das Volk dort nahm Fleisch zur Nahrung und zwar war ihr Bestreben unauf- 
hörlich auf Wild gerichtet. Die Macht hat dortYama; als König herrscht dort der 
Stamm der Tinagri. Da diese eine Vorliebe haben für das Dharma des schwarzen 
Maüjugri, so drehte ihnen Padma, der üuru, als er in ihr Land kam, das Rad 
der Lehre des gütigen und zornigen Mafijugr! und hatte p]rfolg damit. Darnach 
ging er nach Westen in das Land Nägapotadvipa (eben noch Kapita genannt!); 
dort gab es zehn Millionen grosser Städte. Dort war auch ein Wald mit mancherlei 








xt ^ 



Abb. 39. r-Ie-btsun Mi-la-ras-pa. 

Mongolisch Bo^da Milarasba, Mila; vulgdr Bogdo Milnralha. 
Das Uild links nach einer lironze der Sammlung des Fürnten Uchtotnskij. 



Blumen, wie Lotusbluuien u. s. w.; deshalb nährte sieh das Volk von Blumen. Die 
Macht hatte der Näga; als Ki'mig regierte der Stamm des Dharmalakoga. Sie 
hatten Vorliebe für die Lehre des gütigen und zornigen Padma(-päni). Als mm 
der Guru Padmasambhava in dieses Land kam, drehte er ihnen das Rad der Lehre 
des gütigen und b()sen Avalokitecjvara luid hatte grossen Erfolg damit. Dann 
ging er in das nördliche Land Kagakamaladvi])a. In diesem Lande gab es sechsund- 
zwanzig MiUionen Städte. Da es dort eine Menge grosser und kleiner Teiche und 
Seen gab, so nährte sich das Volk von Perlen. Die Macht dort hatte der Yaksha: 
der König war aus dem Stamme des Cancbapäla. Da sie als ReUgion dem Bri- 
haspati anhingen, so drehte ihnen Padma das Rad des erhabenen Brihaspatigotra 
und hatte grossen Erfolg damit. Dies sind die Barbarenländer an der Grenze von 
Udyana. Darnach ging er nach Südosten von Udyäna in das Land der Rishis. 
Das Volk dieses Landes nährt sich vom Fleisch von Ziegen, Yaks u. s. w. I)i' 



— 52 — 

Macht über sie hat Gott Agni; König war das Geschlecht des Ma-ru-tse; bei ihnen 
drehte Padma das Rad der Ermahnungen der Mätrikä, da sie in diesem Lande 
von Udyäna die Mätrikä als Gottlieit verehren,' und hatte grossen Erfolg. Darauf 
ging er nach Südwesten in das Land der Räkshasas; das Volk dort lebt von 
dreierlei Fleisch: Menschen-, Pferde- und Hundefleisch. Ihr Gott war Satyaghna; 




\< 



r^£a^-*|S|^-^^z4Tbab^ 




Abb. 40. Der Mahäpandita inandadhvaja^ribhadi-a, gewöhnlich Sa-skya pandita genannt 

(1181-1252 n. Chr.). 

Tibetisch Sa-skya pan-ö^en Kan-dga rgyal-mts^an dpal-bzah-po oder *Jam-mgon Kan-dga rgyal-mta^an; 
mongolisch Saskia Pandita, vulgär Schakia Bandita. 

Auf Gem&lden: weisse Haatfarbe, dnnkelrotes Unterkleid , hochrotes Überkleid, rote goldgestickte Mfltse. 
Der Thron ist golden und mit einem roten, goldgestickten Teppich belegt. 



ihr König Dagakantha von Lanka. Als Gott verehren sie Vishnu; ihnen drehte 
er das , Zeitrad' (Kälacakra) der Bekehrung des Vishnu und hatte grossen Erfolg 
damit. Dann ging er nach Nordwesten nach Väyudcvadvipa; das Volk dort nährt 
sich von Fleisch und Blut verschiedener Lebewesen. Die Macht über sie hat Vä}!!; 
ihr König ist aus dem Geschlecht der Tirthika. Ihr Kult gilt dem Gott Qiva. 
In diesem Lande drehte er das Rad der Lehre des Lokapüjästotra und hatte Erfolg 
damit Dann ging er nach Nordosten in das Land der Kobolde; die Bewohner 



— 53 — 

dieses Landes gewinnen ihre Nahrung dadurch, dass sie das Leben von Wesen aus 
dem Stamme der Gandharvas rauben. Ihr Gott ist Gane^a; ihr König heisst 
Meghanäda (tibetisch sPrin-gyi sgrog oder sgrol?). In diesem Lande drehte er das 
Rad der Lehre der Dhäranis» u. s. w. Darauf bekehrte er das Land der Däkinis, 
Udyäna. 

Ich habe diese Partie im Original gegeben, einerseits, um eine Probe des 
abenteuerlichen Stils zu geben, dann aber, weil ich glaube, dass diese Partien für 




Abb. 41. Iryamatidhvaja. 

Tibetisch ^P^ag8-pa bLo-gros rgyal-mts^an; mongolisch Bogda Bantsin Sumati Dharma Dhwadza. 

Auf Oemülden: parparrotes Unterkleid mit gelben Einsätzen, rotes, goldgesticktes Oberkloid, rote gold- 
gestickte Mutze; hellgrüne Aureole und hellblauer, goldgerttnderter Strahlenkranz. Auf grossen Gemälden 
im Hintergründe ein Kloster und mongolische Jurten. 



Padmasambhava charakteristisch sind. Es geht aus diesen phantastischen Schilde- 
rungen der Kniff hervor, den wir jesuitisdi nennen kömiten, überall sich an die 
Landesart anzuschliessen und alle Systeme mitzumachen, um das Hauptziel der 
Bekehrung zu sichern. Ein solcher Mann war der Geeignete zum Kompromiss mit 
den «Dämonen des Schneelandes». 

König K'ri-sron-lde-btsan von Tibet hatte, um das Werk der Bekehrung 
Tibets völlig durchzuführen, den ^äntarakshita aus Indien kommen lassen. Dieser 
riet ihm zur Überwindung der dämonischen Mächte, welche die Verbreitung der 



— 54 — 

Lehre Buddhas hinderten, den Padmasambhava als den stärksten Vertreter des 
Tantra-Systems nach Tibet kommen zu lassen. Padmasambhava, der den Wunsch 
des Königs vorher kannte, folgte den Gesandten und bewältigte die Dämonen, dar- 
unter Mära — der mongolische Historiker Ssanang Ssetsen wagt in seinem Texte 
nicht, den Namen des Dämons zu nemien — , welche ihm den Weg nach Tibet ver- 




Abb. 42. MaMkäla, der Schutzgott (natha), in Gestalt eines Brälnnana. 

Tibctiiüch mOnn-po brain-zci gzuvs-pa ; mongolisch Biraman dOritäi Mabakala. 

Auf Oemälden ist er von hellcbokoladefarbcnor odor braunroter Hautfarbe mit wciRsem Haar und Bart. Er 
trägt woissen, aus Knochen gemachten Schmuc4c, die Mensohenschonkeltrompete (tibetisoh rkan-dun), eine 
Leibkettc aus abgehauenen Köpfen, in der linken Hand die Schttdelscbalc mit Blut, eine Fahne (rot mit 
grünen Zacken), einen Rosenkranz aus SchAdeln, und ein goldenes Schwert. Das Londentuch ist gelb, 
der Shawl ist grün. Die Leiche unter ihm ist fleischfarben. 

Aus der Sammlung des Fürsten IJchtomskij. 



sperren wollten. Er wird über die Widersacher im Lande Herr und zwingt sie 
unter feierlichen Eiden, der Religion unterthan zu sein und deren Feinde zu 
bekämpfen. 

Auf einem aus zwei Donnerkeilen bestehenden Kreuze sitzend, weihte er 
einen Ort, wo er das Kloster bSani-yas (Sani-ye) erbaute. bSam-yas glin oder 
mit vollem Titel bSam-yas mi'jiyur Uiun-gyis grub-pai tsug-la<>-k'an. vdie imver- 
gängliche zauberhaft in Verkörperung gelangte Eehrschule» (unter 'J^X' 20' nördl. Br., 
9V 26' östl. L.^ 11430 engl. Euss lioch, 3;") engl. Meilen von Lha-sa, und etwa 



— 55 — 



2 Meilen vom Nordufer des Husses Ya-ru-tsan-po), gebaut um 770 n. Chr. 
nach dem Muster des Tempels von Otantapuri in Magadha, ist das älteste Kloster 
Tibets, die Schatzkammer der Regierung, voll von Bildern und Kostbarkeiten und, 
wie Nain Singh berichtet, zum Teil wenigstens noch im alten unberührten Zustande. 
Padmasambhava begann auch mit der Übersetzung der buddhistischen Texte — 
zunächst wohl seiner Schule — und bezeiclmete als den Fähigsten zu diesem Werke 
den Pagur Vairocana, unter dessen Namen uns thatsächlich Werke, wenigstens in 
einer Redaktion des tibetischen Kanons, erhalten sind. 

Nachdem er auf diese Weise für den Buddhismus gewirkt hatte, unter 
Beihilfe der indischen Mönche, die seine Berufung veranlasst hatten, nahm er von 
dem König Abschied, «lun in das Land der westlichen Dämonen zu ziehen», bei denen 
er noch wohnt imd denen er die Lehre predigt. 

Die Lepcha-Ül)ersetzung seines Legendenbuches erzählt diesen Abschied also: 

«Als sie (d. h. König K'ri-sron und der 
Heilige) soweit (an die Grenze Nepals) gekom- 
men waren, da erscliien am Himmel eine Wolke 
und ein Regenbogen, und dieser nickte nahe 
heran. Lmiitten der Wolken stand ein Pferd; 
das trug einen Sattel von Gold und Silber. Mit 
den Ohren zitternd kam es heran. Als es 
wiehernd dastand, vernahm man im Wiehern: 
,Hier ist ein Thron (Sattel) von Gold, ein Tliron 
von gYu (JadeKt)'. Der Name dieses Pferdes 
istValäha, , König der Pferde'. Mit ihm kamen 
alle Däkinis mit gebeugten Körpern unter dem 
Pferde. Auch umgaben sie in Masse den Padma- 
sambhava. Da konnte alle Welt sehen, wie er 
ihnen (durch die Luft) entgegenging: , Jetzt 
will ich fortgelien, o Kchiig und Königin und all 
ihr Angehörigen, alle verhariet in Gerechtigkeit! 
Ich will in das Land gegen Sonnenuntergang, 
um die Räkshasis (tibetisch Srin-nio) zu l)okch- 

ren. Ich will die Hexen der Lehre Buddhas dienstbar machen: dem, der Liebe hat, 
gieb das ewige Leben. Icli werde immerdar euch beliüten. Jetzt gehe ich fort'. 
So sprach er und spiang flink auf das Pferd. Als nun das Pferd eine Elle weit 
am Himmel hochgeflogen war, folgten der König und seine Leute nach und sie 
weinten laut. Da wandte sich Padmasambhava um: ,Als ob Tod und Krankheit vor 
euch ständen, haltet unentwegt fest an der Religion. Wenn ihr den ewigen Frieden 
begehrt, so gebt euch mit Ernst der Religion hin. Jetzt aber könnt ihr mir nicht 
folgen. Ihr werdet mich wiederfinden .... Mich zu suchen wird kein Ende sein.' 
So sprach er und flog davon. Der Kcuiig und seine Umgebung waren wie Fische 
auf dem Sande .... Als sie nun, dem Heiligen folgend, liinblickten, sahen sie ihn 
so gross als wie ein Rabe, als sie wieder hinsahen, wie eine Drossel, dann wieder 
glich er einer Fliege, und dann wieder erschien er unklar und verschwimmend, so 
gross wie ein Läuseei (!j. Und als sie wieder hinsahen, sahen sie ihn nicht mehr. 




Abb. 43. Der gelbe Gott Ganapati, 
Vi|^hiie(;vara oder Gaiie^a. 

Tibetisch Ts^ogH-bdag (ner-po), Ts^ogs-kyi 
bdag-pu; luoiigulisuh Totkhar-un kha^an. 
Er tuu/.t auf einer ein Jnwel speienden 
Butte; seine Attribute sind Beil (para^u), 
Drci/ack (tri^-üla), eine Rübe und eine 
Schale mit FrUcbten. 



— 56 — 



«Als der König und seine Leute am Morgen hinschauten, sahen sie durch 
göttliche Kraft, wie Padmasambhava , im Lande der Räkshasis angekommen, im 
Schatten eines Calosanthes-Baumes sass. Auch sahen sie, wie das göttliche Pferd 
daneben stand, mit Goldsand bestäubt. Die Räkshasis waren machtlos zu seinen 
Füssen und gaben sich der Religion hin.» 

Der Klostertempel von bSam-yas ist, wie ermähnt, das ei-ste Kloster Tibets. 
Wenn wir den primitiven Buddhismus dieses Landes von Sron-tsan-sgam-po an als 
die älteste Sekte des Landes bezeiclmen dürfen (rNyig-ma-pa), so können wir 
sagen, dass von nun an eine festere Gliederung und stärkere Schulung eintrat, 
welche in der Folge zur Bildung neuer Sekten geführt hat. So die Sekte der 

U-rgyan-pa (Anhänger U-rgyans, d. h. des 
Padmasambhava), die heute noch im Himälaya, 
aber auch in Osttibet haust. Jedenfalls geben 
diese alten Sekten auch den Reformierten die 
Beschwörer ab (tibetisch c'os-skyon, Sanskrit 
dhanuai)äla), welche Magie treiben und wahr- 
sagen, indem sie in ekstatischem Zustand von 
niedrigen Gottheiten, welche das Gelübde gethan 
haben (tibctiscli daui-can), der Religion zu nützen 
und die Unholde ihres Bereiches niederzuhalten, 

Fj^r'ra ^ besessen gelten und dann wahrsagen. Interessant 
>^ ' ist, dass Padmasambhava in bSam-yas auch dem 
ÄJT'fMai,. Mära (Ts'e nia-ra) einen eigenartigen Kult ge- 
widmet hat, in weh'hem dieser böse Geist, wel- 
cher über Leben und Tod Register führen soll, 
wahrsairt. 
Auch 
drabhutis 





Abb. 44. Das Wort möng^kä («ewig», 
auch Eigenname) in 



1. *P*ag8-pa- Quadratschrift MON-K'A; 
tia. dasselbe in tibetiscbcr Scbrift MON- 
K*A, die die Vorlage für 1 bildete ; i'b. MLTN- 
K^£ (so wird tibetisch der Name den Monika 
Kha^an geschrieben); .'). dasselbe (nii^ngka) 
in der auf der uigurischen fuHSi'ndon, beutf 

noch gebrauchten Schrift. 

Vgl. J. J. Schmidt, RuUotin de la Clause 

des Sciences historiques de TAcad^mio 

imperiale de St.-P^tersbuurg IV, No. >il, 

No. 9, 13» fg. 



Mandarava, die Tochter König In- 
von üdyäna und eine der Frauen 
Padinasaiiibhavas, hat ihren Kult erhalten. Sie 
besitzt hi'ute noch Tempel in Tibet.** 

Zu den altern Übersetzern (tibetisch lo-tsa-ba) 
geliört der Tibeter K a - b a d p a 1 - b r t s e g s *' 
(Abb. 37), der im ersten Drittel des 9. Jahr- 
hunderts in Tibet gelebt haben soll. Neben andern Werken soll er auch Werke 
des Vasubandhu ins Tibetische ül)eitragen haben. Er gilt ül)rigens als einer der 
frühern Geburten des sogenannten ICan-skya Khutiüvtu von Peking. 

Von der Zeit K'ri-sron-lde-btsan an kann man den Buddhismus Tibets 
Lamaismus nennen. Das Wort Lama (tibetisch bLa-ma, «Superior«) ist ein 
Pihrentitel für voll ordinierte Mönche, obwohl es eigentlich einen liöheni Rang 
angiel)t. Die Bezeichnung Lamaismus l)eschränkt sicli auf die Keligionsfonu in 
Tibet und der Mongolei, welche von nun an den Zusammenhang mit den übrigen 
Bekennern der Lehre Buddhas verliert. 

Der zweite Nachfolger K'ri-sroii-lde-btsaiis, ^Laii-dar-ma'*'*, war ein Feind der 
Religion Buddhas. Er schmähte die inkariiierte Gattin ^ron-tsan-sgam-pos, welche 
das erste Bild Buddhas nacli Tibet gebracht hatte, indem er sie eine Yäkshint 



i <^E^^3^Rf^*3|^^-g3\aifljJ5<i4t^^^ j I 3i;j;^3aiAr^c^ K 




I =i"^^'^^9"'^'^ 






Abb. 45. Per Tantriker ji^Yun-ston rDo-rje dpal (Vajra^ri) bannt den Gott Mahäkdla. 

Tibetisch mOoii-po, amit einem Oesicht'*, i^al geig. 
Beeohreibang des Bilde» t. S. 67. 



58 



nannte. «Von diesem unglückseligen Bilde komme es her, dass die Regenten Tibets 
ein kurzes Leben hätten, dass das Land von Krankheiten hehngesucht sei, dass 
Hungersnöte und Kriege herrschten.» Die indischen Gelehrten flohen aus Tibet, 
die einheimischen Mönche mussten ihre Gelübde brechen und einen Hausstand 
führen; die buddhistischen Bücher wurden ins Wasser geworfen oder verbrannt, 
die Tempel Buddhas in Lha-sa, des Akshobhya in Ka-mo-i:'e und der Tempel vim 
bSam-yas w^urden geschlossen und mit Lehmwällen umgeben, da er, die Schutz- 
götter dieser Tempel fürchtend, sie nicht zu zerstören wagte. Ein Heiliger tötete 
ihn auf Veranlassung der Qildevt, der Schutzgöttin des Landes, mit einem Pfeil- 
schuss. Mit gLan-dar-ma hat das Königtum Tibets sein Ende erreicht, und die 
Herrschaft über das Land kam in^ die Hände mehrerer Kleinfürsten, bis sich die 

Lamas überall der Herrschaft bemächtigten. 

Nach dem Tode gLan-dar-mas versuch- 
ten verschiedene tibetische Fürsten wiederum 
indische Pandits nach Tibet zu bringen. Der 
bedeutendste unter denen, welche der Ein- 
ladimg folgten, war Jo-bo A-tt-sha (Aticja) 
oder Dipankara^rijnäna (Abb. 38).** Er 
kam aus dem Kloster von Vikramagtlä, wel- 
ches damals eines der Hauptsitze des Buddhis- 
mus in Indien war, von mit reichen Ge- 
schenken ausgestatteten Gesandten eines tibe- 
tischen Kihiigs von m]S"a-ris in das «Land 
des Eises w gerufen im Jahre 1042 n. Chr., als 
er 59 Jahre alt geworden war. Er kam zu- 
nächst nach dem Kloster mTo-glin in mJIa-iis, 
wo er den König in den Sütras und Tantras 
unteirichtete. Er war ein Hauptvertreter des 
Kalacakra- Systems. Von da ging er nach 
Centraltibet, wo er viele neue Werke verfasst 
haben soll, darunter den «Lam-sgron», «die 
Lampe des (richtigen) Weges». Auf einer grossen Synode unter dem Nachfolger 
des Königs, der ihn berufen hatte, welche alle Religiösen Tibets imifasst haben 
soll, soll er die Religion wieder neu konstituiert liaben; unter andenu soll er die 
jetzige Form des Kalenders und das Rechnen nach sechzigjährigen Cyklen ein- 
geführt haben. Dieser Kalender (tibetisch Rab-'byunj soll aus dem Reiche 
Zam-bhä-la stammen. Im Jahre 1055 soll er, 73 Jahre alt, gestorben sein. Er 
ist der (iründer der bKa-gdams-pa-Sekte, deren Normen sein Schüler Brom-ston 
ausgearbeitet haben soll. 

Auf Bildern bildet Atiga mit Nagärjuna und Tson-k'a-pa eine Trias; ja 
die drei gelten geradezu als «Wiedergeburten Buddhas » : Nagärjuna ist der Grün- 
der des Mahäyäna, Atiga der Organisator des Buddhismus in Tibet und Tson-k'a-pa 
dessen Reformator. Diesen letztern werden wir später kennen lernen. 

Zu den interessantesten Erscheinungen innerhalb des altern tibetischen Mönch- 
tums gehört der Heilige Mi-la oder mit vollerm Namen und Titel rJe-btsun 




Abb. 46. Der Geschichtsehreiber und 
Vertreter des Kälacakra Bu-ston. 

über die Farbe seiner Kleider u. s. vr. habe 

ich keine Angaben; sie können aber nur rot 

sein: Mütze, Obcrkleid hochrot, Unterkleid 

purpurrot. 



— 59 — 

Mi-la-ras-pa***, Grub-pai dbah-p'yug Mi-la, der im Jahre 1038 geboren 
wurde und 1122 in C'u-bar bei Na-lam, an der Grenze zwischen Tibet und 
Nepal gestorben sehi soll. Wir haben über ihn zwei umfangreiche Werke, eine 
in Prosa geschriebene Lebensbeschreibung und das halb in Prosa, halb in Versen 
verfasste, ungemein volkstümliche Buch der « hundeittauseud Gesänge des Mi- 
la -ras- pa». 

Mi-la (Abb. 39) war ein wandernder M("»nch, der giuiz Tibet durchstreifte, 
Wunder verrichtete. Andersgläubige bekehrte und das Volk mit seinen Im- 



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Abb. 47. Der Kefonnator .dos Tjamaismus, Ke«,^rüiuUM- clor Sekte der « Tnji^endhaften «, der 
jetzt herrschenden gelben Kirche, und seine Schüler riJyal-ts'ab-rje und mK*a8-j,^rub-rje. 

Tibetisch rJe-rin-po-c'e (8o di»« Unterschrift) hLo-hz.an-grags-pa, Sannkrit Aryamah4ratna Sumatikirti, 
genannt bTson-k'^a-pa, mongolisch Bogda Tsougkaba ; Suiiiati kiridi; Sein oyotu aldarPikMan; vnlgftr 

nogdo Znnkhawa. 

Auf (Gemälden tragen alle drei dunkelroto Unterkleider, hochrote Oberkleider und gelbe Mutzen. Tson-k^a-pa 

h&lt mit den Ifündon — in Dharmacakraniudrä — je eine LotuHblume; auf der rechts befindlichen steht 

ein Schwert, auf der links liegt ein Buch: die Attribute des Maujughosha. Die Schüler halten Bücher. Vor 

ihnen liegen Edelsteine: Symbole der Kostbarkeit ihrer Lehren. 



provisationen er])aute. Diesen Inhalt hat auch das letztgenannte liegenden- 
buch, welches eine Keihe kleiner Gehichicliton enthält, die dem Heiligen auf 
seinen Wanderungen zustiessen. Die Erzählung schliesst jedesmal mit den 
Versen des Mi-la. Leider besitzen wir bis jetzt keine Übersetzung des sow(4il 
für das Volksleben in Tibet unschätzbaren , wie poetisch beachtenswerten 
Buches und haben nur dem Fleisse des Missionars Jäschke ein kleines Frag- 
ment zu verdanken, welches ich nicht umhin kann in seiner Übersetzung zu 
reproduzieren. 



— 60 — 

Mi-la hat sich in eine Höhle über dem Thale von Rag-ma zurückgezogen, 
als seine Zuhörer ihm seine Auf>\'artung machen; er antwortet ihnen, als sie ihn 
um sein Befinden fragen: 

Dies ist Byan-d*ub rdsoiis Bergeinsamkeit, 

oben starken Gottes Gletscherschnee, 

unten gläubiger Spender grosse Zahl; 

glänzend weissem Seidenvorhang gleich 

schliessen Berge rings den Hintergrund. 

Vor mir dichter Wäldermassen Pracht, 

Rasengründe, Matten gross und weit; 

auf den bunten Bluten reich an Duft 

schwebet der Sechsftissigen (d. h. Bienen) Gesumm; 

Wasserrogel an des Teiches Strand 

steht und dreht den Hals und schaut umher; 

in der Bäume weitem Laubgezweig 

singet lieblich bunter Vögel Schar; 

wiegend tanzen, von dufttragendem 

Wind bewegt, die Zweige hin und her; 

hoch im weitgesehnen Wipfel übt 

Kunstsprung mannichfach der ÄfFIein Trupp; 

auf dem grünen, weiten Wiesensammt 

hingebreitet seh' ich grasend Vieh, 

hör' der Hirten Flötenspiel und Sang, 

die der Weltbegier Handlanger sind. 

Sie auch lagern, Waren bringend, dort! 

Wenn auf meinem weithin sichtbaren 

Prachtgebirg' ich alles dieses schau', 

die vergängliche Ersclieinnngswelt 

wird zum Gleichnis mir; der Wünsche Lust 

seh' ich an wie Spieglungsbild der Luft; 

dieses Leben wie ein Traumgesicht; 

Mitleid flössen mir die Thoren ein; 

Speis' ist mir der weite Himmelsraum; 

störungslosem Sinnen lieg' ich ob; 

mannichfach' Gedanken steigen auf; 

der drei Weltgebiete Kreiseslauf 

wird zum Nichts vor mir — o Wunder gross! 

Aus einer andern dieses Werk betreifenden Notiz wissen wir, dass eine Epi- 
sode des Buches eine Angriifsscene der Dämonen enthält, wie sie ja auch in der 
Buddha-Legende vorkommt. Auch hier ist es Mi -las improvisiertes Lied, das ihn 
zum Sieger macht. 

Von sonstigen Notizen über ihn wessen wir nur, dass er ein Schüler des 
Mar-pa war und seinem Lehrer als das Haupt der von ihm gegründeten bKa- 
brgyud-pa-Sckte, einer früh vom alttibetischen Buddhismus abgezweigten Sekte, 
nachfolgte. P> soll an dem Geburtsort seines Lehrers in Lho-brag im Süden von 
Yar-luü einen Tempel gebaut haben. Dort soll sicli auch ein Standbild des Las- 
kyi rdo-rje, einer Form des Vajradhara, befinden. Weiter kennen wir über ihn 
eine burleske Legende eines Kampfes, den er mit einem Zauberer der Bon-Reli- 
gion am Te-se-Gebirge in Klein-Tibet geführt hat. Dort soll er, auf einem Sonnen- 
strahle zum Berggipfel fliegend, den mehrmals überwundenen Bon -Zauberer 



— 61 — 

(Anhänger der in Tibet heimischen Religion), der vor ihm auf seiner Trommel 
einen Ritt in die Luft machte, herabgestürzt haben! Die dabei entstandene Schlucht 
soll noch zu sehen sein. 

Ich, aHbekannter Mi-la-ras-pa, 

ein alter Mann, der nackt und bloss zur Ruhe geht, 

von Weisheit und Erinnerung (früheren Daseins) 

bin ich geboren; 

meine Lippen singen ein kleines Lied; 

denn die ganze Natur, auf die ich schaue, 

ist mir ein Buch. 

Der eiserne Stock, den meine Hand führt, 

geleitet mich über den Ocean des Wanderlebens. 

Dies ist bis jetzt leider so ziemlich alles, was wir über diesen interessanten 
Mann wissen! 



S. Die Mongolenbekehrer und die gelbe Earche. 

Als Folge früherer Segnungen sehen wir 
hier den Lama als wahrhaften Gegenstand der 
Anbetung, und den Khagan alt Herrn der 
Beligionsgaben vor ans, als wie Sonne und 
Mond, wenn sie zusammen am reinen blauen 
Himmel aufgehen. 

J. J. Schmidt, SsanangSsetsen. 

Die Begründung einer festgegliederten Kirche, welche jahrhundertelang sogar 
an der politischen Geschichte Hochasiens einen sehr wirkungsvollen Anteil nahm, 
war das Werk der Mongolen. 

Die Gründung des Klosters Sa-skya, 50 englische Meilen nördlich vom Mount 
Everest, durch den aus königlichem Geschlechte stammenden Kon-m5'og rgyal-po. 
nach 1070 n. Chr. wurde in der Folge bedeutsam für die Entwicklung des Bud- 
dhismus durch das Wirken seiner Äbte, welche neben ihrer geistlichen Würde 
auch eine politische Machtstellung anstrebten und auch erreichten. Viel trug dazu 
bei, dass in Kon-mc'ogs Familie — wie ja im altern Lamaismus die Ehe imter 
gewissen Beschränkungen erlaubt war — die Stellung eines Abtes im Kloster 
Sa-skya erblich geworden war. 

Der bedeutendste der Nachkommen des Gründers war Kun-dga rgyal-' 
mts^an*'', genannt Sa-skya-mahä-pandita (tibetisch pan-5'en), geb. 1181 (Abb. 40), 
und es ist bezeichnend für den Ehrgeiz in seiner Familie, dass er, wie ein tibe- 
tischer Geschichtsclireiber berichtet, nach zwei Methoden, der geistlichen und 
der weltlichen, erzogen wurde. Als ein Wunder von Gelehrsamkeit gerühmt — 
er soll schon in seiner frühen Jugend sowohl die Lan-tsa wie die Vaitula-Schrift, 
Sanskrit und Bru-za, gelernt haben — früh von seinem Oheim unterrichtet, 
«strebte er die höchste Bodhi an^). Als Mönch eingekleidet durch den K&shmirier 
^äkyagri, zur Bodhi gelangt durch Beihilfe des Bodhisatva Manjughosha, als des«" 



— 62 — 

Heischwerdimg er gilt, soll er auch unbeschränkten Eintiuss über die weltlichen 
Herrscher Tibets erlangt haben. Auch wird berichtet, er habe in seinem dreiund- 
dreissigsten Jahre einen Ruf an den Hof der Mongolenkaiser, der Naclikommen 
des Tsinggis, erhalten und innerhalb dreier Jahre die Reise auch ausgeführt. Sein 




Abb. 4H. Der (lott der Todten, Dharmardja. 

Tibetisch C'oB-rgyal oder ^/*o8-kyi rgyal-po; mongulisob nom-uii khan, Ärlik khAn. 

In dOa-Idan: Dam-c^cn gSin-rjo c^os-kyi rgyal-po, «der das grosse Gelttbde (den Baddbismas und dGa-ldan 
zu schützen) haltende Boligionskönig (dharmarAja) Yama (g8in-rje) und seine Schwester Yami». Er hftlt 
in der rechten die Keule dbyug-gu (Sanskrit KapMakhatvAüga), wuvun er auch «•dbyug-gu Msin» heisst (eine 
aus einem Skelett bestehende Keule); auf der Brust trägt er ein Rad, das Symbol des Buddhismus. Auf 
Bildern sind Yama und Yaml blau, der Stier ist bellblau oder hellgrau, die Leiche weiss. Der Kopf der Yaml 
ist bisweilen heller blau als der Körper. Beide Figuren haben Schädelkronen und das (dritte) uAuge der 
Weisheit". Ausser der Keule hat Yama noch die Fangschlinge (pä^^a, tibetisch zags-pa) und den Dreizack 

(trlQüla), Yaml die Schädelschale. 

Aus der Sammlung des Fttrwten Uchtom«kij. 



Lehrer soll ihm einst prophezeit haben, dass in «Hör» (Mongolei) ein Volk lebe, 
welches Mützen trage in Fonn eines Habichts und Schuhe in Form von Schweine- 
rüsseln, welches zu bekehren er berufen sei. Er soll diese Eigentümlichkeiten 
des Kostüms an den Gesandten erkannt haben, die ihn an den mongolischen 
-'—• — \^^f führten. Dort soll er den Kaiser durch die Simhanadadharanl vom 



— 63 — 

Aussatz geheilt haben. Nach seiner Rückkehr soll er hochbetagt im Jahre 1252 
gestorben sein. Er ist auch als Schriftsteller bekannt und gilt als eine der frühern 
Fleischwerdungen des Grosslamas von bKra-sis-lhun-po. 

Die eigentliche Bekehnmg des mongolischen Kaiserhofs und damit verbunden 
die Einführung des tibetischen Buddhismus bei den Mongolen blieb dem Neffen des 
Sa-skya-pan-ö'en Ta'gs-pa bLo-gros rgyal-mts'an*® (Abb. 41) vorbehalten. Er 
soll vom Kaiser Khubilai im Jahre 1201 nach China gerufen worden sein. Am 
Hofe des Kaisers soll ein Disput darüber entstanden sein, wer den Vorrang haben 
sollte. Durch die Vermittlung der Gemahlin des Kaisers wurde der Streit in dem 
Sinne geschlichtet, dass solange 'P'ags-pa dem Kaiser die Weihen erteile, er einen 



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Abb. 49. Der weisse Mafijug:li08ha. 

Bezeichnet: Mam dkar statt *Jam-dbyans dkar-po. 

Eine Form des Bodhisatva Mailju^ri. Kr ist in Tsou-k^a-pa inkaruiort gowct»en, der auch seine Attribute 
trägt: zwei liotuablumen , eint» mit doni «Schwerte de» Wissens ■>, die andere mit einem Buch auf dem 

Fruchtboden. 



hohem Sitz einnehmen solle als der Kaiser, dass jedoch in Regierimgsangelegen- 
heiten beide auf gleich hohen Thronsesseln sitzen sollen. Als dieser Vorschlag 
seitens Khubilais keinen Widersprucli mehr fand, erhielt er vom (xrosslama die 
HevajravaQitä (Weihe des Gottes Hevajra oder [tib.] Kyai rdo-rje). 

Der mongolische Geschichtschreiber Ssanang Ssetsen erzählt, dass es am 
ersten Tage T'ags-pa nicht gelungen sei, auf die Fragen des Khagans etwas ant- 
worten zu können. 

«Er verstand auch nicht ein einziges von dessen Worten. Hierül)er sehr beun- 
ruhigt, bat er den Khagan, am folgenden Tage die Unterredung fortsetzen zu dürfen. 
Die Ursache dieser Unwissenheit war, dass der Text (Sanskrit: Sütra) der Tantras 
des Hevajra, früher ein Eigentum des Sa-skya pandita, sich imn in den Händen 
des Khagans befand, und dass 'P'ags-pa das Buch nicht gesehen hatte.» 



— 64 — 

In der sorgenvollen Nacht, die der Heilige infolgedessen hatte, soll ihm ein 
Greis in der Gestalt eines Brälimana mit schneeweissem, auf dem Scheitel zusam- 
mengeschlungenem Haupthaar, in der Hand eine aus der Markröhre (Schenkel- 
knochen) eines Menschen verfertigte Pfeife haltend, erscliienen sein (Abb. 42) und 
ihm mit dem Auftrage, die Lampe zurechtzumachen, ein Kästchen mit einem 
Buche, dem Texte des Hevajratantra, überbracht haben. Nachdem der Heilige 
sich den Inhalt eingeprägt hatte, soll er das Kästchen mit dem Buche wieder an 








Abb. 50. Der Begriinder des Klosters Se-ra. 

Tibetisch mK'as-grub Byams-ö^en 6^08-rje (MaitreyadbarmaBTAml) ; mongoliscb Yäkä asarang^oi Bsamtaan 

tsordzi. 

Auf Gemälden ist das Unterkleid kirschrot mit gelbem Besats und Ärmelausschnitt, das Überkleid hochrot 
mit grünem Umschlag, der aussen umliegende Überwurf gelb mit hellblauem Umschlag, die Mtttxe sohwars, 
die fünf Dhy&nibuddhas auf den Blättern, Knopf und Bänder golden; das Polster hellblau mit Gold- 
stickerei, der Nimbus hellgrün mit Goldrand, der Strahlenkranz rosa mit Goldrand und Goldstrahlen. 



seine Stelle gebracht haben. Dies war der Schutzgott Mahäkäla. Am andern Tage 
war T'ags-pa im stände, die Weihen zu erteilen, und erhielt vom Khagan reiche 
Geschenke und den Titel «der König der Lehre in den drei Ländern, der heilige 
Lama». 

Eine andere Fassung der Geschichte des Heiligen lässt seinen Vater vor 
seiner Geburt den Ganapati bannen. Er sah das Antlitz des elefantenköpfigen 
Sohnes des Mahäkäla (Abb. 4:5), der ihn mit dem Rüssel fasste, auf den Berg Meru 
führte und ihm alle Länder Tibets zeigte mit den Worten: «Diese Länder alle 
wird sich Dein Nachkomme unterthan machen.» 



— 65 — 



Es ist beachtenswert, dass die 
als Vermittler des Bekehrungswerkes 

T'ags-pas Hauptaufgabe, die 
ihm vom Grosskhän Khubilai gestellt 
wurde, war, für die Mongolen eine 
Schrift zu schaffen. Er erfüllte diesen 
Wunsch, indem er auf Grund der 
tibetischen Schrift die nach ihm T'ags- 
pa, sonst auch 'K'or-yig genannte 
eckige Schrift erfand, welche jedoch 
von oben nach unten laufend ange- 
ordnet wurde. Sie erwies sich aber 
zur Niederschrift grösserer Schrift- 
stücke als zu unbequem — von den 
zu schaffenden umfangreichen Über- 
setzungen der heiligen Texte, die der 
Kaiser hergestellt haben wollte, ganz 
zu schweigen (Abb. 44). Man griff 
daher auf einen frühern Versuch des 
Sa-skya pandita zurück, die Schrift 
der Uiguren (tibetisch Yugur oder 
Yo-gur) dem Mongolischen anzupassen, 
und erst unter Khubilais Nachfolgern, 
unter Öldzäitü, gelang dem Sa-skya- 
Mönche C'os-kyi 'od-zer oder C'os- 
sku* od-zer (mongolisch Nouuin gtäräl) 
die Herstellung einer mongolischen 
Schrift auf dieser Basis. 

Es ist daran zu erinnern, dass 
zu den bedeutungsvollsten Ergebnissen 
der russischen Turfan-Expedition, wie 
oben erwähnt ist, die Thatsache ge- 
hört, dass in den Höhlentempeln Tur- 
fans buddhistische Schriftstücke in tür- 
kischer Sprache gefunden wurden in 
einem aus der syrischen Schrift ab- 
geleiteten Alphabet. In demselben 
Zusammenhang ist die Notiz beach- 
tenswert, dass darunter Schriftstücke 
mit Sanskritglossen sich fanden. Wir 
wissen nun, woher die Mongolen die 
Sanskritnamen von Göttern, Ländern 
und Königen haben, während die 
Tibeter die indischen Namen meist und 
in der Regel sehr sklavisch übersetzten. 

GrOmwedel. 



Legenden gerade Mahäkälas (Qivas) Sippe 
der Mongolen auftreten lassen. 







y 

Abb. 51. Der Bodhisatva Avalokite^vara, eine 
Form des Bodhisatva Padmapäni. 

Tibetisch sPyan-ras-gzigg; mongolisch NidUbftr üdzäktsi 

(Ariabalo). 
Gewöhnlich wird die im Dalai Lama wiedergeborene Form 
als die vierh&ndige, einköpfige, sitzende bezeichnet. Dann 
sind zwei Hände auf der Brust betend gefaltet, eine h&lt 
den Bosenkranz, die andere die Lotusblume. Hier hält sie 
noch das Rad und Pfeil und Bogen. 

Auf Gemälden ist die Hautfarbe gewöhnlich weiss, die 
Köpfe aber haben folgende Farben: die untersten drei: 
grün (rechts), weiss (Mitte), blau (links); die zweite Beihe: 
blau (rechts), rot (Mitte), gelb (links); die dritte Beihe: 
grQn (rechts), gelb (Mitte), blau (Unks), darüber ein blauer 
und darüber der rote Amit&bha. Der schmale Shawl 
Über dem Oberkörper gelbrot, das kurze Lendenkleid grün, 
das lange Unterkleid dunkel rot 

Aus der Sammlung des Fürsten UchtomskiJ. 



— 66 — 

Weiter ist daran zu erinnern, dass dem Sa-skya pandita die Kenntnis der Bru-za- 
Sprache zugeschrieben wurde, einer Sprache, die uns bis jetzt völlig unbekannt ist 
und die besonders in der Legende Padmasambhavas eine Rolle spielt. 

Es wird ferner berichtet, dass Khubilai in Übereinstimmung mit dem Gross- 
lama eine neue Revision und Übersetzung der heiligen Schriften veranlasst habe. 
Bei der ganzen jahrelangen Arbeit sollen imter den Gelehrten, die schliesslich 
den Druck besorgten, ausser ReUgiosen, die Sanskrit, Tibetisch und Chinesisch 
beherrschten, auch solche gewesen sein, die das Uigurische verstanden. 




LI 



Abb. 52. Die Göttin Devi (gridevi). 

Tibetisch (dPal-ldan) Lha-mo; mongolisch Ükin (Okin) tigri. 

Sie reitet auf einem Maultier, welches eine Mcnscbenhaut als Schabracke bat; in der Hechten hält sie ein 
Schwert, in der Linken eine ScbftdeUcbale. Hier ist sie als Bi-ma-ti (-te gewöhnlicher) beseichnet; diea 
ist die Übersetzung des Namens PArvatl, udie Berggöttin» , eines andern Namens, den diese Form, wenn 

genauer beKeichnei, führt. 



Ebenfalls am Hofe der Mongolenkaiser thätig war der grosse Vertreter der 
Tantra-Schule gYun-ston rDo-rje dpal (der Svastika- Lehrer VajraQrt), welcher 
im Jahre 1284 geboren sein soll (Abb. 45).'*^ Nachdem er dort eine Zeit lang als 
Leiter religiöser Ceremonien gewirkt hatte, kehrte er nach Tibet zurück, ver- 
heiratete sich auf Wunsch seiner Mutter und wartete die Geburt eines Sohnes 
ab. Dann verliess er seine Familie, wurde voll ordiniert und wirkte als Vertreter 
des Kälacakra-Systems hervorragend durch schriftstellerische Thätigkeit und Tempel- 
bauten. Er galt als besonders stark im Bannen der «schrecklichen Götter». 
92 Jahre alt soll er gestorben sein. 



— 67 — 

Es sei hier eine Erklärung der S. 57 befindlichen Abbildung 45 beigefügt. 

Über Mahäkäla sitzt in einer runden Aureole der Mönch Zur-dban Byams-pa 
sen-ge. Oben in der Luft steht auf einem Stiere der einköpfige, zweihändige 
Bhairava (tibetisch 'Jigs-byed zal-gcig p'yag-gnyis-pa yum bcas) mit seiner Qakti, 
unten in der rechten Ecke ist eine andere Form des Mahäkäla (tibetisch mGon-po 




Abb. 53. Ein lam aistische r hoher Geistlicher. 

Die Bronze soll einen der Pan-6^en von bKra-Ai^-lhun-po vorstellen. Da nun die Attribute dieser Ileiligcu 
bis zu Pan-ö^en bLo-bzaü dpa'l-ldan ye-8e8 (gestorben 1779) bekannt sind und nicht mit den hier gegebenen, 
Glocke und Donnerkeil auf Lotusblumen, übereinstimmen, mOaste die Bronze, wenn die Bezeichnung richtig 
istf einen der drei letzten darstellen, vgl. die Note 54. Die Miltze — gewöhnlich erhalten die Bronzen seidene 

Mützen — fehlt. 

Auf einem alten Bilde im Berliner Museum für Yölkerkundo, welches den /aubcrkreis (mundala. tibetisch 
dkyil-'k*or) des Gottes Yamftntaka vorstellt, ist oben Tsoh-k^a-pa mit seinen Schülern wie Abb 47 dar- 
gestellt; links im Bilde darunter (^'dkya^od (so bezeichnet i. e. QAkyaprabha) und rechts im Bilde Yon-tan*od 
(Gunaprabha). Der erstere hat dieselben Attribute wie unsere Abb. 53, nur hat er ein blaues Almoiengefäss 
(pAtra, tibetisch Ihuu-bzed) in der linken Hand und eine hohe gelbe Mütze. Diese Attribute aber fehlen an 

unserer Bronze. 

Aus der Sammlung des Fürsten UchtomskiJ. 



legs-ldan). Die Farben des Bildes sind: bei rDo-rje dpal ist die Hautfarbe weiss 
(fleischfarben), das Unterkleid purpurrot, das Überkleid hochrot, der Zauberdolch 
(p'ur-bu) in der Rechten hat grüne Schleife; Aureole graugrün. Der Kopf Mahäkälas 
ist dunkelblau mit feuerfarbigem struppigem Haar. Mahäkäla (unten) hat schwarze 
Köi-perfarbe, rotes Unterkleid und schwarzes Ärmelgewand, die Leiche ist weiss. 
rDo-rje dpals Lehrer (über Mahäkäla) hat ein feuerrotes Mönchsgewand mid eine 
gelbe Mütze. Die Aureole ist innen grün mit rosa Rand. Bhairava mit der 



— 68 — 

Qakti ist kirschrot mit weisser Keule und weissem Schmuck. Der Stier ist rosa, 
die Leiche hellblau. Die Mönche im Vordergrunde haben rote Unterkleider und 
gelbe Kleider und Mützen. Das Bild giebt einen guten Begriff von der Bannung 
eines Gottes mit allen Opfergeräten (Schädelschalen, Räucherbecken u. s. w.). 

Zu rDo-rje dpals Lehrern gehört auch der als Geschichtschreiber bekannte 
Bu-ston*^ (Abb. 4G), obwohl er gleichen Alters mit diesem gewesen sein muss, 
denn Bu-ston soll 1288 n. Chr. geboren sein. Sein voller Titel ist Tams-cad 
mk'yen-po (Sanskrit Sarvajfia, «der Allwissende») Bu-ston, sein Geburtsort mTo-p^ug 
bei bKra-sis-lhun-po. Er war ein Vertreter des Kälacakra- Systems und Verfasser 




Abb. 54. Der I)a-lai La-ma der dritten Wiederjjfeburl, mK*a8-j?rub bSod-naiiis rgrya-int8*o. 

Auf der Vorderseite der lirunzo unter den LotuBbliitiern inschriftlich bezeichnet 1543 — 1589. Alte Bronxe, 
nvelclie das Fortrüt des Mongulenbekehrers wiedergiebt. 

Aus der Sammlung dos Fürsten Uchtoraskij. 



des wertvollen liistorischen Werkes C'os-'byun neben andern zur Sektengeschichte 
wichtigen Werken. Es wird ferner überliefert, dass ei* zuerst alle existierenden 
tibetischen Übersetzungen gesammelt habe, die heute als bKa-*gyur (Kanjur) und 
bsTan-'gyur (Tanjur) bekannt sind. 

Als mit dem Sturze der mongolischen Dynastie (der Juan-Dynastie) in China 
KM38 n. Chr. die Ming-Dynastie ans Ruder kam, hatte dies für die in ihre Steppen 
zurückgejagten Mongolen zunächst die Folge, dass ilire Einheit verloren ging und 
sie sich in endlosen Fehden gegenseitig bekämpften. Dadurch verlor die Religion 
Buddhas so sehr an Boden, dass sie allmählich vollständig verschwand und das 
Volk wieder in den alten Schamanismus zurückfiel. 

Die Dynastie der Ming in China war aber dem Buddhismus keineswegs feind- 
lich gesinnt, sie änderte nur in Bezug auf die politische Stellung zu Tibet ihre 



— G9 — 

Methode insofern, als sie von dem Prinzip der Mongolen-Dynastie, einen geistlichen 
Würdenträger, den Sa-skya La-ma, zu benutzen, um das Land in Unteithänigkeit zu 
erhalten, abwich und durch das Prinzip der Teilung. ^ von Sa-skya 

indem sie auch den Voratehei^i anderer Klöster gleiche M traten, der zu 

Ehrenbezeigungen erv^ies, sich die Mittler- und Herrscher- uj blutigen Krie- 
roUe zu sichern bemüht war. Die Gründimg des Klosters W gen fillirte, war 

'ßri-gun, dessen 'S'orsteher in offenen Kontlikt mit denen /ff^a ein trauriges Zei- 




Abb. 55. Der Dharmapäla Bej^-tse oder iCam-sran (iCam-srin). 

Mongolisch Äg&tsi dägü (dft). 

Auf Gemälden ist er von roter Hautfarbe; das Pferd, das er zu Boden tritt, ist blau; der Panzer goldfarbig, die 

Fahne rot mit grtlnen Zacken. Das Schwert hat einen schwarzen krebsförmigen Griff (der Kopf des Krebses 

Uegt unter der Hand). Die Linke sollte noch einen Bogen umgehängt haben und die Fingerspitzen ein 

rotes Herz halten, das er zum Munde führt. 

Aus der Sammlung des Fürsten Uchtomskij. 



chen der Verwilderung und Verrohung, welche über die Söhne des Buddha 
gekommen war. Dabei war ihre religiöse Disciplin ganz herabgekommen, das 
Überwiegen der Tantras mit ihren Qaktigebräuchen, die Priesterehe und so manches 
andere waren nur der Deckmantel für alle erdenklichen Ausschweifungen. 



s 



— 70 — 

Gegen diese Verwilderung wandte sich die Reformation des Lamas von 
sKu-*bum, welche mit dem ehrlichen Bestreben, die alte buddhistische Disciplin 
wieder herzustellen, die Basis der ganzen heutigen Kirche geworden ist. 

Dieser gefeierte Mönch, der heute in der Mongolei fast ebenso verehrt 
wird wie der lleligionsstifter selbst — die Prophezeiung aus Qäkyamunis Mund, 
die wir auf Seite 29 vorangesetzt haben , wird direkt auf ihn bezogen — ist um 
das Jahr 1355 n. Chr. am Blauen See im Lande Am-do geboren, da wo jetzt das 





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Abb. 56. Zwei Formen des sech8händii,^en Schutzgottes Mahäkäla shadbfthanfttha. 

Tibetisch mGou-iio p^ya^-drug-pa; mongolisch dzirjtugan gartai Ma-hA-ka-la. 

a. Diese Fonn heisst tibetisch gewöhnlich mOon dkar yid-bzi nor-bu, «der weisse Schatzgott mit dem 
Cint&mani-Edelstein» (dem Kdclstein, der alle Wünsche gewährt); mongolisch Tsa^an itä^ Makhakala. 

Weisse Körperfarbe. 

b. Diese Form ist die vom dritten rOyal-ba den Mongolen empfohlene. Dunkelblaue Körperfarbe. Der su 

Boden getretene Ganapati ist weiss. 

Attribute von a: das Messer Gri-gug, die Trommel Damaru, der Edelstein CintAmani, ein DreUaok, ein 
Haken , die Sch&delschale. b wie a, nnr statt des CintAmani-Edelsteins ein Bosenkrana aus SchAdeln, ataU 

des Hakens die Fangschlinge (p&Qa). 



Kloster sKu-'bum steht, im Thale bTson-k'a, dem « Zwiebelthal », von dem er den 
uns geläufigsten Namen «der Mann aus bTson-k'a Tsoh-k'a-pa (auch die Form 
bTsoii-k'a-pa kommt vor) trägt (Abb. 47). Sein Klostemame ist r Je-rin-po-ft*e 
bLo-bzan-grags-pa, im Sanskrit Äryamahäratna Sumatikirti. Das Haus, wo er 
geboren ist, soll unter einem schönen Sandelholzbaume gestanden haben, auf dessen 
Blättern deutUch die Abbildung des Buddha Simhanäda erschien. Nach andein Berich- 
ten soll der noch existierende Wunderbaum aus dem Haare erwachsen sein, das sich 
der junge Religiöse abschnitt. Die Blätter und die Rinde des noch stehenden, hoch- 
verehrten Baumes bilden auch heute das Glück der zahlreichen Pilger, welche aus 
allen Teilen Tibets und der Mongolei nach sKu-'bum ziehen. Es soll ein weisser 



— 71 — 

Sandelholzbaum (Syringa villosa) sein; die Figuren auf den Blättern sollen, nach 
Huc und Gäbet, nicht Buddhabilder, sondem deutliche Schriftztige enthalten. Der 
Name des Klosters soll Ton diesen -' hundert- m sku) bergen oiimien sein.*^ Ich 
tausend» (tibetisch 'bum) Bildern (tibetisch m übergebe die überirdischen 




Abb. 57. Darstellung des Palastes eines tibetischen Grosslama, 

Nach einer einheimischen Zeichnung. In dem obersten Gemache des Mittelbaues sitzt der Heilige, von zwei 
Mönchen bedient, unter einem Schirme. Da dieser Mittelbau mit p^o-bran dmar-po, «der rote Palast», be- 
seiohnet ist, so ist es nicht unmöglich, dass das Bild den Palast des Dalai Lama — denn dessen Palast in 
Po-ia-la (Lha-sa) heisst so — darstellen soll. Ober den Dächern sieht man Flaggen, deren Stangenspitsen 
mit dem Dreizack, dem altbuddhistischen Symbol des «Dharma», der Beligion Buddhas, geschmückt sind. 
Ein Vorbau neben der grossen Thüre ist mit Pan-d^en k^an .... (Best weggeschnitten), Palast der Panditas 
oder des Pandita 4, bezeichnet; ein darunter befindlicher mit «sMan-bla-k^anp, Palast des Man-la (eines 
Buddha, welchem besonders medizinische Kräfte zugeschrieben werden). 

Aus: Fürst Uchtomskij, Orientreise des Kaisers von Bussland. 



Besuche, welche Tsoh-k'a-pa schon in seiner Jugend von Göttern wie Vajrapäni, 
den Däkinls, von Bodhisatvas, wie ManjuQrt, und von heiligen Mönchen, wie Ati^a, 
Bu-ston, Saraha und Nägärjuna, u. s. w. gehabt haben soll, und will nur erwähnen, 
dass er vermutlich beim Studium der alten Texte, von denen er sich jeden Tag 



— 72 — 

sechzehn Seiten eingeprägt haben soll, gegenüber dem Ärgernis erregenden Treiben 
seiner Zeitgenossen auf den Gedanken kam, eine Reformation der Religion zu ver- 
suchen. Seine überlegenen Kenntnisse sicherten ihm den Sieg über seine Gegner, 
unter denen die Niederlage des Oberhauptes des Sa -skya- Klosters besonders 
ei'wähnt wird. 

Sein Ruf verbreitete sich rasch und zog Scharen von Pilgern an. In der 
Folge entstand in der Nähe der Hauptstadt das Kloster dGa-ldan oder dGe-ldan, 
dessen Abt er wurde. Die durch die Vertreter der Tantra-Schule allgemein wieder 
aufgekommene Ehe untersagte er den Religiösen seiner Sekte, die er die «Tugend- 
sekte», dGe-lugs-pa, nannte und deren Hauptmerkmal, auf der alten Farbe der 
buddhistischen Mönchskleider fussend, die gelbe Mütze (tibetisch zva-ser, im 
Gegensatz zur roten, tibetisch zva-dmar) wurde. Lehre, Predigten, Disputationen 
und gemeinsame Gebete sollen die Zeit der dGe-lugs-pa-Mönche ausfüllen. Die 
verheirateten rotmützigen Vertreter der alten Tantra-Schule werden ge\\isser- 
massen als Vertreter der dem Buddhismus treuen Gottheiten als «Beschützer der 
Religion» (tibetisch fi'os-skj'on, Sanskrit dhaimapäla) einzeln in die Klöster auf- 
genommen, da die neue Lehre die Magie nicht ganz entbehren konnte. In der 
Folge verbreitete sich die gelbe Kirche ungemein und seit ein paar Jahrhunderten 
hat sie entschieden die Oberhand. 

Die Centren der neuen Schule wurden die gleichzeitig erbauten Klöster 
dGa-ldan und Se-ra, beide in der Nähe von Lha-sa. Wie erwähnt ist Tson-k'a-pa 
selbst Abt von dGa-ldan gewesen. Vor seinem Tode soll er den Gott der Todten 
beauftragt haben, die Kirche zu scliützen. Sein Leib liegt in diesem Kloster in 
einem Caitya (Abb. 5) von Gold, umwickelt mit Binden, die mit Dhäranis beschrieben 
sind. Zu den sonstigen Heiligtümern dieses Klosters gehöil auch eine alte Statue 
des furchtbaren Verteidigers der gelben Kirche, des Gottes des Todes. Die in 
Abb. 48 gegebene Form dieses Gottes wird auf Bildern, welche Manifestationen 
Tsoh-k'a-pas darstellen, liäufig als Schutzgott beigefügt; man kann also annehmen, 
dass die berühmte Statue in dGa-ldan diesen Typus zeigt. 

Seinem Schüler und Nachfolger als Abt von dGa-ldan, dem auf Abb. 47 links 
neben ihm sitzenden mK'as-grub-rje (oder mK'as-grub dGe-legs dpalbzaii oder 
dGe-legs dpal-ldan), welcher einen förmlichen Kult seines Lehrers betrieb , soll er 
erschienen sein. Dieses Ereignis wird in der lamaistischen Kunst oft abgebildet. Auf 
solchen Bildern erscheint mK'as-grub ohne Mütze vor einem Altar, eine goldene Schale 
mit Opfergaben seinem Lehrer entgegenhaltend, der, vom Himmel herabkommend, 
vor ihm hoch in der Luft schwebt. Tsoh-k'a-pa soll jetzt im Himmel Tushita 
(tibetisch dGa-ldan) unter dem Namen 'Jam-dpal snyih-po — denn er war eine 
Fleischwerdung Manju^rfs (tibetisch 'Jam-dpal) (Abb. 49)*'^ — neben dem künftigen 
Buddha Maitreya (tibetisch Byams-pa) wohnen. Auch den rGyal-ts'ab rje 
(Abb. 47 rechts) soll er zu seinem Nachfolger ernannt haben. Schon der Name rGyal- 
ts'ab (Sanskrit Yuvaräja, «Kronprinz») weist darauf hin, ohne dass man angeben 
könnte, wie er sich zu mK*as-grub-rjes Wirken in dGa-ldan verhalten hat. 

Ebenfalls ein Schüler des Tson-k'a-pa ist Byams-ö'en c'os-rje (Abb. 50), 
auch Qäkya ye-ses (sein Priestername) imd mit seinem gewöhnlichen Titel i^K'as- 
grub Byams-ö'en c'os-rje*^. Wir wissen jetzt, dass er, als der chinesisclie Kaiser 



— 73 — 

Yun-lo ans der Ming-Dynastie den Tson-k'a-pa zu sich an den chinesischen Hof 
berief, als Vertreter desselben nach China ging und dort hauptsächlich als Lehrer 







Abb. 58. Der jetzt lebende rJe-btsun dam-pa Täranätha. 

Sein voller Titel ist rJc-btsun dam-pa rin-po-ö*e uag-dbaü blo-bzan ft*08-kyi nyi-ma bstan-Msin dbau-p^yug. 
Aus: Farst Ucbtomskij, Orientreise des Kaisers Ton Bussland. 

des Kälacakra wirkte. Nach Tibet zurückgekehrt, gründete er unter der Leitung 
seines Lehrers Tson-k'a-pa das Kloster Se-ra (1417). Zu den Kostbarkeiten 
dieses Klosters — ein aus Persien stammender Zauberknüttel (vajra) soll dort 



— 74 — 

liegen — brachte er wertvolle Gegenstände aus China mit: ein Bild des Qäkya- 
muni und der sechzehn Sthavlras (Abb. 3), welche als kleine, aus Sandelholz 
geschnitzte Figuren, die in Behältern steckten, beschrieben werden; unter anderm 
(i wundervolle Kanjur- Exemplare, die er aus China mitgebracht hatte». Da nun 
in der Periode Yun-lo (1410) thatsächlich in China eine prachtvolle Ausgabe des 
Kanjur hergestellt wurde — Abdrücke (36 Bände) von den damals geschnittenen 
Platten gehören jetzt zu den grössten Kostbarkeiten der königlichen Bibliothek 




Abb. 59. Per Bruder des rJe-bisun dam-pa Täranätha (Abb. 58). 

Aus: Fürst Uohtomskij, Orientrciso des Kaisers von Bussland. 



in Berlin — so ist es nicht bloss möglich, sondern sogar sehr wahrscheinlich, dass 
der damals nach Se-ra gestiftete Kanjur derselbe ist. Eine Anzahl der in diesem 
Werke gegebenen Abbildimgen (z. B. Abb. 49, vgl. «Quellen der Abbildimgen», 
S. 214 fg.) stammen aus dem Berliner Kanjur Yuii-lo von 1410; einige davon hat 
schon Pander (in der Zeitschrift für Ethnologie, 1889, Heft 2) abgedruckt und 
daraus sind die Bilder 61 und 80 sogar in Waddells Buch «Lamaism» übergegangen, 
doch ohne die chronologische Bezeichnung, welche ihnen, da sie ausserdem alle mit 
Namen versehen sind, einen für die Dionographie des Buddhismus ungewöhnlichen 



— 75 — 

Wert verleiht. Leider enthalten die Berliner Bände sehr viele Wiederholungen, 
sodass die Ausbeute im ganzen keine sehr grosse ist. 

Byams-ö'en i'os-rje ist noch einmal nach China gegangen und hat dort so 
segensreich gewirkt, dass sein Biograph sagen kann, die heutige Verbreitung der 
dGe-ldan-pa-Sekte in China sei sein Werk. Er starb, 84 Jahr alt, im Jahre 1434 
in China. 




Abb. GO. Lieblin^rat des rJe-btsun dam-pa (Abb. 58). 

Aus: Fürst Uchtomskij, Oricutreiae des Kaisers von Bussland. 



Aus der Schar von Schülern, die sich um Tsoh-k'a-pa gesammelt hatten, 
sind zwei dadurch besonders bemerkenswert, dass ihre Wiedergeburten noch fort- 
dauern in den beiden Hierarchen der Gelben Kirche, dem sogenannten Dalai 
Lama** und dem Pan-5'en rin-po-c'e: es ist dies dGe-'dun (grub) (Siddhasangha), 
der Neffe des Tson-k'a-pa, und der schon erwähnte mK'as grub-rje. Ersterer 
kann als der erste rGyal-ba oder rGyal-dban (Sanskrit Jina) gelten — dies ist der 
alte Titel der später Dalai Lama genannten Kirchenfürsten — und er gilt von 
1439 n. Chr. an als eine Fleischwerdung des Bodhisatva Padmapäni (Abb. 51). Er 



— Vö — 

ist, wie die Tradition erzählt, auf Veranlassung der Göttin Lha-mo (Sanskrit Devt) 
(Abb. 52) der Gründer des Klosters bKra-sis-lhun-po (29^ 15' 40" nördl. Breite, 
88° 54' 40" östl. Länge von Greenw.), als dessen erster Abt mK'as-grub-rje 
angesehen wird, des Klosters, welches als aTeeshoo loombo» und ähnlich in 
Europa schon länger bekannt ist** (Abb. 53). 

Das Metropolitankloster des dGe-*dun rg}al-ba war rNam-rgyal ö'os-sde auf 
dem Potala-Berge, ausserhalb des Nordwest-Stadtteils von Lha-sa. 



Die Erbfolge der lamaistischen Hierarchen ^ird gewöhnlich als die khubil- 
ganische bezeichnet, von dem mongolischen Worte Khubilgan, welches eine Über- 
setzung des tibetischen sPrul-ba ist. Im Grosslama 
von Lha-sa fdie Hauptklöster sind das ei-wähnte 
rNaui-rgyal fe'os-sde und 'Bray-spuns) wird der 
sPrul-ba des Bodhisatva Padniapani odei' Avaloki- 
tegvara wiedergeboren; im Pan-ß'en von bKra-sis- 
lhun-po, welcher dem rOyal-ba (Dalai Lama) an 





Abb. 61. Scene aus dem Leben der Lamas. 

Aua: Fürst UchtomskiJ, Orientreise des Kaisers ron 
Bussland. 

Inschriftlich bezeichnet als zon gra (?) oder gron (?) 
oWaarenecke» oder «Waarenplatzo, das zweite Wort 
ist ganz undeutlich wiedergegeben. Einer kauft Bu- 
ben , einer Kuchen (?) , einer misst sich wollene Bin- 
den ab, ein anderer nimmt eine Probe einer feston 
Masse aus einem Sacke, einer l&sst sich Fleisch (?) 
in ein Tuch wickeln. Hier eingeschaltet, um die 
Identitilt der Lamakleidung mit der der verehrten 
Hierarchen zu zeigen. 




Heiligkeit bedeutend nachsteht, ist es der sPrul-ba des Buddha Amitabha (tibetisch 
'Od-dpag-med), welcher sich inkarniert; in der Folge werden wir sehen, dass in Tibet 
und der Mongolei die Zahl der Wiedergeborenen eine sehr grosse ist. Für den 
rGyal-ba geht diese Wiedergeburt in folgender Weise vor sich — bei den andern 
Khubilganen mutatis mutandis ähnlich — : sobald ein Grosslama stirbt, geht die Seele 
des Bodhisatva auf ein imbekanntes Kind über, welches neunundvierzig Tage, nach- 
dem der Geist die Hülle des Verstorbenen verlassen hat, oder länger danach geboren 
sein muss. Durch Konsultation bestunmter Orakel wird der Ort, wo der sPrul-ba 
sich auf die Seele eines Kindes niedergelassen hat, gesucht. Die Persönlichkeit, 
welche diese Erkundigungen einzieht, ist der Dharmapäla (tibetisch ö'os-skyon) von 
gNas-ö'un bei Lha-sa, der selbst die Fleischwerdung des Gottes Pe-har (Pe-dkar) oder 



Y 



— 78 — 

Ö'os-skyon ist. Das Kind, in welchem die Wiedergeburt des Bodhisatva erkannt 
wird, wird mit seinen Eltern in den östlich von Lha-sa gelegenen Tempelpalast 
lli-rgj\al p'o-bran gebracht. Sobald das Kind vier Jahre alt ist, wird es in feier- 
licher Prozession nach Po-ta-la gebracht und als Novize in das Kloster rXam-rgyal 
aufgenommen. Mit sieben oder acht Jahren wird es als Mönch (dge-sloii) einge- 
kleidet und gilt von nun an als Vorstand beider Klöster, rNam-rgyal ö'os-sde und 
'Brasspuüs. Von nun an ist seine Askese und sein Studium sehr streng. Es 




Abb. 63. Tibetischer Khubilgau aus sKu-'bum, 

-welcher uulängBt Transbaikalien besachte. 
Aus: Fürst Uchtomskij, Orientroise des Kaisers von Bu9iland. 



scheint, dass unter dem Druck der chinesischen Regierung kein Dalai Lama mehr 
zur Volljährigkeit kommen soll; so wurde in der That der im Jahre 1874 voll- 
ordinierte zwölfte rGyal-ba bald darauf von dem Kegenten vergiftet. 

Unsere Absicht kann es nicht sein, alle rGyal-bas einzeln hier aufzuführen. 
Was ihre Darstellung betrifft, so schliesst sich die konventionelle an die des Tsoii- 
k'a-pa oder seiner Schüler (Abb. 47) an, nur die Attri])ute werden etwas ver- 
ändeit: so hat der erste, rGyal-ba dGe-'dun rgya-mts'o, die linke Hand flach im 
Schooss, die rechte hält die Lotusblume; der fünfte, Nag-dban bLo-bzan rgya-mts*o, 



— 79 — 

wird genau ebenso dargestellt, nur hat er auf der Fläche der Linken ein 
Buch; der siebente bLo-bzan skal-ldan rgja-mts'o genau so wie der vorige, nur 
liegt auf der Lotusblume in der rechten ein Buch und darüber erhebt sich «das 
Schwert des Wissens» (tibetisch Ses-rab ral-gri)^*. Daneben giebt es Porträt- 
bronzen, welche meist reich vergoldet sind imd deren Attribute dann einzeln 




Abb. 64. Vornehmer Lama. 

Auf dem Tischchen rechts ein verhalltes Götterbild, daneben das Weibwassergefllss mit Pfaaenschweif 

(maügala-kal&Qa, tibetisch bum-pa), dahinter eine kleine Schädelschale (kap&la, tibetisch t^od-pa), davor eine 

Olocke (ghant&, tibetisch dril-bu) und der Donnerkeil (vi^ra^ tibetisch rdo-rje); auf dem Tischchen linkt 

eine chinesische Statuette der Göttin Kuan-jin und eine europäische Uhr. 

Aus: Fürst Uchtomskij, Orientreise des Kaiseri von Bnssland. 



gearbeitet sind: so erhalten sie Mützen aus Seide, Attribute aus kostbaren Metallen 
oder edeln Steinen (Almosenscbalen aus Lapis lazuli). Sehr häufig gehen aber 
diese Attribute verloren, und wenn dann nicht die Figur eine Inschrift trägt oder die 
Züge des Gesichts bekannt sind, so ist die Benennmig unmöglich, und die melan- 
cholische Bezeichnung rJe bLa-ma, «heiliger Lama», mit dem dann solche Figuren 
durch die Mönche selbst versehen werden, erhebt die Kenntnisse dieser Fachleute 



-- 80 — 

nicht höher als die des europäischen Gelehrten, der gestehen muss: «unbestimmbar 
wegen Mangel der Attribute»! 

Über die Abbildung des dritten rGyal-ba, welche unsere Abb. 54 darstellt, 
sind wir zum Glück durch die Inschrift unter dem lotusförmigen Sitz des Heiligen 
völlig im klaren, ja die Bronze selbst ist ein solches Meisterwerk, das Poilrät so 
scharf und charakteristisch, dass wir mit ihrer Hilfe sicher auch andere nicht 
bezeichnete werden benennen können.*^ Es fragt sich überhaupt, ob die Figur, 
ausser etwa einer seidenen Mütze, Attribute gehabt hat. 




Abb. 65. Inkariiierter Lama (Khubilgan). 

In der Rechten einen Boeenkranz haltend. 
Aus: Fürst Uohtomskij, Orientreise des Kaisers von Rnssland. 



mir as- grub bSod-nams rgya-mts'o^^ der dritte rGyal-ba und der erste, 
der den (halbmongolischen) Titel Dalai Lama geführt hat, ist der zweite Bekehrer 
der Mongolen. Altan Khagan, der mächtige Beherrscher der Tümäd, hatte im 
Jahre 1560 mehrere tibetische Geistliche gefangen genommen. Dem Einfluss 
dieser an seinem Hoflager gebliebenen Geistlichen, welche wohl die Erinneining 
an die frühere Blüte des Buddhismus bei den Mongolen wieder wach riefen, ist 
es zuzuschreiben, dass der Khan, der sich an die Spitze aller mongolischen 
Stämme setzen wollte, Gesandte nach Tibet schickte und den rGyal-ba von Lha-sa 
einladen liess. Erst auf die zweite Einladung im Jahre 1575 entschloss sich der 



— 81 — 

Grosslama, selbst zu kommen. Am Kökö nor sollte ein Vihära erbaut werden; 
dort erwartete ihn eine Gesandtschaft der verbündeten mongolischen Fürsten, und 
von überall her kamen ihm Gläubige entgegen, die reiche Geschenke brachten. 

Die Legende berichtet, der Grosslama sei als wahrhaftiger Padmapäni 
erschienen mit vier Armen, von denen zwei beständig auf der Brust gefaltet waren; 
sein Pferd hinterliess überall Hufspuren, welche die sechs Silben der Dhärani des 




Abb. 6H. Vornehmer Lama aus bLa-bran. 

Aue: Fürst Uchtomskij, Oricnireise den Kaisers von Russland 



Padmapäni «om ma-ni pad-me hörn» zeigten. «Eines Abends erschienen eine 
Menge mongolischer (lötter und Dämonen in zauberischen Vei'wandlungen als Kamele, 
Pferde, Mäuse u. s. w. unter der Führung des Dharmapala Beg-tse (Abb. 55). Er 
aber bannte sie, worauf sie einen Eid ablegten, den Religiösen keinen Schaden 
zuzufügen.» Bei Altan Khan angekommen, enthüllte der rGyal-ba ihm seine frühern 
Wiedergeburten, unter anderm, dass der Khan selbst früher Khubilai und er T'ags-pa 
gewesen sei. Der König gab ihm den Titel «Tahii bLa-ma Vajradhara» (rDo-rjeTan 

^ Orühwxoxi«. ^ 



82 - 




Abb. «)7. <M»lt»hrt«»r liaiini. 

Aus: Fttrat Uclitomf>kij, Orientn-isc doK KaiHt-rn 
von Rustflund. 



Talai bla-uiaj, während er dem König den 
IMtel Dharniaraja lllai ts'ans-pa fc*en-po ver- 
lieh. Von den (lesety.en, weklie durch Altan 
Klian für die neue bu<ldhistische Ära, die 
anbrechen sollte, gegeben wurden, erwähne 
i<'h nur das Verl)öt des Gebrauchs, beim 
Tode eines Menschen Tiere zu schlachten, 
die Einfülirung der jährlichen und monat- 
lichen Fast- und Bettage und das Verbot, an 
den monatlichen drei Fasttagen Vieh zu 
sclilachten und Wild zu jagen, fenier die 
Ciliederung der (leistlichkeit in Kangklassen, 
entsprecheiul <len vier Kangklassen des mon- 
golischen Adels. Interessant ist fenier die 
Angabe, dass die einheinnschen Idole in den 
Jurten der Mongolen, die Onggot ftdie Bilder 
der V(;rstt)rbenenrt, verbrannt werden sollten, 
um dem P»ild(^ »iles sechsannigen Beschützers 
der Weisheit.. Tlatz 



zu machen (Abb. i)i\). Ks ist dies insofern interessant. 
als wir beobachten können, wie bei tler lU'keliruu^i: der 
Mongolei durch die Lamas dersell>e 
Vorgang eintritt wie bei (h»r Auslnldung 
des Brahmanismus in IndiiMi: die volks- 
tümlichen (iötter un<l Dämonen der 
Mongolen werden, wi(^ tlie «« (lodlinoS)) 
der indischen Aboriginer, mit (jva und 
seiner Sipi>e identitixiert. dt'nn dei- 
sechsbändige Keschüt/er ( MalifdvAln ) 
ist niemand anderer als der llindu- 
gott (^'iva. 

Von bS)d-nams rg\a-mts'os Wir- 
ken in der Mongolei an beginnt die 
neue Verbreitung des Lamaisnuis im 
"Lande <les (irases». Nachdem er nach 
dem Tode Altan Khans auf einer /wei- 
ten llundreise in der Mongolei, die 
der Königsweihe des Xaclifoljiers und 
der Stärkung der ui^ien (lründunj:;en 
galt, auch <lurch (Muen llriefweclisd 
mit dem chinesischen Kaiser, dessen 
Misstrauen ab^^'wendet werden scdlte. 
der Titel und der Khi-en, die einst 
'P'ags-pa am Ilofe KhubiLiis [erhalten 
hatte, teilhaftig geworden war, kelirte 




Abi), »i-^. «iflrliriiT Lama. 

Für«« Lilit"iii-kij. I »riiiitnijjo ili .s Kuisor« von 




M 

• 

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der Heilige nach Tibet zurück. Nacli seinem Tode 158(5 wurde er in der Mongolei 
im Enkel des Altan Khan wiedergeboren. Dieser folgte ihm im Jahre 1587 als 
Yon-tan rgya-mts'o auf dem Priesterstuhle zu Lha-sa (Abb. 57). 

Als Yon-tan rgya-mts'o nach seiner vollen Ordinierung im Jahre 1602 nach 
Tibet reiste, wurde für die Mongolei ein eigener Vertreter («Kronprinz», rGyal- 
ts*ab) ernaimt, indem er den dCie-'dun dpal-bzan rgya-mts'o (Qripäda), die Inkar- 
nation des rJe-btsun Byams-pa rg>'a-mts'o, in die Mongolei sandte, dessen Wieder- 
gebuiten dort fortdauern unter dem mongolischen Namen Maidari Khutukto. 
Ein zweiter Lama, der von dieser Zeit an in der Mongolei blieb und dessen 
Wiedergeburten dort weiter eintraten, ist der Dharmasvämt von sTon-k*or 
(mongolisch Don-kor Khutuktu oder Manjugri Khutuktu), welchen schon der dritte 
Dalai Lama nach seinem Absc^hied von Altan Khan dort zurückgelassen hatte; er hatte 
der Religion schon beim bald darauf erfolgten Tode des Altan Khan einen grossen 
Dienst erwiesen, indem er das über den Tod des Königs aufgeregte Volk zu 
beruhigen wusste. Er zog nach Kökö Khoton, «der blauen Stadt», im Gebiet der 
westlichen Tümäd, wo noch seine Wiedergeburten fortdauern, wo er aber heute in 
der Reihe der in der Mongolei Wiedergeborenen nur die zweite Stelle einnimmt. 
Der erstere hat den letztgenannten jetzt an Bedeutung überholt; er residiert nunmehr 
in Urga (kalmükisch Örgo) oder Kürä (Küriä, tibetisch K'u-re) (das Kloster heisst 
tibetisch Ri-bo dge-rgjas-glin) in einiger Entfernung vom rechten Ufer des Flusses 
Tugula (Tola) auf der Strasse von Peking nach Kiachta, 48'' 20' nördl. Breite, und 
führt den vollen Titel: rJe-btsun-dani-pa Taranatha; er ist eine Wiedergeburt des 
von uns viel citierten tibetisdien (ieschichtschreibers. 

Als Nachfolger des oben erwälmten, vom vierten Dalai Lama eingesetzten 
rGyal-ts'ab kennen wir den zweiten Solm des Altan Khan der Khalkhas (nicht 
den oben erwälmten Altan Khan der Tümäd); dieser ist der Erbauer des erwähnten 
grossen Klosters Uij^ai am Tugula-Flusse, welches er durch Arbeiter und Bau- 
material, das aus Tekin*: versclirioben wurde, aufführen liess. W4e sein Rangstreit 
mit dem Dsiuigaren-Fürsten dOa-ldan dazu führte, die Khalkhas in furchtbare 
Kriege mit den Dsungaren zu verwickeln und die mongolischen Völker noch mehr zu 
zerrütten, bis die Übermacht des chinesischen Kaisers, der die Khalkhas beschützte, 
mit der vollen Auflösung der Macht der Dsungaren endigte, kann ich hier nur 
kurz berühren, da eine Ausführung uns von unserni Thema abführen würde. 

Aus jener Zeit stanmit die Verfügung des chinesischen Kaisers, dass der 
rJe-btsmi-dani-pa nur in Tibet wiedergeboren werden dürfe, um das National- 
gefühl der Mongolen für ihren Haupthierarchen nicht politisch gefährlich zu 
machen. Infolgedessen wird seine Wiedergeburt immer in CentVal- oder Westtibet 
gefunden. Der jetzige rJe-btsun-dam-pa stammt aus Lha-sa und soll der achte in 
der Zahl der Wiedergeburten sein. Er ist im Kloster Thas-spuns als dGe-lugs- 
pa-bLa-ma erzogen und soll in seinem fünften Jahre mit einem von dort stam- 
menden Lehrer, einem ehrwürdigen, erst kürzlich in Urga gestorbenen Greise, 
nach der Mongolei gebracht worden sein (Abi). bS — (50). 

Für unsern Zweck ist es von Literesse zu erwähnen, dass das in unserm 
Werk oft citierte Büchlein ^Die fünfliundert (lötter von sNar-t'an» (eine ganze 
Amabl unserer Abbildungen ist daraus entnoninion, z. B. Abb. 3, 4, 43, 47, vgl 



— 86 — 

die «Quellen der Abbildungen», S. 214 fg.) einen rJe-btsun-dam-pa von Urga zum 
Herausgeber hat. 

Als die chinesische Regierung das oben erwälinte Edikt bezüglich des Tftra^ 
nätha erliess, begann sie übrigens keine Neuerung, sondcm ging auf den alten 
Gebrauch zurück. 

«Eine besondere und zugleich die höchste Gruppe der Geistlichkeit», sagt 
Pozdnöev, «bilden bei den Khalkhas die sogenannten Khubilgane, d. h. die 
Wiedergeburten eines Lama, der sicli <lurch sein segensreiches Wirken zum 
Nutzen des Buddhisnms berühmt gemacht hat. 

vDie Erscheinung von Khubilganen bei den Khalkha-Mongolen \kird sogar bis 
auf die ersten Zeiten des Aufkeim(»ns des Huddhismus im Lande zurückgefflhrt 
Es ist bekannt, dass schon zu der Zeit, wo sich der r.Te-btsun dam-pa Khutuktn 
bei den Klialkhas verk(Mi)eite, audi der Doii-kor Manju(;ri Gägän hier aus der 
südHchen Mongolei erschien und sich so>volil beim üau der Tempel und Klöster 
bethätigte, als auch bei der Vermehrung <ler Zahl der Mihiche, der Prediger und 
Verbreiter des Buddhismus. Schon bei seinem Tode wurde der neue Kbubilgan 
derselben aus Tibet zu di'ii Khalkhas gt^bracht, uml seit dieser Zeit leben die 
wiedergeborenen I)t»n-kr>r Klnituktus in der Mt)ngolei bis auf die heutige Zeit. 

«In der Etdge wirkten die Mandschu -Kaiser, die seit 1(544 den Kaiserthron 
Chinas inne hatten, bei <ler w(»itcin Ausbreitunji des Systems der Wiedergeborenen 
und ihrer Einteilung in verschiedene (irach* mit, indem sie einige Klostervoi'Stände 
auszeichneten und zwar soh*lie rersoncn geistlichen Standes, die dem Kaiserhause 
der Mandschu einen Dienst geliMstet hatten. Duich dit* Kaiser verliehene Aus- 
zeichnungen wirkten auf dit^ Mt»ngnh'n wie (»in Zauber; der so Ausgezeichnete stand 
in ihren Augen auf der höchsten Stufe (l(»r Hierarchie, und wenn er gestorben 
war, stellte nuui Nadiforschungen nach seiner \Vi(Mleig(»burt an. Ein Beispiel für 
das (lesagtt» sehen wir bei den Khubilganen des ,Tsin süzüktü Lama\ die beim 
Aimak Sain Noyan lebten. 

"Die Zeit dei* ersten Kisclieinung tles Tsin süzüktü-Lama bei den Khal^as 
geht auf das .lahr 17;")() zurück, und die l'mstände, unter denen sie eintrat, 
waren die folgenden. 

''Das Jalir 17r)()war bekanntermassen beztMclniet durch einen Aufruhr in der 
nördlichen und w(»stliclien Mongolei, d<'r vom Dsungarenkönig Amursana err^[t 
wurde. Tm die (leuiüther der aufgeregten Dsungaren zu beruhigen, ver- 
öffentli<^hte der Kaiser Kien-lun im lunuiten Monat des zwanzigsten Jahres seiner 
Regierung einen Erlass, durch welt:he»n er die Si^idung des Khalkha-Lania Noyon 
tsortsi in das (lebiet des Hebellen befahl znr Heruhigung des Volkes im Geiste der 
Iniddhistischen Ileligion und zur Lesung der ln*ili«;en buddhistischen Gebete. Als 
der Gesandte bei den Dsungaren (?intraf. fand er. als ei* i>iedigen wollte, bei dem 
Hauptlama des Königs Tiuluni llandsur''-' nicht nur keinen Widerstand, sondern 
derselbe ermahnte sogar den ganzen Aimak des Annirsana. der Predigt des Tsin 
süzüktü von Khalkba beizuwolinen. 

<'Für diese Dienste verlieh der Kaiser d(Mn Tsulum Uandsui' ein Ehrenkleid, 
versicherte ihn durch ein eigenhämli^es SclireÜKMi seiner Ergebenheit und gab 
ihm den Titel eines ,TMn sü/iiktü nomuu Khan', d. h. ,des walirhaft andächtigen 



— 88 — 

Fürsten der heiligen Lehre' und dazu ein goldenes Petschaft mit dem ange- 
gebenen Titel darauf. Der unter diesen Umständen Ausgezeichnete begann in 
der Folgezeit wiedergeboren zu werden und jetzt lebt bei den Khalkhas schon 
seine fünfte Inkarnation. 




Abb. 72. Bronzofijrur eines Grosslanm. 

Vielleicht der ICan-Bkya rol-pai rdo-rje; tlann fehlt die MUtzc, welche wahrscheinlich aus Seide gearbeitet 
war, und ein Oefäss iu der linken Hand, vgl. Abb. 73. 

Aus der Sammlung des FUrstten Uchtomskij. 



uAber nooli mehr trugen die Lamas selbst zur Veiiuehrung der Khubilgane 
bei den Khalkha-Mongolen bei, da ja für sie das Auftauchen eines Khubilgans in 
einem Kloster sowohl die Einkünfte des Klosters verdoppelte und verdreifachte, 
als auch überhaupt einen dauennlen Wohlstand ihrer Klasse sicherte. In der 
That zieht ein Kloster, welches einen Ivjmbiljian in seinen Mauern hat, Verehrer 
und Almosenspender in höheroni Grade an sich, nicht nur durdi die dem Khural 
(tibetisch Ts'ogs, , Gemeinde) gehöriiren Heiligt inner, sondern noch mehr durch 



— 89 — 

die im Kloster wohnenden Heiligen selbst. Die einen besuchen es, um dort den 
Segen des Wiedergeborenen zu empfangen, die andern, um seine übernatürliche 
Kenntnis der Zukunft zu erflehen, wieder andere, um bei ihm Heilung zu suchen. 
Da die Lamas bestrebt sind, noch mehr Khubilgane zu besitzen, schaffen sie 




Abb. 73. lÖan-akya rol-pai rdo-rje (mongolisch Bogda Yisis Bstan Sgron). 

Seine Attribute Bind wie bei Tsun-k^a-pa, Abb. 47 (Mittclftgar), auggerclem ein Oefäss in der linken Hand. 
Der Tbron zeigt altindiscbe Motive: Ziegenroiter, vrelche auf Löwen ntehen, die wiederum auf Elefanten 
■tehen, halten den oberen Balken der Lehnen; darüber sieht man Makaras (tibetisch Ö^u-srin) mit Edel- 
steinen, das Mittelstück bildet der Garuda (tibetisch K^uh) und Nftgas (tibetisch kLu). Die Farben sind: 
purpurrotes Unterkleid mit gelbem Besatz (Ärmelfassung, Ränder), feuerrotes Oberkleid mit goldeifen 

Mustern, gelbe Mütze. 



fortwährend solche nicht nur aus der Zahl derer, die den Buddhismus verbreiten oder 
auch sich dadurch auszeichneten, dass sie die Machtstellung des Klerus förderten, 
sondern auch aus einfachen und bescheidenen Klosterlamen. 

«Irgendein Angehöriger des niedern Klerus, ein Tsordzi (tibetisch Ö'os-rje, 
etwa ,Vikar'), Sirätü (tibetisch K'ri-pa, , Kathederlama'), San-dsot-ba (tibetisch 
P'yag-mdsad-pa, , Siegelbewahrer'), oder Gebkiü (tibetisch dGe-bskos, , Propst, 
Aufsichtslama'), ein kluger, gelehrter oder auch bloss durch Güte bekannter alter 



— 90 — 

Lama geniesst die allgemeine Liebe uml Verehrung, und wenn er gestorben ist, 
beginnen die Lamas seinen Khubilgan zu suchen. In seiner ersten Wiedergeburt 
freilich geniesst ein solcher Khubilgan noch keine besondere Verehrung, aber 
durchwandert er einmal zwei oder drei Generationen, so wird der Name des 
Ahnherrn durch verschiedene legendenhafte Erzählungen ausgeschmückt. Kundige 




Abb. 74. Der so^^eiiannte Pandila mK'an-po, der verstorbi^ne Hauptlama der Bnräten. 

An«: Fürst Uchtmrmkij. OriontroiK«- don KaiHor« von Rni<8land. 



Lamas führen seine Geschichte auf noch ferner liegende Zeiten zurück ; so entdecken 
sie z. B., dass er in einer früliern Wiedergeburt etwa einer der Lieblingsschüler 
Tson-k'a-pas war, ja sie finden selbst seine indisdie Präexistenz — und der Ruf 
des Khubilgan ist feitig. Auf das Volk freilicli ül)t (bis Wort , Khubilgan' emen 
ausgiebigen Zauber. Ein Khubilgan ist ein Wesen, dessen Heiligkeit das Resultat 
früherer Existenzen ist, emi>orgehoben über die grosse Masse, ein Wesen von höchster 
" ^ «ind wie wäre es mi'jglidi, einem solchen Heiligen die Verehrung zu versagen? 



— 91 — 

Ihre Zahl beträgt in neuester Zeit bei den Khalkhas 118, und in der südlichen 
Mongolei zählen sie von ihnen noch mehr, wenngleich es recht schwer ist, genaue 
und zuverlässige Nachrichten darüber zu erhalten, wieviele Khubilgane es giebt, 
wie sie heissen und in welchen Klöstern sie leben.»*** 




Abb. 75. Burätischer liama. 

Er hält in der rechten Hand die Trommel damaru (tihetisch c^n-te), in der linken die Glocke ghantft 

(tibetiüch dril-bu). 

Aus: Fürnt Uchtomnkij, OriontrciHO den KaiHrrK von RuHnland. 



Während die chinesische Ilejijieruii^ jetzt selbst über die Wahl des Dalai 
Lama eine beständige Kontrolle ausübt, lässt sie das Aufsuchen neuer Khubilfiane bei 
den Mongolen ruliig gewaliren, besonders was die sogenannten Saburuns betrifft, 
d. h. Khubilgane, die nur zwei bis drei AViedergeburten zählen. Die Reisen der 
ürosslamas an den Hof haben aufgehört; denn obwohl z. B. jeder rJe-btsun-daui-i)a 
verpflichtet wäre, sobahl er installiert ist, eine Yorstellungsreise nach Peking zu 



— 92 — 

nachen, wurde bis jetzt jeder Versuch einer Anmeldung mit dem Bescheide beant- 
wortet, der Heilige sei noch zu jung. Pekuniäre Gründe mögen dabei neben 
)olitischen entscheidend gewesen sein, denn die Reise kostet dem Hofe viel Geld, 
md wie die Verhältnisse sich in der Zukunft gestalten werden, ist nicht abzusehen. 




Abb. 76. Ein reicher Burät. 

Aus: Fürst Ucbtomskij, Orientreise des Kaisers von Bassland. 



In Peking sind vierzehn << lebende Buddhas» als feste Posten vorgesehen; 
lavon weilt jetzt nur einer in der Stadt, denn die übrigen, welche alle in 
ribet wiedergeboren werden müssen, erhalten zur Reise nach Peking weder die 
Erlaubnis, noch das erfordeiliche Geld. Der wichtigste unter ihnen, der iCan-s 



— 93 — 

Khtttuktu^', der einen etwa dem Grossalmosenier entsprechenden Posten versehen 
soll, ist vor etwa zwölf Jahren zur weitem Ausbildung nach Tibet gesandt worden 
und dort gestorben. 

Eine seiner frühern Wiedergeburten ist der für die mongolische Litteratur- 
sprache hochverdiente iCan-skya rol-pai rdo-rje*^ (Abb. 72 und 73), der 
vom Mandschu-Kaiser K'ien-lun (1736 — 1795) den Auftrag erhielt, eine Revision 
der vorhandenen mongolischen Übersetzungen des Kanjur zu veranlassen und auch 
den Tanjur ins Mongolische übersetzen zu lassen. Der erstere wurde, wie berichtet 
wird, auf Grund einer schon bestehenden Übersetzung neu re^idielt und gedruckt, 
der letztere soll handschriftlich vorhanden sein, ist aber nie gedruckt worden. 
Die ganze ungeheuere Übersetzerthätigkeit hatte aber die Herausgabe zahlreicher 
sprachlicher Arbeiten im Gefolge, darunter Grammatiken, Sammlungen technischer 
Ausdrücke der buddhistischen Systeme, Lexika u. s. w., die für unsere Arbeiten 




Abb. 77. Heilige Lamas und die «Göttin des weissen Schinns» (tibetisch gDugs-dkar-mo). 

DarsteUungen in der primitiven Form, wie sie bei den Lamaisten an der Orcnze dos Gouvernements 
Jenniseisk im Gebrauch sind. — Aus dem Museum von Minusinsk. 

Aus: Fürst Uehtomskij, Orientreise des Kaisers von Bussland. 

von der grr)ssten Bedeutung sind, ol)wohl von der letztern ebenfalls sehr umfang- 
reichen Litteratur bis jetzt so gut wie nichts bekannt ist. 

Das Vordringen des Lamaismus in Ostsibirien stammt aus der Mitte des 
siebzehnten Jahrhunderts. Die Buräten wurden durch die Lamas, die sich zunächst 
als Ärzte bei ihnen einfanden, nach und nach gewonnen. Die Unterthänigkeit der 
kleinern religiösen Centren vom rJe-btsun dam-pa wurde von den russischen Be- 
hörden aufgehoben, indem man einen eigenen mK'an-po ernannte, der offiziell als 
geistliches Haupt der Buräten erklärt wurde (AI)!). 74 — 76). Er gilt als inkarniert 
und wohnt im lüoster am Gänsesee. Im Tempelkloster von Tsugolsk am Onon 
in Transbaikalien *^ ist unterdessen ein Khubilgan erschienen, der aus der chine- 
sischen Mongolei stammt und, obwohl nicht anerkaimt, als heiliger gilt als der 
erwähnte mK'an-pd. Es ist ein Knabe von etwa elf Jahren. Ein interessantes 
Porträt von ihm ist in der Sammlung des Fürsten Uehtomskij enthalten. 



Drittes Kapitel. 
Die Gottheiten. 

L Die Schutzgottheiten (tibetisch Yi-dam). 

So lango die Erlösung der sechs Arten 
lebender Wesen durch V^jrasatv«, welcher alle 
Buddhas darstellt, vollbracht wird, verneige 
ich mich und preise die Grundlage der Wahrheit 
(dharniadhfttu); die (JrlyajradAkini, die Fersoni- 
flkatiou der fünf Erkenntnisse (prajiiA) der 
drei Körper, welche umgeben ist von der Schar 
derDAkinls, preise ich, mich verneigend lom 
Heile der (lesohöpfe. So lange VaJradAkinl 
durch ihre Allwissenheit die Fesseln bricht, 
dem was Welt hcisHt sich hingiebt, so lange 
immer preise ich, mich verneigend. 

AbhidhAnottaratantra. 

Jiiin jeder Lauia wälilt sich eine bestimmte Scliutzgottlieit (yi-dam), welcher 
er einen besondern Kultus widmet und nach deren Namen man ihn nicht fragen 
darf. Er bereitet sidi da/u durch l)esondere Ueligionsübunj^en (Alleinleben, Medi- 
tation und Askese) vor, und dann soll ihm die gewünschte Gottheit erscheinen in 
gütiger Form, vielleicht in einer dem allgemeinen Kulte unbekannten Gestalt. 
Man kann sich einen Yi-dam (Sanskrit ishta-devatfO wählen für das ganze Leben 
oder für ein bestimmtes Unternehmen, ja auch mehrere zugleich. Es giebt Yi-dam, 
die von Jugend auf als Beschützer wirken und von Zeit zu Zeit während con- 
templativer Versenkung des Schützlings Enthüllungen mitteilen. 

Die wirkungsvollsten Yi-dam sind diejenigen Schutzgötter, welche in Ver- 
einigung mit ihrer weiblichen Energie (Sanskrit (;akti, tibetisch nus-ma, gewöhnlicher 
aber yum) auftreten: sie heissen gew(")hnlicli Vajra (tibetisch rdo-rje). Diese letz- 
teren, allgemein als Yi-dam anerkannten Gottheiten bestehen aus zwei Gruppen, 
von denen die eine meditative Buddlias umfasst. während die andere Gottheiten 
enthält, die im Stadium des IJuddhatums stehen und selbst Manifestationen von 
Buddhas oder Bodbisatvas zu einer bestimmten Heilsthat sind.** 



— 95 — 

Die erste Grui^pe bestellt aus den fünf meditativen Buddhas (Sanskrit pafica 
dhyänibuddhä, tibetisch rgyal-ba rig-lüa, mongolisch tabun idzagurtu burkhan), 
welche den fünf menschlichen (Mänushibuddhas) des gegenwärtigen Zeitalters 
entsprechen. 




Abb. 7H. Vajradhani. 

TihetiBcli rDo-rjji'c^un. 
Ann dir Saminlunu (Ich KilrMtcii ('c'llt<lln^<kij 



Die Manushil)uddhas des gi'jjjonwärtij^en Zeitalters (Kali>a, tibetisch bskal-pa, 
mongolisch galab) sind: Krakucchanda, Kanakauumi, KägYai)a, Qakyaumni und der 
noch kommende Maitroya. Ihnen entspreclien als Dhyanibuddhas: Vairocana, 
Akshobhya , Ratnasand)hava , Amitabha , Amoghasid<lhi oder Amoghasiddha. Sie 
haben wiederum fünf meditative Bodhisatvas (Dhyanibodhisatvas), von denen ich 



— 96 — 



nur die ersten zwei nennen will, nämlich Samantabhadra (tibetisch Kun-tu 
bzan-po, mongolisch khamuga sain), den Dhyänibodhisatva des Vairocana, und 



Vajrasatva, den des Akshobhya. .V..\'^ r ^v- '^. 
Diese letzteren beiden werden tils Gottheiten 



n auerhöchsteu Bähges angesehen. 
Während in der altem Zeit des Lamaismus Samantabhadra ^ die höchste Intel- 
ligenz ^mj^st Jem Vairasalva, der auch als Ädibuddha (tibetisch mÖ^og-gi dan- 
poi sans-rgyas) an%^^erf Wird, der dominierende. Was die Einzelheiten über das 
Verhältnis der beiden zu einander betriflft, so könnte nur bei einer ausffihrlichen 
Behandlung der Geschichte der einzelnen Sekten erreicht werden, dass sich ein 
einigermassen befriedigendes Resultat ergäbe. Ich will hier nur eine Skizze geben, 



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Abb. 7i). rDo-rje las. 



soweit das Material für die Abbildungen nötig ist und ein tieferes Eingehen auf 
dieses ebenso abstruse als abstossende Gebiet vermeiden. 

Bevor wir die nötigen ikonographischen Notizen bezüglich dieser Gruppe geben, 
müssen wir noch einer zweiten Reihe von mystischen Buddhas gedenken, welche 
ebenfalls mit Qaktis dargestellt werden. P^s sind dies Manifestationen einzelner 
Buddhas und Bodhisatvas zum Zwecke bestimmter Schöpfungen, besonderer Eingnffe 
in die Weltordnung z. B. zum Scluitze der Religion in einem der Religion besonders 
feindlichen Lande oder gegen feindliche Einfälle wie des Islam u. s. w. : Bildungen, 
die den absolut givaitischen Charakter der ganzen Auffassung deutlich beweisen, 
wenn auch die verwilderte Phantasie gewisser Fanatiker sicli so weit versteigt, zur 
Erklärung der Darstellung bis auf Gautamas Lel)en im Harem zurückgreifen zu 
wollen. Wir sehen aber auch hier wieder die Indien eigentümhche Art des Fort- 
spinnens des Fadens durch die Phantasie, das Ausgleichen, Systematisieren und 
NJreUiaren bis ins Widersinnige. 



— 97 — 

Vielleicht ist es die bildende Kunst, welche hier Luft schafft und uns zeigt, 
wie gerade die Monumente in Indien der Anlass zu steten Umdeutungen geworden 
sind. Es ist von Interesse, dass das Kälacakratantra in diesem Zusammenhange 
den Asanga nennt: jenen Ausgleicher par excellence, der das von Nagarjuna und 
Aryadeva begonnene Werk zmn Abschluss brachte. Äryadeva haben wir unter 
den «Knechten (Jivas», den Qivatontar oder (^ivanayanmar Südindiens, wiedergefunden, 
und es ist in diesem Zusammenhang auch die Xotiz von Interesse, dass einzelne 
unserer mystischen Buddhas jene Pose einnehmen, die im Puränen-Stil des Qivais- 
mus der Ausdruck für eine «Schöpfung» ist: das Tanzen (tibetisch gar-byed-pa, 
Sanskrit nat) kann also unbedenklich zu (^ivas südindischem Beinamen Tandavan 




Abb. 80. rl)ü-rje ^'os. 



«der Tänzer» **"' gestellt werden. Indem ich auf diese Beziehungen hinweise, möchte 
ich nur auf die Richtung, welche unsere (j'akti-Gruppen umfasst, aufmerksam 
machen als untreimbar von der (ieschichte des Hinduisnuis, ohne dass ich mich 
gerade getraute, bestimmte Dinge bestinmiten Lehrern zuzuschreiben. Auf gewisse 
>i8hnuitische Elemente habe ich schon oben hingewiesen. 

Zu den letztgenannten mystischen Buddha- und Bodhisatva -Formen gehören: 
Samvara (Qambara), Kälacakra, Hevajra, Mahiimaya, Buddhakapäla und Yamäntaka. 
Der letztere, welcher eine Manifestation des Manju(;ri ist, geholt in die Gruppe 
derjenigen (;ivaitischen Gottheiten, welche gewöhnlich als «die acht schrecklichen 
Götter» bezeichnet werden, wegen ihres Eifers und ihrer Energie, mit der sie die 
Feinde der buddhistischen Religion verfolgen. Von den «acht Schrecklichen» gehören 
diejenigen, welche den Rang eines Buddha haben, zur Klasse der Yi-dam — mit 
Qakti (gewöhnlich tibetisch Yum, während die Darstellung des Gottes Yab heisst): 
Yamäntaka, Yama. Hayagriva, Mahäkäla und der altbuddhistische Kubera oder 

ObCmwkokl. * 



— 98 — 

Vaigravana. Die anderen liaben nur den Rang eines Bodhisatva und heisseii 
gewöhnlich Dlmrmapäla (tibetisch ^os-skyon, mongolisch nom-un sakigulsun). 

Beginnen wir mit den einzelnen Gottheiten, so müssen wir zunächst erwähnen, 
dass Vajrasatva und die Dhyänibuddhas gewcihnlicli sitzend und die Qakti (oder 
Däkini) im Schooss haltend abgebildet werden. Während sie, als einfache Buddhas 
und ohne ^akti dargestellt, ganz den Typus einer Buddha -Figur haben, sind 
sie, sobald sie mit ihren ^'akti dargestellt werden, stets mit fünfzackigen Kronen 
gekrönt und tragen Schmuck und langes Oberkleid und das kurze Lendenkleid der 
Bodhisatva-Figuren, also die altindische königliche Tracht und niclit die Mönchsrobe. 
Wegen der Kronen werden sie mongolisdi gewöhnlich titimtü burüan, «gekrönte 
Buddhas», genannt. Nur ihr Präsident Vajrasatva (tibetisch rDo-rje-sems-dpa) wird, 
auch wenn er ohne ^-akti abgebildet wird, gekrinit und in Bodhisatva-Tracht dargestellt. 
Sein Attribut ist der Donnerkeil (vajra, tibetisch rdo-rje, mongolisch otsir) in der 
rechten Hand und die Glocke (ghanta, tibetisch dril-bu, mongolisch khongkho) in 
der linken; den Donnerkeil hält er aufrecht vor der Brust, während er die Glocke 
mit der Linken auf die Hüfte stützt. Li dieser Form, die deutlich seinen 
Ursprung aus dem Hindügotte (Jakra zeigt, ist er der Präsident der Dhyänibuddlias. 
Auf Gemälden wird er weiss dargestellt. Als Vajradhara (tibetisch rDo-rje '5' an) ist 
er eine primordiale Gottheit hiulisten Banges, der Herr der Geheimnisse (Guhya- 
l>ati, tibetisch gSan-bai bdag-po) (Abi). 7S). In dieser Form hält er seine beiden 
Attribute kreuzweise vor der Brust und wird auf (iemälden blau dargestellt. Noch 
andere Formen von ihm sind Karmavajra (tibetisch rDo-rje las) und Dharmayajra 
(tibetisch rDo-rje c'os) (Abb. 79, HO). 

Das Schema, wie Vajrasatva, die Vajradäkinls und die Dhyänibuddlias 
mit ihren ^akti als Versinnbildlichung des Begriffes Methode und Erkennen, 
(tibetisch t'abs dan ses-rab, Sanskrit prajnä und upäya) dargestellt werden, zeigt 
die Abbildung 81. Jeder der Dliyänibuddhas hält seine (^'akti (DäkiniJ mit hinter 
ihrem Rücken gekreuzten Armen; diese halten als Attribute gewöhnlich Glocke und 
Donnerkeil, doch giebt es auch Ausnahmen. Die (Jakti hält mit der linken Hand — 
der Ellenbogen des Armes ist eingeknickt — die Schädelschale (Kapäla, tibetisch 
t'od-pa oder t'od-k'rag) und in der rechten Hand, deren Arm ganz hochgestreckt 
ist, einen Donnerkeil. Doch giebt es in Bezug auf dieses letztere Attribut Varianten: 

1. Vairocana, tibetisch rNam-snan, rNam-par snan-mdsad, mongolisch Masi 
gäigülün dzokiaktsi. Er hält als Attribute in der einen Hand das Rad (cakra, 
tibetisch 'k'or-lo, mongolisch kürdü[nj) und in der andern die Glocke. Die ^^akti 
schlingt ihre Beine um die Hüften des Yal) und hält in der linken Hand die 
Schädelschale, in der rechten das Messer kartri (tibetisch gri-gug) oder das Rad. 
Auf Bildern ist Vairocana weiss. 

2. Akshobhya, tibetisch Mi-l)skyod-pa , mongolisch Aksobi, Aksobhi (und 
übersetzt) Ülü küdälüktsi. Er hält Donnerkeil und (Jlocke, die Yum hält Schädel- 
schale und Donnerkeil. Auf Bildern ist Akshobhya l)lau. (Abi). 81.) 

3. Ratnasambhava, tibetisch Rin-(po-c'e)'byun. mongolisch Ärdäni-in oron. 
Er hält in der rechten Hand die Glocke, in der linken ein Juwel; die Qakti hat 
links die Schädelschale und rechts das Messer Gri-gug oder auch ein Juwel. 
Ratnasambhava ist auf Gemälden gelb. 



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4. Amitäbha, tibetisch 'Od-dpag-med oder sNan-ba-t'a-yes, mongolisch 
Tsaglasi ügäi gärältü. Er hält Donnerkeil und Glocke, die Qakti die Schädelschale 
und das Beil Gri-gug oder ein Rad. Auf Gemälden ist Amitäbha rot. 

5. Amoghasiddha (Amoghasiddhi), tibetisch Don-grub, Don-yod-grub-pa. 
Er hält Glocke und Donnerkeil, bisweilen statt des letztern auch ein Schwert; die 
Qakti hat die Schädelschale und den vierfachen Donnerkeil (viQvavajra, tibetisch sna- 
ts'ogs rdo-rje) oder das Messer Gri-gug. Auf Gemälden ist Amoghasiddha grün. 

Vajrasatva, tibetisch rDo-rje sems-dpa, hält^ ebenso wie wenn er ohne 
Yum abgebildet wird, Donnerkeil und Glocke. Er ist es, aus dem die fünf vorher- 
gehenden emanierten^" Sie werden auch zu den Hinnnelsrichtungen in Beziehung 
gesetzt mit einer Figur in der Mitte, doch ist je 
nach den Sekten die Reihenfolge und Stellung der 
Figuren verschieden. So werden z. B. im An- 
fang des Pad-ma-t'an-yig mit Vajrasatva nur fünf 
erwähnt, unter denen Akshobhya nicht genannt 
ist; sie werden in nachstehender Reihenfolge 
verteilt: 

j ^ «In der östUchen Region auf einer weissen 
Lotiisfelüme sass der Dhyanibuddha Vajrasatva, 
im Süden auf einer gelfibn^liiüie llatnasambhava, 
im Westen auf einer toieu Amitäbha und im 
Norden, der ^^^^^^^^^ ^^'^ Tibet liegt, auf einer 
bmugfiuiSeh^ Amoghasiddha, hj)he/ als die vier 
erwaifntSl'imd in der Mitte aller aber aiif einer 
blauen Lotusblume sass Vairocana. » 

"Ausser den Dhyänibuddhas und ihrem Prä- 
sidenten giebt es eine sehr beliebte vielhändige 
Form des Bodhisatva Manjugri, den sogenannten 
Manjuvajra (tibetisch Mam-rdor). 

Diese Gruppe ist mit den zuletzt beschrie- 
benen durchaus ähnlich, nur hat Manjuvajra und 

seine Qakti je drei (iesichter und sechs Hände mit folgenden Attributen: Schwert, 
Lotusblume, Pfeil und Bogen und zwei Donnerkeile je für den Bodhisatva, wie 
für die Qakti. In dieser Form ist Manju(;ri in der Regel rot, das mittlere Gesicht 
rot, das links dunkelblau, das rechts weiss; die (Jakti ist ebenso, aber etw^as 
heller rot bemalt. ^^ 

Ich habe schon im ersten Kapitel darauf hingewiesen, dass innerhalb der 
Gandhära- Periode, welche wir als das erste Stadium einer reichen figürlichen 
Mythologie des nördlichen Buddhismus betrachten müssen, Ansätze da zu sein 
scheinen, die auf eine Teilung der Scliutzg()tter — dort ist es ja immer der 
Donnerkeilträger, der aus dem alten (j^'akra entwickelte N'ajrapäni — in böse und 
gütige Fonnen (T^rodha, tibetisch Yro-bo. mongolisch kilingtü, und gänta, tibetisch 
zi-ba, mongolisch amurlinggui) hinweisen. 

Im Lamaismus ist der freundliche Typus der Buddhas und Bodhisatvas an 
sich klar und bedarf keiner weitern Erklärung. Die Schutzgitter sehen wir aber 

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Abb. «1. Dhyanibuddha Akshobhya. 

Tibetisch Mi-bskyod-pa. 
Mit der (Jakti (yum bcas). 



— 100 — 

immer in der zornigen Form (als 'k'ro-bo), die jetzt sogar ins Fürchterliche 
gesteigert wird (l)hairava, tibetisch drag-po, drag-njams-pa can). Der alte Typus 
für die zornigen Götter (der Mahäkrodha wird so dargestellt) ist das struppige 
Haar, die vorquellenden Augen (auch das Stirnauge!), die herausgestreckte Zunge 
und die gefletschten Zähne, ausserdem gedrungene K(*)rperproportionen mit dicken 
Gliedern und vorstehenden klauenartigen Nägeln an Füssen und Händen. 

Unter den Yi-dam giebt es eine Reihe von Figuren, die zornig aussehen, 
d. h. sie haben das verzerrte Gesicht, das dritte Auge mid daneben doch die 
langgestreckten Proportionen. Es sind durchweg Tantra- Gottheiten, welche als 
ekstatisch erregt gedacht sind und so zwischen den eigentlichen Zornesgöttern 
und den gütigen die Mitte halten. 




Abb. 82. Die Schinucksiichen der Tantra-Gottheiten. 

Zwischen Krone und Gürtol: dio kleine Trommel damaru (tibetisch can-to), die Olocke 
ghaiitft (tibetisch dril-bii), der Donnerkeil vajra (tibetisch rdo-rje), die Schädelschale kapAIa 
(tibetisch t^od-pa), das Messer kartrik/l (tibetitich gri-guR) und der Stab k^atvAfiga oder 
kapftlak^atvAnga. ein weisser Stab mit einem aufrechten I)onnerkeil als Spitze, darunter ein 
Mreisser Schädel (»kam-po dkar-p«»), ein roter alter Kopf (rnyih-pa rid-po dmar-po), ein blauer 
junger Kopf (rlon-pa gsar-ba M*ion-i)(»), darunter der vierfache Donnerkeil (sna-ts^ogi rdo-rje) 
und ein Gefäss mit IJnsterbliehkoitstrank (bura-pa). Dieser Stab gilt als Erfindung Pad- 

masambhavas (Abb. 'A4). 



Bevor ich auf ihre Beschreibung eingehe, muss ich noch ihrer Hauptattribute 
Erwähnung thun, die sie übrigens mit den drag-po genannten Schutzgöttern 
gemeinsam haben. 

Es sind die «sechs Schmucksachen», eine Krone mit Menschenschädeln 
statt der Kronenl)lätter und mit Ohrringen und Seitenbändern, ferner Ober- und 
Unterarm ringe, Fussringe in zwei Formen und ein Kettengüitel (Abb. 82). Dazu 
kommt häufig noch ein kreuzweis über die Brust gelegtes Gehänge, dessen Mittel- 
stück ein grosses Rad bildet: das Symbol des Buddhismus. Bei gewissen Tantra- 
Gottheiten sehen wir, dass sich eine grosse Schlange um die Brust des Gottes 
ringelt und in das Rad zu beissen sucht, ein Sinnl)ild der Feinde des Buddhismus. 
Dieses letztere Schmuckstück ist auf Bildern innner weiss gemalt, denn es iat aus 
Knochen gemacht, ebenso wie auch die übrigen Schmucksachen bei den Tantra- 
Göttem aus Knochen gefertigt sind. 



— 101 — 

Die folgenden Darstellungen von Yi-dam in Vajra- Stellung sind auch nicht 
mehr sitzend dargestellt, sondern ausschreitend: einzelne nach links, andere nach 
rechts, wieder andere tanzend. 

Die komplizierteste und furchtbarste Gestalt unter den Yi-dam, ja vielleicht 
der ganzen Mythologie des Lamaismus, ebenfalls eine Manifestation des Manjugri, 
ist Vajrabhairava*^, Vajrabhayatikara (tibetisch rDo-rje 'Jigs-byed, mongolisch 




Abb. 83. Der Yi-dam ^rivajrabhairava, Bhairava, Yamitntaka, Yamäri. 

Eine Form des Bodhisatva Manjuyrl. Vpl. Abb. 112, 145, 14«». 
Aus der Sammlung des Fürsten Uchtomskij. 



Ayolgaktsij oder Yamäntaka, Yamäri (tibetisch gSin-rje gsed) (Abb. 8;|). In dieser 
Form bändigte Manjugri den Yama (tibetisch gSin-rje, mongolisch Ärlik), einen dämo- 
nischen König des Todes, welcher Tibet entvölkerte. Die Art, wie er dargestellt 
wird, gebe ich hier nach dem im Kanjur befindhchen Qrimahävajrabhairavatantra, 
welches genaue Anweisung giebt, wie der Gott zu m<ilen ist. Diese genaue Angabe 
scheint mir um so beachtenswerter, als auf den Bildern (Bronzen und Gemälden) 
die Attribute meist undeutlich sind. 

Ich gebe den Text in wörtlicher Übersetzvm^*. 



— 102 — 

«Es wird nun genau dargelegt die Art und Weise, wie (sein) Bild gemalt 
werden soll nach der Vorschrift des Qrivajrahhairava. Die Leinwand, soviel man 
braucht, mag eine beliebige sein, die (sogenannte) Qüra- Leinwand, oder die mit 
,Blumenmustern\ oder die ,des Sohnes'*®; der Maler muss ein guter Mann sein, 
nicht zu bedächtig, nicht zum Zorn geneigt, heiUg, gelehrt, seine Sinne hütend, 
gläubig und mildthätig, frei von Begehrlichkeit, mit solchen Tugenden muss er 
begabt sein. Die Hand eines solchen Malers darf auf Qüra-Leinwand malen. Wenn 
er Siddhi zu erreichen wünscht, so tritt die Gabe des Qüra dabei ein. Er muss 
seine Anlage im Verborgenen, nachdem er die Leinwand ganz glatt gelegt hat, 
zeichnen. Er darf malen, wenn auss^er dem Maler noch ein Sädhaka dabei ist, 
aber nicht so, dass es ein anderer, ein Manu der Welt, sieht, pie Figur erhält) 
seclizehn Füsse, vierunddreissig Hände, neun Häupter, (sie ist) nackt, von schwarzer 
Farbe, die Füsse ausschreitend, von mehr als schrecklichem Aussehen, das Linga 
erhoben, so muss er das Bild malen. Der erste Kopf der eines Stieres, neben 
derii rechten Hom drei Angesichter: ein blaues, ein rotes, ein gelbes, alle furchtbar 
zornig, neben dem linken aber ein weisses, graues und schwarzes. Zwischen 
beiden Hörnern muss er ein rotes furchtbares malen, darüber das ein wenig erzürnte 
gelbe Gesicht des Manju^rl. Die rechten Hände (halten) das Messer Gri-gug, eine 
spitze Waffe, eine Mörserkeule, ein Messer, einen Donnerkeildolch, eine Axt, eine 
Schnecke (Sanskrit gaiikha), einen Pfeil, einen eisernen Haken, einen Schleuder- 
stein, die Keule Khatvänga, ein Rad. einen Donnerkeil, einen Steinhanuner, ein 
Schwelt, die Trommel Damaru; die linken Hände (halten) einen Schädel, einen 
Kopf, einen Schild, ein Bein, eine Fangschlinge, einen Bogen, (ferner) Eingeweide, 
eine Glocke, eine Hand, Linnen vom Leichenacker, einen Mann am Spiesse baumelnd, 
einen Ofen, ein Stück eines Schädels, einen drohenden Finger, einen Dreizack mit 
Flatterbändern, vom Wind gepeitschte Leinwand; zwei Hände halten ein frisches 
Elefantenfell. Unter den Füssen reclits (liegen) ein Mann, ein Stier, ein Elefant, 
ein Esel, ein Kamel, ein Hund, ein Schaf und ein Fuchs, unter denen links ein 
Habicht, eine Eule, ein Rabe, ein Paijagei, ein Falke, ein Pfau, ein Wasser- 
huhn und ein Schwan. So ausgerüstet nniss man den Qrlvajrabhairava malen. 
Es muss darunter gemalt werden eine Leichenstätte; dort muss zu sehen sein 
ein Mann, erfasst vom Spiele Märas, zusammen mit Vetälas, Kshetrapälas und 
Räkshasas, welche ganz furchtbar aussehen, ferner muss gemalt werden ein Mann, 
welcher an einem Nyagrodha-Baume hängt, ein Mann, welcher brennt (d. h. eine 
Leiche) und ein auf einen spity.en Pfahl Gespiesster; dabei ganze Scharen von 
Vögeln, Geiern, Hunden und Schakalen, welche schreien. Auch Sädhakas muss 
er malen, wie sie nadi Bhagavän auf einer erhöhten Stelle schauen, sie sind nackt, 
ihr Haar in Strähnen, sie zeigen die fünf Mudräs, halten Damaru, Schädel und 
Khatvänga und sind mit Schädeln gekrönt; um Wünsche zu erreichen, sind sie 
auf die Leichenstätte gekonmien. Dieses geheinmisvolle Gemälde lege man an einem 
bestimmten Platze schön aus, opfere ihm Mahämäipsa (Wohlgerüche), murmele 
(Gebete) davor mit dem Rosenkranz aus grossen Schneckenperlen; durch Dhäranfs, 
welche völHg durchgeführt werden, wird das Bild zu drei Zeiten sorgfältig bewahrt. 
Vor einem Fremden zeigt man es nicht, auch legt man es in eines Fremden Nähe 
nhht mis. Will man lesen, anbeten oder essen, so erhält es Preis und als seine 




Abb. 84. Der Yi-dam bDe-m5'0J,^ 

Sanskrit Samvara. In der Form dPal-'k^or-lo sdom-pa. Boachrribung s. S. lUG. 
Aus der Sammlung des Fürsten Uchtomskij. 



— 104 — 

charakteristische (Speise) Mahämäinsa. Wünscht man die höchste Siddhi, so opfert 
man vor dem Bilde mit Virocana und Rudhira- Rauch zu drei Zeiten. Dies ist 
tlie Alt, wie das Bihl gemalt wird nach dem Qrimahävajrabhairavatantra der 
höchsten Form des Manjugri». (Kap. V.) 

Ich muss noch nachtragen, dass in der Beschreibung die Qakti (Yum) nicht 
erwähnt wird. Ihre Darstellung ist aus dem Bilde klar; ihre Attribute sind links 
die Schädelschale mit Blut und rechts das Gri-gug. Auf den mir bekannten 
Abbildungen liegen unter den rechten und linken Füssen und den Tieren, auf 
welche sie treten, noch je eine Reihe Hindögötter. 




Abi). H5. Der Yi-dam Hevitjra. 

Tibetisch Kye(-ba) rdo-rje, Kyai rdo-rjo, Kyai-rdor. (Abb. 86.) 
Aus der Sammlung dos Fttrston Uehtomskij. 



Ein Bild des Bhairava mit den in der Anweisung angegebenen Nebenfiguren 
habe ich noch nicht gesehen, dagegen kenne ich ihn als Mittelbild mit Qakti, 
umgeben von allen «Schrecklichen», den acht Drag-gsed, über die unten einiges 
erwähnt werden wird. Als Nebenfigur ist er ungemein häufig, z. B. bei Porträt- 
bildern des ICan-skya rol-pai rdo-rje (Abb. 73 j ist er stets mit einer Anzahl 
anderer Yi-dam abgebildet. 

Auch als Bronze ist er häufig, und es giebt wahre Meisterwerke älterer 
Bronzen, die ihn darstellen. 

Die Yi-dam-Formen der Drag-gsed wollen wir unter dem diese Göttergruppe 
behandelnden Abschnitt erwähnen; besonders häufig sind Vajrapani, cmit dem 
blauen Kleide», Hayagriva und der rote und schwarze (blaue) Yamäri (Abb. 45, 
ßrsterer in der Luft über gYun-ston rdo-rje dpal). 



— 105 — 

Zum Schlüsse wollen wir noch die Beschreibung zweier Yi-dam des Tantra- 
Dienstes anfügen. Die zwei wichtigsten sind: Samvara, tibetisch bDe-m5'og (Abb. 84), 
und Hevajra (Abb. 85 und 86). Schon der Name des erstem, Samvara (Qambara), 




Abb. 86. Der Yi-dam Kyi>(-ba) rdo-rje. 

Sanskrit Hevajra. 
Die Figur des Gottes wie seiner Qakti ist auf GcmtiUIen blau, der mittlere Kopf des Gottes ebenfalls: drei 
Köpfe rechts sind rot, blau, wei^s (vrm der Mitte aus), drei links gelb, braun, blau, der siebente Kopf ttber den 
sechs rotbraun. Der Schmuck ist weiss. Die (Jakti hält mit der Rechten das Messer Gri-gug hoch, die 
Linke sohlingt sie um den Hals des Gottes. Alle Hände dos Gottes (yab) halten Hchädelschalen, welche 
rechts Tierflguren enthalten: einen weissen Elefanten (tibetisch glat'i-dkar-po), ein Pferd (rta), einen £sel 
(bon-bu), einen Stier (glan), ein Kamel (rna-bou), einen roten Menschen (mi dmar), einen Hirsch (sa-ba- 
ra-6a), eine Katze (byi-la); die linken Hände halten in den Schalen: einen gelben Wassergott (tibetisch 
d^u-ltaa-ser-po), einen grtLncn Windgott (rluh-lha-ljan-k^u), einen roten Feuergutt (me-Iha dmar-po), einen 
weissen Mondgott (zla-bai-lha-dkar-po^, einen roten Sonnengott (nyi-mai-lha dmar-po), einen blauen Todes- 
gott (gsin-rje-mnon-po), eine goldene Göttin des Keichtums (nor-Msin-ma-gser-mo) und einen gelben Erdgott 
(•A-i-lba ser-po). Sieben davon sind leicht mit den Sanskritnanien zu benennen; es sind der Beihe nach 
Yamna, Y&yu, Agni, Candra, Sürya, Yama, VasundharA. Das Äiiuivalcnt des letzten ist mir unbekannt. 
Hevajra müsste vier Fttsse haben, zwei davon hocligezogen ; ich kann dies an der Abbildung jedoch 

nicht feststellen. 
Ein Lama, dem die Bilder vorgelegen haben, benannte diese Figur als Mahäm4yä. Dagegen ist zu erwähnen, 
dass dieser Yidam stets auf einem Beine tanzt oder sitzt, auch andere Attribute hat. Abb. S5 nannte er Guru 
drag-po, aden furchtbaren Lehrer», offenbar eine Verlegenheitsbezeichnung, welche der Lama auch ander- 
weitig angewendet hat. Die Belege ftlr die vorliegende Benennung sind: 1. eine reich ausgeführte Miniatur in 
Folio i<ka) der Tantras des handschriftlichen Kanjur in Berlin, 2. eine Miniatur in dem Bande von Bildern, 
welche die Präexistenzen des ICan-skya khutuktu darstellen, :\. die 50<) Götter von Nar-t^aü, welche 
letztere Abbildung allerdings ohne Farben ist. 1. Zeigt die Scbädelschalcn nur mit Blut gefüllt, ohne 

Götter- und Tierfiguren. 

Aus der Sammlung des Fürsten Uchtomskij. 



weist deutlich darauf hin, dass wir es mit einer rein ^ivaitischen Bildung zu thun 
haben. Der letztere hat eine gewisse historische Merkwürdigkeit dadurch, dass, 
als Khubilai Khagan und seine Gemahlin von T'ags-pa (Abb. 41) die Weihen 
erhielten und sich damit zum Buddhismus bekannten, dies durch die Hevajra- 
va^itä («Weihe des Hevajra») geschah. 



— 106 — 

Die in Abb. 84 gegebene Darstellung des bDe-nifc'og inkarniert sich in dieser 
Form, welche dPal-Vor-lo sdoin-pa heisst, im Grosslama von Peking, dem ICan- 
skya üutuktu (Abb. 72 und 73). Der Kultus des bDe-mJi'og soll in der Provinz 
Tsa-ri seinen Hauptsitz haben. Dort soll der wahrhaftige Mahädeva (Qiva) hausen; 
dorthin sollen auch stets indische Pilger «über Kämarüpa, Assam imd das Land 
der Nagäs» wandern, um ihren Gott zu suchen.*® 

Die Darstellung des bDe-m^'og in der Form des dPal-'k'or-lo sdom-pa 
(Abb. 84) sei hier des nähern beschrieben. 

Der zwölfarmige vierköpfige Gott schreitet, von seiner Qakti umarmt, nach 
links. Er trägt über seinem vierfachen Kopfe (das Gesicht ist auf Gemälden 
gegen vorn blau, die zwei gegen hnks grün und rot, auf Bronzen bildet das vierte 
die Rückseite, das gegen rechts ist weiss) eine Schädelkrone (tibetisch t'od-pan) und 
einen hohen Haarwirbel, auf dessen Vorderseite ein vierfacher Donnerkeil (tibetisch 
sna-ts'ogs rdo-rje) und auf dessen linker Seite ein weisser Halbmond erscheint. 
Die Hände haben die folgenden Attribute : rechts den Zipfel eines weissen Elefanten- 
fells (tibetisch glan-lpags), das über den Rücken herabhängt, die Trommel (damaru, 
tibetisch can-te), ein Beil (para^ni, tibetisch dgra-sta), ein Dreizack (trigüla, tibe- 
tisch k'a-tvan-rtse-gsimi) mit Fahne, das Messer Gri-gug, und mit der sechsten 
Hand im Rücken der ^'akti einen Donnerkeil (vajra, tibetisch rdo-rje); Unks mit 
der obersten Hand den andern Zipfel des Elefantenfells, dann ein K'a-tvan-ga, eine 
Schädelschale (kapäla. tibetisch t'od-pa, t'od-k'rag), die Fangschlinge (päga, tibe- 
tisch zags-pa), den abgehauenen viergesichtigen Kopf des Hindft-Gottes Brahma 
(tibetisch Ts'ans-pa), ts'ans-pai sgo, und mit der letzten Hand hinter dem Rücken 
der Qakti einen Donnerkeil. Der Gott ist blau, die (^akti kirschrot, der Schmuck 
weiss; unter dem linken Fuss liegt eine nackte vierhändige weibliche Leiche mit 
weissem Schmuck und dem K'a-tvan-ga in einer Hand, unter dem rechten Fuss eine 
blaue, gekrönte, vierhändige männliclie mit Schurz aus Tigerfell. 

Es giebt eine innnense Litteratur in den Tantras, welche genau erklärt, was 
jede Einzelheit bedeutet, vom symbolischen Standijunkt sowohl als in Bezug auf die 
Heilswirkung, die damit erreicht werden kann; aber von dieser gewaltigen Litteratur 
ist noch nichts übersetzt. Diese Dinge zu bearbeiten, wird freilich ein Sacrificium 
intellectus sein, aber dümmer als die vielbearbeiteten Brähmanas sind sie auch nicht. 

Bei der Behandlung dieser Typen wird num gut thun, auch die parallelen 
(;ivaitischen Foiinen des Hinduismus im Auge zu behalten. In der That sind die 
von uns zuletzt behandelten Yi-dam weiter nichts als die bildlichen Darstellungen 
von Formeln, welche bestimmte Phasen givaitischer (iötter repräsentieren in ganz 
paralleler Weise mit den Legenden der Puranas der Brähmanas. 

Im Anschluss an einen bestimmten Tempel wird ^iva oder ein Wesen semes 
(iefolges — bei den Vishnuiten Vishnu und einer seiner Avatären oder ein Ange- 
höriger seiner Sippe — als Manifestation der l'rseele des Brahman aufgefasst, 
sein Sch(*)pfungswerk, ein Tanz, geschildert und seine Heilsthaten aufgezählt. In 
diese Kategorie gehört die ganze Gruppe der bDe-mc'og. Mahämäyä, Hevajra, 
Yaniäri und wie sie alle heissen. 

Eine hübsche Probe, wie diese Elemente variieit werden mit dem in den 
Legenden der Zaul)erer immer wieder erscheinenden Motiv eines Bodhisatva, der 



— 107 — 

die Erkenntnis sucht und Wanderungen durch alle Schrecknisse der Erde und der 
Hölle, durch alles Blendwerk der Däkinis hindurch vollbringt, nur aus Mitleid zum 
Heile der Kreatur, bis er die himmlische Di^kini und ihren «Segen» erreicht, hat 
J. J. Schmidt in seinem Ssanang Ssetsen gegeben. ^*^ ^ 

Trotz alledem ist die ganze Tantra-Litteratui* dem Buddhismus gegenüber 
als Eindringling, als eine Schmarotzerpflanze zu betrachten. Es ist ganz unmöglich, 
dass Texte wie das Mangalasutta und Uhammapada und Tantras wie Qekapra- 
kriyä oder Hevajratantra aus einem Systeme geflossen sind. Man hat den Ein- 
druck, als ob sich eine Rotte Vagabunden in einem wohlgeordneten Hause breit 
mache, wenn die Herrschaft fort ist, und zwar so, dass ihre Produkte, um den 
Anstand zu waliren, mit aufgenommen und — entschuldigt werden müssen. Diese 
Rotte von Vagabunden ist in der Zahl der « vierundachtzig Zauberer» zu suchen.''^ 

Beachtenswert ist, dass die Lamas, wie ich wiederholt erfahren habe, die 
Namen dieser letztgenannten Formen, ausser Yamäntaka, selten kennen. So sind 
die Photographien, die uns als Material vorgelegen haben, auch Lamas zur Bestimm- 
mung vorgelegt worden; fast alle ihre Bezeichnungen sind ungenau, unsicher, 
geradezu falsch. Meist begegnet man der vagen Bezeichnung Guru drag-po, «der 
furchtbare Lehrer». Auch Pallas hat für eine solche Abbildung wohl eine Bezeich- 
nung, aber keine Erklärung erhalten können.'"^ Das Sektenwesen kommt dabei 
in Betracht, Yamäntaka ist speziell der Yi-dam der gelben Kirche. Wir kehren 
jetzt wieder zu den Formen zurück, die wir besser als zum System gehörig 
bezeichnen können, wenn auch dieser Teil — ich will es noch einmal bemerken — 
ebenfalls fremde Elemente genug enthält. 



2. Die Buddhas. 

Passatha imam tApasam 
jatilam uggat&pauam, 
aparimeyye ito kappe 
Biiddho loke bhavissati. 

AvidürenidAna. 73 

Im heutigen Pantheon des Lamaismus ist die Darstellung des Religions- 
stifters eine verhältnismässig seltene. Die meisten der üeniälde sowohl wie die 
Bronzen stellen entweder die dem Tantra-Kultus angehörigen, fast endlosen Weiter- 
bildungen der meditativen Buddhas und Bodliisatvas dar oder Schutzgottheiten 
^ivaitischen und andern Ursprungs, und die ungemein zahlreiche Geistlichkeit, die 
sichtbaren Vertreter der Heiligen, die Heiligen auf Erden, unter ihnen ist weit- 
aus die häufigste Darstellung die des Tsoü-k'a-pa (Abb. 47) mit oder ohne seine 
Lieblingsschüler. 

Es giebt natürlich auch Darstellungen des Gautama Buddha. Vor allem 
kommt häufig die Erwälmung eines bevühmleu S5«i\v&öÄvv>\iXi^^^ ^vs^ ^ -^^^^^ ^^ 



— 108 — 

inkarnierte Gemahlin des Königs Sroü-btsan-sgam-po nach Lha-sa gebracht hat, 
vielleicht eine Replik des oben erwähnten Sandelholzbildes des Königs Udayana. 

Es giebt lamaistische Bronzen eines stehenden Buddha Gautama mit lehrend 
erhobener rechter Hand und tief gefaltetem Mönchskleide, welches beide Schid- 
tern bedeckt, wie das oben erwähnte, aus den Gandhära-Skulpturen abgeleitete 
Bild. Wir dürfen veimuten, dass wir in cüesen Repliken Varianten des alten 
Buddhabildes des erwähnten ersten buddhistischen Königs vor uns haben. 




Abb. H7. Der Buddha kLu-dban-r^ryal-po. (Abb. m.) 

Aus der Sammlung des Fürsten Uchtomskij. 



Häufiger kommt Buddha vor in Gruppen, z. B. mit seinen Lieblingsschülern 
Maudgalyayana und Qäriputra, z. B. auf Gemälden, bedient von den Hindu- 
Göttern Brahma und Vishnu oder inmitten der Sthaviras (Abb. 3). Auf solchen 
Gemälden ist seine Hautfarbe goldig, die Haare dunkelblau und die Kleidung 
hochrot; das Almosengefäss ist ebenfalls dunkelblau. So erscheint er auch auf 
Bildern, welche Legenden irgendeines Heiligen in seiner Wiedergeburt zu den 
Füssen des Meisters darstellen. 

Ferner giebt es Gemälde, die sein ganzes Lel)en vom Herabsteigen aus 
dem Himmel Tushita bis zum Nirväna fortlaufend darstellen. Meist sind es zwei 
Bilder, von denen das eine als Mittelgruppe die Geburtsscene (Abb. 7), das 
andere als Mittelgiuppe das Mahäparinirväna zeigen. 



— 109 — 

Als Bronze erscheint Buddha Gautanui häiifijr in Serien, entweder mit Mai- 
treya, dem kommenden Buddha, oder mit diesem und seinem unmittelbaren Vor- 
gänger Kägyapa oder in einer noch grössern Keilie seiner Vorgänger, der Bodhi- 
satvas, oder der sogenaimten Medizin -Buddhas. Al)er auch hiervon giebt es 
Gemälde. Sehr selten ist die Darstellung des ins Nirvana eingehenden Buddha 
als Bronze. 

Es ist ferner erwähnt worden, dass die verschiedenen Han^lstellungen (mudräs) 
zunächst verschiedene Funktionen des Gautama Buddha selbst darstellen. Je nach- 
dem er einer Serie angehört, wechselt diese llandstellung, und da diese Mudras 




pi.(^£f4Z^aim^ai3g 



Abb. 88. Der Buddha kLu-dban-rgyal-po. 

Mongolisch Lü-in Kha^an (Kliftn). 

Körperfarbe blau, Kopf weiss, blaues Haar, rotes Kleid, uragebeu (sa-parivftra, tibetisch *k*or [bcas]) von 
vier Bodhisatvas und beschützt vom N&ga-KOnig Mucilinda (tibetisch bTah-zun). Die vier sind: 

1. Maitroya (tibetisch Byams-pa. mongolisch Maidari). Attribute: Lotusblume (rechts), goldenes Qefä»R 

(links); Körperfarbe gelb, über- und Untergewand rot. 

2. Sarvani varana vishkambhl (tibetisch 8grib[-pa] [mam]-8el, mongolisch TUitkAr täin aril^aktAi). 
Attribute: Cint&m'ani- Edelstein (rechts), Ambrosiagefüss (links), auf andern Bildern auch Lotusblnme, 

(rechts) mit roter Sonne auf dem Fruchtboden. Körperfarbe weiss, Unterkleid rot, Oberkleid grün. 

3. Mauju^rl (tibetisch ^Jam-dpal, mongolisch MaudzuAri). Attribut: Lotusblume (links) oder beiderseits 

Lotusblumou rechts mit Schwert, liiiks mit Buch (Abb. 4i<). Körperfarbe gelb. Kleider wie 2. 

4. Avalokito^vara (tibetisch sPyan-ras-gzlgs, mongolisch Khongsim bodhisato oder Nidübär Udzäktsi), 

Attribute: Lotusblurae (links); Körperfarbe weiss, Crewand wie 1. 

Aureole der Mittelflgnr, von 2 und '.i grttn. von 1 und 4 hochrot, Strahlenkran/ (um die Figur) Mittelfignr 

purpurrot mit gelbrotem Bund. 'J, 3 gelbrut, 1, 4 dunkelblau. 



auch andern Buddhas angehciren k(')nnen. so gehiht die Bestimmung euier Buddha- 
Figur, die nicht mit Namen bezeichnet oder mit Farben ausgemalt ist und die 
aus dem Konnex einer ganzen Serie herausgenommen ist, zu den misslichsten Auf- 
gaben. Es ist kaum mehr als die Bestimmung der Mudni zu erreichen; einen 
Namen anzusetzen, ist fast unmöglich. 

Erwähnt ist noch worden, dass dem Buddha nach dem Malniyäna-System drei 
Körper (k«aya) zugeschrieben werden. Es sind die folgenden: 

1. Der Nirmänakäya (tibetisch sPrul-sku). Es ist der Kchper, in welchem der 

Bodhisatva verweilt, wenn er Buddha geworden ist; in ihm unterrichtet er, 

und dieser Körper stirbt. 



— 110 — 

2. Der Sambhogakäya (tibetisch Lons-spyod-sku), der Körper der Seligkeit. 
Dies ist der Körper, in dem er sich aller Vollkommenheiten bewusst ist 

3. Der Dharmakäya (tibetisch C'os-sku) oder Svabhävakäya (tibetisch No-bo- 
nyid-sku), der abstrakte, absolute Körper des Buddha als Vertreter des 
Dharma, der Religion. Der Dharmakäya ist es, welcher das Bild einer Gott- 
heit belebt, wenn durch eine feierliche Ceremonie die Bronze mit ihren 
Eingeweiden (Rollen mit Dhärants, Reliquien u. s. w.) gefüllt ist, oder das 
Bild durch die Augengebmig und Beschreibung mit Dhärants belebt ist. 

Für die Darstellung des Buddha ist die zweite Notiz insofern von Bedeu- 
tung, als die gekrönten Buddha -Figuren den Sambhogakäya darstellen sollen. 




Abb. 89. Der Buddha Pipankara. 

Tibetisch Mar-rae indHad, mofiKoIiscb Dzula dzokiaktHi. 

Der erste der mythiHchcn Yorgänt^cr Crautauia Buddhas. 
Auf Gemälden hat er gelbe Hautfarbe. 



Bronzen, welche aufgebrochen sind, denen man also den C'os-sku genommen hat, 
sind rituell entwertet. 

Eine besondere Abart von Buddha -Darstellungen ist noch zu erwähnen. 
Es sind diejenigen, in welchen Buddha das Heil anderer Kreaturen als der Men- 
schen bewirkte. Hierher gehiht die ziemlich häufige Darstellung des vom Näga- 
König Mucilinda (tibetisch bTah-zuh) überschatteten Buddha, hi welcher er als 
Befreier der Xägas gefeiert wird, der sogenannte kLu-dbah-rgyal-po (mongolisch 
Lu-in khagan [khän]) (Abb. 87, 88 j. Nach Buddhas Sieg über Mära (tibetisch 
bDud, mongolisch Sinum, Simnus) soll ihn der Näga- König vor Kälte geschützt 
haben.'^'* Den im Lamaisnms gewöhnlichsten Typus des Gautama Buddha giebt 
die Abbildung 3 wieder. 

Häufig auf Bildern dargestellt sind <lie Vorgänger Gautama Buddhas, welche 
in der Regel als die sieben Tathägatas (tibetisch De-l)zin-g.segs-pa, mongolisch 



— 111 — 

TägüntsiLän iräksän) bezeichnet werden. Es sind die folgenden: Vii)a(;yi (tibetisch 
rNam-gzigs, mongolisch Babasi, verderbtes Sanskrit), Qikhf (tibetisch gTsug-tor-can, 
mongolisch Siki, verder])tes Sanskrit), ViQvabhü (tibetisch Tams-cad-skyob, mongo- 
lisch Bisbabu, verderbtes Sanskrit), Krakucchanda (tibetisdi 'K'or-ba 'dsig, mongolisch 




Abb. yo. Lama dor Donischeii Kazaken. 

Im AnzufiT zum Kult der DraK-g^od (genannten ScltutzKötter des Lamaismu». auf dem Kopfe die Krone 

(tibetisch cod-pan, mongolisch titim) mit der DarNteUnng der fünf DhyAnibuddhas auf den fttnf Blättern 

der Krone. Der Dargestellte hcinst Mikulinov. 

Ans: Fürst Uehtomskij, Oriontreise des Kaisers von Russland. 



Kärkäsündi, Gargasundi, Ortsilanggi äbdäktsi), Kanakanmni (tibetisch gSer-t'ub, 
mongolisch (janagamuni, Altan tisidaktsi), Kägvapa (tibetisch 'Od-sruh, mongolisch 
Gasib, Kasib, (läräl sakiktsi), (^'äkyamuni (tibetisch Qäkya t'ub-pa, mcmgolisch 
Sakiamuni, Sigämüni). Von Krakucchanda an geluh-en die letzten vier mit dem noch 
kommenden Maitreya (tibetisch Byams-pa, mongolisch Maidari) der jetzigen Welt- 



— 112 — 

Periode au. Sie sind die letzten einer Reihe von vierundzwanzig Vorgängern des 
Gautama Buddha, deren erster Dipankara (tibetisch Mar-me mdsad, mongolisch 
Dibangkara Dzula dzokiaktsi) (Abb. 89) gewesen sein soU.^^ Auch dieser spielt im 
Lamaismus noch eine Rolle, während seine Nachfolger bis VipaQjl weniger bekannt 
sind. Dipankara bildet mit Qäkyamuni und dem künftigen Buddha Maitreya eine 
viel verehrte Trias, welche die Mongolen, wie Pallas berichtet, gurban tsagan 
burkhan, «die drei weissen Buddhas», heissen. 

Diese Vorgänger Gautamas gehören zu den ältesten Teilen der buddhistischen 
Ikonographie überhaupt. Wir besitzen die Abbildungen der Bäume, unter denen 
sie die Erkenntnis erlangt haben, schon auf dem Thore des Steinzaunes von 
Barähat, dessen wir oben gedacht haben, und zwar mit Inschriften versehen. 




• l»^MQ\-^^uaii^t 



Abb. 91. Der Dhyänibuddha Amitäyus. 

Tibetisch Ts^c-dpag-mcd. 
In I)hannacakramudr&. Aus einer Serie von Buddhas. 



Soweit icli sehe, sind die Bodhi -Bäume des VIPASI (Vipasst, Päli für Vipa^yt), 
Vipagyi), KONÄGAMANA (Konägamana, die Päli -Bezeichnung des Kanakamuni), 
KAKUTSAMDHA (Kakusandha,* Päli für Krakucchanda), KASAPA (Kassapa, Päli 
für Kägyapa) ausser dem des SAKAMUNI inschiiftlich bezeugt. Auch auf dem 
(*)stlichen Thore des grossen Stüpa von Sänchi sind sie abgebildet, wenn auch nicht 
inschriftlich bezeichnet. Die Abbildungen der Buddhas fehlen, wie oben erwähnt, 
in der alten indischen Kunst; sie erscheinen aber zweifellos sicher bestimmbar 
innerhalb der Gandhära-Periode.^® Auf einem aus Muhammad Näri stammenden 
Rehef konnte ich die stehenden Figuren der letzten sieben mit Maitreya als achtem 
zuerst nachweisen. 

In der spätem buddhistischen Kunst Indiens sind sie häufig; ich nenne hier 
nur die Gemälde in den (irottentempeln von Ajantä, wo sie in Grotte XXII mit 



— 113 — 

Namen bezeichnet sind. Die ersten vier (Vipagyi bis Krakucchanda) sind dort 
schwarz, Kanakamuni grau, die letzten mit Maitreya, der in europäischer Weise 
und in der Mitte sitzt, goldgelb. Die Handstellungen stimmen aber mit dem von 
uns in Abb. 4 gegebenen lamaistischen Bilde nicht überein. sondern sie sind ab- 
wechselnd mit Dharmacakra- und Dhyäna-Mudrä abgebildet, Maitreya in der Mitte 
mit der erstem. Die offiziellen Far])en im Lamaisnms sind mir leider unbekannt. 
Ein mir bekanntes Bild giebt von Vipagyi bis Kä(;yapa die folgenden Farben: weiss, 
gelb, gelb, braun, weiss, gelb. Ich zweitle aber an ihrer Korrektheit. 




Abb. 92. Der Dhyänibuddha Amitäyus. 

Zwischen MafijnQrl (mit Scliwcrt über der LotuBbluinc) und VajrapAni (in gütiger Form, ^Auta) mit aufrecht- 
stehendem Donnerkeil über der Lotusblumc. Der Lama, welcher die v<irlicgende Bronze bestimmt hat, hat 

nur die Mittelftgur benannt. 

Aus der Sammlung des FtlrHten Uchtomskij. 



Da die Buddlias unzählbar sind, so giebt es auch noch grössere (iruppen. 
Dazu gehören die «tausend Buddlias »>, deren blosse Erwähnung für unsern Zweck 
genttgt.^^ 

Der meditativen Buddhas (Dhyäiiibuddhas ) haben wir schon im vorigen Ab- 
schnitt imter den Yi-dam Erwähnung gethan. Hier ist nur noch zu erinnern, dass 
sie auch als Buddhas dargestellt werden, in der Regel beide Hände im Schoosse 
liegend haltend, mit der Dhyanamudrä. und zwar in den o])enerwähnten Farben 
und mit roten Kleidern. Sie unterscheiden sich von den übrigen Buddhas wesent- 
lich dadurch, dass sie keine Bodhisatvas im gewC^hnlichen Sinne haben, soudevi^ 
dass sie ihre Bodhisatvas als spiritueWe 'SCAwwi ^m^\\\vi\^\\, "^v^ ^^^\K\vc^ 

OmCxwkdkl. 



— 114 — 

Strahlen, die aus dem Haupte eines derselben, Amitäbhas, hervorbrechen, der 
Bodhisatva Avalokitegvara u. s. w. 

Es ist, wenn ich nicht irre, Rhys Davids zuerst gewesen, der auf den irani- 
schen Charakter dieser Gruppe von Buddhas hingewiesen hat. Die Dhyänibuddhas 
entsprechen den iranischen Fravashis (Fervers), welche die himmlischen Prä- 
existenzen der auf Erden geborenen in der Lichtreligion Zarathushtras sind. Am 
meisten tritt der besonders von de Groot betonte iranische Charakter dieser ganzen 




Abb. 93. Bhaishajyagura oder sMan-bla (Mau-la), der Medizinbuddha. 

Mongolisch OtoUi. 

Körperfarbe blau; die linke Hand hält die Almoeenschalo (pAtra), die rechte eine Blnmo (manchmal auch 

eine Frucht und zwar eine Myrobalanc, harltaki, tibetisch a-ru-ra). 

Aus: Fftrst Uchtomskij, Orientreise des Kaisers von Russland. 



Gruppe bei dem Dliyänibuddha Qäkyamunis und seinem Paradiese (Sukhävatl, tibe- 
tisch bDe-ba-can) auf.^* 

Bevor wir darauf weiter eingehen, mckhte ich noch erwähnen, dass die Dar- 
stellung der Dhyänibuddhas als Buddhas in ganzer Reihe im Lamaismus am häufig- 
sten ist auf den fünfklai)pigen Kronen (tibetisch cod-pan, gewöhnlich Übersetzung 
von Sanskrit mukuta, mongoUsch titim), die der den Kult ausübende Lama 
bei den Opfern an die furchtbaren Götter (die sogenannten drag-gsed, mongo- 
lisch doksit ausgesprochen) trägt (Abb. 90j. Denn jeder Dhyunibuddha hat einen 
Drag-gsed, über den er gebietet. 



— 115 — 

In der spätem buddhistischen Kunst Indiens kommen die Dhyänibuddhas 
meist in Begleitung von Bodhisatva-Darstellungen vor, z. B. in den Grotten von 
Elura zu Tin Thal/® In der Gandhära-Kunst sind sie noch nicht nachgewiesen, 
aber da es Sergius von Oldenburg gelungen ist, den Bodhisatva des Amitäbha, 
nämlich AvalokiteQvara (Abb. 12) oder Padmapäni zu entdecken, so ist es nicht aus- 
geschlossen, dass wir auch seinen spirituellen Vater Amitäbha finden werden. 




Abb. 94. Einer der Begleiter des Bhaishajya^ru (Abb. 93). 

Ans der Sammlung des Fürsten Uchtomskij. (Altes Porzellan eraqucl^.) 



Der Dhyänibuddha Amitäbha ist im ganzen nihxllichen Buddhismus eine 
der beliebtesten und häufigst dargestellten Gottheiten, in China und Japan ist er 
weitaus die verbreitetste Buddliafigur. Sein im Westen liegendes Paradies Sukhävati 
ist ein wirklicher Freudenhimmel, in dem wiedergeboren zu werden der Wunsch 
aller ist. Die Texte — ich nenne nur das Sukhävattvyiiha — schildern dieses 
Paradies in den herrUchsten Farben, und es giebt überall, besonders in 
Japan und ebenso im Lamaismus, prachtvolle Bilder, welche es darstellen. Ja, 
es giebt sogar herrlich ausgefühlte Modelle mit Figuren,®" 



— 110 — 

Am besten schildert das Glück, in Amitäbhas Paradies wiedergeboren zu 
werden, eine Legende aus chinesischer Quelle, die Schott übersetzt hat und die 
wieder der Vergessenheit zu entreissen sich lohnt. 

« In den Jahren der Sun-Dynastie (1086 — 93 n. Chr.) lebte eine fromme alte 
Frau mit ihren zwei Zofen nur für das ,Land des Glückes' (Sukhiivati). Eines 
dieser Mädchen sagte eines Tages zu ihrer Dienstgenossin: , Diese Nacht werde 




Abb. 95. Einer der Begleiter des Bhaishajya^m (Abb. 93), vielleicht Rin-5*en-zla-ba 

(Katnacandra). 

Au8 der Sammlung des FürHten Uchtumskij. (Altes Porzellan mit Vergoldung.) 



ich hinü])ergehen in Amitas Paradies.' In eben diesei* Nacht füllte ein balsamischer 
Wohlgeruch das Haus, und das Mädchen starb ohne vorhergegangene Krankheit. 
Am folgenden Tage sagte die Überlebende zu der Dame: .Gestern erschien mir 
die Verstorbene im Traume und sprach zu mir: .Dank der fortwährenden Er- 
mahnungen unserer Herrin bin ich des Paradieses teilhaftig, und meine Seligkeit 
übertrifft alle Beschreibung, die ich dir geben kihinte.' Die Dame antwortete: 
,Wenn sie mir ebenfalls erscheint, will ich dir glauben, was du sagst.' In der 
nächsten Nacht erschien ihr die Verstorbene wirklich und grüsste sie ehrfurchts- 



— 117 — 

voll. ,Werde ich', sagte die Dame, ,auch einmal in das Land der Seligkeit ge- 
langen?' ,Ja' sprach die Verklärte, ,du brauchst nur deiner Dienerin zu folgen/ 
Im Ti-aume folgte die Dame ihrer Dienerin und sah bald einen unendlich grossen 
See, bedeckt mit zahllosen roten imd weissen Lotusblumen in verschiedenem Zu- 
stande, die einen blühend, andere welkend. Sie fragte, was die Blumen wohl 
bedeuten möchten? Das Mädchen antwortete: ,Das sind alles menschUche Seelen 




'WJ^W^- 



Abb. %. Einer der Begleiter des Bhaishajya^ru (Abb. 93), vielleicht niT'an-legs 

yons-grags-dpal. 

Aus der Sammlung des Fürsten Uchtomskij. (Altes Porzellan mit Vergoldung.) 



auf der Erde, deren Denken gerichtet ist auf den Ort der Seligkeit. Die erste 
Sehnsucht nach Amitas Paradies bringt eine Blume in dem himmlischen See hervor 
und diese wird täglich grösser und schöner, wie die Gerechtigkeit der Person, die 
sie darstellt, fortschreitet, im andern Falle verliert sie ihren Glanz und ver- 
welkt.' Die Dame wünschte den Namen einer leuchtenden Blume, welche ganz 
von Glanz umwoben und wundervoll strahlend war, zu wissen. Dir Mädchen sagte: 
,Dies ist Yangkie.' Dann frug sie nach dem Namen einer andern und erhielt die 
Antwort: ,Dies ist Mahn.' Die Dame fragte weitev. .>\V<^ ^^\^^ Sj^ ^^b<ssc ^>fc^^Kx 



\ 



— 118 — 

aufleben?' Da führte die verklärte Seele sie weiter und zeigte ihr eine Anhöhe, 
welche von Gold und Azur schimmerte. ,Hier', sprach sie, ,ist deine künftige 
Wohnung. Du wirst im Range der Seligen eine der ersten sein'. Als die Dame 
einmachte, Hess sie nach Yangkie und Mahu fragen. Die erstere war schon 
gestorben, die letztere noch unter den Lebenden. Und so lernte die Dame, dass 
eine Seele, welche fortschreitet in Heiligkeit und nicht nachlässt, schon im Lande 
der Seligkeit wohnt, auch wenn ihr Leib noch in dieser vergänglichen Welt weilt.» ®^ 

Amitäbha Buddha soll in seinen drei Körpern folgende Formen haben: im 
Dharmakäya soll er Amitäbha, tibetisch sNan-ba-mt'a-yes, heissen, im Nirmänakäya 
ebenfalls, aber tibetisch 'Od-dpag-med (nur eine andere Übersetzung des Namens 
« unermessliches Licht habend»), im Sambhogakäya soll er Amitayus, tibetisch 
Ts'e-dpag-med, mongolisch Ayusi «unermessliches Leben habend» heissen. In letz- 
terer Form ist er Spender langen Lebens und der letzten Gruppe von Buddha- 
Darstellungen, welche wir noch zu erwähnen haben, den sMan-bLas (Medizin- 
buddhas) nahestehend. 

Über seinen spirituellen Sohn AvalokiteQvara, den Bodhisatva, der sich im 
Dalai Lama inkorporiert, während Amitäbha im Pan-fc'en wiedergeboren ist, wollen 
wir das Nötigste unter den Bodhisatvas sagen. Er ist der Schirmherr der Kirche, 
der Erlöser xa-:' l$oxi^v. 

Die Darstellung des Amitäbha zeigt ihn als Buddha gewöhnlich in der Dhyäna- 
mudrä, wie erwähnt, von roter Leibesfarbe und dunkelrotem Mönchsgewand; er 
hält in den auf dem Schoosse liegenden Händen eine blaue Almosenschale. Doch 
kommt er auch mit der Dharmacakrauuulrä vor (Abb. 91). Als Amitayus, Spender 
langen Lebens, sitzt er ebenso, wie zuerst beschrieben, hält aber statt des Almosen- 
gefässes ein goldenes Ambrosiagefäss, aus dem bisweilen ein kleiner Baum heraus- 
wächst, ist gekrönt und trägt langes blaues Haar, das bis auf die Schultern herabhängt, 
Goldschmuck, den langen Shawl als Obergevvand und ein dunkelrotes Lendentuch; 
die Farbe des Körpers ist rot, meist feuerrot (Abb. 92). 

Bhaishajyaguru (Vai()üryaprabharäja), tibetisch sMan-gyi bla Ve-du-ryai bd- 
kyi rgyal-po oder kurz sMan-bla, ist der Name einer Buddha-Darstellung, welche 
ebenfalls wie die des Amitäbha über den Lamaismus hinausgeht und in China und 
Japan ebenso hoch verehrt ist wie in Tibet und der Mongolei. Mit Amitäbha 
und Gautama bildet er eine viel verehrte, beliebte Trias. 

Wir finden ihn häufig abgebildet mit seinen acht Begleitern oder, wie Pozdnfeev 
sie nennt, seinen .Wiubilganen, eine Reihe von Buddhafiguren, denen dann Qäkya- 
muni präsidiert. Er ist der Gott der Medizin und wird, wie Waddell berichtet, 
«fast wie ein Fetisch verehrt», indem die Gläubigen an seiner Figur die Stelle 
reiben, an der sie selbst Schmerzen leiden. Sein Kult scheint sehr alt zu sein, 
da er, wie erwähnt, auch in China und Japan sich findet, aber sein Ursprung ist 
noch unerklärbar. Die gewöhnlichste Darstellung zeigt Abb. 93 imd di'ei seiner 
Begleiter die Abb. 94, 95 und 96. Zwei davon sind vielleicht benennbar. Im 
übrigen gehören gerade aus dem Conuex gerissene Figuren von Buddhas aus 
sMan-blas Umgebung zu denjenigen lamaistischen Figuren, welche zu bestimmen 
bei Mangel jeder Angabe völlig unmöglich ist. 



— 119 — 



8. Die Bodhisatvas. 

SatvAnukampayA hi bodhisatvo manuihya- 
loke upapadyate, na devabhüta evam dharma- 
cakrain pravariayati. 

Lalitavistara. 

Die Darstellungen der Bodhisatvas gehören in gewisser Beziehung zu den 
schwierigsten Figuren der nordbuddhistischen Mythologie. Wir finden die gewöhn- 
lichsten derselben in einfachem und kompliziertem Formen. 

Die einfachem Formen — zugleich die altern — zeigen sie stehend oder 
sitzend, zweihändig, gekrönt, mit reichem Schmuck, langem Unterkleid und dem 
shawlartigen Überwurf, und die Attribute, welche sie halten, sind Lotusblumen, 
bisweilen mit einem auf dem Fruchtboden liegenden, genauer bestimmenden 
Attribut (Cintämani, Buch, Schwert, Sonne, Rad u. s. w.) oder Fläschchen; eine 
weitere Bestimmung ist eine in der Krone erscheinende Darstellung; ein Stupa 
oder die Darstellung eines Buddha. 

Während einige dieser bestimmenden Attribute dauernd einer Person geblieben 
sind und zu keiner Verwechslung Anlass geben, sind andere schwankend und durchaus 
nicht so entscheidend, als man wünschen möchte. Eine gewisse Sicherung der Be- 
nennung geben auch hier wieder die zusammengehörigen Serien; manche sind nur 
in Serien bestimmbar, manche kommen überhaupt nur in Serien vor. Ein weiterer 
Grund zur Verwechslung sind gemeinsame Beinamen, welche noch durch die Über- 
setzung ins Tibetische oder Chinesische Verwechshmgen erfahren, sodass auch die 
Lamas bei der Bestimmung der zweiarmigen Formen nicht immer ihrer Sache 
sicher sind imd offenbare Fehler machen. Um gleich ein Beispiel anzuführen, giebt 
die Bezeichnung Mahakarunika oder ähnlich («der grosse Erbarmer ») Anlass zur 
Verwechslung von Maitreya und Padmapäni (Avalokitegvara) in seiner zweiarmigen 
Form; denn Maitreya kommt nur zweiarmig vor. Eine andere Fehlerquelle ist die 
Verwechslung der Silben Byam(s) und Mam, von denen die erstere zur Übersetzung 
des Namens Maitreya, die letztere zur Übersetzung des Namens Manju^ri dient und 
welche im Tibetischen ziemlich gleich, etwa wie Dsam (Dscham), ausgesprochen 
werden. Im letztern Falle wird meist Maitreya derjenige sein, welcher den kürzern 
zieht; denn Manju?ri ist häufiger und gewöhnlicher als Maitreya, wenigstens auf 
Gemälden. 

Sicher sind aber die kompliziertem Darstellungen der Bodhisatvas, wenn 
sie vielhändig und mit charakteristischen Attributen ausgerüstet sind. Obwohl 
die letztern häufiger vorkommen als die zweiarmigen Formen, so fehlen diese im 
Lamaismus doch auch nicht, während die ältere indische Kunst, speziell die Gan- 
dh&ra-Periode, sie nur so kennt. Wenn wir also lamaistische Bilder zur Bestimmimg 
der zahlreichen Bodhisatva-Darstellungen der Gandhära-Periode und der unmittelbar 
damit zusammenhängenden altern indischen Formen verwenden wollen, so kami dies 
nur mit grosser Vorsicht geschehen, und wir dürfen eigentlich nur gut bestiuunbare 
Serien (Triaden, Pentaden oder grössere Gvuv\)ew^ ^\v\Ä. \<i\^<s\s^ V^x^ijö^ä^^s^^ 



— 120 — 

dürfen aber auch die japanische Tradition, welche fast eine bessere zu sein scheint, 
nicht ausser acht lassen. 

Es hat den Anschein, als ob zur Bestimmung der einzelnen Figuren für die 
Musterbücher der Lamas solche Serien in falscher Reihenfolge aufgelöst worden 
wären, wie auch andererseits nicht verkannt werden darf, dass die der Theorie 
nach unzählige Schar der Bodhisatvas bisweilen aus rein künstlerischen Gründen 
vergrössert wurde. 

Wenn wir z. B. die Gruppe der oben erwähnten Medizinbuddhas mit 
Gautama Buddha als Präsidenten begleitet sehen von zwei Bodhisatva- oder 




Abb. 97. Der Bodhisatva Maitreya. 

Als Buddha dargestellt, auf europäiscbo Weise sitzend. 
Aus der Sammlung des Fürsten Uchtomskij. 



Deva- ähnlichen Genien, welche die Bezeichnung «Soime» und «Mond» tragen, 
so erhalten wir dadurch einen Wink, wie wir uns die Entstehung von Bodhisatva- 
Namen wie Süryagarbha (tibetisch Nyi-mai snyih-po) oder Mahämeghagarbha (tibe- 
tisch sPrin-Jj'eu snyin-po), «Keim der Sonne», «Keim der grossen Wolke» und andere 
mehr zu denken haben. Vom europäischen Standpunkt aus handelt es sich in 
diesem Falle einfach mn Personifikationen in antikem Sinn, im Prinzip verwandt 
den spätantiken Lokalgötterii , welche als Zeugen einer Handlung mit darge- 
stellt sind. 

Aus der miendlich grossen Zahl von Bodhisatvas — fast jedes Mahäyäna-Buch 
beginnt mit einer Aufzählung einer ganzen Reihe — wollen wir nur diejenigen 
sidzabien und genauer zu bestimmen suchen, welche häufiger vorkommen. 



i 




Abb. 98. Der Bodhisatva Maitreya. 

Tibetisch Byain(8)-pa; mongolisch Maidari. 

Attribute: zwei Lotusblumcn mit Kad (rechts), Weihwassergefüss (Uuks — leider nicht zu sehen), auf einem 
Throne in europäischer Weise sitzend. Die Thronlchne ist reich verziert: oben sehen wir den Vogel Garuda 
(tibetisch K*yuu) und Nftgas (tibetisch kLu); der Garuda tötet einen grossen >'Aga. Zu den Einzelheiten 

des Thrones vgl. Abb. 73. 

Aus der Sammlung des Fürsten Uchtomskij. 



— 122 — 

Der einzige Bodhisatva, den auch die südliche Kirche (Ceylon, Binna, 
Siam, Kambodscha) kennt, und wohl auch der erste, dessen Gestalt feste Formen 
angenommen hat, ist der Bodhisatva des Gautama Buddha, Maitreya (Päli Metteyya, 
tibetisch Byam(s)-pa, mongolisch Maidari). Er. wird im Lamaismus sowohl als 
Bodhisatva in der oben beschriebenen Tracht, Schmuck u. s. w., aber auch als 




^H 



Abb. 99. Der Bodhisatva Maitreya. 

In der Mongolei von Lamas mit Byams-pa (Maitrrya) bezeichnet. 
Au8 der Sammlung do« Fürsten Uchtomskij. 



Buddha dargestellt. Zweifellos sind diejenigen Gemälde und Bronzen, welche ihn 
in der Pose, die für ihn allein charakteristisch ist, darstellen; er sitzt häufig 
mit herabhängenden Füssen, auf europäische Weise (tibetisch Byams-zugs, «Mai- 
treyas Sitz») (Abb. 97, 98j. 

JDiese beiden Abbildungen sind typisch und enthalten nichts, was zu Miss- 
^nlass geben könnte. Die prachtvolle, vergoldete, mit Juwelen geschmückte 




AuB der 



"'AbblOO. DerBodhisatvaMaitroya. 

I„ der Mongolei .o be.oictoet. ,^^,^^^^^.*«^.-^^ 

S.„.„aangde.FUr.teuücMom.«V ^^- 



124 — 



Bronze (Abb. 98) zeigt ihn als Bodhisatva mit den charakteristischen Attributen: 
die Hände in Dharmacakramudrä, von den Händen aus gehen die Stiele zweier 
grossen Lotusblumen, deren eine ein Rad (cakra, tibetisch Yor-lo), die andere 
ein Weihwassergefäss (mangalakalä^a, tibetisch bum-pa) trägt. Die Darstellung als 
Buddha (Abb. 97) zeigt ihn ebenfalls mit den Händen in Dharmacakramudrä. 

Schon hier kommt aber ein Attribut mit vor, das er mit Padmapäni 
gemeinsam hat: es ist das Weihwassergefäss. Doch ist hier keine Verwechs- 
lung möglich, obwohl es bei alten Bronzen, welche ihn nur mit dem Kännchen in 
der Linken und stehend abbilden, nicht mehr als allein entscheidend betrachtet 
werden kann. 

Viel schwieriger zu bestimmen sind die sitzenden und stehenden Figuren, 
welche den Bodhisatva nur mit der Lotusblume darstellen. In dieser Darstellung 

ist er mit der ältesten Form des Padmapäni 
gleich, und es scheint nur entscheidend zu sein, 
dass dieser gewöhnlich das Bild des Amitabha 
im Scheitelschmuck trägt; auch fällt bei stehen- 
den Figuren auf, dass Maitreya das lange shawl- 
artige Obergewand lose wie eine Schärpe imi 
den Leib gebunden trägt (Abb. 99). Aber dass 
auch dies nicht absolut entscheidend ist, beweist 
Abb. 100, die ihn stehend mit zwei Lotusblimien 
und das lange Obergewand in der gewöhnlichen 
Weise tragend darstellt. Hier schemt es der 
Mangel jedes andern Attributes (Buddhafigur in 
der Krone u. s. w.) zu sein, was ihn allein be- 
stimmt. 

Wenn er mit andern Bodhisatvas gruppiert 
ist, wie auf Abb. 88, so scheint er eine kleinere 
Krone zu tragen als diejenigen, welche mit ihm 
verwechselt werden könnten. In diesem Falle 
haben wir es mit einer geschlossenen Pentade zu thun, deren Namen wir kennen, 
— und gerade in diesen Gruppen scheinen die Bodhisatvas am wenigsten durch 
genauere Attribute cliarakterisiert zu sein; immerhin trägt er in der Linken sein 
altes Attribut, das Kännchen. 

Charakteristisch, wenigstens für lamaistische Bilder, ist die Abbildung 101, 
obwohl sie zwei Dinge zeigt, welche andere Benennungen zulassen könnten. Wir 
sehen Maitreya stehend, das Oberklcid schärpenartig um die Hüfte geschlungen, 
die Hände in Dharmacakramudrä mit einer Lotusblume, mit langem Haar, welches 
auf dem Scheitel aufgebauscht ist und davor als Abzeichen einen Stüpa. 
Dieser Stüpa weist auf seine Legende hin. ^'^ 

Der alte Kä(;yapa, einer der Hauptschüler Gautamas, nach anderer Fassung 
der Buddha Kägyapa, Gautamas Vorgänger, liegt unverwest im Berge Kukkutapäda 
(oder Gurupäda) bei Gayä. Wenn Maitreya, der künftige Buddha, sein Haus 
verlassen haben wird, wird er zu dem Berge gehen, ilm auf wunderbare Weise 
öffiien und von Kägyapa das Kleid Buddhas empfangen; wunderbares Feuer wird 




Abb. 101. Der Bodhisatva 3Iaiticya. 

Tibetisch B3rain(R)-pa; mnngoli8ch Maidari. 

Der Stüpa vor dem auf dem Kopfe auf- 

gebauBchten Haare iKt auf der Abbildung 

leider etwas undcutlicb. 



— 125 — 

dann den unvei'westen Leib des Kägyapa verzeliren, sodass ^Yeder Knochen noch 
Asche übrig bleiben wird. An dem Orte, wo dies nach Hiouen-Tlisang schon ge- 
schehen sein soll, steht auf der Hiihe des Berges ein Stüpa. 




Abb. 102. Drei Bodhisatvas. 

IMe Figuren rechtR und links »ind zweifollos Manjugrl (Lutusblurae mit Schwort) und Vajrap&ni (Lotus- 
blumo mit Donnerkeil); die mittlero könnto eher Padmapftni als Maitreya darHtcllon. Die ÖriKinalbrzoich- 
nüsg aber ist 'Jam gon(flicl), was offenbar Byam(a)mgon hoissen soll: denn dieselbe Hand hat in ruspischen 
Lettern Maidari (mongolisch Maitreya) boigeset/t. Auf dom Buden NAgas in Watinjier, aus denen die Lotun- 
blumen, auf denen die Bodhipatvas .stehen, herauf>spries.scu. 

Aus der Sammlung des Fürsten Uchtomskij. (Dunkle Bnmze.) 



Es ist m()glich, dass der Stupa in Maitreyas Haar sidi auf diese Legende 
bezieht, auf deren vorderasiatische und iranische Zusannnenhänge Spiegel und 
Schiefner besonders aufmeiksam gemacht haben. 

Dabei ist zu erwähnen, dass in Gandhära die Bodhisatva-Darstellungen über 
ihrem reichen Stirnschniuck häufig ein a\\\Yev\\lv>V,\i\\^\\\Vvi^^ ^\v^A \ä\n^\s.^ -^^^^öÄS 



— 126 — 

als die Figm* eines Stüpa erklärt- worden sein mag. Andere Bodhisatvas ausser 
Maitreya habe ich sicher beglaubigt noch nicht mit dem Stupa im Haare gesehen, 
aber es ist vielleicht der Erwähnung wert, dass im japanischen Buddhismus 
dadurch der Bodhisatva Mahästhänapräpta bezeichnet wird. 

Ein Attribut aber zeigt noch eine Gemeinsamkeit mit Padmapäni: es ist die 
Gazellenhaut, welche von der linken Schulter herabhängt. Ich madie darauf be- 
sonders aufmerksam, da, wenn die andern Attribute (Schärpe, Stüpa) und 




Abb. 103. Der Bodhisatva Padmapiiiü (Avalokite^vara). 

Bezeichnet durch die Attribute des FlÄBchchons (rechte Hand) und der Lotusblume (linke Hand), Oazellen- 

fell über der linken Schulter und durch die kleine Figur des Buddha AmitAbha im Haare. Von dem Lamfti 

der diese Figur übcrEielien Iiaben mochte, seltsamerweise als Tkrk (tibetisch sGrol-ma) bezeichnet 

Aus der Sammlung des FUrsten Uchtomskij. 



schliesslich die authentische Bezeichnung fehlen würden, das Gazellenfell allein den 
Bodhisatva als Padmapäni bezeichnen würde. 

Die gegebenen Notizen zeigen zur Genüge, wie vieldeutig manche Attribute sind 
und wie schwer manche Figuren mit absoluter Sicherheit benannt werden können. 

Auf Gemälden ist Maitreya gewöhidicli weiss, das lange Shawltuch oder auch 
der obere, durch eine Borte abgegrenzte Teil des Lendentuchs grün, das Lenden- 
tuch selbst aber dunkelrot. Doch liabe ich auch ^Laitreya-Bilder von goldener Haut- 
farbe gesehen; diese Eigentümlichkeit hat er ebenfalls mit Padmapäni gemein. 

Bloss durch das Gazellenfell bezeichnet ist Maitreya auf der in Abb. 102 
'^"vgestellten Gruppe. Ohne die in der Mongolei gegebene Bezeichnung, die mir 



~ 127 — 

fast zweifelhaft scheint, würde man die Figur als Padmapäni bezeiclinen, was um 
so näher läge, als die Begleitung, in der er erscheint: die Bodhisatvas Manjugrl 
(rechts) und Vajrapäni (links) mit Padmapäni eine beliebte Trias bilden; doch ist 
dann, glaube ich, Manjugri die Mittelfigur. 

Am besten gehen wir nunmehr zu demjenigen Bodhisatva über, der, wie 
wir gesehen haben, am leichtesten mit Maitreya verwechselt werden kann: es ist 
dies der Dhyänibodhisatva des Qäkyamunibuddha (Gautama), der spirituelle Sohn 




Abb. KU. Siinhauäda. 

Tibetisch Scn-go H^ra. 

Eine Form des Budhisatva Padmap&ni. 

Aus der Sainmluiig de« Fürsten Uclitomskij. 



des Dhyänibodhisatva Amitäbha Padmapäni oder Avalokitegvara, Äryävalokite- 
5vara (tibetisch P'yag-na padnia [selten] oder 'P'ags-pa sPyan-ras-gzigs [-dban- 
p'yug], mongolisch Khongsim bodhisato oder Nidübar tidzäktsi) oder (aus Äryä- 
valokitegvara verderbt) Ariabalo. Er ist, wie oben erwähnt, der Spiritus rector 
der lamaistischen Ivirche, welcher sich im Dalai Lama verkörpeit. ^^ 

Einige Attribute, welche ihn bezeichnen, haben wir bereits erwähnt. Davon 
sind Lotusblume, ein Wassergefäss imd, wie es scheint, das Gazellenfell auch als 
Attribute Maitreyas zu beanspruchen, während die Darstellung einer Buddhafigur 
(Amitäbha) über dem Scheitel nur Padmapäni f Avalokite^vara) angehört. Der Name 
Avalokitegvara wird von den Tibetevu um\ ^lo\\«ciVvi\\ ^vi vSvn^x'^.^^ViX.^ ^^ss. \^x ^v^äv 



— 128 — 

sich schwer mit dem indischen Worte vereinigen lässt: «der mit den x\ugen sehende»; 
das Sanskritwort kami aber, wenn seine Form korrekt ist, nur übersetzt werden 
«der Herr, welcher angesehen wird oder wurde», und man könnte auf den Ge- 
danken kommen, dass der über seinem Scheitel sitzende kleine Amitabha etwas mit 
der Bezeichnung, deren eigentlicher Sinn später nicht mehr verstanden worden 
wäre, zu thun haben könnte. 

Mag dies sich so oder so verhalten , jedenfalls ist die kleine Buddhafigur 
für ihn entscheidend, besonders was die ziemlich seltene zweihändige Form des 
Bodhisatva betrifft (Abb. 103). Ein weiteres Attribut, welches er häufig in der 
Rechten hält, während die Linke die Lotusblume (padma) oder das Fläschchen 
(kaläga) hält, ist der Rosenkranz (mala, tibetisch p'reii-ba). Besonders die vier- 
händige Form: sitzend, zwei Hände vor der Brust gefaltet, hält in der zweiten 
ausgestreckten Rechten den Rosenkranz, in der zweiten Linken die Lotusblume. 
Diese Fonn inkarniert sich im Dalai Lama und heisst deshalb im Tibetischen 
rGyal-ba rGya-mts'o, was der Titel dieses Grosslama ist. Bevor wir aber auf die 
zahlreichen vielhändigen Formen — von denen wir jedoch nur einige ausführlicher 
besprechen wollen — eingehen, müssen wir noch eine interessante zweihändige 
erwähnen. 

Zu den ältesten ehrenden Beinamen Gautama Buddhas, welcher schon in den 
Päli-Texten vorkommt, gehört der Xame Sihanäda (Sanskrit Simhanäda), «der mit 
der Löwenstimme» : ein Name, der zu den buddhistischen Elementen gehört, welche 
die im europäischen Mittelalter so viel bearbeitete und dargestellte christUch-ethisch 
gedeutete Naturgeschichte «Physiologus» enthält. Es wird darin vom Löwen er- 
zählt, dass er seine leblosen Jungen, nachdem sie geboren sind, durch sein Gebrüll 
zum Leben rufe, und der Vergleich auf den Erlöser angewendet, der drei Tage 
im Grabe ruhte, bis ihn der Ruf seines himmlischen Vaters wieder zum Leben 
erweckte. ®* 

Wenn ich das Weiterleben dieses Symbols in der abendländischen Legende 
und der kircliHchen Kunst des Mittelalters hier erwähne, so geschieht dies nur, um 
an das Weitumfassende dieser altbuddhistischen Elemente zu erinnern und uns diese 
noch so fremde Formenwelt näher zu bringen, wenn wir gewahr werden, dass sie 
schon von unsern Vorfahren, wenn auch unbewusst, beachtet, umgedeutet und dar- 
gestellt wurde, keineswegs aber in der Absicht, die ims hier begegnenden Formen 
etwa damit unmittelbar in Zusammenhang zu bringen. Beide, die lamaistische wie 
die des Physiologus, gehen vielmehr auf die altbuddhistische als gemeinsame 
Quelle zurück. Wir sehen die Bezeichnung Sinihanäda im nördUchen Buddhismus 
als Beiname des Dhyänibuddha Amitabha, des spirituellen Vaters des Padmapäni, 
wir bemerken ihn als Namen eines Buddha in der Liste der «tausend Buddlias» 
dieser Weltperiode, wir erfahren ferner, dass er zwei der interessantesten Neben- 
formen des Bodhisatva Padmapäni sowie des Bodhisatva Manjugri bezeichnet. 

Die Form Padmapänis als Siinhanada (tibetisch Seh-ge sgra) zeigt den Bo- 
dhisatva quer über einem kauernden Löwen sitzend: eine Form, welche ihre Vor- 
stufe schon in den Gandhära-Skulpturen liat; denn wir begegnen dort einer musi- 
zierenden Göttin, welche in der gleichen Form dargestellt wird (Abb. 17). Das 
Sädhanamälätantra, welches in conciser Form eine Sammlung von Tantras auf die 




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— 130 — 

Bodhisatvas und Täräs und andere Götter enthält, giebt auch mehrere Sädhanas 
(«Mittel, eine Gottheit zu citieren, Bannungen») des Simhanäda und fährt in einem 
derselben, nachdem es die Einleitung gegeben hat, wie sich der Bannende das 
Nahen des Bodhisatva zu suggerieren habe, fort: er habe sich vorzustellen, dass 
er sähe «einen weissen Löwen; dann denke er sich selbst in der Gestalt des 
SiinhanädalokeQvara, entstanden aus einem Zeichen hrlli, welches in einem (auf dem 




Abb. 106. Ainoghapä(ja. 

Eine Form des Avalokitei^vara (FadmapAni). 

Die Nebenfiguren sind unsicher, vielleicht Tär& und Bhrikutl; das Buch ist die Praju&paramitA. Die 
Hauptfigur, eine Variante von Abb. 105, ist genau identisch mit dem von James Bürgess abgebildeten 
Amughap&Qa Loke^vara in Archa^logical Survey of Western India No. 9 (1879), App. A, S. 106, Tafel XXV, 16. 

Aus der Sammlung des Fürsten Uchtomskij. 



Löwen befindlichen) Monde (— Lotusfruchtboden) zu denken ist, und zwar weiss, 
die Amitäbha-Büsserlocke und Krone tragend, (heiäugig, zweiarmig, den Anzug 
eines Asketen tragend (d. h. ein Tigerfell um die Lenden) in der gefälligen Pose 
eines Grosskönigs, ein Schwert auf der Lotusbliune, welche aus der linken Hand 
hochsteht, in der liecliten einen weissen Dreizack, umringelt von einer weissen 
Schlange, in der Linken eine weisse Schädelscliale, welche mit verschiedenen wohl- 
riechenden Blumen angefüllt ist und welche die fünf Tathägatas (Buddhas) aus- 
sprüht, so denke er sich den mit grosser Zauberkraft Gebildeten.»®^ 



— 131 — 



Diese Beschreibung stimmt im wesentlichen mit imserer Bronze (Abb. 104) über- 
ein, nur ist das Schwert hinter der Schädelschale auf einem besondern Lotuszweig zu 




Abb. 107. Die Göttin Vijayä. 

Tibetisch rNam-rgyal-ma. 

Hit Tollerm Namen: U8hnl8bavijay& (tibetisch gTsag-tor-raam-par-rgyal-ma). Statt des AmitAbha in der 
e|nen rechten Hand hält 'sie manclunal ein goldenes Täfelchon mit der Db&rant-Silbc Hrlh. Beschreibung 

in Kapitel 4 (über die Göttinnen). 

Ans der Sammlung des Fürsten Uchtomskij. (Alte Bronze.) 



denken. Ein spezielles Merkmal, welches diese Form des Bodhisatva — nach 
anderen Sädhanas und anderen mir bekannten Abbildungen — zugehört, ist ein 
weisser Halbmond links am hochgebundenen Haax V^^w^Yx\\. *^"ö.\k^ n^^^^^X^'^kss.x^. 



— 132 — 

Das Simhanädasädhana soll besonders wirksam gegen die Lepra sein — denn 
SiiTihanäda führt den Beinamen sarva vjädhihari, «alle Krankheiten nehmend» — 
und eine der ersten Kuren, welche die mit den Mongolen bekannt gewordenen 
Lamas machten, soll die Heilung eines Königs vom Aussatz durch die Kraft des 
Simhanädasädhana gewesen sein. **^ Es scheint, dass auch bei dem ersten Erfolge 
des Lamaismus in der Mongolei die Heilung der Krankheiten eine Rolle spielte, 
wie sie heute noch die Basis der lamaistischen Propaganda z. B. den heidnischen 
Buräten und Tungusen gegenüber sein soll. 

Die Attribute dieser Foim Padmapänis sind deutlich ^ivaitisch, und James 
Burgess, welcher, wenn ich nicht irre, zuerst den Gedanken ausgesprochen hat, dass 




\Y^-^ nqr^ ^J '^t:r^ a^^j 



Abb. 108. Siinhanäda-Manjü^ri. 

Tibetisch 'Jam-dpal sgra sen (srina-bai sen-ge). 



AvalokiteQvara eine Umdeutung der Formen (^ivas sei, hat füi* diese Form zweifellos 
recht. Eine ausführliche Darstellung dessen, was der Qivaismus mit dem Lamaismus 
gemeinsam hat, wie diese beiden Phasen der indischen Religionen mit und neben 
einander gross geworden sind, wäre eine wichtige, aber jetzt noch nicht lösbare 
Aufgabe. 

Eine andere Form Avalokitegvaras, ebenfalls mit zum Teil givaitischen Attri- 
buten, ist Amoghapäga (Abb. 105 und 106). Die erste Abbildung zeigt ihn mit 
dem Tigerfell um den Leib, aclitarmig mit Rosenkranz (akshamälä) und Fang- 
schlinge (pä^a) in zwei rechten Händen und mit Dreizack, Gefäss, Lotusblumen 
und Buch in den linken Händen. Er ist von vier Begleitern umgeben (panc&t- 
maka), rechts Tärä, Sudhanakumära, Unks Hayagriva und die vierhändige Bhri- 
kutl. Leichte Varianten zeigt die unter Abb. 106 gegebene Bronze ; leider bin ich 
nicht in der Lage, die Nebenfiguren mit absoluter Sicherheit zu bestimmen. 



— 133 — 

Waddell führt in seinem schon citierten Aufsatze eine Reihe tantrischer 
Formen des Avalokitegvara auf, welche meist ganz den Typus der Yi-dam-Figuren 
haben und deren Abbildungen in den «fünfhundert Göttern von Nar-t'an» vor- 
kommen; darunter sind vielköpfige rote und blaue Formen des Bodhisatva. Zwei 
will ich noch besonders erwähnen, den einen seines Namens Padma gar-dban 
wegen, denn dieses gar-dban, «Herr des Tanzes», entspricht genau dem Nätega, 
einem wohlbekannten Namen des Qiva, und als andern den Halähala, welcher eben- 
falls unter den Formen Qivas eine Rolle spielt.®^ 

Die häufigste Form des Bodhisatva ist die auf Abb. 51 gegebene «elfköpfige», 
tibetisch sPyan-ras-gzigs bcu-gcig zal dPal-moi lugs, in der Form der dPal-mo**: 




Abb. 109. 'Jam-dpal ye-Ses soms-dpn. 

Eine Form den Manju^rl JnAnasatva. 



Avalokitegvara ekadagamukha. Eine ausführiiche Beschreibung ist schon oben 
gegeben, ich habe hier nur nachzutragen, dass er neben der weissen I^eibesfarbe 
auch ganz goldfarbig vorkommt. 

Die Legende, worauf sich die Darstellung bezieht, ist schon lange bekannt. 
Dem Bodhisatva, welcher sich für das Erlösungswerk aller Wesen unendlich bemüht 
hat und das Werk vollendet glaubt, zerspringt vor Schmerz sein Haupt, als er 
nach einer Weile die Höllen wieder gefüllt sieht. Sein spiritueller Vater Amitäbha, 
der Dhyänibuddha, bildet aus den Stücken zehn Häupter, darüber eines in der 
furchtbaren Form, in welcher er von nun ab einschreitet, und darüber als elftes 
sein eigenes.^® 

Interessante alte japanische I'onnen, denen sich lamaistische unmittelbar 
an die Seite stellen lassen, findet der Leser in den Abb. 21 und 22. Besonders 
beachtenswert ist die trauernde Form des groÄ^ew YaWwsäx^ ^^ö^k^xns^^^ ^^ 



— 134 — 

dieser Typus schon in Gandhära vorkommt, ohne dass wir indes mit Sicher- 
heit behaupten könnten, dass dieser Typus auch da schon den AvalokiteQvara 
vorstellt. 

Der neben Avalokitegvara am meisten verehrte Bodhisatva, dessen Ver- 
ehrung wohl so alt ist wie die des Avalokitegvara und die in die ersten Zeiten der 
Mahäyäna- Schule hinaufzureichen scheint, ist der Bodhisatva Maüjugri (tibetisch 
'Jam-dpal; mongolisch [transscribieit!] Mandzusri, aber volkstümlich als Mandsu- 
siri ausgesprochen).*^ Nach seiner Legende sollen schon zwei indische Lehrer, 
die von Kaiser Mih-ti über das gedeihliche Fortschreiten des Buddhismus in China 
um Rat gefragt wui'den, den Kaiser auf Manjugrls Thätigkeit auf dem Berge «mit 
fünf Gipfeln» in der Provinz Shan-si (Nordchina) hingewiesen haben. Es scheint 
also fast, als ob dieser Bodliisatva eine wirkliche historische Persönlichkeit 
gewesen sei. 

Von seinen Inkarnationen snid zu nennen: der von König Sron-btsan-sgam-po 
nach Indien geschickte, oben erwähnte T'on-mi Sambhota, der König K'ri-sron- 
bde-tsan, der ol)en erwähnte Beschützer Padniasambhavas, der chinesische 
Kaiser und mehrere andere Wiedergeburten in hochstehenden Lamas. 

Alle diese Personen erhalten in der Ikonographie der Kirche MaftjuQils 
Attribute: zwei Lotusblumen, auf deren einer (rechts) das Schwert (tibetisch ses- 
rab-ral-gri) aufrecht steht, während auf der andern das Buch Prajnäparamitä liegt. 
Diese Attribute, welche den Bodhisatva immer klar und deutlich bestimmen — 
nur mit einer seltenen Bodhisatva -Figur (Khagarbha) ist, wie wir sehen werden, 
wenigstens in der indischen, altern Form, und wenn er Nebenfigur ist, eine Ver- 
wechslung möglich — werden in den verschiedenen Formen des Bodhisatva ver- 
schieden arrangiert: einzelne Abl)ildungen des Bodhisatva, der mit Avalokitegvara 
und dem (gütigen: ^antii) Vajrapani eine beliebte Trias bildet, sind uns schon 
begegnet (Abb. 49, 88j. 

Im Folgenden gebe ich die auszugsweise Übersetzung eines auf Manjugri 
bezüglichen Kapitels des öfters schon citierten Buches Pad-ma-t'an-yig, welches 
interessant ist erstens, weil es den Stil, wie Emanationen von Bodliisatvas in den 
Texten wiedergegeben werden, gut schildert, und dann, weil es zeigt, in welcher 
Form von den einzelnen Sekten eine Legende übernommen und eingegliedert wird. 
Denn die Einschiebung des Hauptes der U-rgyan-pa- Sekte in die Erzählung hat 
mit der Legende, welche besonders bei den Mongolen den Charakter einer kosmo- 
gonischen angenommen hat, ursprünglich nichts zu schaffen. 

Padmasambhava begiebt sich (Fol. 102a, Zeile i) des Holzdrucks seines 
Legendenbuches in der Recension von Darjiling) «vor das Antlitz des Ärya Maü- 
ju?ri»>, welcher auf dem Gipfel des Berges Te-san wohnte, am Ufer des Sitasara 
genannten Flusses an der Südseite des fünfgipiiigen Berges (l{i-l)o tse-lna, übrigens 
tibetische Übersetzung des chinesischen Nu-tai-san, Sanskrit Panca^irshaparvata, 
mongolisch tabun üdzügürtü agula) im Lande China. ^^ Da dieser die Absicht 
gehabt hatte, die Provinzen des Reiches China der Religion (dharma) zu gewinnen, 
indem er Buddha nachfolgte, welcher viermal das Rad der Leln^ in China gedreht 
hatte, so war er nach China gegangen und hatte das Rad der Lehre gedreht, 
indem er den Segen des (iuten und die Strafe des Bösen darlegte. Und doch 




Abb. 110. Manju^hosba. 

Tibetisch 'Jam-dbyana. 

Eine Form dos Bodliisatva Manjugrl. Auf Gemilldou ist der Löwe weise« mit guldonor MJihno. Schweif und 

Knieiottoln; die Hautfarbe des Bodhisatva ist gelb (pltavarna), das Unterkleid rot, der tihawl grUn; der 

Lotus unter dem Löwen wei^s mit weissem Fruchtbuden. 

Aus der Sammlung des Fürsten UchtomskiJ. (Alte dunkle Bronze.) 



— 130 — 

sprach jeder im Lande in ihrer unbotmässigen Weise nur Blasphemien. Da hatte 
Buddha in seinem Sinne überlegt, wenn es unmöglich sei, die Lehre in ihrer 
vollen Wahrheit einzuführen (paramärthasatya dharma, tibetisch don-dam bden-pai 
ö'os), so wolle er sich über ein Mittel besinnen, das Volk von China durch sub- 
jektive W^ahrheitslehre (kun-rdsob bden-pai fc'os oder rtsis) zu bekehren und kehrte 
wieder nach dem Gridhraküta- Berge (tibetisch bya-rkod-p'un-poi ri, mongolisch 
übadzir tsoktsalaksan agula) nach Indien zurück. 

Es war ein fünffacher Caitya (tibetisch mC'od-iten, mongolisch Suburgan) 
auf dem Gipfel des Berges in China, welcher der fünfgipflige heisst, prangend in 
fünffachem Farbenglanz. Dort wuchs ein Jambu-Baum aus dem Fundament. Zu 
dieser Zeit sprang aus der Stirne Bhagaväns ein goldfarbiger Strahl und ver- 
schwand in dem Jambu -Baume auf dem Gipfel des fünfgipfligen Berges, gleich- 
zeitig bildete sich an dem Baume ein grosser Auswuchs. Aus diesem Auswuchs 
entfaltete sich der Stock einer Lotusblume, und aus dem Innern dieser Blume 
wurde von selbst geboren der Fürst der Gelehrten Äryamaüjugri. Seine Körper- 
farbe war wie gelber Hanf; er hatte ein Gesicht und zwei Hände; mit der rechten 
Hand schwang er das Schwert des Wissens, mit der linken hielt er ein Buch auf 
der Utpala- Blume; er war ausgestattet mit den gi'ossen und kleinen Schönheits- 
zeichen (lakshana, tibetisch mts'an, und anuvyanjana, tibetisch dpe-byad); mit allem 
Schmuck war er geschmückt mid verbreitete gewaltigen Glanz; er trat in die 
Erscheinung ohne Muttei', welche ihn geboren, ohne Vater, der ihn gezeugt hätte, 
um dem Makel des Mutterschoosses nicht imterworfen zu sein und dadurch nicht 
den Sünden des Kreislaufes. Aus seiner Stirn entstand eine mit den fünf Regen- 
bogenfarben umgebene goldene Schildkröte auf einem Idauen Blatte; sie ging nach 
der Tiefe des Sees Sitasara. Dort erliob sich ein weisser Sprudel, aus dem Sprudel 
entstand ein weisses Schildkrötenpaar. Aus der Vereinigung dieser beiden ward 
eine mit den fünf Eigenscliaften geschmückte Schildkröte geboren. Zu dieser Zeit 
ging aus dem Kihper des Heiligen ein weisser Strahl hervor ins Land der Götter 
und berühite die Göttin Vijaya (rNani-rgyal-ma) (Abb. 107). Sie eilte hin zu 
Ärya Manju(;ri und, nachdem sie ihre Bitte vorgebracht hatte, nahm Arya Man- 
jugri die Schildkröte in seine flache Hand und sprach sieben Tantras aus als Basis 
(müla) der Schildkröte, welche begannen mit den Worten: «Dies ist die grosse 
goldene Schildkröte» u. s. w. Also sprach er aus 21 000 Kalkulationen des Lebens, 
2irX)0 des Todes, 21000 für Heiraten, 21000 für Geomantik, also 84000 ccThore» 
der Berechnung. 

Zu dieser Zeit begannen alle Lebewesen die Anfänge der Mantik zu studieren. 
Als aber die von Buddha gegebene tiefe Lehre sich «zum Al)end neigte», über- 
legte Manjugri: «Da diese Geschöpfe alle, obwohl sie gläubig sind, nicht mehr die 
I^rklärung von Buddhas tiefer Lehre hören wollen, aber Lust haben, die von mir 
erkläiten sul)jektiven Berechnungen zu hören und gläubig zu wünschen scheinen, 
so ist es jetzt Zeit, diese Berechnungen nicht zu verbergen und die wahre Lehre 
nicht zu verbreiten.» 

Also legte er alle 84000 wissenschaftlichen Berechnungen in ein Schatzhaus 
östlich vom fünfgipfligen Berge nieder, nachdem er sie in eine aus Kupfer gemachte 
Klappbüchse (tibetisch ga'u, l)isweilen Sanskrit karanda) eingeschlossen hatte. 



— 137 — 

Daraus entstand aber für alle Lebewesen alle Art von Unsegen. Das Leben 
wurde kurz; Krankheiten mehrten sich, Verarmung trat ein, das Vieh verkam auf 
der Weide, die Jahresemte verdarb auf dem Felde, ansteckende Krankheiten und 
anderes Unheil griff um sich. Da sah der Bodhisatva Avalokite(jvara alles von 
der Spitze des «weissschimmernden Berges» aus, wo er wohnte, darum ging er 
zu dem Guru von Udyana Padmasambliava und sprach also: «Ich selbst habe 
dreimal den Kreislauf (Sanskrit samsara, tibetisch 'k'or-ba, mongolisch oitsilang) 
zerstört und als ich nur ein Weilchen mich besann und von Ri-bo-ta-la (Po-ta-la) 
aus naehsah und alles wieder war wie zuvor, da ergossen sich Thriinen aus meinen 




Abb. 111. 'Jam-dpal na^-po, der schwarze (dunkelblaue) Mafijn(jri. 

Die Lotusblumc in der linken Hand ist schleifenartig zusammengedreht. 
Aus der Sammlung des Fürsten Ucbtomskij. 



Augen; die verspritzte ich mit dem Finger, und als ich zum Heil der Wesen (satva, 
tibetisch 'gro-ba) ein Gelübde aussprach, so verwandelten sie sich in zwei Töchter 
in magischer Form im Lande der Götter. Sie hiossen Gan-c*un (so im Text, 
,die kleine Gaiigä'; gemeint ist wohl Gafiga und Yamunä); diese erwuchsen zu 
,einer Fülle von Segen', zu diesen dreien als viertes und edelstes Kind kommst du. 
Bringe du den in Unsegen geratenen Mensclien die ins Schatzhaus versteckten 
Schätze wieder und lehre sie, indem du die Gestalt Brahmas annimmst. Lehre 
dieses Wissen der Menschheit um der Hölle willen.» Also sprach er imd kehrte 
nach lli-bo-ta-la zurück. Darauf verwandelte sich Padmasambhava in den Götter- 
sohn Brahma mit vier Köpfen, ging hin zu Manjugri und sprach: «0 Manju(;ri, 
obgleich diese magischen Foimeln nicht Aie Wahrheit des Paramärthadharma 
besitzen, so ist doch die Wahrheit des G,\\\>)e^^^^'^^ Wissens den lebenden Wesen 



— 138 — 

von Nutzen; sprich das Wort aus, dass die aufgespeicherten Schätze herausgegeben 
werden.» Nachdem er so gebeten hatte, versprach es ManjuQri. Da versammelten 
sich die Götter: die G(')ttin Vijayä, der Schlangenkönig (Nägaräja, tibetisch kLui 
rgyal-po) und Takshaka (tibetisch 'Jog-po) in sieben magischen Verwandlungen. 
Darauf gab Ärya Manjugri alle Magie hin und veröffentUchte sie; sie errichteten 
ein indigoblaues Zelt, bereiteten einen Sitz und machten die 84000 Anfänge der 
Berechnungen zugänglich. — 

Im Original folgen mm einige Blätter mit Büchertiteln, auf deren Wieder- 
gabe ich hier aus leicht begreiflichen Gründen verzichte. Jeder der Götter giebt 
einen Teil dieser Litteratur zum besten.**^ 

Vor allem ist in der Erzählung, welche in ziemlich plumper Form den Pad- 
masambhava (Abb. 34 und 35) einführt, beachtenswert, dass dieser in der Fonn 
des vierhäuptigen Brahma es thun muss. Wir erhalten damit eine Bestätigung der 
zuerst von James Burgess ausgesprochenen Hypothese, dass wir in Manjugri eine 
Ausgleichung mit dem Hindu -Gott Brahma zu sehen haben. Er ist ja auch der 
Igvara oder Vira der Göttin Sarasvati (tibetisch Nag-gi Iha-mo), welche im Hinduis- 
mus die Gattin Bralmiäs ist. 

Am häufigsten begegnen wir Manju^ri auf Kalendern und magischen Tafeln 
in der beschriebenen zweihändigen Form und den angegebenen Farben mit 
erhobenem Schwerte sitzend, während rechts von ihm Padmapäni sitzt, ebenfalls 
nur mit zwei Händen, die Lotusblume in der Rechten, weiss mit dunkelrotem 
Lendenkleide, und links von ihm der gütige Vajrapäni, mit dem Donnerkeil in der 
Rechten, dunkelblau mit orangegelbem Kleide. Der erste Tag des Jahres ist 
Manjugri geweiht. 

Auf dem « fünfgipfligen Berge» (Sanskrit Panca^irshaparvata, tibetisch Ri-bo- 
rtse-lna) kommt Manjugri in fünf Farben vor, indem er auf jedem Gipfel einen 
Tempel hat, welcher ihn den zahlreichen Pilgern, die besonders aus der Mongolei 
dorthin kommen, in einer andern Farbe, weiss, gelb, rot, blau und grün, darstellt. 
Auf jedem Berge soll eine Blume wachsen, welche die Farbe des Bodhisatva im 
Tempel desselben hat, und diese Blumen, welche grosse Heilkräfte besitzen sollen, 
werden von den Pilgern mitgenommen. Welche Blumen diese sind, kann ich 
leider nicht angeben, doch ist es wohl damit in Zusammenhang zu bringen, 
dass im Lepcha das Gänseblümchen jam-byon rfp heisst, wobei jam-byön das 
entlehnte 'Jam-dbyahs, Sanskrit Manjughosha (eine bestimmte Form des Mafi- 
jugri) darstellt. 

Einige andere oft vorkommende Formen Manjugris sind die folgenden: 

'Jam-dpal sgra seh, Siuihanäda-Manjugri (Abb. 108). Diese Form ist mit 
der gewöhnUchen Darstellung identisch, nur sitzt er wie seine Qakti Sarasvatt 
quer über einem kaueniden Löwen. Er hat die Bezeichnung «der Löwenstimmige >> 
mit Avalokitegvara gemeinsam, oft'enbar zur Unterscheidung von diesem wird das 
Epitheton aber sprachlich anders zum Ausdruck gebracht. Die Farben sind die- 
selben wie oben angegeben. 

Eine andere vierhändige Form zeigt die Abb. 109. Von neuen Attributen 
hat er in der zweiten Linken einen Bogen, in der zweiten Rechten einen Pfeil. 
Die Farben sind dieselben. 



— 139 — 

Eine weisse Form des Bodhisatva — in dieser Form heisst er gewöhnlich 
Manjughosha, tibetisch 'Jam-dbyaiis — zeigt die Abb. 49. In dieser Form hält 
auch die Rechte eine Lotusbhime und das Scthwert steht aufrecht darauf. Wieder 
eine andere Form des Bodhisatva ist unter Abb. 110 gegeben: auf diesem Bilde 




Abb. 112. Yamäntaktt, Yainäri, ^,rivajrabhairava, eine Manifestation des Bodhisatva Mafijm^ri, 

Vgl. Abb. 8.3, 115, 14<). 
Aus der Sammlung de.s Fürsten Uchtomskij. 



sitzt Mafijughosha quer auf einem Löwen, neben ihm (rechts) ein betender Mönch, 
links vielleicht Padmasambhava. 

Die dunkelblaue oder schwarze Fovni des Maüju^ri ist, wenn sie nicht bemalt 
ist, immer durch das auf der Stirne b^^tiAUche dritte Auge gekennzeichnet. Es 
giebt eine Form, welche mit der vot\ .i^t\s ^^^^^ beschriebenen zweiarmigen im 



— 140 — 

Übrigen völlig übereinstimmt und eine kniende, welche Abb. 111 zeigt. In der 
Krone erscheint bisweilen — wie bei Padmapäni Amitabha — Akshobhya. 

Eine beliebte, in den Tantras oft citierte Form ist der Dhanuadhatu vägl- 
Qvara (tibetisch C'os-dbyins-gsuns-dban), in welcher Manifestation er Abb. 109 gleicht 
nur hat er drei Gesichter und als Attribute in acht Annen das erhobene Schwert, 
Pfeil und Donnerkeil (rechts) und Buch (pra jnäparamita) , Bogen und Glocke 
(links); zwei Hände bilden vor der Brust eine" Mudrä, welche von der Dliarma- 
cakramudrä insofern verschieden ist, als auch die linke Hand mit der Fläche nach 
aussen gedreht ist. ®^ 

Die Tantra-Foim Mafijuvajra (tibetisch 'Jam-pai rdo-rje haben wir schon oben 
erwähnt, desgleichen, dass die komplizierteste Schreckensgestalt des Lamaismus, der 





Abb. 113. 
Bodhisatva Kha^arbha oder Akäi^a^arbha. 

Tibetiüch Nam-mk^ai snyiii-po; mongolisch 
Oktar^i-in d/.irükftn. 



Abb. 114. 
Bodhisatva Samantabhadra. 

Tibetisch Kun-tu bzaii-pOf mongolisch 
Khamufta sain. 



Yi-dam Vajrabhairava, ^rivajral)hairava oder wie er sonst heisst, nur eine Manifesta- 
tion dieses Bodhisatva ist (Abb. h:^ und 112). 

Und doch ist wahrscheinlich die älteste Form auch dieses Bodhisatva nur die 
eines kihiiglich geschmückten Jünglings, welcher mit der Linken eine Lotusblume 
allein ^^ oder eine Lotusblume mit Buch darauf hält — in dieser Form kommt er 
grün vor; so mag er unter den Gandhära-Skulpturen vertreten sein, doch ist er 
noch nicht na (abgewiesen. So deutlich ausgeprägt sein Typus im Lamaismus ist, so 
schwierig ist er in Monumenten der altern buddhistischen Kunst Indiens (z. B. 'Kn 
Thal, Elurä) mit absoluter Sicherheit nachzuweisen. Wann er das Schwert (kri- 
päna, tibetisch ral-gri) als Attribut erhalten hat, entzieht sich vorerst unserer 
Kenntnis. Es scheint dieses Attribut mit der Einführung des Buddhismus in Nep&l 
zusanunenzuhängen. Dort gilt er als Begründer der Kultur, und es wird besonders 
berichtet, dass er das Thal entwässert habe. 

Die Darstellung des Bodhisatva Vajrapäni (tibetisch P\vag-na rdo-rje, P'yag- 
rdor, und [selten] Lag-na rdo-rje), «der Donnerkeilträger», kommt allein, soviel 



— 141 — 

mir bekannt ist, nicht vor. Er ist häufig mit Padmapäni und Maüju^ri oder 
mit Amitabha und Padmapäni zu einer Trias vereinigt. Sein Attribut ist der 
Donnerkeil; obwohl er in dieser Foim «gütig» (cjänta, tibetisch zi-ba, mongolisch 
amurlinggui) ist, ist seine Farbe stets dunkelblau; von seinem Gewände wird das 
Oberkleid orange, das Unterkleid kirschrot oder dunkelrot gemalt. Sehr häufig ist 
er in seiner zornigen Foim, in welcher wir ihm später begegnen werden. Wie 
oben erwähnt (Abb. 10), wo ein bärtiger (böser) und ein unbärtiger (gütiger) Gott 
einander gegenüberstehen, scheint er der erste gewesen zu sein, in welchem 
sich die Gegensätze zwischen der guten und bösen Form entwickelten. Dass 
er die Basis zum Ädibuddha bildet, ist ebenfalls bereits erwähnt worden; vgl. 
unter Yi-dam. 

Die übrigen Bodhisatvas sind ungemein schwer zu bestimmen, da die Attri- 
bute stets schwanken. Ich erwähne hier nur die häufigsten: 

Äkägagarbha oder Khagarbha (tibetisch Nam-mk'ai suyin-po) (Abb. 113). 
Die Abbildung in den ((Fünfhundert Göttern von Nar-t'an» (1) zeigt ihn wie die 
Figur mit Lotusblume rechts, worauf ein Schwert aufgerichtet steht (vgl. das 
unter Manjugrl Gesagte), das «Pantheon des Tschangtscha Hutuktu» (2) mit aus- 
gestreckter Rechten, darin eine Blume mit einer Sonne darüber. 

Samantabhadra (tibetisch Kun-tu bzan-po), der Dhyänibodhisatva des ersten 
Buddha unserer Weltperiode, welcher bei altern Sekten die Rolle eines Urbuddha 
spielt, wird in 1 abgebildet, wie Abb. 114 zeigt, in 2 mit ausgestreckter Rechten, 
darin ein Donnerkeil, während die Linke eine Lotusblume hält. 

Sarvanivaranavishkambhi (tibetisch sGrib-pa rnam-sel) lässt nach 1 die 
Rechte mit Ambrosiagefäss sinken, während die Linke eine Lotusblume mit Sonne 
hält (nach Abb. 88 hält er rechts eine Lotusblume mit Cintämani), nach 2 hält er 
in der Rechten Lotusblume mit Sonne, die Linke leer im Schooss. 

Kshitigarbha (tibetisch Sai snyin-po), hat nach 1 in der Rechten eine grosse 
Blume (geschlossen), links Lotusblume mit Juwel darüber; nach 2 hängt die linke 
Hand leer herab, die Rechte hält eine Sonne vor der Brust. 

Diese Notizen zeigen, wie schwankend die Angaben über diese selteneren 
Bodhisatvas** sind. Oifenbar liegen Verwechslungen vor, und es ist der Verglei- 
chung alter Quellen, der Archäologie und der Untersuchung des japanischen Pan- 
theons, welches nicht durch die Tantra-Ungetüme überwuchert ist, vorbehalten, hier 
Klarheit zu schaffen, wenn sie überhaupt möglich ist. 

Zum Schluss will ich nur erwähnen, dass die Bodhisatvas schon in der alten 
Kunst — wie noch heute — besonders gern kolossal dargestellt werden. Kolossal- 
bilder Maitreyas und Avalokitecjvaras werden schon von den chinesischen Pilgern 
häufig erwähnt. 



— 142 — 



4. Die Göttinnen. Täräs und Däkinis. 



SarvAs&m eva mAy&nAm 

gtrlm&yaira vi^iehyate. 

Von allen Formen der IlluBion 

iat die Illusion Weib die bedeutendste. 

L. de la YalUe Poussin, Bouddhiime, 8. HO. 



Das weibliche Gegenstück des Buddha-Begriffes, die «Qakti par excellence» 
ist die Göttin Tara (tibetisch sGrol-ma; mongolisch Dara äkä, vulgär in XJrga 
«Dara äkhä»)®*: die « Erlöserin», wie die Tibeter den Namen, welcher eigentlich 
der «Stern» bedeutet, interpretieren. Die bekannteste und populärste Tara des 
Lamaismus ist die Q'akti des Bodhisatva Avalokitegvara, imd der Bodhimör giebt 
eine Legende, wonach sie aus den Thränen dieses Bodhisatva (vgl. die 'anders 
lautende Variante S. 137) entstanden sein soll. Waddell weist darauf hin, dass 





Abb. 115. Tri, die (.Jattin dos Vishiju. 

TamiÜBch Tirumagal. 

Bronze aus dem is. Jahrhundert (SUdindien). Hier eingeschaltet, um die Identität des Typus mit dem der 

TArä (Abb. 116) zu zeigen. 



in ihr die Hindugöttin Lakshmi weiterlebe und, was ihren künstlerischen Typus 
betrifft, so ist dies zweifellos richtig. Zur Darstellung der Tara des Avalo- 
kite^vara dient nämlich die alte indische Darstellung der Göttin ^rt oder Lakshmi, 
wie sie schon auf den Monumenten der altern indischen Kunst vorkommt, z. B. 
auf dem östlichen Thore von Sanchi u. s. w.^^, nur sind die über der Göttin 
stehenden Elefanten, welche Wasser über sie ausgiessen, weggelassen. Wir haben 
also einen altindischen Typus vor uns, welcher mutatis mutandis heute noch im 
Brahmanismus fortlebt (Abb. 115). Wenn nun auch der künstlerische Typus später 
im Visbnuismus I>esoJ)ders hervortritt, so ist doch die lamaistische Göttin Tara in 




Abb. 116. Tärä ^yämavarna, die a^rünc» Tärä. 

Tibetiach sGrol-ljau. 

«Mit allem Schmuck geschmückt, links eiue blaue Lotusblume haltend, rechts in der Mudr& Yarad4 ,Segen 

gebend' halb leimend sitzend»: in dieser Form auch Varad&t&rä genannt. Häufig hat sie iu der Krone den 

BhyAnibuddha Amoghasiddha (Amoghasiddhamukutinl). Auf Gemälden ist das Kleid meist blau mit rotem 

Kand, das Oborkleid,'wenn vorhanden, hochrot 

Aus der Sammlung des Fürsten Uehtomskij. (Alte Bronze.) 



— 144 — 

all ihren Fonnen eher Qivaitisch zu nennen, wenigstens was ihre mythologische 
Seite betriift, wenn wir von dieser Seite das Material beurteilen wollten. 

Am populärsten sind im Lamaismus die zwei Formen dieser Göttin — der 
Ausdruck Göttin passt de facto für diesen allverehrten, allen zugänglichen weib- 
lichen Bodhisatva — dadurch, dass die beiden Gattinnen des Begründers des 
Buddhismus in Tibet, des tibetischen Königs Sron-btsan-sgam-po, als Fleisch- 
werdungen der Tara gelten (Abb. 33, wo neben dem König nur die Tara, 
[tibetisch sGrol-ma, mongolisch gätälgäktäi äkä, «rettende Mutter»] dargestellt 
ist). Nach der Tradition war die aus Nepal stammende Gattin dieses Königs, die 
Tochter des Königs AmQuvarmä von Nepal, eine Inkarnation der grünen Tara, 




Abb. 117. Die weisse Tara. 

Tibetisch sGrol-ma dkar-mo oder abgekürzt: sGrul-dkar. 
Das Augo auf der Stirn ist sehr klein, die Augen auf den Händen sind nur durch Striche angedeutet. Die 
Fussflächcn sind durch das Gewand bedeckt. Auf Gemälden ist das Untergowand dunkelrot , das Ober- 

gewaud feuerrot oder hellgrün. 



während die chinesische Prinzessin Wen-chun als Fleischwerdung der weissen 
Manifestation der Göttin gilt. Die Farbe der letztern ist eine Wiedergabe der 
hellen Farbe der Cliinesin (Sitatarä, tibetiscli sGrol-dkar; mongolisch Tsagan 
Dara äkä), während die Bezeichnung der grünen Tara (tibetisch sGrol-ljan; 
mongolisch nogogan Dara äkä) eine ungenaue Übersetzung des klassischen Epithe- 
tons «^yämä» der Hautfarbe der Hindüfrau zu sein schenit. Jedenfalls gebrauchen, 
soweit ich es beurteilen kann, die Tantras, z. B. das Sädhanamälätantra, dieses 
schwer übersetzbare Beiwort «gyämä» in den Fällen, wo wir nach den lamaisti- 
schen Bildern die grüne Tara einsetzen dürfen. 

Die grüne Tara ist kenntlich durch die lebhaftere Bewegung in der sitzen- 
den Pose: das eine Bein hängt stets herab (Abb. 11(5)^^, während die weisse in 
ruhigerer Haltung sitzt, stets beide Beine hochgezogen hat und ausserdem auf den 




ii^^^«<5:^^f 



Abb. 118. Die Göttin Marici. 

Tibotiscb 'Od-zer-can-ma. 

Eine häufige Begleiterin der Varad4t4r&. Als solche ist die einköpfige Form, welche auf einem Lotus sitzt, 
die gewöhnliche. Sie hat dann nur das menschliche Gesicht, hält in dar Kechten den Donnerkeil, in der 
Linken einen Zweig des A^okabaums und ist gelb. Die abgebildete dreiköpfige Form hat auf Gemälden die 
folgenden Farben: die Hauptfigur gelb mit dunkelrotem Unterkleid, blauem kurzem Röckchen darüber, 
langem grünem Shawl und Goldschmnck. Das Gesicht rechts ist rot, der Schweinskopf links schwarzgrau 
Die Schweine, welche ihren Wagen xiehcn, sind ebenfalls 8chwarzgrau. 




IRM^^r^a^Wl 



Abb. 119. Die Göttin Ekajatit. 

Tibetisch Ral-g^ig-ma. 

Eine häufige Begleiterin der VaradAtfträ, doch erscheint sie dann sitzend, mit einem Geuicht und zwei 

Händen, von denen die Hechte da» Gri-gug genannte Messer, die Linke die Schädelschale hält. 
Hier hat sie rechts: Pfeil, Lotus mit Juwel, Fangschlinge, Schwert; links: Rad, Stock^ DtelT.a.«,V. ^^xA^^'».w^, 



GRÜltWKDKh. 



\V\ 



— 146 — 

Flächen der Hände und Füsse wie auf der Stirn Augen hat, weshalb sie auch die 
«Siebenäugige» heisst (Abb. 117). 

Beliebte Nebenfiguren der grünea Tara sind die Göttinnen A^okakäntä oder 
Marici (tibetisch 'Od-zer-can-uia) — eine häutige Form derselben zeigt Abb. 118 — 
rechts von ihr, die Göttin Mahämayuri (tibetisch rMa-bya-ö'en-mo), von gelber 
Farbe, kenntlich durch den Pfauenschweif und das Büffelfell, und die Göttin 
Ekajatä (Abb. 119), und schliesslich noch eine ihrer eigenen Nebenformen Ärya- 
jäiigulitarä (tibetisch So-sor-'bran-ma), welche ebenfalls, wie die Hauptfigur, grün 
dargestellt wird und sich von den gewöhnlichen Darstellungen der Göttin nur 
dadurch unterscheidet, dass sie in der Linken das Juwel Cintamani, in der Rechten 




lf^^C^^§V3^I 



Abb. 120. Khadiravana-Tära. 

Tibctiflch Sen-Iden-nags-egrol-nia, kulrnttckisch ättug-ldün modun-i yäkü oi-in D&ra dkl. 
Eine boliobte Form der Gottin. 



Über der Lotusblunie ein kleines Gefäss trügt. Sic hat das Stirnauge imd gleicht 
sonst ganz Abb. lli).^^ 

Eine andere häufige Fonii ist die Khadiravana-Tärä, welche imter Abb. 120 
gegeben ist; sie ist gelb und hat niei^t Marici und Ekajatä als Begleiterinnen. ^*^^ 

Von den mehr als zwanzig Formen der Tara sind die genannten die gewöhn- 
lichen und einfachem Formen. Nirgends mehr wie bei den Göttern macht sich 
das Bestrel)en geltend, als Unterarten dieser lIaui)tform andere einzuschieben und 
einzelne Beinamen der Hauptfigur wieder als besondere Giittinnen abzulösen. Es 
wird das Verständnis der einzelnen Formen dadurch erschwert, dass die Unter- 
arten, welche mit selbständigen (icHtinnen gleichbonannt sind, als Formen der 
Tärfi meist andere Attribute zeigen, als die besondeiii Gr)ttinnen haben. Am auf- 
fallendsten ist dies bei Bhrikuti, welche sich von der Bhrikuti-Tära wesentlich 



— 147 -^ 

unterscheidet. Es ist natürlich unmöglich und würde über den Zweck dieser Zeilen 
hinausgehen, alle diese Foiinen aufzuführen und durchzusprechen, schon aus 
dem einfachen Grunde, weil uns nur zu bald das erklärende Material ausgehen 
dürfte. Im Folgenden wollen wir nur einige dieser besondem Göttinnen anführen 
und, soweit dies jetzt möglich ist, gelegentliche Notizen über ihren Charakter 
mitteilen. 




Abb. 121. Moii^^olischer Khubihrau ü^r (JOttin Türa. 

Aus: FUrut XJchton>8kij, Orioiitrcise des Kaiser« von B'isHland. 



Bevor wir dazu übergehen, wollen wir nur erwähnen, dass die beiden Gat- 
tinnen des Königs Sron-btsan-sgam-po nicht die einzigen Fleischwerdungen der Tara 
sind, sondern dass sie sich aucli jetzt noch inkarniert. Die Abbildung 121 zeigt, 
einen mongolischen Khubilgan der (iöttin Dara äkä. Dass auch der Kaiser von 
Russland seit Elisabeths und Katharinas Zeiten als Inkarnation der weissen Tara 
gilt, ist darauf zurückzuführen, dass gerade im 19. Jahrhundert die dem Lauuiismus 
huldigenden Buräten mit der russischen llÄWvl^UiVV *\\\ \vSv\v^\<Ji \s^i\^\c^\>j^^ Nx'^^se^. 



— 148 — 

Göttinnen, welche der Tara nahestehen und gelegentlich als besondere Mani- 
festation von ihr gelten, sind z. B. die folgenden: 

B h r i k u t i , Bhnkuti , Bhrükuti (tibetisch K' ro - gnyer - can - ma , mongolisch 
Kilingtü äkä) ist eigentlich nur eine zornige Form der Göttin Tara. Sie erscheint 
aber häufig offenbar als eigne Gottheit in Begleitung der Tärä neben Amoghapäga 
(Avalokite?vara). 

Die geläufigste Form der Göttin zeigen die Abbildungen 105 und 122. 
Sie wird beschrieben als «gekrönt mit einem Halbmond, gelbfarbig, vierarmig, 
eine Büsserlocke (jatä) und Krone tragend, freundlich, rechts in Varadamudrä, 




II^^^'Ä^ftf^ijlf 



Abb. 122. Die Göttin Bhrikuti. 

TibetiBcIi K^ro-gnycT-ean-ma; niongolisoh Kilingttt ftkä. 

la ihren vier Hftnden liftlt nie: eine LotUHblumc (padma), einen Stock (danda), einen Rosenkranz (akshasfttra, 
niA14) und ein von der Hand fast verdeckteB Gefttis mit langem Ausguss (kamandalu: tionst einen runden 

kleinen Krug). 



einen Rosenkranz haltend, hnks einen Stock und einen Krug haltend». Da- 
neben giebt es eine dreiköpfige sechsarmige tantrische Form der Tara, welche 
Bhrikuti heisst: sie schreitet nach rechts, ist dreiäugig, mit Schädelgehängen um 
den Leib; sie tritt eine Leiche zu Boden und hält in ihren Händen (rechts) 
Schwert, Haken, Stock, links Fangsclilinge, einen abgeschlagenen viergesichtigen 
Kopf, den Brahmas, und führt mit der letzten linken Hand eine Schädelschale zum 
Munde, mit dem sie Eingeweide aus der Schale h()lt. In dieser schrecklichen Form 
ist sie dunkelblau. ^^*^ 

Der Göttin Ushnishavijayä (tibetisch gTsug-tor-rnam-par-rgyal-ma) sind 
wir bereits begegnet; vgl. die Al)b. 107, 128, 120. Leidei* ist über diese ausser- 
ordentlich populäre Göttin wenig Mythologisches bekannt. Sie gehört zu den ältesten 
Göttinnen des nördlichen Buddhismus, denn unter den Palmblättern, welche in 



— 149 — 

Japan im Horiüzi-Kloster seit 609 n. Chr. aufbewahrt werden und die die ältesten 
uns erhaltenen indischen Palmblatt -Handschriften sind, findet sich die Ushnishavi- 
jayädhärani. In Japan ist die Göttin in genau derselben Form bekannt, wie sie 
Abb. 123 und 125 zeigen. 

Ich will dem Leser eine Probe eines Sädhana, d. h. einer Bannung, geben 
und wähle dazu diese Göttin, da der Text kurz ist. 

Nach den nötigen Opfern und den sonstigen Vorbereitungen, welche die 
Suggestion herbeiführen sollen (vgl. S. 3(i), «denke sich der Bamiende die 
Heilige aus einem mondweissen BHRüM- Zeichen entstanden, weiss, mit drei 




^^^^^^^^'^■'WFl/ 



Abb. 123. Die (löttin Ushiushavijaya. 

Tibetisch gTeuff-tor-mam-par-rgyal-mu. 
Über die Farben vgl. den Text. 



Gesichtern, dreiäugig, als jugendfrischc Frau in den verschiedenen Schmuck- 
sachen: achtarmig mit einem gelben Gesicht zur Hechten , einem schwarzen zur 
Linken; die vier recliten Hände mit dem vierfachen Donnerkeil (vi(;vavajra, 
tibetisch sna-ts'ogs-rdo-rje), einem Buddha auf einer Lotusblume, einem Pfeile 
und in Varadamudrä, in den linken Händen: Bogen, Fangschlinge, und mit 
Zeigefinger die Abhayamudra bildend (der Originaltext verstellt!) und ein 
gefülltes Gefäss (haltend) und gekrönt mit der Krone des Vairocana (Dhyäni- 
buddha), der im geheimen Keim eines Caitya ruht (nicht auf den Abbildungen!); 
wenn er sie so erreicht hat, so denke er sein Element im Lotus in seinem 
Herzen: darauf sehe er die fünf Silben hCm TOÄM HRIH OM ÄH auf Scheitel, 
Stirne, Hals, Nabel und den Füssen und rufe dann die Bannformel: oni bhruiii 
svähä!»^*^- 



— 150 - 

Die üshnishavijayä genannte Form der Tärä scheint der vierhändigen (aber 
sitzenden) Bhrikuti gleich dargestellt zu werden. 

Eine der Vorigen nahestehende Göttin ist die Sitätapaträ aparäjitä, 
tibetisch gDugs-dkar-can-ma. Es giebt eine dreigesichtige Form, weiss mit einem 
blauen (rechts) und einem roten (links) Gesichte zur Seite; und eine viergesichtige 
mit einem nach rückwärts. Die Attribute sind Rad, Pfeil, Donnerkeil, Schirm 
(rechts), Haken, Schiim, Fangschlinge, Bogen links. Über ihre Legende ist 
mir nichts bekannt (Abb. 124). Auch sie gilt als eine Form der Tärä; sie 
hat nur einen Schirm links. Die dadurch freie Rechte imd, da die Fangschlinge 
fehlt, eine freie Linke bilden dharmacakramudrä, die Hand im Schooss links 




Abb. V2i, Die Göttin SitiUapatnl aparäjitä. 

Tibetisch gT)ug8-dknr-can ma. 



hält ein Gefäss (kumbha). Sie heisst die achtbändige (ashtabhuj, tibetisch p'yag- 
brgyad s(Trol-ma). 

Eine interessante Form ist die Göttin Parna(;avari (Abb. 126) (tibetisch 
Lo-ma-gyon-nia). Ilire eigentündiche Tracht (die Schürze aus Blättern) zeigt, dass 
sie als den Urbewohnern Indiens angeliia-ig gilt, wie sie ja auch in ihren 
Mantras die Namen Pukka(;i (Name eines Stammes der IJrbewohner), aber auch 
Picrici (blutsaugender Dämon) und (iandhäri (aus Gandhära stammend) führt. 
Auch wird sie direkt sarva-Cj'avaränäin bhagavati, «Göttin aller ^-avaras», genannt; 
noch heute giebt es in Indien einen so benannten Aboriginerstamm. Nach links 
gewendet, kniet sie auf dem rechten Knie; ihre Attril)ute sind Donnerkeil 
(vajra), Beil (parac^u), Pfeil (<;ara) rechts, links Bogen (dhanu), Fangschlinge 
und ein Blumenbusch (pallava-picchikäj. ^**^ Sie ist gelb, und hat drei 




Abb. 125. I>ie (üHiiu Ijihui^hHvijayii, 

Tibtl:! seh k?T«iitf-^rr- tna m- i:<a r-r$75-a)-m4i. 

Statt der Buddhaflgur hält »le ein goldenes Tftfelchcn mit der Abbildung eimb Buddha, wie die« häufig 

der Fall ist 



i 



Aus der Sammlung des FQrüten Uchtomskij. 



— 152 — 

Gesichter, davon ein weisses rechts und ein rotes links. Sie lächelt im Zorn: 
sakrodhahäsini; eine Form von ihr hat einen Hängebaucli (lambodart). Sie scheint 
eine ' Nebenfigur der Tara zu sein; als eine Form derselben kann ich sie nicht 
nachweisen. 

Dagegen ist eine andere Göttin auch als eine Form der Tara bekannt, wenn 
auch hier wieder die Attribute und das Aussehen der Göttin stark differieren: es 
ist dies Kurukullä (die gewöhnliche Foim KurukuUe scheint aus der in den 
Mantras vorkommenden Vocativfoim entnommen zu sein), und es giebt sogar eine 
alte Sekte, welche sich nach ihr benannt hat, die Kaurukullikas. ^^* Sie ist eine 
Göttin des Reichtums; denn sie gehört in die Umgebung des ßeichtumsgottes 
Kubera oder Vaiqravana. Der erste Dalai Lama soll durch ihre Hilfe grosse 




Abb. 12(). Die Göttin Paruai^avan. 

Tibetisch Lo-ma-gyon-ma. 



Reichtümer erworben haben. Sie wohnt in ll<')hlen und erteilt ihre Weihen in 
Höhlen. 

Ihre gewöhnlichste Form ist die auf Abb. 127 und 128 gegebene. Sie ist 
in tanzender Stellung als furchtbare, dreiäugige Göttin dargestellt; sie ist ganz 
rot, auch ihre Kleider, das struppige Haar goldgelb; sie trägt die Schädelkrone 
und den Ohrschmuck tädanka; ihre vier Arme sind damit beschäftigt, dass eine Linke 
einen roten Bogen spannt, dessen Sehne in einigen Formen aus Bienen besteht, 
und eine Rechte den Pfeil auflegt; die andere rechte Hand schwingt einen Haken 
(anku^'aj, während die dritte die Varadamudrä bildet; die Göttin tritt den DäniOJi 
Rähu zu Boden, (lewisse Formen zeigen sie mit einer Krone, in der man den Buddha 
Amitäbha sieht. Kämadeva, der Gott der Liebe, ist ihr Gatte; wir haben also \ 
eine Tantra-Form der Hindügöttin Rati vor uns! ^ 

Die (Jakti des Bodhisatva Mafiju(;ri ist die Göttin Sarasvati (Abb. 129)/|nlp^ 
dieselbe Göttin ist im Hinduismus die Gattin Brahmas — sie heisst auch Väc (t^](0|be- 
tisch ]?fag-gi Iha-mo, dByafis-can-ma, mongolisch ägäsiktü äkä). Sie wird meist iu^iv 
u ----(^jn Gesicht und zwei Armen dargestellt; ihre Farbe ist weiss, ihr Ge^' diiwi 

l 

V 



— 153 — 

bunt. Ihr Hauptattribut ist die indische Laute (vinä), ein langer hohler Stab mit 
Saiten, der auf zwei Kürbissen als Resonanzboden ruht, denn sie ist die Göttin 
der Sprache, der Dichtkunst, der Musik. 

Ihr Typus ist alt (Abb. 17) und kommt in Gandhära wie auf den Münzen 
der kaiserlichen Gupta- Dynastie vor; sie kommt auch mit einer andern, der 
chinesischen ähnlichen Laute vor, bisweilen auch wie Manju^*ri quer auf einem 
Löwen sitzend. Im Qrivajrabhairavatantra spielt sie eine grosse Rolle, denn dieser 




Abb. 127. Die (löttin Kunikulb». 

Tibetisch Ku-ru-ku-le und Ku-ru-kul-le, Ku-ru-kul-li oder Rig-bycd-ma. 
Aus der Sammlung des Fürsten Uchtomakij. 



Yi-dam ist ja ihr Bodhisatva (dPa-bo, ^'Ura, Vira) (Abi). 112) und heisst deslialb 
Vägl^vara. 

Eine besondere Klasse von Göttinnen, welclie sich indes mit den oben 
erwähnten in ihrer Rolle als (^'aktis eines Bodhisatva berühren, sind die Dakinis 
(das Wort gilt als Femininform zu einer Tantra-Gottheit Dakaj, was im Tibetischen 
«mKa'-'gro-ma» (mK'a-'gro = Däka, «Luftwandler») übersetzt wird, während eine Ety- 
mologie des Sanskritwortes nicht gegeben werden kann. Ihr klassisches Land ist das 
oben wiederholt erwähnte Land L'dyäna, die Heimat des Padmasambhava. Diejenigen 
Däkints, «welche die Welt bereits verlassen \\Ä\)eiv^^ ^öMew ravvi ^^^^vsvl^^^x'^ ^^^^n^^ 



— 154 — 

wogegen die heute noch als in der Welt lebend gedachten unter die Gruppe der 
Lokalgottheiten gehören. Wir glauben, dass diese letztere Gruppe thatsächlich 
alte tibetische Landesgötter sind. 

Von der erstem Gruppe sind fünf besonders beachtenswert: Buddhadäkint 
(tibetisch Sans-rgjas mk'a-'gro), Vajradäkini (tibetisch rDo-rje mka'-*gro), Batna- 
dakini (tibetisch Rin-fc'en mk'a-'gro), Padmadäkinl (tibetisch Pad-ma mk*a-'gro) 
und Karmadäkini (tibetisch Las-kyi mk'a-'gro). Sie werden dargestellt als nackte 
tanzende Frauen mit Schädelgeh<ängen um den Oberkörper, im linken Arm den 
Khatvänga. Auf den Abbildungen sind sie nur zweihändig, mit einem mensch- 
lichen Kopf und den angegebenen Attributen. Auf dem Kopfe haben sie 
Schädelkronen, in der rechten Hand schwingen sie die Trommel (damaru), in 




ll^a^^^"^^^" 



Abb. 128. Die (löttin Kurukullä oder Kurukulle. 

Sie hält in der einen Linken eine Fangsehlingo. 



der linken die Schädolschale , mit wirrem Haar und auf der Spitze des Khat- 
vänga der Reihe nach die folgenden Attribute: Ilad, Donnerkeil, Juwel, Lotus- 
blume und Schwert; in der Hegel nimmt Buddhadäkint die Mitte ein. Dir Haupt- 
temi)el ist im Kloster Ka-mo-c'e l)ei Lha-sa. Sie haben auch zornige Formen, und 
manche von ihnen sind eigentlich nur in diesen zornigen Formen häufig, meist im 
Gefolge der «schrecklichen Götter». 

Sie besitzen übernatürliche Kenntnisse, welche sie meditierenden Religiösen 
in Form bestinnnter Weihen fabhishekaj mitteilen, sind aber leicht zu erzürnen und 
rtielu^n dann. So wird von Abhayäkaragupta (Abb. 32) erzählt, dass ihm, als er 
in Raunung verharite, ein Mädchen erschien, das sich in seiner Nähe zu schaffen 
machte. Abhayäkaragupta, der die Fee für ein irdisches Weib hielt, beachtete 
sie nicht, und als er endlich erkannte, dass er seinem Ziele nahe gewesen 



— 155 - 

war, wurde er wegen seiner mangelnden Unterscbeidungsgabe von der Däkii 
gestraft. 

Andere beleidigte Däkinis verfolgen in zorniger Form ihren Beleidiger un 
suchen ihn zu töten. Sie halten, soweit sie dem Buddhismus Treue geschwore 
haben, die ihnen unterthanen, menschenfressenden Dämonen im Zaum; dem, de 
sie sucht, um von ihnen übernatürliche Kräfte «zum Heile aller Kreaturen» zu vei 
langen, erscheinen sie in abschreckendster Gestalt als alte Weiber oder in dämc 
nischer oder tierischer Form ^*^*, um seine (ieduld zu prüfen, bis er sein Ziel erreich 
Eine berühmte, viel abgebildete Däkini ist die Na-ro mK'a-spyod-ma, welch 
eine Begleiterin oder vielleicht nur eine besondere Form der Vajravarähi ist; si 
ist die Schutzgöttin der Sa-skya-Schule (Abb. 130). 




Abb. 129. Die Göttin Sarasvati. 

Tibetisch dByaiis-can-ma; mongolisch Kältt-in tLkin tägrl; ^akti (Ich Bodliisatva Mauju^rl. 
Ans der Sammlung des Fürsten Uchtomskij. 



Die interessanteste unter allen Däkinis ist die erwähnte Vajravarähi (tibe 
tisch rDo-rje p'ag-ino), welche sich in niehrern Klostervorsteherinnen inkarniert. Ih 
berühmtester Khubilgan ist im Kloster bSam-ldin am Yam-dok-See (tibetisch Yai 
'brog g,yu mts'o). In diesem Kloster, welches der unreformierten Kar-ma-pa-Sekt 
(also einer Schule der sogenannten roten Kirche) angehört, wird die Äbtissin al 
eine Fleischwerdung der Göttin verehrt. Sie lebt nach strengster Regel und dai 
sich nie zum Schlafe niederlegen, sondern muss die Nächte in Meditcation zubringei 
während sie am Tage etwas im Sessel schlummern daif. In einem besonder! 
stark verschlossenen Kaume des Klosters ruhen die Mumien ihrer frühern Fleisd 
werdungen, imd einmal im Leben muss die jeweilige lebende Fleischwerdung ihre 
Vorgängerinnen einen Besuch abstatten und ihnen Reverenz machen. GelegentUc 
muss sie in feierlicher Prozession nacU L\va-^Ä. %^\vfe\Y^ ^v> iv^ \s^ '^^^%'s^"'«^ 



— 156 — 

empfangen wird. Es wird erzählt, dass im Jahre 1710 ein mongolischer Eroberer 
nach bSam-ldiii kam, imi das Kloster zu plündern, und der Äbtissin hatte sagen 
lassen, sie möge ihm entgegenkommen, damit ei* sehen könne, ob sie einen Schweins- 
kopf habe (Vajravarähi däkint, die « Diamantsau », wird mit einem Schweinskopf 
abgebildet und ihr Khubilgan soll ein Mal in Form eines Schweinerüssels im Nacken 
haben). Er habe die Antwort erhalten, er möge nicht versuchen, das Kloster zu 
sehen. Als der Mongole wütend heranzog und die äussern Mauern niederlegte, soll 




Abb. IJK). Die l)ukini Na-ro inK^a-spyod-ma. 

Auf (ieniUlden ist siu kirschrot, mit weissem Sclimuck und •SchüdelgeliUiiKe; sie ist droiäugig, trägt Khat- 

vAfiga. Schädelsclialc und das Messer Kartrl (libetiHch gri-f^ug); die Leiche unter dem rechten Passe ist 

blau, die unter dum linken rot; das Kleid ist gelb. 

Aus der Sammlung des Fürsten Uehtomskij. 



er eine wüste Stätte gefunden haben, auf der Schweine unter Obhut einer grossen 
Sau weideten. Als die Gefalir vorüber war, verwandelte sich die Wüstenei wieder 
in das Kloster und die Scliweine in Mönche und Nonnen unter der Obhut der ehr- 
würchgen Äl)tissin. Da habe der bekehrte Mongole das Kloster reich beschenkt. ^*** 
Die in ihr inkarnierte Dakini konmit in einer Menge Formen vor; ich gebe 
nur zwei Abbildungen der gewöhnlichsten (Al)b. KU und 132). Es ist beachtens- 
wert, dass die Bezeichnung })'ag-njo. ((Sau)N ein direktes Synonym für yoginl oder 
dakini ist, wie schon Koppen hervorhebt. Interessant ist ferner die Notiz, dass 
die Nepalesen sie für die inkarnierte Bhaväni, die Gattin Qivas, halten. Wie 




Abb. 181. Vajravardhi, iu der Fonn dos Brähinana ^ridharn. 

Tibetisch Brani-zo dPal-^dsin lu^s-kyi rDo-rjo-p*ftg-mo. 
VkI. Ubor rrldhara Schiefnor. TAranfttha II, 25s. 







^j^^m^^m 



\f^^l^fa(K'^9^^-^n^3r^\ 



Abb. 132. Die zweiköpfijre (rl)o-rjo) P'ag-mo: (Vajra-) Varähi. 

Attribute: Kliatvüfif^a. SchädeUchale, Dreizack. Mrsser Qri-gug, Trommel T>amam. 



— 158 — 

erwähnt soll ein Mal im Nacken in Form eines Schweinerüssels den Khubilgan 
bezeichnen. 

Andere berühmte Däkinls sind Simhamukhl oder Siinhavakträ mit ihren Be- 
gleiterinnen Vyäghramukhi (oder -vakträ) und Rikshavakträ ^^'^, welche stets in zor- 
niger Form auftreten (Abb. 149); sie gehören zum steten Gefolge der Göttin Devi 
(tibetisch Lha-mo). Wir wollen sie im nächsten Abschnitt behandeln. 



5. Die Dharmapälas, «Beschützer der Religion». 

Nachdem allo Götter eioh ver- 
pflichtet hatten, die Lehre (das dharma) 
zu scliützen und zu gchoroben, band er 
sie durch einen Eid. 

Pad-ma-t*an-yig. 

Unter dem Namen «Beschützter der Religion» (Sanskrit dharmapäla, tibetisch 
^'os-skyon, mongolisch nom-un sakigulsun) sind in das System eine Reihe von 
Hindü-Gottheiten aufgenonunen, welche geschworen haben, die Religion des Buddha 
gegen die Dämonen ihrer Machtsphäre zu verteidigen. Im allgemeinen gehören 
alle ursprünglich nicht buddhistischen Gottheiten in diese Gruppe, ob sie indi- 
schen Ursprungs sind oder Lokalgottheiten der nichtindischen Länder darstellen; 
im besondern führen den Namen dharmapäla oder c'os-skyon eine Gruppe von 
fünf Göttern, welche wir, da sie eigentlich Lokalgottheiten fremden Ursprungs sind, 
im nächsten Abschnitte behandeln wollen. 

Zunächst wollen wir kurz die haui)tsächlichsten ursprünglich indischen Gott- 
heiten skizzieren. 

Als die älteste Form des Dharmapäla -Begriifs erscheint Vajrapäni (tibetisch 
Fyag-na rdo-rje), «der Gott mit dem Donnerkeil», und wir haben S. 22 fg. gesehen, 
wie er bereits zur Zeit der Gandhära-Skulpturen sich entwickelt hat. Überhaupt 
können wir gerade an dieser mythologischen Persönlichkeit beobachten, wie das 
System, das die Legende dem Äryäsafiga zuschreibt, durchgeführt wurde. Während 
seine gütige Form als Bodhisatva auftritt, ist seine böse Form ein Dharmapäla, und 
ähnliches können wir auch bei den übrigen vernmten. So ist zweifellos die Göttin 
Tara in ihren verschiedenen Formen nur eine buddhistische Version der gütigen 
Formen der Gattin (^üvas, Bhaväni, Devi oder (iauri oder wie sie sonst heissen mag, 
während die schreckliche Form derselben givaitischen Göttin unter den wirkungs- 
vollsten Schutzgöttern unter dem Namen Lha-mo (Sanskrit Devij auftritt. 

Aus dem Gesagten geht zunächst liervor, dass die Dharmapalas alle in schreck- 
licher Form dargestellt werden: mit kurzen dicken (Uiedmassen, dreiäugig, mit 
grossem, dickem Ko))f, struppigem Haar, umgeben von einer Masse lodernder 
Flammen oder (huiklem Rauch, in ausschreitender kampf])ereiter Stellung und meist 




Abb. 13;5. Yamdiitaka, \:^^^\t»c\jM\ von Schutzg:ütteni. 

1—8 die sogenannten oacht Scbreckliclien», 10 Vaj> \n'i U oinc Form des Mah£ikiila «als Beechtttzer dos 

Zeltes., \i der X^?^'* Ädba VajracUiara. 



I 



— 160 — 

dunkelfarbig, blau oder rot gemalt. Einige Ausnahmen, die in der Beschreibung 
besonders erwähnt werden sollen, werden uns begegnen. 

Keliren wir zu Vajrapäni zurück, so sehen wir ihn in seiner einfachsten 
und gewöhnlichsten Fonn auf Abb. 133 unter No. 10. Er hat den gewöhnlichen 
dämonischen Typus, ist von dunkelblauer Hautfarbe, trägt eine Schädelkrone, 
einen Schurz aus Tigerfell und schwingt in der Rechten den Donnerkeil; die ihn 
umgebende Flammenmasse ist rot, mit aufblitzenden goldnen Linien. Schlagintweit, 
Bouddhisme (übersetzt von Milloue, S. 114) erzählt eine Legende, w^onach er von 
den übrigen Göttern bestellt war, bei der Quirlung des Ozeans zur Bereitung des 
Unsterblichkeitstranks dieses Produkt zu hüten. Als ihn der Dämon Rahu (tibe- 




Abb. VH. Yajraprini Acur}'a. 

Tibt'tiHch P\vaK rdor a-taa-rya. 
(Auf dorn Uloek ist im A-Zoiclirn oino Ecko abf^obrochen, sodaB» u-tsa-iya dasteht.) 



tisch sGra-gcan) betrog und den Trank we^^nahm, wurde Yajrapani zu einer schimpf- 
Hchen Handlung gezwungen und daher komme sein furchtbarer Hass gegen die 
Dämonen. 

Vajrapäni ist in der Hauptsache Wettergott und wird besonders um Regen 
augerufen. Als llegengott ist er Beschützer der regensi)endenden Schlangengött^r 
(Nagas. tibetisch kLu), und wir erfahren aus einer Legende, die Schiefner mitteilt, 
dass er, als NAgas vor lUiddlia erschienen, bestellt wuide, sie vor den Angriffen 
ihrer Erbfeinde, der riesenhaften V(*)gel (laruda (ti])etisch K'yun) zu schützen. ^^* 
Infolgedessen sehen wir ihn auch umge])en von (iarudas (Abb. 134): ja es giebt 
sogar eine Fonn des Gottes, in welcher er GnrudaÜügel hat und in welcher über 
seinem Haui)te der Kopf des Vogels Garuda ersclieint: es ist dies der sogenannte 
P'yag-rdor K'yun-sog-can Vajrapäni mit GarudaÜügeln. 



— IGl — 

Wie in (lieser Darstellung — wenigstens in künstlerischer Beziehung, was die 
Gandhära- Skulpturen betrifft — ein Nachklang an den antiken Zeus mit dem 
Adler, an den Adler und den Ganymed-Tvpus (Abb. 19j, letzterer als Basis zur Dar- 
stellimg des die Nägas zeiüeischenden (iaruda vorliegt habe ich an anderer Stelle 
zu skizzieren versucht. Interessant ist es, dass auch der chinesisch -japanische 
Donnergott ehie (iaruda-Gestalt hat. '**^ 

Vajrapäni geluht auch zu den Yi-dani, und die Abb. 1 ;tö zeigt ihn mit seiner 
Yum, während Abb. 13(1 dieselbe Form ohne Yuni repräsentiert. Diese letztere 




Abb. 1*^5. Maha eak ni - Vaj rapäni. 

Tibetisch I'^yaff-rdor ^k*or-cS'n. 

Auf Gemälden iat der Oott blau, der Kopf rechts weis^, der linkn rot; auch die (^'akti ist blnu. Der unter 
dem rechten Fusee liegende vierkOptige Gott (Brahma) ist gelb, der unter dem linken liegende ((JivaV) wei«8. 

Aus der Sammlung de« Fürsten Uchtoniskij. 



sechshändige Bildung, in welcher er als besonders wirksamer Bekämpfer der Dä- 
monen gilt, heisst Vajrapäni cniit dem blauen Kleid», Nilänibara(dhara) -Vajra- 
päni (tibetisch Fyag-rdor gos snon-can). Es werden in den Tantras sogar drei 
solche Vajrapänis erwähnt, welche (lautania Buddha nach seinem Siege über Mära 
bekehrt habe. 

Die sechshändige Form mit Yum (Abb. li)5) heisst Mahäcakra -Vajrapäni 
(tibetisch P'yag-rdor 'k'or-c'en). 

In Lha-sa ist ihm der südwestlich vom To-ta-la liegende Berggipfel, der 
«Eisenberg» (tibetisch ICags-po-ri) heili*^. 

GrCkwkvkl. ^^ 



— 102 — 

Ein anderer alter Dharmapäla — dass er der altern Zeit angehört, geht 
daraus heiTor, dass er auch in Japan bekannt ist — ist der stets mit einem 
Schwerte bewehite, sonst dem vorigen sehr ähnUche Acala (tibetisch Mi-g,yo-ba), 




Abb. 1*5G. Nihlmbara-Vajrapilin. 

Tibetisch P'ya^'-rdor pos-snon-can. 

J)er (iott i«t auf Gouiälden blau, dor zu Bodon gotn'tcue ((JivaV) weiss; diese Form dos Donnergottes heisat 
auch MJyun-po'dul-byed, ■ Bckehrcr der Diimonon»». 

Aus der Sammlunur drs Fürsten Uchtomskij. 



eine (jottheit. über die wir l)is jetzt nur sehr wenig wissen. Eine vierhändige drei- 
köi)fige Foi-m, ])ewaffnet mit Schwert. Fangschlinge und Donnerkeil, während die 
vierte Hand eine Schädelscliale hält, zeigt die A])b. VM. Sein gewiOmlicher Titel 
ist der akönigliche (irosszürner >• Mahakrodharaja ( tibetisch Iv ro-boi rgyal-po 
c'en-p(»). ^^^* Audi Acala gehört zu den Yi-dam. 




Abb. 137. Acala mit vier Händen. 

Tibetisch Mi-g.yo-ba p^yag-bzi-pu; mongolisch ÜlU kttlbäriktHi 




ll^'^^aj^U 



Abb. 1H8. Der Draj^-j^^ed rTa-mgrin (gescbrieben rTa-'^briii) (Hayajrriva). 

Vierhändig; seine Attribute sind ein Stock, ein Bad (auch Fangschlinge), Lutusblume; im iit ruppigen Haar 
der Pferdekopf. Bisweilen ist auf der Spitze des Stockes ein Ti>tenschftdel. 



\\^ 



— ir>4 — 

Die folgenden Gottheiten sind die sogenannten «acht Schrecklichen» (tibe- 
tisch Drag-gsed, «schreckliche Toter», welches Wort die Mongolen gewöhnlich 
Dok-sit aussprechen). Diese Gruppe, welche einen besondern Kultus erhält, den 
Pozdn^ev in seinem viel citierten Buche beschrieben hat, bestehen in der Regel 
— es giebt auch kleine Varianten — aus den folgenden Götteni: rTa-mgrin, 
ICani-sran, 'Jigs-byed, gSin-rje. Lha-mo, mGon-jx) p'vag-drug-pa, inGon-po dkar-po, 
Ts'ahs-pa, rNani-t'os-sras (Abb. 183, No. 1 — K). In andeni Listen fehlt Ts'aiis-pa 
oder rTa-mgrin, wieder in andern ICam-sran und Ts'ans-pa und es erscheint 
dafür C'os-skyoh rDor-legs, das Haupt der «fünf Könige», die wir im nächsten 
Kapitel behandeln wollen. 

Gehen wir auf die einzelnen Gottheiten etwas näher ein. 

Hayagriva, der «pferdenackige Gott» (tibetisch rTa-mgrin) .(die Mongolen 
umschreiben den indischen Namen Khayanggirwa und übersetzen Morin ägäsiktü 
«Pferde -stimmig»), gehört ebenfalls zu den altern Gottheiten. Er wirkt mit 
besondenn Erfolg besonders im Verein mit der Dakini Vajravarähl; eine inter- 
essante Legende, die das Pad-ma-t'an-yig l)ietet, ist leider zu umfangreich, 
um hier mitgeteilt zu werden. Er gilt im ganzen als den Menschen gütig gesinnt, 
aber als sehr gefährlich den Dämonen, welche er durch Wiefieni erschreckt. In 
diesem Zusannnenhang gehört die drollige Erzählung im kalmückischen Siddhikür, 
wo ein Vertriebener, der auf einer Palme übernachtet, Dämonen, welche sich auf 
Pferden von Kinde und Pai)ier und mit ebensolchen Mützen auf den Köpfen ein- 
stellen, dadurch vertreibt, dass ihm ein Pferdeschädel, den er vorher gefunden 
hat, herabfällt. 1'* 

Auch wenn er gebannt wird, soll er sein Nahen durch Wiehern anzeigen. Sein 
Kult soll besonders von Padmasambhava dem Kiniig K'ri-sroh-bde-tsan empfohlen 
worden sein; auch Ati(;a hat ihn gebannt und ihm ist er Pfeile schiessend erschienen. 

Es giebt von ihm verschiedene Formen, von denen die meisten ihn mit 
eniem Pferdekopf im ^trui)pigen Haare zeigen. Seine Hauptattribute sind ein 
keulenartiger Stock und die Fangschlinge, doch kommen seine mehrköpfigen und 
vielhändigen Formen auch mit anderen Attril)uten vor: durch die Pferdeköpfe im 
Nacken ist er leicht kenntlich. 

Er gehört aucli zu den Yi-dam und auf Gemälden ist er immer rot oder 
braun: seine (Jakti ist stets hellblau. 

Die Mongolen sehen in ihm einen Schutzgott der Pferde, und es scheint, als 
()]) er deshalb bisweilen mit ICam-sran verwechselt würde. Wenigstens ist es 
])emeikenswert. dass bei der Beschreibung desselben Ereignisses, als nämlich bei 
der zweiten Pek(»hrung der Mongolen ein (iott alle im Lande hausenden Dämonen 
in Tiergestalt zusannuenfing. um sie dem Bekehrer vorzuführen (vgl. S. 81), dies 
nach Ssanaiig Ssetsen Hayagriva gewesen sein soll, während die oben angezogene 
(Quelle den Beg-tse. d. h. ICam-sran, nennt. 

Abbildungen des (jottes hi seinen einfacheren Formen sind Abb. 105, wo 
er zweihändig, nur mit dem Stock bewehrt und ohne den Pferdekopf abgebildet 
ist. und Abi). i:is. welches seine gew(')hnliche vierhändige Form darstellt. ^^* 

''■-- iiosondere Form Hayagrivas ist der sogenannte Nagel (tibetisch Fur-bu), 
"'^ Siebraucht wird: ursprünglich ein hölzerner, mit 



— 165 — 

einer langen Schärpe versehener dreikantiger Dolch, dessen Griff den Kopf des 
Gottes zeigt. Es giebt prachtvolle vergoldete Bronzedolche dieser Art mit dem 
dreigesichtigen Kopfe des Gottes, überragt von Pferdek()pfen, u. a. befindet sich 
ein solcher in der Sannnlung des Fürsten üchtomskij. Ein hiilzerner ist in Abb. 24 
gegeben; das eigentliche Material dafür ist das Holz von Acacia catechu (Khadiraj. 




Abb. 131). Der furchtbare Dhamiapilla (^'os-skyon dregs-pa) K'am-srin oder Boj,Mse. 

«Der Gott schreitet völlig ffe\i&u7A*ri, in der Kcchteu ein KoldonoH Schwort Hchwin^cnd. mit der Liuken ein 
menschliches TIcrz xum Mtmdc führend nach rcclits, imlem »ein rechter Vuhh ein hlauen Pferd, »ein linker 
FuBS einen nackten Men^clien zu Boden tritt. J)er Kopf hat den Ki'Wöhnliclien zornigen TypTin (k*ro-ho, 
Sanskrit krodha) und ist, wie <lie Münde, von roter oder rothranner Farbe; ein Schätlehliadem «itzt anf der 
dreiftugigen Stirne; auh dem flammenden Haupthaar windet sich eine Schlange. Vom (fUrtel herah hiingt 
ein Tigerfell, ein Kranz abgehauener Köpfe iiftngt von den Schultern herab, im linken Ellenbogen lehnt ein 
Speer mit roter Kahne und hiingt ein Bogen. Ihm zur Kochten reitet ein behelmter, ge]»anzerter, drei- 
äugiger I)Amon von braunroter Hautfarbe auf einem dunkelgrauen Wolf; Heine Rechte hÄlt einen Speer, 
die linke eine Fangschuur. Zur Linken reitet auf einem grauen Löwen ein dunkelblaues nackte» Weib 
mit einem Messer in der Rechten und einem P^ur-bu (Abb. 24) in der Linken. Ihr l^opf ist hellblau.» 
Original-Mitteilungen u. s. w., S. 113, Xo. M'J. Vielleicht heisst er von diesen Begleitern ICam-srin, < Bruder 

und Schwester«? 

Aus der Sammlung des Ftlrsten Üchtomskij. 



Eine ihrer Bedeutung nach sehr schwer zu bestimmende Gottheit ist der 
wiederholt von uns erwähnte und abgebildete (Al)l). 133, No. 2: Abb. 50) Kriegs- 
gott iCani-sran, richtiger iCain-srih (mongohsch Ägäci dägii [dii]), welcher auch 
Beg-tse genannt wird. Nicht als ob seine Fiuiktionen unklar wären — er ist ein 
Kriegsgott — , es ist vielmehr äusserst fraglich, ob er eine indische Gottheit \sst 



— !()() 

und ob er mit einer solchen zusannneugestellt werden darf. Am nädist<?n läge, an 
den indischen Kriegsgott Kartikeya, den Sohn (Jivas, zu denken, und der sonder- 
bare Name des Gottes ICam-srin, «Bruder und SchwestcM», könnte an dem von 
Boehtlingk-liotli gegebenen Beinamen Kärtikeyas Kanyaldiartar CMädchenbruder) ein 
Gegenstück haben, wenn dieser Name korrekt ist. Sein anderer Name ist Beg-tse, 
«bedeckter Panzer», welcher wohl darauf Bezug liat, dass er über dem Panzer ein 
weites Ärmelkleid trägt. Er erscheint meist von zwei Gottheiten begleitet, dem 




Abb. 110. Yaimi, der Gott der Hölle. 

Tibetijfoh ^*ofl-r(jryal rtnan-Rgruh. 

Neben ihm recht«: r*uH-rgyal p^vi-Kgriih, linki«: ^*08-rgynl gi»an-8gnib oder ^Jig«-byed. 

Aiii« der Suminluiii; de« Fürsten Uehtomskij. 



gepanzerten, auf einem Wolfe reitenden Srog-lxlag (mongolisch Amitan-u ädzän) 
und der nackten, auf einem Löwen r(?itendeu Iligs-lui-mo (mongolisch Ükin tägri, 
einer Form der Lha-mo). Auf (ieniäldcn gest'Hen sich aclit nackte rote Dämonen 
hinzu, die «< Messerhalter •; (tibetiscli (iri-bdog. niongohsch Khutuga bariktsi), welche 
auf dem Schlachtfehle Leichen zerschneiden. Herzen verschlingen u. s. w. Einer 
dieser acht Dämonen ist unter Abb. 111 No. 7 aus dem Tsam-Tanze abgebildet. ^*^ 
Sonst kann ich über ICam-sran mir noch anfügen, dass er mit seinen 
Begleitern im Tsam-Tanze eine grosse Holle spielt (Abb. 141) und dass das 



__ ir,8 — 

Heldengedicht Gesar diesen Helden den Beg-tse besiegen und durchprügeln lässt 
(Abb. 139). 

Ein anderer Drag-gsed ist der Gott der Todten (Sanskrit Yama, tibetisch 
gSin-rje, mongolisch Ärlik) mit seinem P^lirentitel « Gesetzeskönig » (Sanskrit Dhar- 
maräja, tibetisch Ö'os(-kyi) rgyal(po), mongoHsch Nom-un Khagan oder Khan). 

Es giebt von ihm zwei Formen, den Ö'os-rgyal p'yi-sgrub und den C'os- 
rgyal snan-sgrub, was man etwa mit « Gesetzeskönig der äussern und der innern An- 
gelegenheiten» übersetzen kann. Der lety.tere, welcher die Hauptfigur von Abb. 140 




Abb. 142. Yama, der Gott der Toten, ohne Yami. 

Tibotiach t*08-rgyal p*yi-8grub. 
Aus der Sammlung des Fürsten Uchtomskij. 



])il(let und nach links schreitend, mit Gri-gug und Schädelschale ausgerüstet, dunkel- 
blau dargestellt wird, ist die Form des Todesgottes, welche in der Hölle thront. 
Aber aucli sein Posten als Höllenrichter ist wie die Pein der Verdammten 
vorübergehend: liaben sie nämlich ilire Strafen abgel)üsst, so erhalten sie bessere 
Wiederge])urten je nach den guten Thaten, welche sie vollbracht liaben. Der Höllen- 
richter selbst ist ein Verdammter, der nach einer Version alle vierundzwanzig 
Stunden einmal geschmolzenes Metall schlucken muss, und wir wissen (vgl. 
S. 101), dass eiimial Manju^*rl in der furchtbaren Form des Yamäntaka als der 
aTod des Todes» einen zu grausamen Yama gebändigt hat. 




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— 170 — 

Der «Gesetzeskönig der äussern Angelegenheiten» hat verschiedene Formen. 
Eine blaue mit seiner Schwester Yaml, welche in der Hölle den Verdammten die 
Kleider abnimmt — des Teufels Grossmutter unserer Märchen — ist uns schon 
begegnet. Wir wissen, dass niemand anderes als Tson-k'a-pa den Gott des Todes 
in der Todesstunde als «Beschützer der Religion» angerufen oder, wie es heisst, 
ihn dazu feierlich ernannt hat (Abb. 48 und 133, No. 6). Ohne die Schwester 
Yami erscheint Yama auch allein, meist mit andern Formen zusammen, auf 
dem Stiere stehend, seine Keule (tibetisch dbyug-gu, mongolisch oktargui-in orkitsa) 
schwingend, mit der Fangschnur in der Linken. Diese Fangschnur ist das alte 




] f^\^^^ I 



Abb. 144. ^ina(;änapati oder Citipati. 

Tibetisch Dur-k'^rod bdag-pu. 

AuM einem grosHen Bilde, wclübofl die Baunung des dPal-'k'or-lo sdom-pa durch Lui-pa und den Zauber- 
krcis (mandala, tibetiKch dkyil-^k^ur) des erstem darstellt. Die Methode soll Qma^ftnapati dem Siddha 

gelehrt haben. 



Attribut des indischen Todesgottes; denn damit fängt er oder seine Diener die 
Seelen der Menschen. In dieser Form (Abb. 140 und 142j ist er weiss oder 
^elb. Eine weitere Form, welche meist als eine Nebenform seines Bezwingers 
Yamäntaka bezeichnet wird, zeigt ihn allein mit Stierkopf, die Schädelschale und das 
Gri-gug vor der Brust haltend; er ist dann von roter Farbe und gilt als Gott der 
Erdschätze, als lleichtumsgott, besonders wenn er statt des Messers Gri-gug den 
Cintämani-Edelstein in der rechten Hand hält (Abb. 140 untenj. Foimen, welche 
dem Yamäntaka zugewiesen werden müssen, zeigen die Abb. 145 und 14G. 

Zur Umgebung Yamas als Gott der Hölle und der Totenäcker, gewöhnlich 
der «kühle Hain» Qitavana (tibetisch bSil-bai ts'al) genannt, gehören noch einige 




ll^l'^^-a^l 



Abb. 145. Bhairava «mit einem Kopfe». 

Tibetisch Migs-byed (zal-gcig). 




Abb. 146. Bhairava «mit einem Kopfe». 

Tibetiach 'Jigs-byod (ial geig). 
Au8 der Sammlang des Fürsten UchtomskiJ. 



— 172 - 

Figuren, von denen die merkwürdigsten zwei tanzende Skelette sind. Sie heissen 
QmaQänapati oder Citipati (tibetisch Dur-k'rod bdag-po) (Abb. 144) und werden 
im Tsam -Tanze durch die beiden sogenannten « Totenköpfe » dargestellt, welche 
mit ihren Stöcken den Raben verjagen , der dem Opfer (tibetisch zor) nach- 
stellt (Abb. 143, No. 1 und 2). ^^** Im Pad-ma-t'an-yig werden ausführlich 
vier solcher Leichenstätten beschrieben, die man füglich vier nach den Himmels- 
richtungen locierte Höllen nennen könnte; jede steht unter einem besondern 
«Gott der Toten». 

Von den Gehülfen des Todesgottes treten im Tsam-Tanze (Abb. 141) zwei 
besonders auf, welche von den Tierköpfen, die sie tragen, Bulle (tibetisch Ma-he 
oder gLaii-t'ug) und Hirsch (tibetisch Sa-ba) heissen. Der letztere ersetzt oflfen- 




il^^^';«!^;«!'^^! 



Abb. 147. Per so^^enannte rote Yamäri, Raktayamäri. 

Tibetisch (>jSin-rje-) gSod ilmar. 

Auf Oemülden iHt der Qott (yab) rot, dio (^'akti (yum) etwas heller rot, der Büffel hellblau, die Leiche weiss. 

Der Shawl des (iottes i^t gell). Er schwingt den Stuck mit Schüdelspitze (dbyug-gu), und beide tragen weissen 

Schmuck aus Knochen (tibetisch rus-rgyan). Beachtenswert ist besonders der Kettengürtel (tibetisch dra-ba- 

I^yed), vgl. .lourual of the Buddhist Text Society III (IHH.'V) 3, VI. 



bar einen iiltern pferdekCjpfigen Todesboten, den die indische Kunst ebenso kennt 
wie die japanisclie. ^^-^ 

Die in Abb. 141 dargestellten Masken des Tsam-Tanzes sind im einzelnen 
folgende (s. auch Abi). 14;>): 

1. Ein Drag-gsed, nicht genauer bostiniuibar; vgl. No. 0. 

2. Sa-ba (niongolisch biiga), Hirsch. Begleiter des C'os-rgyal; Maske von 
grauer Farbe mit braunen FUnken; zwischen dem Geweih befindet sich das 
Cintamaiii. Der Rock ist aus weisser Seide, die Streifen der Ärmel sind 
braun, gelb und weinrot, das Vortuch ist gelb mit schwarzem Rand und 
unten mit hellgelben und rosa Streifen. 



— 173 — 

3. Der Geist der Erde (tibetisch sgain-po dkar-po, mongolisch tsagan äbügän), 
«das weisse alte Männchen»; spielt die Rolle eines Spassmachers. 

4. Ein Schwarzhut-Zauberer (tibetisch Zva-nag). 

5. Ma-he (mongoHsch bukhaj, mit No. 2 zusammen einer der Diener des 
Ö'os-rgj-al. Er hat eine blaue Ochsenmaske, hinten mit hellvioletten 
Haaren, auf der Stirn das Cintämani. Die Kleidung ist blau, der äussere 
Streifen der Ärmel ist weiss und die nächsten zwei hellrosa und gelb. In 




Abb. 148. Die (töttin (Jridevi, ^riinati devi. 

Tibetisch Lha-mo, dPal-ldau Iba-mo; mongolisch tTkin (okin) tägri. 

Auf GemÜlden und Figuren aus grell bemaltem Thon, wie sie in Transbaikalien vorkommen, ist die Göttin 
blau, ihr Schmuck weiss, die Scheibe auf dem Nabel und die Ohrringe golden, ihr Maultier gelb. Der Boden 
iit blutrot, darauf weisse Knochen. Als Schurz trä^t sie ein Tigerfell. Ihre Zügelleitorin Makaravaktrft hat 
einen braunen, weissgerandetcn, schwarzgetupftcn Kopf und ist dunkelblau, die ihr folgende SimhavaktrA 
hat einen weissen Kopf und blutroten Leib, 

Aus der Sammlung des Fürsten Uchtomskij. 

der rechten Hand hält er einen roten Stock mit einem Schädel oben und 
einem Donnerkeil miten. 
G. Ein Drag-gäed, leider nicht genauer bestimmbar. «(Ui-gor», «Luwai», 
«Shi-doi» oder «Dungschadma» : einer dieser vier ist möglich. Die Farben 
der Kleidung wären der Reihe nach rot, grau, hellblau, grün, die Streifen 
an den Ärmeln gelb, schwarz und weiss; das Vortuch hat dieselbe Farbe 
wie der Rock. Der Schmuck — mit einem Spiegel auf der Brust — stellt 
den rus-rgyan genannten vor (Abb. 82). Die tibetischen Aequivalente der 
gegebenen Namen in voller Orthogra\)Uie kewwe, \^V\ w\^. 



— 174 — 

7. Einer der Begleiter des ICam-sran, acht an Zahl, i^^enannt .((Di-to», wohl tibe- 
tisch Gri-bdog, mongoliscU Khiitiigabariksit. Die Maske der Begleiter ist hoch- 
rot, die Haare violett. Goldolirringe und eine goldene Stirnspange mit einem 
Totenschädel darüber, llir Anzug ist hochrot, und sie tragen als Schmuck 
eine Metallplatte (Spiegel) auf der Brust und ein Rad mit weissen Holz- 
perlen. Sie halten in der rechten Hand ein langes Messer (Gri, mongolisch 
Khutuga) mit dem Vajra als Griff und in der linken Hand einen P'ur-bu. 




Abb. 149. päkiui Sen-^^don-ina (Siinhavakträ). 

Daneben links sTag-gdon-ma (YydvhavaktrA), rechts Dom-gdoü-ma (Uik8havaktr&); die Hexen mit dem 
" " Löwen-, Tiger- und Bärengesiebt. 

Aus der Sammlungd^s Fürsten Uchtomskij. 



Der näcliste der «acht Schreckensgötter )vYamäntaka (mongolisch Ärligün 
yargatsi, Ärlik tonilgan üilädüktsi oder Ayolgaktsi.) ist oben (S. 101) schon aus- 
führUch l)espro('lien und Ijesdiriebeu worden, vgl^v^be zugehörigen Abbildungen 
83, 112, 133, No. 1.11«^ \ 

Icli habe hier nur eine einköpfige Fonn zu er>v^ii^n mit einem mensch- 
lichen Kopfe, als Yi-dani auf einem Büffel stellend: den so^^J^'^^^^^n roten Yamäri 
gSin-rje-gsed dmar oder l)loss gSed dinar. weil er wie diev»'^!^^* ^^^ gemalt wird 



— 175 — 

Die einzige Göttin unter den acht Schreckensgöttern ist die Gattin Yamäs 
in einer ihrer Wiedergeburten, Qridevi, (j^rimatidevi , Pärvati oder wie sie sonst 
heisst; gewöhnlich ist ihr tibetischer Name Lha-nio^^'^ («die Göttin») oder dPal-ldan 
Iha-mo. Von ihren zahlreichen Formen ist dies die gewöhnlichste. Sie gilt als 
die Schutzgöttin von Lha-sa und der beiden inkarnierten Grosslamas (Abb. 52, 
133, No. 8 und 148). Als die feurigste Verteidigerin der Lehre Buddhas ist sie 
von allen Göttern ausgestattet: von Hevajra hat sie zwei Würfel, um das Leben 
der Menschen zu bestimmen, von Brahma einen Schirm aus Pfauenfedern, von 
Vishnu zwei Leuchtkörper wie Sonne und Mond, von denen sie die erstere auf 
dem Nabel, den letztern im Haare trägt: Kubera, der Reichtumsgott, schenkte ihr 




l|H|;^^ajrf|^qA/a(^'älti 



Abb. 150. Mahäkitla, der Beschützer der Erkenntnis. 

Tibetisch Ye-Aes mgon-po. 
Attribute: Schwert, Schtidolschale, eine Fracht, Dreizack. 



einen Lihven, den sie im rechten Ohre trägt, Nanda (tibetiscli d(ia-bo), der Schlangen- 
könig, eine Schlange, welche sie ins linke Ohr eingehängt hat. Ihre Keule hat sie 
von Vajrapäni; andere Götter gaben ilir ein Maultier zum Reiten, welches als 
Sattel die abgezogene Haut eines Dämons (Yaksha, tibetisch gNod-sbyin, aSchaden- 
Stifter») trägt. Giftige Scldangen sind ihr Zaum u. s. w. 

Als Königin der lläkshasas hauste sie unter diesen Feinden der Religion so 
furchtl)ar, dass sie fliehen mussto; ihr Gatte schoss ihr einen Zauberpfeil nach, 
der die Lende des Maultiers traf. Durcli Lha-mos Macht entstand an der wun- 
den Stelle ein Auge. 

Obgleich sie nacli den Tantras als eine Manifestation der G(')ttin Sarasvati 
(Abb. 17 und 129) gilt, geht aus ihrer Beschreibung hervor, dass ihre Hauptzüge 
Kali, der blutdürstigen Gattin Qivas, entnommen sind. 



— ncy — 

Ihr Maultier wird in der Re*?el von zwei Däkinis geleitet, von denen die eine 
Siinhavakträ (tibetisch Sen-ge gdoü-can oder Sen-gdon-nia, die Löwenköpfige) ihr 
mit einem Gri-gug und einer Schädelschale ausgestattet folgt, während eine zweite, 
Makaravaktr<\ (tibetisch C'u-srin-mo). mit dem Haupte eines Meerelefanten ihr den 
Zaum hält. Sie reitet über einen Blutsee (tibetisch rak-ta rgya-mts'o), bestehend 
aus dem Blute der Dämonen, welche sie getötet hat. 

Häufig ist sie umgeben von vier andern schrecklich aussehenden Göttinnen, 
welche ihr im ganzen gleichen: es sind dies die folgenden: 




Abb. 151. Mahiikäla brähraanarüpa. 

Tibotiflch mGon-po bram-zei gzugs-pa; mongolisch Biraman düritäi Mah&kala. 
Au8 der Sarainiung des Filrstcu Uchtomskij. 

1. Die (S(')ttin des Frülilings (tibetisch dPyid-kyi rgyal-mo) reitet auf einem 
gelben Maultier; ihr Attribut ist ein Schwert und eine Schädelschale; sie 
ist blau. 

2. Die Königin des Sommers (tibetisch dByar-gyi rgyal-mo) reitet auf einem 
hellblauen Yak; ihr Attribut ist das Hakenbeil (tibetisch Icags-kyu) und die 
Schädelschale; sie ist rot. 

i). Di(i Königin des Herbstes (tibetisch sTon-gyi rgyal-mo); ihr Beittier ist ein 
Hirsch; ihre Attribute sind ein Messer und die Schädelschale, um den Hals 
hat sie einen Kragen aus Pfauenfedern; sie ist gelb. 

4. Die Königin des Winters (tibetisch dGun-gyi rgyal-mo) ist blau; sie 
reitet auf einem Kamel und hat als Attribut eine rote Keule und eine 
Sclmlclschalc. 



— 177 — 

1, 2, 4 haben Menscheuhäute als Bedeckung; alle sind sonst nackt und 
tragen nur den weissen Knochenschmuck und einen Schädel als Schmuck über 
der Stirn. 

Ihre Begleiterin, die Däkini Sinihavakträ, kommt oft allein, ohne Lha-mo, mit 
zwei andern oder vier andern Dcikinis zu einer Gruppe verbunden vor; dann er- 
scheint sie in der tanzenden Stellung der Däkints mit Gri-gug in der Rechten und der 
Schädelschale in der Linken und den Khatvänga im linken Arm angelehnt (Abb. 149). 
Dann ist Shnhavakträ blau mit weissem Kopf und ihre Begleiterinnen Vyäghravakträ 
(tibetisch sTag-gdon-can [oder -ma]) rot mit Tigerkopf und Rikshavakträ (tibetisch 
Dom-gdoh-can) gelb mit schwarzem Bärenkopf; da^u kommt noch Makaravakträ mit 
einem Meerelefantenkopf und von grüner Körperfarbe, und eine vierte, mir dem 
Namen nach unbekannte weisse Däkini mit dämonischem blauem dreiäugigem Kopfe. 
Auf solchen Bildern sieht man häutig noch den Padmasambhava, der die Däkinis 
mit besonderm* Erfolg gebannt haben soll. 

Zu den acht schreckliclien Gottheiten gehören ferner zwei Formen des 
Gottes Mahäkäla (tibetisch mGon-po), «der Schutzgott» genannt, welche wir schon 
S. 70 erwähnt haben. Es sind dies der weisse Mahäkäla (mongolisch tsagan 
itägäl, tibetisch mGon-po yid-bzi nor-bu), «der weisse Schutzgott», «der Schutzgott 
mit dem Cintämani-Edelstein» (Abi). 5(), 13;), Xo. 3j, der ein Reichtimisgott ist und 
daher in Abb. 133 dem Kubera (No. öj gegenübergestellt ist, und der sechs- 
händige Beschützer shadbähunätha Mahäkäla (tibetisch mGon-po p'yag-drug-pa, 
mongolisch dzigugan gartai Ma-hä-ka-la (Ma-khä-ka-la), der stets blau dar- 
gestellt wird. (Abb. 50 und 133, No. 7.) 

Eine andere Form des Gottes ist der ebenfalls blaue «vierhändige Schutz- 
gott» mGon-po p'yag-bzi-pa oder Ye-ses mgon-po, «Schutzgott der Weisheit» 
(Abb. löO), welchen schon Nägärjuna in dieser Form gebaimt haben soll. 

Ihre Attribute im einzelnen aufzuzählen ist kaum nötig, da nach den wieder- 
holten Beschreibungen alle Einzelheiten klar sein werden. 

Eine besondere Reihe der Mahäkälas sind die Legs-ldan genannten; sie sind 
stets in langem Ärmelgewand und tragen lange rote Stöcke (Abb. 45). 

Die Abb. 133, Xo. 11 giebt eine andere blaue Form des Gottes wieder; er 
hält eine breite Keule quer über die Arme gelegt und ist in dieser Form Schutz- 
gott des Zeltes: (iur-gyi mgon-po. 

Ebenfalls erwähnt habe ich den Mahäkäla in Gestalt eines alten Bräh- 
mana (Abb. 151 j bei Gelegenheit der Bekehrung des Khubilai durch den 'Fags-pa 
von Sa-skya (vgl. S. ()3, M). 

Ich will hier nur noch darauf hinweisen, dass die Thätigkeit, welche Mahäkäla 
als Inspirator entfaltet und welche freilich durch den mongolischen Geschicht- 
schreiber etwas drastisch erklärt wird, ganz im Geiste jener Begünstigimgen der 
Si)rachwissenschaft imd Grammatik ist, welche dem Qiva Mahäkäla imd seiner Sippe 
schon im Mutterlande zugeschrieben werden. Päninis Wundergrammatik ist ja, 
wie das Kathäsaritsägara erzählt, eine Inspiration des Gottes; die Grundlage dieser 
Grammatik, welche die Formeln lehrt, heisst noch die (Jivasutras. Aber auch die 
Kaläpa-Grammatik ist von (j'ivas Sohn Kärtikeya ins])iriert. Dieses Motiv ist weit 
ülx^r Indien hinausgegangen, es findet sich sogar in .Ta\iau. Dovt ^vs^^.vj1 -l. V*. 



- 178 — 

der Dämon des Ra-jö-Thores, des «spukhaften» Thores von Kyoto, den ange- 
fangenen Vers eines Dichters. ^^® 

Weiterhin gehört zu den «acht Schrecklichen» der Reichtumsgott Kubera. 
Da er besser mit den übrigen Lokapälas, zu deren Klasse er auch gehört, behan- 
delt wird, müssen wir seine Beschreibung auf den nächsten Abschnitt verschieben. 

Wie erwähnt, gehört zu den Schreckensgöttern bisweilen auch eine kriege- 
rische Form Brahmas, der sogenannte weisse Brahma, Ts'aiis-pa dkar-po, über 
dessen Mythologie wir nichts wissen. Er wird reitend, ein Schwert schwingend, 
in langem Äimelgewande dargestellt (Abb. 133, No. 4) und trägt eine weisse turban- 
artige Mütze, in welcher bisweilen eine weisse Turbinellaschnecke (Turbinella rapa, 
Sanskrit gankha, tibetisch dun) zu sehen ist. So ist z. B. der weisse Brahma auf 
dem reich illuminierten Deckel der Berliner Kanjur- Handschrift, welche aus dem 
Ende des 16. Jahrhunderts stammen soll (Fol. ah der Sütras, Schlussdeckel), abge- 
bildet; dann heisst der Gott duü-t'o-can. Auf imserm Bilde ist sein Gewand 
weiss mit dunkelblauem Rand, das Unterkleid rot, die Fahne rot mit grünem 
Rand; das Pferd ist ein Schimmel. 

Damit sind die gewöhnlichsten Formen der Schutzgötter erledigt. Es giebt 
aber noch zahlreiche Unterarten eines jeden; besonders die Zahl der verschiedenen 
Formen Mahäkälas ist ungewöhnlich gross! 



6. Die Lokalgottheiten. 

In every nook, path, big tree, rook, spring, 
waterfall and lake there lurks a deril . . . 
L. A. Waddell. 

Die letzte Gruppe der nordbuddhistischen Gottheiten besteht aus sehr ver- 
schiedenen Bestandteilen. Denn einerseits bilden die Götter der Ilindü-Mytho- 
logie mit den ihnen untergebenen Dämonen, den Räkshasas, Yakshas, Nägas, Kum- 
bhandas, Gandharvas u. s. w., darin einen grossen, zum Teil schcm aus dem alten 
Buddhismus ererbten Bestandteil, andererseits sind aber die einheimischen Gott- 
heiten und Dämonen, die Lokalgötter tibetischen imd mongolischen Ursprungs, 
eingegliedert. Es macht sich dabei das Bestreben geltend, diese nationalen Gott- 
heiten einer indischen Gottheit gleich zu setzen oder imterzuordnen, ja wir haben 
oben einen Fall erwähnen können, wo eine einheimische Klasse von Geistern, die 
Onggot der Mongolen, durch eine givaitische Gottheit ersetzt worden ist. 

Gehen wir zunächst auf die erstere Gruppe ein, so ist hier zu bemerken, 
dass eine schichtenweise Ablagerung, welche mit der Geschichte der Religionen 
in Indien selbst Hand in Hand gelit, sich bemerkbar macht, sodass es vorkommen 
kann, dass ein und dieselbe Gottheit in zwei oder noch mehr Formen, deren 
Identität nie erkannt worden ist, neben einander auftreten. Es ist dieser Vorgang 
besonders beachtenswert in den sogenannten Pariväras («Nebenfiguren», tibetisch 



179 — 

Vor) eines Buddha oder Bodliisatva. Oft finden wir in diesem Zusammenhang alte 
Formen bewahit (vgl. Hayagriva Abb. 105 und 138), während die Haupttj^en 
weiter lebten; oft finden wir darin aber auch junge Schichten mit liinduistischen 
Wiederholungen etwa einer Gottheit, die in anderem Zusammenhang ihren ältesten 
Charakter bewahrt hat. 




Abi). 152. Der Koichtumsgott Vai(;ravaiui oder Kubera. 

TibctiBch rNain (-t*08-) Bras oder gDud-nas dbua-po. 
Aus der Sammlung de« Fürpton Uchtomskij. 



Zu den seltsamsten Entwicklungen hat der donnerkeiltragende Gott, der 
deus ex machina der alten Legenden, Anlass gegeben, der Gott i^aknx 
(Sakka) oder Indra. Die Mahäyäna-Schiüe entwickelte daraus Vajrapäni, den 
Beschützer Buddhas; gelegentlich blieb aber in bestimmten Rollen nocli Indra 
bestehen. Die Eriimenmg an ihn entwickelte einen Bodliisatva Vajradhara, einen 
Dhyanibuddha Vajrasatva, wälirend der zornige Vajrapäni als Yaksha bezeichnet 
wurde: alles Typen, welche schliesslich nur Weiterbildungen des alten Gewittergottes 
sind! Und nun sehen wir Indra (^'atakratu, (tibeUsdv livCvv^-byvvv ^ \isA\\s^Vv^^Vv 



— 1«0 — 

Khormusda) noch einmal aufgenommen imd zwar als Gottheit der spätem 
brahmanischen Mythologie. So erscheint femer neben Mahäkäla ein Rudra als 
besonderer Gott; Brahma, welcher so \iele seiner Eigenschaften mit ManjuQri 
gemeinsam hat, kommt miter den «Godlings» noch einmal als Hindügott vierhäiiptig 
vor. So haben wir alle «dreiunddreissigw Götter (träyastrimgat) als untergeordnete 
GotÜieiten im Pantheon der nördlichen Kirche. Besonders oft und gern werden 




Abb. 153. Der Reichtumsj^^ott Kubera oder Vai^ravana in Japan. 

Japanisch Siobamon. 

Das Caitya, das er in der Rechten hält, führt im Lamaismus der Lokap&la Virüp&ksha, der Köni^ der KAga. 

Aus: Fürst Uchtomskij, Orientreise des Kaisers von Kussland. 



die Götter der Elemente, der Erscheinungen des Firmaments und der Gestirne 
erwähnt, also Agni, Varuna, Vasundhara, Väyu^^^ u. s. w. 

Die am meisten abgebildeten und beliel)testen sind die sogenannten «vier 
grossen Könige» Caturmahäräjas (tibetisch r^yal-c'en h/A) oder die vier Welthtiter, 
lokapälas (tibetisch 'jig-rten skyoii bzi), welche am Fusse des Berges Meru oder 
Sumeru (tibetisch Ri-rab Ihun-po), der das Centrum des buddliistischen Weltsystems 
bildet, als Könige der dort wohnend gedachton Scliaren verscliiedener Dämonen 



- 181 - 

herrschen. Sie sind als Könige (Cakravartis) und Hehlen (?üras, tibetisch dpa-bo's) 
in reicher Rüstung dargestellt, meist mit drohendem, furchtbarem Gesichts- 
ausdruck. Ihrer Stellung an den Ecken des Berges Meru entspricht es, dass sie 
in den Klöstern an den Aussenseiten der Wände abgebildet werden oder an den 
Ecken des Gebäudes, welches die Kostbarkeiten des Klosters enthält. 

So herrscht auf der Südseite des Berges Meru als König der dort wohnen- 
den Dämonen Kimibhända (tibetisch sGrul-'bum) Viriidhaka Ctibetisch T'yags- 
skyes-po, mongolisch nur Umschrift des indischen Namens); er hat als Helm meist 
die Haut eines Elefantenkopfes und führt als Attribut ein langes Schweit. Seine 
Gesichtsfarbe ist blau. Auf der Nordseite des Berges wohnt als König der 
Yakshas (tibetisch gNod-sbyin) Vaigravanaoder Kubera (tibetisch rNam-[t'os]-sras 
oder gDod-nas dban-po, mongolisch nur Umschrift des Sanskritnamens oder des 
tibetischen «Nam-sarai»); sein Attribut ist eine Fahne (dhvajä, tibetisch rgyal- 
mts'an, «Siegeszeichen») in der Rechten, in der Linken eine Ratte (nakula, tibe- 
tisch ne,u-le), welche Juwelen speit. Er liat eine goldgelbe Hautfarbe. 

Dieser Gott ist unter den vier grossen Königen der bekannteste und wich- 
tigste, denn er gehört, wie wir gesehen haben, auch zu den «acht schrecklichen 
GötteiTi» und hat zahlreiche Nebenformen in verschiedenen Farben; auch ist er 
Yi-dam — dann heisst er Dsam-l)ha-la — und kommt in mehrern Formen mit 
seiner Qakti vor. Dass er einer der ältesten Typen ist, welche wir kunstgeschichtlich 
belegen können, haben wir schon erwähnt; der alte, auf Abb. 6 gegebene Typus des 
Gottes, der ihn auf einem Dämon stellend zeigt, hat sich im I^amaismus wohl erhalten, 
denn es giebt Abbildungen, die ihn auf einem Dämon stehen oder sitzen lassen; 
dieser Dämon ist dann blau gemalt. Oft aber erinnert er mehr an den Gandhära- 
Typus (Abb. 14), indem nämlicli der Dämon (Yaksha) nur einen Fuss des Gottes 
stützt. Der Sack des Tributträgers, aus welchem Goldstücke herausrollen, muss 
die Vorlage zu dem Nakula sein, welches Juwelen speit und welches der Gott 
statt dieses alten Attributs jetzt in der linken Hand hält fAl)b. 152). 

Auch in Japan ^'^^ ist Kubera wohlbekannt (Abb. 158). Er gehört dort zu 
den sieben Glücksgöttern; seni Attribut ist die Fahne und ein goldenes, mit 
Strahlen umgebenes Caitya. 

Dass er auch zu den «acht Schrecklichen» gehört, ist schon erwähnt worden 
(Abb. 133, No. 5). Auf Abb. 133 ist er mit den andern hellfarbigen Göttern 
oben zu einer bescmdern Gruppe vereinigt, die durch ihre hellere Farbe den 
furchtbaren Eindruck des Bildes mildern soll, denn es ist Vorschrift, dass nicht 
lauter furchtbare (blaue) Formen auf einem Bilde sich befinden sollen, gewisser- 
massen um dem gläubigen Beschauer noch Aussicht auf Gnade zu lassen. 

An der Westseite des Berges Meru wohnt als König der Nägas (tibetisch 
kLu) der König Virüpäksha Ctibetisch Mig-mi-bzan, mongolisch nur Umschrift des 
indischen Namens). Sein Attribut ist ein Caitya oder ein Juwel in Form eines 
Caitya in der rechten Hand und eine Schlange in der linken. Seine Hautfarbe ist 
rot. Über die ihn umgebenden Schlangen werden wir noch ein paar Worte sagen. 

An der Ostseite des Meru hält König Dhritaräshtra AVache (tibetisch Yul- 
'k'or-srun, mongolisch nur verstümmelte Umschrift des indischen Namens). Er ist 
Beherrscher der Gandharvas (tibet\sc\\ 1>y\-7ä. vvvNa^ n^öjvö. ^'JiX^^5^^fc\^^^^^^ '^'^^ 



— 182 - 

Attri])ut ist ein Musikinstrument (Mandoline), auf dem er spielt; er trägt meist 
einen hohen Hehu mit Busch an der Spitze und flatternden Bändern und Schleifen 
um die Helmhaube. Seine Farbe ist weiss. 

Mit ihnen gleichgestellt und, wie es scheint, bisweilen identisch erklärt wird 
eine Gruppe von Schutzgöttern, die speziell die fünf Dharmapälas (tibetisch 
Ö'os-skyon, mongolisch Nom-im sakigulsun, «Beschützer der Lehre») heissen, oder 
die «fünf Körper» (tibetisch sku-lüa) oder «fünf Könige» ^^^ (mongolisch tabun 
Uiagan). Ihr Oberster, welcher bisweilen dem Schutzgotte Pe-har (dPe-har, 
dPe-dkar) gleichgesetzt wird, während er in anderer Fassung als sein Bruder gilt, 
heisst speziell Ö'os-skyoh-Dharmapäla und gilt unter dem Namen Veda als Prä- 
sident der vier Geisterkönige oder Lokapalas, welche dann den übrigen vier 
entsprechen. Ihr Kult hängt, nach dem Pad-ma-t'an-yig, mit Padmasambhava 
(Abb. 34, 35, 154) zusammen, denn dieser soll von ihnen, als er das Kloster bSam-yas 
bauen wollte, das Gelöbnis erhalten haben, dass sie die Religion beschützen wollten. 
Deshalb heissen sie auch meist Dam-can («die ein Gelöbnis haben») und ihr Oberster 
Dam-can c'os-rgyal. In bSam-yas inkarniert sich seitdem ihr Oberster unter dem 
Titel C'os-rje als beweibtes Haupt der Zauberer. 

Eine andere Legende erzälilt eine wunderbare Übertragung des Hauptgottes 
aus Udyäna nach dem Kloster 'Bras-spuns bei Llia-sa. Da dem Ankömmling aber 
das Wohnen im Kloster verwehrt wurde, so erliielt er ein besonderes Kloster als 
Wohnung, das «kleine Haus», gNas-c'un, etwa eine englische Meile südöstlich 
von Lha-sa. Dort inkarniert er sich in dem Haupte des Klosters, imd dieser Ö'os- 
skyon oder Ö'os-rje ist es, welcher die Neuwahl eines Dalai Lama leitet (vgl. S. 76fg.). 
In gNas-^'un ist zugleicli das Staatsorakel, und einmal im Jahre zieht der inkar- 
nierte C'os-rje, dessen Kloster jetzt der reformierten Kirche angehört, nach Lha-sa, 
wo er allein den Dalai Lama besucht und, von den Behörden von 'Bras-spuns 
empfangen, in einem liesondern Tempel untergebracht wird, wo er Orakel für das 
laufende Jahr erteilt. 

Besondere Verdienste soll das Haui)t der fünf «Kihiige» (Abb. 154), die auch 
sKu-lna, «die fünf Körper», lieissen, um die Verbreitung des Buddhismus in 
der Mongolei haben, denn er ist der Gandharva -König gNyan-5'en t'ah 1ha, der 
die ersten Mönche im Lande auf wunderbare Weise willkommen hiess. 

Auf den Abbildungen werden die fünf Götter in der Regel so gruppiert, 
dass ilir Haupt, welches auch, wie erwähnt, dPe-dkar rgyal-po genannt wird, in 
der Mitte auf einem weissen Löwen querüber sitzend dargestellt wird. Er ist 
gewöhnlich dreiköpfig, hat sechs Hände und ist von weisser Hautfarbe; das 
Gesicht nach rechts ist blau, das nach links hochrot. Seine charakteristische 
Tracht ist der grosse breitkrämpige Hut, welcher auf Gemälden rot bemalt wird, 
mit grünem Hand und goldenem Donnerkeil auf der Spitze. Um die Körpermitte 
trägt er einen Schuiz aus Tigerfell; sein Obergewand ist hellgrün. Der Gott ist 
dreiäugig, und seine Augen (luellen vor wie ))ei den « schreckhchen Göttern». 
Seine Attribute sind ein Schwert, eine Keule mit einem Donnerkeilknauf in zwei 
rechten Händen, während die dritte Hechte einen Pfeil auf die Sehne eines Bogens 
legt, welchen die vorderste Linke hält; die andern zwei linken Hände halten 
ein goldenes Messer und einen roten Stock. Vor ihm liegt auf Bildern in der 



— 183 — 

Segel das an die «schrecklichen Götter» gebrachte Opfer (Sanskrit baiin): eine Schädel- 
schale mit darin zurechtgelegtem Herzen, daneben die ausgerissenen Augen, Nase, 




Al)b. 154. Die fiinf Könige oder «Körper». 

Tibetisch »Ka-laa. — Oben Pudmasambhava. 



Zunge, Ohren, Hände und Füsse eines Ungläubigen (tibetisch sdig-pa) oder eines 
Dämon. Seine vier Begleiter oder Brüder, alle nur einköpfig und zweihändig, reiten 
der Reihe nach auf einem weissen Elefanten, Löwen, einem Maultiere und einem 
Pferde. Der auf dem weissen Elefanten reitende Bruder i^t \cs\v InU.\3äk lliÄ»lfoxVN<^\ <ix 



184 

trägt ein hoclirotes Ärinelgewand mit gelbem Futter und grünem Rand. Seine Attri- 
bute sind: in der rechten Hand ein Messer, in der linken eine Fangschlinge. Dieselben 
Farben hat der auf dem Löwen Reitende, sowohl was die Hautfarbe wie die Kleider 
betrifft; seine Attribute sind der Rasselstab (links) und ein Donnerkeil (rechts). 
Der Elefant ist hellblau; dieselbe Farbe hat das Maultier, auf welchem der dritte 
Bruder reitet. Dieser selbst ist hochrot, sein Gewand hellgrün mit gelbem Futter 
und dunkelblauem Rand; sein Hut ist hellgelb mit grünem Rande, während alle 




Abb. 155. Tibetischer Wahrsager mit Schülern. 

Verkündet in ektttatigchem Zustand die Zukunft. Er wird von Dam-can besosecn und in der Ekstase schwillt 

ihm der Kopf so an, dass der ihm sonst viel zu weite Hut festsitzt. Er soll dann ganz^wie der Gott (Abb. 154) 

selbst aussehen. Der Mann kam im Jahre 1897 nach 8t. Petersburg und wurde von Ärzten bei der Ekstase 

beobachtet. (Nach mtlndlicher Mitteilung von Fürst Uchtomskij.) 

Aus : Fürst Uchtomskij, Orientroise des Kaisers von Bussland. 



übrigen rote Hüte mit grünen Rändern tragen. Sein Attribut ist ein Haken in 
der Rechten und eine rote Keule in der Linken. Der vierte Bruder endlich reitet 
auf einem schwarzen Pferde, ist von dunkelgrüner Hautfarbe und trägt ein Tiger- 
fell als Kleid; seine Waffe ist ein goldenes Beil in der Rechten. 

Über der Hauptfigur sehen wir auf Abb. 154 den uns von früher her bekann- 
ten Padmasambliava, der die fünf Könige zuerst gel^aimt liaben soll, wie wir erwähnt 
hiihen. Er ist weiss, sein Übergewand und Mütze Hiwd duwk^lvot, d\Q Weste grün. 



185 

Zweifellos repräsentiert die Übernahme dieser merkwürdigen Götter einen 
Kompromiss der buddhistischen Missionare mit den einheimischen Schamanen 
und ihren Göttern. Aus dem Pad-ma-t'an-yig geht klar hervor, dass wir es mit 
tibetischen Lokalgottheiten zu thun haben, welche ins System aufgenommen worden 
sind. Man hat dabei, wie man zu sagen pflegt, «dem Teufel ein Licht angezündet». 

Es waren dies die Folgen jener Methode, welche Äryäsanga anbahnte, als 
er die brahmanischen, d. h. die (;ivaitisclien Gottheiten, welche unser voriges Kapitel 
behandelte, in das System aufnahm. Nun zog die Bewegung weitere Kreise, und 
Padmasambhava vor allem war es, welcher das Pantheon mit immer neuen Formen 
besonders lokaler Gottheiten beviUkerte , wenn wir den Legenden trauen dürfen. 
Wie der Buddhismus in Indien, als seine Sektenzänkereien ihn dem Volke entzogen 
und unverständlich gemacht hatten, um den Boden nicht ganz zu verlieren, der 
nationalen Götter, die si(!h gleiclizeitig zu festen Formen entwickelten, bedurfte, 




Abb. 15(}. Dam-caii rDo-rje Icj^^s-pa oder rDor-legs. 

Aus der Sammlung des Fürsten Uchtomskij. 

SO bedurfte es in den ausserindisclien Ländern des Kompromisses mit den em- 
heimisclien Gittern und deren Priestern. Daneben läuft die Tendenz her, diese 
neuen Formen mit den indischen auszugleichen, ein Prozess, welcher, wenn er ge- 
lungen ist, die Kritik gewaltig erschwert (vgl. das oben unter ICam-sran S. 165 
Bemerkte). An mehr als einer Stelle ist diese Gleichsetzung aber nicht gelungen, 
sodass wir die einzelnen Elemente noch deutlich sehen. Besonders ist dies bei 
den altern rotmützigen Schulen der Fall, die schon äusserlich nicht das Prinzip 
der vollen Überarbeitung, Übersetzung der Namen u. s. w. betrieben, wie dies in 
erster Linie von der reformierten (gelben) Kirche eingeleitet wurde. Diese hat 
eine ganze Reihe alter Entwicklungsstadien als heterodox verworfen, imd wir dürfen 
daher an ihrer Hand nur ein unvollständiges, mit bewusstem Puritanismus aus- 
geglichenes Material erwarten. 

Ebenfalls eine tibetische Lokalgottheit ist der Dam-can rDo-rje-legs 
oder rDor-legs, der auf den Abb. 15ü \u\d \W\ Äax'^^^\-0\\» \^« \S\^^<^x ^^^^k» 



i 



— 186 - 

bereitete nach dem Pad-ma-tfan-yig dem heiligen Padmasambliava, als dieser nach 
Tibet ging, grosse Schwierigkeiten, ward aber von Padmasambhava überwunden 
und gab das Gelübde ab, der Lehre Buddhas förderlich zu sein. 

Wieder eine andere Form desselben rDor-legs ist der unter Abb. 158 dar- 
gestellte Gott Dam-can. Er scheint mit den fünf Königen in besonderer Beziehung 




Abb. 157. Dam-fan rDo-rjo-lcj^. 

Aus der Samiuluug des Ftirston Uehtomskij. 



ZU stehen; denn er erscheint liäufig mit ihnen auf einem Bilde. Auf Gemälden ist 
der Ziegenbock braun, der Gott selbst dunkelblau; sein Unterkleid ist rot, sein Ober- 
kleid hell graublau. Er schwingt eine Keule, welche goldfarben ist und aus drei 
Donnerkeilen an einem langen Stocke l)esteht. 

Es ist unter den Dakinis erwähnt worden, dass auch unter den Lokalgott- 
heiten eine Reihe von Dakinis vorkommen. Sie reiten anfrieren: Löwen, Drachen, 



187 - - 

Gazellen u. s. w., haben den gewöhnlichen Typus der Göttinnen mit Ober- und 
Untergewand, gewöhnlichen (nicht tantrischen) Schmuck und schwingen verschiedene 
Attribute, z. B. Donnerkeil, Fangschlinge u. s. w. Eine Behandlung im einzelnen 
würde uns zu weit führen. 

Unter die Lokalgottheiten gehören auch die niedrigen Gottheiten und Dämonen 




Abb. 158. Dam-5an rDor-legs, auf einem Widder reitend. 

Aus der Sammlung des Fürsten Ucbtomskij. 



der Hindu- Mythologie, welche den oben erwähnten vier Lokapälas unterthan sind: 
die Nägas, die Räkshasas und Räkshasis, Kumbhändas, Vetälas u. s. w. 

Die interessanteste Gruppe der niedrigen Gottheiten sind die Nägas (tibetisch 
kLu, mongolisch lü), die wir schon erwähnt haben. Sie stehen unter einer Reihe 
von Königen, sind kastenweise als Brähmanas, Kshatriyas, Vai?yas und Qftdras ein- 
geteilt und bilden völlige Staaten, deren fabelhafter Reichtimi oft gescliildert wird. 
Sie sind die «Erdherren» xaT J^ox^v (tv\)el\?»d\ ?i^-\>^^%,'$i^\s.^^^^^^ö^ 



- 18H --- 

iii ä(lzän) und senden, wenn sie beleidigt werden, Dürre, Misswachs, 

und F^pideuiien aller Art über die Menschheit. Schon erwähnt haben 

anipf gegen den Kiesenvogel Garuda (tibetisch K'yufi). Die Abb. 1(50 

.vanipfe und zwar in interessanter Weise in ihren verschiedenen Formen: 

und in menschlidier Form, mit Schlangen im Nacken (vgl. oben S. 25 




Abb. 151». Der Vogel Garuda (tibetisch K*ynn, iimnjroliscli (lurudi sibagun) auf einer 
sterbenden ^Sk^i (Schlanjjenfrau) stehend. 

cbt'n ihm xwci Formen des soruigen VajrapAni (tn)oti8ch P*yag-na-rdo-rjo oder P^yaff rdor): vgl. dasa das 
bun über diesen (iott Gesagte. Auf Oeniiildcn hat or als Kaltfigur hlauuchwarzen Kopf mit swei eben- 
»Ichcn Hörnern, rote Brust und Arme, writtsen Dnuch und grünes (Jofleder der gelben FUsso; die FlUgel 
nd in Schichten dunkelblau, rut und dunkelblau und haben grün und gclbo Schwungfedern. Die Federn 

auf dem K^pfo sind feuerrot. 

Aus der Sammlung de» Fürsten Uclitom!>kij. 



Al)b. 7), im Hintergründe ganz als Sclilangen. Edelsteinen behüt(»nd; im Mittel- 
ide sehen wir einen Naga fast als Drache oder Seeteufel gebildet wie er einen 
iida bei den Fängen ])a('kt. Im Hintergründe fliegen (iarudas mit Schlangen in 
Armen und Schnäbeln; sie haben sie gefangen und viM'zeliren sie. 

Der Heilige, zu dessen Füssen die Nagas wie ditj (Jarudas sich versammeln, um 
Ihch seiner L<Oire zuzuhören, ist der l)eriihmte Subhüti (tibetisch liab-'byor)^*^ 
*-»tn TUiddha die rrajnaparamita auf dem (Iridhraküta-lJerge voi'ietragen haben 







Abb. 160. Subhüti (tibetisch Rab-*byor), der ^rävaka, predig den Nägas (tibetisch kLu) und 

Garudas (tibetisch K^yuü). 

Im Vordergrunde sieht man die vier « grossen Könige« (tibetisch rgyal-6*en bzi, die Lokap^as). Über Subhüti, 
in einer SeeroBC sitzend, der Schüler Buddhas Maudgaly^yana (tibetisch Mo-u-gal-gyi-bu). Im Hintergründe der 
jugendliche Subhüti vor (^'Alcyamunibuddha in Begleitung seiner Mutter. Noch weiter hinten sitzt er als Asket in 
einer Berghöhle. Subhüti hat auf dem Mittelbild ein Oberkleid von hochroter Farbe und ein purpurrotes Unterkleid; 
unter dem Überwurf eine' hellblaue Jacke. X)ie XiokapMas haben die oben angegebenen Farben. 



— 190 -- 

soll (Abb. IGO). Als er Arhat geworden war, erkannte er seine frühern Wieder- 
geburten und ersah daraus, dass er selbst einst ein Näga gewesen war. Aus dieser 
Ursache geschah es, dass er, schon bevor er Arhat geworden war, gern in Wäldern 
meditierte, welche voll Schlangen waren. Als er die Erkenntnis seines frühern Daseins 
erlangt hatte, ging er hin luid predigte den Schlangen und den Garudas. Die In- 
schrift unter dem Bilde lautet: «Der grosse Subhüti, welcher vor den Augen des 
unvergleichlichen Muni Qäkya sich bekehrte (d. h. Mönch wurde) und als Arhat 
(tibetisch dGra-bcom) zur Erkenntnis (seiner frühern Existenz) gekommen war, 
predigt den Nägas im Meere, (welches) durch eine magische Kraft der vier grossen 
Könige (der Lokapälas) (ihm nahegerückt war).» 




Abb. IGl. (Juruda, im (iel>ir*(c Atluii T^elon auf eiuem Felsen sitzend. 



Es werden in den Texten eine ganze Reihe von Schlangenkönigen ^^^ genannt; 
wir wollen nur erwiihnen. dass ihre Darstellung gewölinlich die eines Königs in 
reichem Schmuck ist, mit einem Schlangenunterleib und Schlangenköpfe im Nacken. 

Die gewöhnlichsten sind (die ersten acht sind die acht «grossen»): 

1. Nanda, Nägaraja (til)etisch dGa-bo kLu rgyal, mongolisch Bayaskhulangtu 
lüs-un khagan); 

2. Upananda (tibetisch Nyer dga-bo, mongolisch Tsikhula bayaskhulangtu 
lüs-un khagan); 

3. Sägara (tibetisch rGya-mtfso, mongoHsch Sagara dalai); 

4. Väsuki (tibetisch Nor-rgyas, mongolisch Wasuki); 



0. 



Takshaka (tibetisch Mog-po, mongolisch Taksaki); 



0. Bn]fi\i\n (tibetisch sTobs-ldan, vielleiclit mongolisch Dzibkhulanjjjtu); 



— 191 — 

7. Anavatapta (tibetisch Ma-dros-pa, mongolisch Anobata); 

8. Utpala (tibetisch Ut-pa-la, mongolisch Utbala); 

9. Vanma (tibetisch C'u-llia, Va-ru-na, mongolisch Usun tägri); 

10. Eläpatra (tibetisch 'E-lei-\lab-ma, mongolisch Ela-in nabtsi-tu); 

11. Qankhapäla (tibetisch Diih-skyon) u. s. w. 

Der Todfeind der Schlangen, Garucla^^*, wird im Lamaisnms inmier mit 
dickem Körper, menschlichen Armen, an denen die Flügel sitzen, und gehörntem 
Vogelkopf dargestellt. Er geliört in das Geleit der furchtbaren Götter und spielt, 
allegorisch verwendet, ziemlich die Rolle eines Symboles des Sieges. So findet 
sich im Gebirge Adun Tselon in der Mongolei ein grosser hölzerner Garuda auf 




Abb. 162. Ts^o^'s-bilag, der Beschützer (natha), auf dem Löwen sitzend. 

Der Fürst der Ganas, als Prol»e für Dämoncntypeu. 



einem Felsen hockend, zweifellos als Zeichen irgendeines historisc^hen * Vorgangs 
(Abb. 161). Doch konnnt er im Lamaisnms auch als menschengesichtiger Vogel 
mit menschlichen Händen vor, aber dann scheint er nur die anbetend stehende 
Nebenfigur einer andern Hauptfigur zu sein. 

Wenn er Kultfigur ist, so hat er die Gestalt, wie ihn die Abb. 159 zeigt. 
Er steht dann en face mit ausgebreiteten Armen und Flügeln auf einer sterbenden 
Nagt, seine Fänge in ilire Brust bolirend. Er tritt bisweilen in drei Formen auf, 
sodass der rechts von der Hauptfigur stehende etwas nach links gewendet, der 
links stehende etwas nach rechts gedreht dargestellt ist. Die Mittelfigur ist dann 
bunt (K'ra), wie bei Abb. 159 beschrieben; die Figur rechts ist schwarzblau 
(Ivyun nag-po), die hnks gelb (ICyun ser mig >kSil-ba, der gelbe Garuda, der mit 
den Augen zwinkert). Oder der btmte Garuda steht in der Mitte und wird von 



Darstellung einer Beschwörung in einem Totenhain. 

Die von Yet&las belebten Leichen beginnen sich su erheben. 



anderen Garudas in den fünf Farben, gelb und rot (oben), weiss, schwarzblau und 
grün, — der ganze Körper mit Ausnahme der ¥l\xge\ hat dann eine Farbe — umgeben. 

Von den übrigen Dämonen wären noch die ßäkshasas (tibetisch Srin-po) und 
ßäkshasis (Srin-mo), die Ganas, Yakshas und Vetalas zu erwähnen. 

Die Räkshasas, Yakshas und Ganas haben überall den kurzen, dick- 
gliedrigen Tjt:)us der zornigen (jötter, ebenso den aufgerissenen Mund mit den 
vorstehenden Zähnen, das dritte Auge und das struppige Haar, sodass sich eigent- 
liche Dämonentypen kaum darstellen lassen (Abb. 1()2). Bisweilen erscheinen sie 
auch in menschlicher Gestalt etwa von grauer oder fahler Farbe und grim- 
migem'oder angstverzerrtem Gesichtsausdruck, wenn wir sie von den «Schreckens- 
göttern» verfolgt sehen. Sie werden von diesen getötet, abgehäutet und aufgezehrt, 
und ihr Blut wird getrunken. Eines der Opfer, welches den «Schreckensgötteni» 
dargebracht wird (Abb. 154), besteht aus Körperteilen solcher Elenden. Ich will 
daran erinnern, dass die Menschenhautschabracke der Llia-mo (Abb. 52, 148, 133, 
Xo. 8) aus der friscli abgezogenen Haut eines Yaksha besteht. 

Die Vetalas (tibetisch Ko-laiis, mongolisch Kägür kür) spielen eine grosse 
Holle in den Beschwörungen, welche auf 'rotentickeru ausgeübt werden, vgl. S. 30. 
Der Vetala fährt in Leichen, welche dann aufstehen und sich bewegen imd kann 
dann gebannt werden. 

Zu den amüsantesten Werken der indischen Litteratur gehört ein Werk, 
Vetälapancaviiii(;ati genannt, «die fünfundzwanzig Erzählungen eines Vetala», in 
welchem erzählt wird, wie ein König, um die Beherrschung der Erde für sich zu 
erringen, eine Zauberlciche wegträgt; der Vetala erzählt ihm jedesmal eine 
Geschichte, die in einer Frage endet. Da sich der König immer wieder vergisst, 
und das Gebot des Schweigens brechend antwortet, so fliegt die Leiche jedesmal 
wieder auf die Leichenstätte zuriick, und jedesmal muss er sie wieder holen, bis er 
die letzte Frage nicht beantwoiten kami und so endlich zur Beschwörung und zima 
Ziele gelangt. Eine mongolische und kalmückische Fassung dieses Werkes, das dem 
heiligen Nagärjuna (Abb. 23) geweiht ist, ist durch Jülg besonders in Deutschland 
bekannt geworden; es ist heute noch bei den Mongolen ein belie])tes Volksbuch. 

Die Abbildung 103 stammt vom Rande eines Zauberkreises und zeigt einen 
Beschwörer mit seinem Schüler, einen mC'o-rten als Schutz im Rücken, auf einer 
Leichenstätte bannend. Der Schüler bringt einen gewonnenen Edelstein. Ein Y'^i-dam 
erscheint auf dem Leichenfelde, auf dem wir einen Tiger sehen und eine Leiche, 
die von Geiern zerfleischt wird. Auch eine Nagi erscheint und bringt Regen. 
Mehrere Leichen beginnen zu gehen und sich aufzurichten, darunter ein Ent- 
iMipteter; sie sind von Vetalas besessen. 



— 193 — 

Damit sind wir am Ende unserer Darstellung. Es ist klar, dass die jüngste 
Schicht der buddhistischen Mythologie, welche wir kurz skizzierten, noch mancher 
Arbeit bedarf, um sie mit dem im ersten Kapitel Dargestellten zu einer fortlau- 
fenden Typengeschichte verarbeiten zu können. Allein diese Rekonstruktion ist 
möglich. Wir sind nämlich in der glücklichen Lage, dass die Tantras von jeder 
einigermassen ungewöhnlichen Gottheit genau angeben, welcher Heilige sie zuerst 
so gesehen und gebannt habe, und dass auch die lamaistischen ikonograpischen 
Werke reich sind an solchen Angaben. So wissen wir zum Beispiel, dass eme 
wesentliche Erweiterung der Yi-dam-Typen (yum bcas) durch die Sa-skya-M<mche 
aufkam (sa-lugs), und wir kennen viele solche Gottheiten, welche dem Ati^a (jo-lugs) 
angehören u. s. w. Alle diese Bildungen aber sind jung und zunächst aus dem 
Pantheon abzuheben. Auf diese Weise wird man allmählich an der Hand der 
Tantras zu einer historischen Gliederung gelangen. Der Rest des ältesten 
Bestandes bedarf dann des Vergleiches mit dem japanischen Pantheon und mit 
den durch die indische Archäologie erhaltenen T\i)en. 

Was die äusseren Formen betriift, so dürfen wir nicht vergessen, dass alles, 
was seit der gelben Kirche eingeführt wurde, den Charakter eines gewissen Puri- 
tanismus und einer Art Renaissance, die heute schon in Barock ausgeartet ist, 
trägt. Trotz alledem giebt es Kunstwerke ersten Ranges, besonders unter den 
Porträts, Bronzen sowohl wie Miniaturen. 

Den Stil der alten Kirche, etwa vor Tson-k'a-pas Zeit, kennen wir noch nicht; 
er ruht in seinen Kunstprodukten in den alten buddhistischen Klöstern Tibets 
neben manchem herrlichen alten indischen Stück! Hoffentlich werden diese Dinge 
einmal nicht verschleudert, sondern kommen sofort in die richtigen Hände, wenn 
die europäische «Civilisation» auch Tibet einmal erreicht haben wird. 

Das heutige lamaistische Pantheon war, wie sich aus den Deckeln des 
Kanjur Yun-lo (1410) ergiebt, vor Tson-k'a-pa ziemlich abgeschlossen und erhielt 
nur neue Formen in den seit dieser Zeit wiedergeborenen Hierarchen. 

Es ist nichts interessanter, als die Eingliederung dieser meist sehr indivi- 
duellen Köpfe in das hierarchische System, in den Stil der Kirche zu beobachten. 
Der Europäer, welchem die Vorstellungswelt des Buddhismus, wie sie sich in Hoch- 
asien entwickelt hat. fremd ist, mag über die Wiedergeburtstheorien und manches 
andere ein mitleidiges Lächeln haben. Immerhin aber erinnere er sich daran, dass 
es diesen Männern gelungen ist, die Weltenstürmer, welche ganze Städte aus- 
mordeten und aus den Schädehi Pyramiden bauten, zu bezähmen. Er möge sich 
auch der Zeiten erinnern, wo man im Abendlande aus Angst vor dem Mongolen- 
sturm, schon wenn erst aus weiter Ferne die Kunde davon kam, Messen las und 
Litaneien betete: Domine libera nos a Tartaris! 




Obünwkdul. 



v^ 



Sarvamanjk^alam, «Sejjen allerseits!» 

In LantB*Ä-Schrift. 



ANHANG. 



13* 



Anmerkungen. 



* Vgl. Abel Remusat, Memoire sur les r^lations politiques des Princes Chr^tiens avec les 
Empereurs Mongols (Paris 1824); Isaac Jakob Schmidt, Philol. krit. Zugabe zu den von H. Abel 
Remusat bekannt gemachten Originalbriefen der Könige von Persien Argun und Öldshäitu an 
Philipp den Schönen (St. Petersburg 1824); hierzu Koppen, Die Religion des Buddha II, 85 fg.; 
Pauthier, Marco Polo II, 775 fg.; Kovalevskij, Mongolskaja Chrestomatija II, 355 fg.; M^langes 
asiatiques (St. Petersburg) II, 487. 

' Henry Yule, The Book of Ser Marco Polo (London 1871) II, 25G. Der französische Text 
ist der von Pauthier, Marco Polo ü, 587 fg. 

« Vgl. Rhys Davids, Buddhism (1890), S. 11—15. 

* Der tibetische Text dieses Werkes ist in Berlin im Museum für Völkerkunde vorhanden. 
Ebenso existieren dort 11 Bände des siamesischen Textes der Pathamasambodhi. 

^ Vgl. G. Bühler, Anzeiger d. k. k. Akademie der Wissenschaften (Wien 1897), S. 319 fg.; 
Oldenberg, Buddha, 3. Auflage, und Lucian Schermaus Recension dieses Buches in der Deutschen 
Litteratur-Zeituug 1899, No. 5, S. 177 fg.; Epigraphia Indica (1898) V, 1. Weitere Litteratur in 
der Orientalischen Bibliographie (1898) XI, 1, S. 64, 12.57—58; 2, S. 218, 4129; S. 219, 4149, 
4152 u. s. w. 

^ Fausbölls Ausgabe der Jätakas hat durch D. Andersens Sorgfalt einen reichen Index 
erhalten; wer sich aber mit buddhistischer Archäologie beschäftigt, braucht, wenn er unbezeichnete 
J&taka-Darstellungen bestimmen will, einen andern Index und zwar einen solchen, der angiebt, 
als welches Wesen der Bodhisatva wiedergeboren wurde. Der Schirm, welcher auf jl\ngeren Dar- 
stellungen (schon das Lalitavistara erwähnt ihn) stets über der Figur des Bodhisatva steht, 
oder, wenn dieser fehlt, die in der Komposition selbst dominierende Figur desselben genügt leicht, 
den Bodhisatva in der Gottheit, dem König u. s. w. erkennen zu lassen. Aber es fragt sich dann, 
wo zu suchen ist. Wir brauchen also allein für archäologische Zwecke einen Realienindex und 
nicht nur einen Xamenindex. Im Folgenden bezeichnet die Zahl die Nummer des Jätaka in 
Fausbölls Ausgabe. 

Der Bodhisatva ist wiedergeboren: als Mahäbrahmä 99; 135; 544; als Gott Sakka 31; 202; 
228; 2G4; 291; 300; 372; 374; 386; 391; 393; 410; 417; 450; 45«; 469; 470; 489; 512; 535; 
nur bezeichnet als König der Devas 82; 439; als Gott Dhamma 457; als Gott Bhaddasäla 465; 
weise Gottheit 74; Gott der Luft 104; 369; 419; 449; als Gott des Meeres 146; 190; 296; als 
Baumgottheit (rukkhadevatä) 18; 19; 38; 102; 105; 109,- 113; 139; 187; 205; 209; 217; 227; 272; 
283, 294; 295; 298; 307; 311; 361; 400; 412; 437; 475; 492; 520; Gott des Kusa-Grases 121; 
als Waldgott 13; als König 194; 276; 327; 378; 415; 420; 424; 456;* 459; 468; 494; als König von 
Benares 14; 50, 62; 100; 101; 151; 191; 225; 230; 233; 248; 262; 269; 282; 289; 302; 303; 
343; 347; 349; 351; als König Bhallätiya 504; als König Udajya 421; K. Ghata 355; K. der 
Gandhära 406; K. Susima 411; K. von TakkasilÄ 229; K. von Videha 160; K. Paduma 193; 
K. Mahasudassana 95; K. Asadisa 181; K. J&naka 52; K. Mah&silava 51; K. Ad&samukha 2'" 



— 198 — 

K. Bhojanasuddhika 260; K. Nimi 541; K. Canda 542; K. Bhüridatta 543; K Sutasoma 537 
K. Kusa 531; K. Arindama 529; K. MaMjanaka 539; K. Sivi 499; 527; K. Mandh&tu 258 
K. Makhadeva 9; K. Katthavahana 7; K. von Kosala 67; K., der ein Reich gewann 73; 96; 126 
132; junger König 416; K. mit fünf Waffen 55; als Prinz 8; 156; 240; 326; 472; als P. Yuvan- 
jaya 460; P. Mahosadha 110; 111; 112; 350; 364; 452; 471; 500; 508; 517; 546; P. Digh&yu 
371; 428; P. Vessantara 547; P. AUnasattu 513; P. Sutasoma 525; P. Mahimsftsa 6; P. Nigrodha 
445; P. Dhammap&la 358; 447; P. Somanassa 595; P. Anitthigandha 507; P. Hatthipäla 509; 
als Minister 25; 26; 27; 92; 158; 176; 184; 186; 215; 223; 247; 306; 320; 331; 332; 333; 336; 
345; 396; 409; 462; 473; Pandit 317; 401; 402; 480; 495; 497; 498; 538; P. Rama 461; P. Ghata 
454; P. Vidhura 441; 545; P. Kanha 440; P. Ayaghara 510; P. Supp&raka 463; P. Soija 532 
P. Säma 540; Kind eines P. 367; 368; 446; Purohita 34; 86; 120; 214; 216; 220; 241; 284; 290 
330; 377; 413; 479; 487; Sohn eines P. 310; 522; 530; Schatzmeister 4; 40; 45; 47; 53; 83; 84 
125; 127; Oberrichter 218; Hofmann 107; 108; 183; 226; Lehrer 41; 43; 61; 64; 65; 71; 97 
119; 123; 124; 130; 150; 161; 169; 185; 200; 203; 245; 252; 287; 338; 353; 373; 453; L 
Sarabangas 423; L. Devadattas 231; Führer der Weisen 175; 213; kluger und guter Mann 39 
46; 49; 79; 89; 199; 242; 268; 280; Ratsherr 195; Brä,hmana 80; 163; 174; 312; 354; 403 
431; 435; 477; 488; 515; Asket (Büsser) 17; 63; 66; 76; 77; 87; 94; 144; 149; 154; 162; 165 
166; 201; 207; 234; 244; 246; 250; 251; 253; 259; 273; 281; 285; 293; 299; 301; 313; 314 
319; 323; 328; 334; 337; 348; 362; 376; 380; 392; 414; 418; 425 426; 490; 496; 511; 519 
623; 526; Lehrer der Asketen 10; 81; 117; 180; 197; 271; 408; 436; 443; 528; Büsser Kan 
hadip&yana 444; Lomakassapa 433; Brähmana Kärandiya 356; Br. Kapila 422; Br. Kappa 346 
405; Br. Sankha 442; Br, Somadatta 211; Br&hmana-Schüler 48; 305; 467; junger Br. 68; 155 
237; 432; 478; feldbauender Br. 389; Millionär 131; GUdemeister (setthi) 340; 363; 382; Sohn 
eines G. 315; Kaufmann 1; 90; 93; 98; 103; 171; 232; 238; 324; 365; 366; 390; Händler 44; 
Komhändler 249; Hausierer 3; Karawanenfülirer 2; 54; 85; 256; 493; Landtaxator 5; Hausbesitzer 
352; Sohn eines H. 398; Landmann 56; 189; Gärtner 70; Mango-Hüter 344; Musiker 243; 
Muschelbläser 60; Trommler 59; Seiltänzer 212; Sohn eines S. 116; Elefantenzüchter 182; Pferde- 
händler 254; Arzt 69; Sohn eines Schmiedes 387; Steinmetz 137; Barbier 78; Stellmacher 466; 
Töpfer 178; Oberhaupt der Förster 265; Räuberhauptmann 279; Räuber 318; Bettler 235; 
Candäla 309; 474; niedrigste Kaste 179; kluger Vater 106; kluger Knabe 261; keuscher 
Jüngling 263; Würfelspieler 91; Kinnara 485; Garuda 518; König der Garudas 360; Nägakönig 
506; 524; Nägaprinz 304; Elefant 122; 267; weisser Elefant 455; 514; Elefanten-König 72; 221; 357; 
Löwe 143; 152; 153; 157; 322; 335; 397; 486; König der Löwen 172; 188; Sarabha 483; Anti- 
lope (u. s. w.; Päli: miga) 11; 15; 1(3; 21; 206; 482; 501; König der A. 12; 359; 385; Hase 316 
Pferd 23; 24; 196; 266; Bulle 29; 30; 88; 286; B. Nandivisäla 28; Büffel 278; Affe 208; 222 
342; Affen-König 20; 57; 177; 219; 404; 407; 516; Sohn des Affenkönigs 58; junger Eber 388 
Hund 22; Schakal 148; König der S. 142; König der RAtteu 128; 129; Laubfrosch 239; Eidechse 
138; 141; 325; Fisch 114; Fisch-König 75; 236; Vogelkönig 115; 133; 384; kluger Vogel 36; 521 
Vogel Singila 321; V. Kunäla 341; 464; 536; Pfau 159; Pfauen-König 339; 491; Hahn 448; Hahn- 
König 383; Rebhuhn 37; 438; Taube 42; 274; 275; 375; 395; Tauben-König 277; Wachtel 33 
118; 168; 394; Wachtel-König 35; Papagei 145; 198; 329; Papagei-König 255; 429; 430; 484; 503 
Gans (hamsa)476; Gans-König 502; 533; 534; Goldgans 270; 370; 379; Enterich 136; 431; 434 
wilder Enterich 32; Holzspecht 210; Geier (gijjha) 164; 308; 381; 427; Geier-König 399; Krähe 
204; Krähen-König 140; 292. 

^ Die Legende zählt 12 und in breiterer Ausführung 125 Thaten Buddhas auf. Die ersteren 
(tibetisch: mdsad pa bcu gnyis) sind bei Csoraa de Koros, Essay towards a dictionary Tibetan 
and Englisli, S. 148 A aufgeführt. 

» A. Cunningham, The Stupa of Bharhut, Tafel XXX, 3; E. Hultzsch, Zeitschrift der 
Deutsch. Morgenl. Gesellschaft Bd. 40, S. 65, No. 46. 

® Vgl. Yule-Burnell, Hobson Jobson, (London 1886) unter «tope» (S. 712). 
" Ausführliches darüber vgl. in meinem «Handbuch der buddhistischen Kunst» (Berlin 
1900), 2. Aufl., S. 40—57. 

" Dieselbe Darstellung kehrt auch am östlichen Thore des mit vier Thoren geschmückten 
Stüpa von SAiicbl wieder. Vgl, Fergusson, Tree and Serpeul YJOTs\\\p, lL«ie\ ^^sXÄV. 



— 199 — 

*" Die Leiter, auf welcher der Bodhisatya herabgestiegen Isein soll, wurde später in Gandhära 
gezeigt; vgl. St. Julien, Histoire de la Yie de Hiouen-Thsang, S. 44, 261, M^langes asiatiques 
(St. Petersburg) 11, 376. Sie wird dort bezogen auf seinen Besuch im Himmel bei seiner Mutter. 
Dürfen wir dies auch schon für Bharhut annehmen? Vgl. auch Legges Fä-hien S. 49. Die Stelle 
über die Theorie der Mahäs&üghik&s vgl. Wassiljew, Buddhismus, S. 236. Die im Folgenden er- 
wähnten Götterfiguren sind bei Cunningham, Bharhut, Tafel XXI — XXIII abgebildet. 

^* Vgl. mein «Handbuch der buddhistischen Kunst» (Berlin 1900), 2. Auflage, S. 104 fg. 

** Wegen späterer, der Gandhära-Periode angehöriger Abbildungen der Geburt Buddhas 
vgl. Cole, Preservation of National Monuments, India, Greco - Buddhist Sculptures from 
Yusufzai, Taf. 11, 2, 10. Vincent Smith, Greco-Roman Influence on the civilisation of ancient 
India im Journal (Tf the Asiatic Society of Bengal 58, 1 (1889), Taf. 9. Jas. Burgess, Journal of 
Indian Art and Industry VHI (1899—1900), No. 62, Taf. 10, No. 1; No. 69, S. 75, Fig. 4, 5. Eine 
indische (Amarävatl) bei James Fergusson, Tree and Serpent Worship, Taf. XCI, 4 u. s. w. 

" Dieses merkwürdige Buch, welches in fast platonischem Stil ein philosophisches Gespräch 
zwischen dem König und einem buddhistischen Eeligiosen namens Kägasena enthält, ist zugäng- 
lich durch die Ausgabe V. Trenckners (London 1890). tlbersetzt von T. W. Rhys Davids in den 
Sacred Books of the Fast 35, 36. Die antiken Quellen über Menandros sind Plutarchs Rei- 
publicae gerendae princ. 28 und Strabo XI, 516 (citicrt bei Kern, Buddhismus, deutsch von 
H. Jacobi, U, 439, Note ***). Zur Sache vgl. ferner Takakusu, Chinese Translations of the 
Milindapanho , Journal of the Royal Asiatic Society (1896 Januar), S. 1 — 21 und L. A. Waddell, 
ebd. (1897), S. 227—37. 

^* Es genügt für unsern Zweck zu citieren: Percy Gardner, Catalogue. of Indian coins, 
Greek and Scythic Kings (London 1886). Die Münze mit der Abbildung Buddhas Taf. XXVI No. 7, 
XXVn No. 2 (andere Inschrift); XXXII No. 14 (andere Inschrift, Buddha sitzend in indischer 
Art). A. Stein, Zoroastrian deities on Indo - Sky thian coins im Indian Antiquary (1888) giebt 
wichtige Mitteilungen über die Lesung der Namen wie des Königstitels. 

^^ Dies gilt besonders für Texte, die in der Kunst eine Rolle spielen. Am auffallend- 
sten ist in dieser Beziehung die dürftige und wenig wirkungsvolle Form des Mittavindakajä- 
taka (und Catudvärajätaka) gegenüber der grandiosen Maitrakanyakä - Legende der nördlichen 
Tradition, vgl. Veröffentlichungen aus d. kgl. Museum f. Völkerkunde zu Berlin, V, 95 fg. (1897) 
und L. Feer, Ätudes Bouddhiques (Paris 1866 — 75), VIII: Maitrakanyakä-Mittavindaka. La 
pi^t^ filiale. 

" Einen besonders überzeugenden Fall erwähnt u. a. B. Laufer im «Globus» LXXllI, 2 
(1899), S. 31a zur Darstellung des Tittirajätaka. 

^* Den besten Überblick geben jetzt die drei Abhandlungen von Jas. Burgess im Journal 
of Indian Art and Industry VHI, Nos. 62, 63, 69, wo der Leser auch die ganze Litteratur 
über den Gegenstand finden wird. Nachzutragen sind nur die Abhandlungen von S. von Olden- 
burg und Kizerickij im 9. Bande der »Zapiski vostocnago otdelenija inip. russk. arch. ob^cestva» 
(S. 274 und S. 167). Über Bämlän vgl. Ritter, Die Stupen (Topes) an der indo-baktr. Königs- 
strasse (Berlin 1838); M. G. Talbot, The rock-cut caves and statues of Bamiän im Journal of the 
Royal Asiatic Soc. N. S. 18, 323 fg. (1886). Über Borazan und Turfan vgl. den erwähnten Aufsatz 
Kizerickijs und S. von Oldenburgs Abhandlung: Zaraetki o buddijskom iskusstve II: Vostocnyja 
Zametki S. 359 fg. (deutsch im «Globus» No. 1 [1900]). Ferner Sven Hedin, Durch Asiens 
Wüsten n, 32 fg. (Leipzig 1899) und «Nachrichten über die von der kais. Akademie der Wissen- 
schaften zu St. Petersburg im Jahre 1898 ausgerüstete Expedition nach Turfan», Heft I (Peters- - 
bürg 1899). Skizzen verwandter Altertümer aus der Umgebung von Taschkent (Afrasiäb) in der 
Zeitschrift für Ethnologie (21. Juni 1890). 

^" Diesen Charakter trägt vor allem das schon erwähnte Lalitavistara: es besteht aus 
beschreibenden Gesängen (in Gäthä - Dialekt) mit verbindendem Kommentar (in Sanskrit). So 
wird der Schirm erwähnt, welcher über der Figiu: des Bodhisatva schwebe; vgl. dazu das Relief 
im Journal of Indian Art and Industry VIII, No. 69, S. 75, 4. Aber auch jüngere und ganz junge 
Werke haben solche Partien, vgl. die tibetische Lebensbeschreibung des ^äkyamuni von 
A. Schiefner S. 95, Note 59 (Sep.-Abdr.) und besonders das Pad-ma-fan-yig (die Legende des 
Padmasambhava). Da heisst es z. B. im 36. Kapil^Y de^ ^\oO&.^t\SLO&Ä ^wv X^-ax^^ 



— 200 — 

saiiibhava dio Prinzossin Mandärata besucht, am sie zu bekehren: «Der Heilige zeigte sein dem 

Yollmondo gloioh leuchtendes Antlitz aus seiner Brust gingen drei Strahlen aus, Strahlen 

der Liebe: ein weisser, ein roter, ein blauer: sie fassten Mandärava an Leib und Wort und 
liedanken und nahmen diese drei Organe gefangen. Da nun die Zuneigung der Prinzessin 
gewonnen war. verweilte sie durch die Macht der Liebe unter Tliränen lachend mit freudigem 
Antlitz und konnte ihre Lust, des Heiligen Auge zu sehen, nicht bändigen, sondern wollte den 
lleiligiMi von überall her, von der Seite u. s. w. beschauen. In diesem Moment begannen einige 
ihrer Dienerinnen sie zu putzen, andere besprengten sie mit Wohlgerüchen, andere räucherten, 
andere stellten Stühle und Matten unter, andere suchten sie heimlich und schnell gerade zu 
schieben. Da stieg der zauberhafte Leib zur Erde herab u. s. w.i> Man vergleiche dazu das viel 
altert' liandhi^ni-Kelief im Journal of the Royal Institute of British Architects S.S. I (London 
IS^UK S. iUl. In Benfeys Pantschatantra 1. r>ST kommt eine Version des Mah&supinaj&taka 
vor. welches TrÄume enthält, von denen Benfey sagt, sie seien zu thöricht. sie ausfUirlich zu 
er/ahlen. Aber unter diesen Traumen ist die aus der Antike wohlbekannte Geschichte von 
i'^km^s und seinem F.sel. welches Si\jet Polygnot in der Lesche von Delphi gemalt hatte! 

^' Vgl. zur Sache meine ausfuhrliche Behandlung im » Handbuch der buddhistischen 
Kunst» iBeriin UNXK 2. Auti.. S. ia7-L">S. 

*^ Die Mttdras sind die folgi'uden: Dhurmacakm. 'das Rad der Religion», die Hände 
werden so vor die Brust gehalten, dass die Fingerspitzen sich berühren, die Rechte mit der 
offenen Hand nach vom. die Linke nach innen lAbb. >>: Bhümispart^a . «Berühren der Erde», 
die Hand hangt, die tlache nach innen. i:an/ henib: Vara. < Segnung-, ebenso, doch ist die Fläche 
nach aussen; Dh\d^na. «. MtHUtati«»n '. die Hände lieiren beide auf einander im Schooss: Abhaya. 
• Furchtlv^sigkeit. Trxisiuni:-. die Hand i<i lehrend erhoben; lAbb. 1**1. Nach Jas. Burgess, 
ArvhatvKvical Survey ot Western Ir.dia l\ »B>mbay l^Ti>>. S. i«^, Fig. <>— 10. Je nach den Sekten 
nebi es uivh mehr mit änderten Namen; \Ci. 1.. A. Waddell. Tlie BuddLism of Tibet. S. 33t; — 337: 
F- ^^•V.Jli:iu:weit. AnnaU^ du Musee iiuimei HL lo4. 

*' V^akra oder l:;dr* r«i: dtm IVu'.urkeil r*:;d mit aitindiM*her Krone ist abgebildet auf 
d«a Ke:wi Ivi Jas, Burtf\>> im .loun;*! ot Ir.diaü Art aiid l:-.d:i>tr> VHl. No. t^. S. 76, Fig. l> 
u::d ohuf IV^tiuerkeil cKi. S. TT. Fi*:. 11. \jl\. r..ei:: Hanii-uih der buddhistischen Konst». 
:?. A:;:l . n >S f^. i;::i ulvcr KuVtra tk:.. S. l^^ ü, 

*• VjJ. IVrvv ij*r.r.:er. ra:ji\^jr.:t' o: Ii:;i.v.; 0« :::< in thr British Museum. Greek and 
>s> :>■.:.' K:v,is o: lUkTr*.,* l.or.:;:u IS*^» l \IV; i^ l*.«: .rA'.Mtüa. le i^iv Tlnde doit a la Grece, 
S. :V . S- ^ o- V •". .;* V. : ::ri: , V . >t X n > ; .* / .*:*- x : k i . >. CV4 . Ia: . 1 1 : . : •. L : be r r ii haei * . Fig. 6 i i^i\^ 

* Vi'. i,r-.:r,:r,. A;*:::i-i^^.v.•".' c> '. v.a^v \1\ ::v..i WII. Bra^b:e::j>wert sind die Ketten- 
cin^*. .:;T F.rv*:e:i. ^el/~« i^ ::*•.: >.- >.:..:. *.t >it h-::::« T.xh kleine nackte Knaben in 

-' Nfi: iw AVV;:a;:ni iz: .Js iir:;*: ^: Iniiin Ar: *:: i :-:u>:ry VIi:. Nr. -vi. Taf. Ä Fig. 7: 
c;r.-.- SV.-;- .i^r^'.Nr. ^»rupiv :=: •\ .;rr.Al o: iht P. >a*. !7.>::v.::r ■. : Br-Tisi Arvhhörts. 3^ S^ries 
•. t:^ /;at S*.:.t ^cL I .'.:> .u* *.Jk VV.'-t: P.c.vs.-j., H.v:.x1.:>=:t . Fviir- ►: Ma:erianx i London 

' ^ jZ'. : ^ > ■.: .: , :> i ; ; F in: c ;: :n c ^ . r. Iv il > F a - :. i *- ".n ; i t n in: ? ^i-^s&£:«fi tih« ig^-^Beir 
K:?:,::. »i\':;v. *.": Av.irfc.:A< .V-.ir.:*'. .: :r.? A>:i::: >;•::■.:> : i>rnirAl :>•*:?. Nr. i >. >^ le, »it- 
<v : < .' : y * t- : ; :r. t r *.-. .1: Ar, V a - i: : > :?. : >. -: l jir. • «c >r. : » . -A ': > > *: ir. t b a n Artijks CaI-l ?:na 1 >^ t 

^ \i\ v:.:v^;\£;:. ::-.■:.;. \ .:,: b^ilr K.;">:. i. A.:r . > \^. :in-i :I:r:i.- Tvtmit Ein- 

~ . .N> . :*. r - V. :v. ; >-.> . ? : v. \ - >: V ■.'..*: ■*. '.>.•?■ ^ > -«•'* :i . 

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V* .V .: ".*'. \\. \\\ . ■ -:>..-. ■-:- i> N:.a. 2.r: «czA^MMes 



— 201 — 

Carus, Paul, The Mythology of Buddhism in The Monist, Vol. 7, No. 3 (1897), 415 fg.; S. 440 
ist eine Abbildung einer lamaistischen Däkini, leider ohne Attribute. 

Chandra Das, Sarat, Contributions on Tibet. V. The Lives of the Panchhen-Rinpochhes or 
Ta^i- Lamas im Journal of the Asiatic Society of Bengal 1882, S. 15 fg.; enthält auf 
den beigegebenen Tafeln die Abbildungen aller Inkarnationen dieser Lamas. 

— The five Visions of Khedubje im Journal of the Buddhist Text Society I, III, Appen- 

dix n, fg. mit grossem Bild. 

ChÄppe d'Auteroche, Voyage eu Siberie fait par ordre du roi en 1761 (Paris 17G8). 
Grosse Ausgabe, 2 Bände, mit einem Atlas. Dieses Werk enthält eine Reihe sehr schöner 
Abbildungen von Göttern mit zum Teil sehr abenteuerlichen Benennungen. 

Canningham, A., Lad^kh (London 1854), enthält eine Abbildung des Dharmaräja. 

Foucaux, Ph. Ed., Iconographie bouddhique. Le Bouddha Sakya-Mouni, (Paris 1872), 
3 planches dont une en or (war mir nicht zugänglich). 

Foucher, A., Note sur des miniatures bouddhiques du 11® s. dans un manuscrit de la biblio- 
th^que de Cambridge im Journal Asiatique 9® ser. 5, No. 3, S. 523 — 5 , vgl. ebd. 7, No. 2, 
346 — 49. Vgl. die Bilderbeilage in Oncken, Allg. Geschichte in Einzeldarstellungen 
(1879), 15. Abt., S. Lefmann, Das alte Indien. 

Georgi, A., Alphabetum Tibetanum, Romae 1762, enthält einige stark stilisierte Götterbilder, 
Tab. IV (S. 552) Hopame: Amitäbha; Cenresi: AvalokiteQvara; Cihana Torc6h: Vaj- 
rapäni; Urkien: Padmasambhava. 

Graham Sandberg, Handbook of Colloquial Tibetan (Calcutta 1894), giebt S. 196 fg. eine 
Aufzählung der geläutigsten Götter mit wertvollen Notizen. 

Grünwedel, Albert, Notizen zur Ikonographie des Lamaismus in Original-Mitteilungen aus der 
ethnol. Abteilung der königl. Museen zu Berlin (1885), S. 38—45; S. 103—131. Enthält 
102 Beschreibungen lamaistisoher Heiliger und Götter, mit einer Tafel, welche den 
gYun-ston rDo-rje-dpal darstellt, wie er den Yamäri beschwört. Ich nehme hier die 
Gelegenheit wahr, einige Dinge zu verbessern, die entweder Versehen sind oder 
Namen u. s. w. betreffen, die ich damals nicht wissen konnte. So ist S. 113, No. 32 
Icam-srih statt Icam-srid zu lesen, S. 131, No. 102 udyäna statt udäyana, S. 113, No. 33 
phyi-sgrub statt gyi-sgrub; siddhi ist zu streichen. 

— Ein Kapitel des Tä-se-suü (Berlin 1896); enthält einige Abbildungen lamaistisoher 

Götter. Vgl. auch Ver öif entlich ungen aus dem kgl. Museum für Völkerkunde V, S. 115 
und Globus LXXV, No. 11, S. 170b, 175a. 

— Bhrikutl; Originalmitteilungen aus dem kgl. Museum für Völkerkunde zu Berlin II, 1899, 

S. 6—10, mit zwei Abbildungen aus den «500 Göttern von Nar-t'an». 

— Das Pantheon, s. P an der. 

Hedin, Sven, Durch Asiens Wüsten, 2 Bände. (Leipzig 1899) enthält einige unbezeichnete 
Bilder und Pasten, die lamaistische Gottheiten darstellen, S. 342, 352, 356,-408, 
416. Die meisten derselben sind leicht bestimmbar. 

Ilodgson, H. H., Notices of the languages, literature and religion of the Bauddhas of Nepal 
and Bhot in Asiatic Researches 16, 409 fg. (Calcutta 1828) enthält eine Anzahl buddhi- 
stischer Götterbilder aus Nepal auf den beigegebenen Tafeln. 

Journal of the Royal Asiatic Society 18 (1862) enthält einen Artikel H. H. Hodgsons, dem 
einige Abbildungen von Bon -Göttern beigegeben sind. Darunter ist auch eine inter- 
essante Abbildung Padmasambhavas, unkorrekter Weise als Gorakhnäth bezeichnet. 

M i 1 1 u e , L. de, Le Bouddhisme dans le Monde (Paris 1893). Enthält einige lamaistische Gottheiten. 

Pallas, Sammlungen historischer Nachrichten über die Mongolischen Völkerschaften. 2 Bände. 
(Petersburg 1776, 1801). Die mongolischen Originalbeschreibungen der im 2. Bande 
abgebildeten und beschriebenen lamaistischen Götter befinden sich in der Universitäts- 
bibliothek in Göttingen. 

Pander, Eugen, Das Pantheon des Tschangtscha Hutuktu, herausgegeben von Albert Grün- 
wedel in Veröffentlichungen aus dem kgl. Museum für Völkerkunde in Berlin I, 2/3 
(1890). Enthält die meisten Bilder aus einem gleichbenannten tibetischen Blockdruck, 
aber auch einige andere, vgl. das Folgende- 



— 202 — 

Fand er, Eugen, Das lamaistische Pantheon, in der Zeitschrift fttr Ethnologie 1889, Heft 2. 
Enthält viele Bilder, darunter mehrere aus dem Kanjur- Blockdruck von 1410. Die 
Namen sind in einer fürchterlichen Orthographie und bedürfen der Revision. 

Pozdneev, A., Ocerki byta buddijskich raonast3rrei i buddijskago duchovenstva v Mongolii 
in Zapiski imp. russk. geograficeskago obscestva XVI (Petersburg 1887). 

— Kalmyckija skazki VII in: Zapiski Vostocnago otdelenija imp. russk. archaeolog. obscestva 

IX (Petersburg 1896) 1 fg., enthält auf der beiliegenden Tafel ein Bild des Gesar. 
Kockhill, W. W., The Land of the Lamas (London 1891) enthält einige Zeichnungen, die 
lamaistische Götter darstellen. 

— Notes on the Ethnology of Tibet in: Smithsonian Institution, Reports 1893, S. 665—747: 

Sep.-Druck 1895 (Washington), Tafel 43—49; schöne Abbildungen von Bronzen, welche 
Heilige und Götter darstellen. 

Schlagintweit, E., Buddhism in Tibet, mit Atlas (Leipzig und London 1868). Französisch 
in den Annales du Musee Guimet III (Paris 1881); die Bilder des Atlas in hand- 
licherem Format als Tafeln im Buche. 

Uchtomskij, Fürst E., Orientreise Seiner Majestät des Kaisers von Russland Nikolaus IL 
als Grossfürst-Tlironfolger 18iK)— 1891. 2 Bände (Leipzig 1894—1899). Erschien auch 
in französischer und englischer Ausgabe in je 2 Bänden. Die russische Originalausgabe 
ist betitelt: Putesestvie Gosudarja Imperatora Nikolaja II. na Vostok (1890 — 1891) 
(Leipzig 1894 — 1898). Diese Ausgabe umfasst 3 Bände und enthält eine grössere 
Anzahl von Illustrationen als die erstgenannten. 

Waddell, L. A., The Buddhism of Tibet or Lamaism (London 1895). 

— Lamaism in Sikhim in Gazetteer of Sikhim (Calcutta 1894), S. 241 fg. 

— The Indian Buddhist Cult of Avalokita and bis Consort Tärä in Journal of the Asiatie 

Society of Bengal 1894, S. 51 fg. A Trilingual List of Naga Räjäs, ebd., S. 91 fg. 

— Demonolatry in Sikhim Lamaism in Indian Antiquary 23, 197 — 213. 

— The Falls of the Tsang-Po and identity of that river with the Brahmaputra in Geogra- 

phica! Journal V, 258—60 mit einem interessanten Bild des Flussgottes. 
Wright,D., History of Nepal (Cambridge 1877). Tafel VI giebt die farbigen Bilder der fünf 
(Dhyäni-) Buddhas, der fünf Täräs und der fünf Bodhisatvas in nepalesischem Stil. 

Diesen Publikationen, von denen nur wenige direkt die rein ikonographische Seite der 
Mythologie behandeln, steht ein ungeheures unpubliziertes Material gegenüber. Das Publizierte 
ist, wenn es nicht durch lokale Begrenzung eine gewisse Abrundung besitzt, mehr zufällig and 
gelegentlich, als dass eine bewusste Kritik beachtet wäre. 

So wurde z. B. bei der Publikation des einzigen einheimischen Werkes über lamaistische 
Mythologie der Rat des Schreibers dieser Zeilen nicht befolgt, welcher darauf hinausging, die 
einzelnen Gruppen (Triaden, Pentaden u. s. w.) von Göttern beisammen zu halten. Femer ist bedauer- 
lich, dass die Abbildungen nicht alle, und von den gegebenen nicht alle so, wie sie die Vorlage 
bot, gegeben werden konnten. Der Grund dazu lag darin, dass die Originale hellrot und zwar 
so hell gedruckt sind, dass ein Wiedererkennen der Formen in vielen Fällen unmöglich war. 

Diese einlieimischen Handbücher — ein zweites ist das vom Verfasser schon in Panders 
Pantheon viel herangezogene Buch, die sogenannten «Fünfhundert Götter von Nar-t'an» — haben' 
überhaupt ihre besonderen Eigenschaften. Ausser der Thatsache, dass über mehrere der Blätter 
ganze Götterserien verteilt sind (je drei auf einem Blatt), wobei, wenn die Zahl nicht mit drei teilbar 
ist, liückenbüsser eingeschoben werden, ist es nicht zu schwer zu erkennen, dass wir sehr oft 
in einzelne Figuren aufgelöste Musterbilder vor uns haben. Eine Probe dieser Art ist unsere 
Abbildung 3 gegenüber den Abbildungen 193 — 210 bei Pander (Pantheon). So kann es kommen, 
dass dieselbe Gottheit aus verschiedenen Vorlagen, womöglich mit verschiedenen Namen, zwei- 
mal und noch öfter in demselben Buche erscheint. Eine Fehlerquelle, die ich gleich hier 
nennen will, ist die falsche Auflösung solcher Gruppen zu einzelnen Bildern, was die zugehörigen 
Namen betrifft. Solche Verwirrungen liegen zweifellos vor bezüglich der Darstellungen der 
Arhats, wie sich deutlich ergiebt, wenn man sie mit den japanischen vergleicht, welche die 
bessere Tradition erhalten zu haben scheinen (Anderson, Descriptive and historical Catalogue 
of a Collection of Japanese and Chinese Paintings, British Museum, S. 46 fg.) In diesem Falle 



— 203 — 

hat man durch neue Attribute, welche auf tibetische, infolge zusammenfallender. Aussprache 
▼erschieden geschriebener Wörter zurückgehen (vgl. Pantheon No. 202) auszugleichen gesucht. 
Eine ähnliche, fast hoffnungslose Verwirrung herrscht bei den Darstellungen der Bodhisatvas. 

Weiter ist die Thatsache der Sektenzugehörigkeit wichtig; nur so werden wir im stände 
sein, Schicht um Schicht abzuheben. Dafür ist vor allem, wie schon Huth in der Deutschen 
Litteratur-Zeitung vom 17. Okt. 1891 bemerkt hat, die genaue Berücksichtigung der auf den 
Deckeln und Titelblättern der Ausgaben der kanonischen Litteratur (Kanjur) und ihres Coramentars 
(Tanjur) abgebildeten Göttern in Bezug auf den Inhalt der einzelnen Bände wichtig. Über die 
Zugehörigkeit der Gottheiten zu einzelnen Sekten haben wir einige Notizen, z. B. bei Chandrad&s, 
Journal of the Asiatic Society of Bengal 1882, II , 126 fg.; Waddell, Gazetteer of Sikhim, 
S. 250 fg. Eine Hauptquelle für die Darstellung der Götter ist die Tantra- Litteratur; in den 
Angaben, wie die Gottheit zu bannen ist, fehlt nie die genaue Beschreibung derselben. Doch 
dieses Gebiet ist ein Ocean! 

Ausserdem existieren kunstgeschichtliche Bücher, vgl. Huth, Verzeichnis der im tibe- 
tischen Tanjur, Abth. mDO, Band 117—24 enthaltenen Werke, Sitzungsberichte der kgl. preuss. 
Akademie XV, 1895, S. 7, Bd. 123, 3—6, 31. Hier fehlen vor allem Arbeitskräfte, welche das 
für das Verständnis der Texte so wichtige Material zugänglich machen! 

Für Sammler sei hier nur so viel gesagt: Götterbilder ohne Attribute, einzelne Stücke aus 
ganzen Serien, ohne Angaben des Ursprungs, der Sekte u. s. w. sind wissenschaftlich meist wertlos, 
mag auch ihr positiver Wert (Gold u. s. w.) ein noch so hober scheinen. Das Globetrottertum 
kann auf diesem Gebiete immensen Schaden anrichten. Was soll der «Gelehrte zu Hause» mit 
solchen disjecta membra anfangen? 

Die Bedeutung dieser Dinge — so grotesk und abenteuerlich sie scheinen mögen — weiss 
nur der zu würdigen, der genötigt ist, mit mangelhaften Quellen der Realien ein lamaistisches 
Buch zu lesen. 

Die lamaistische Litteratur enthält aber nicht nur eine unschätzbare Masse Material zur 
Geschichte Indiens für Zeiten, wo uns indische Quellen völlig fehlen, sie enthält auch die 
Geschichte von Jahrhunderten für Centralasien. 

*° Vgl. Huth, Geschichte des Buddhismus in der Mongolei II, 175. Die Prophezeiung 
bezieht sich auf den gefeierten Tsoii-k'a-pa in erster Linie. Der Manju^rimülatantra enthält 
aber an derselben Stelle auch Prophezeiungen auf viele der im Folgenden erwähnten Heiligen. 
Über die Eigentümlichkeit der buddhistischen Litteratur, dem Buddha Prophezeiungen in den 
Mund zu legen, welche aus spätem Thatsachen zurückübertragen wurden, vgl. meine Anzeige 
von Huths Buch in der Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes XII, S. 70 — 74. Auch 
die südliche Kirche teilt, wenigstens was die Chroniken betrifft, diese Eigentümlichkeit: die erste 
Probe dürfte wohl die Entstehung des Bodhisatva Maitreya aus einer solchen Betrachtung 
Buddhas gewesen sein, vgl. Oldenberg, Buddha, sein liCben, seine Lehre, seine Gemeinde, 1. Aufl., 
S. 144, Note. 

^* Vgl. über Nägärjuna: Allgemeine Notizen bei Boehtlingk-Roth, Sanskrit- Wörter buch s. v., 
Melanges asiatiques (Petersburg) U, 167 fg.; Eitel, Handboek of Chinese Buddhism, 2. Aufl. 
(1888), S. 103; Pantheon des Tschangtscha Hutuktu 47, Abb. 5 (vgl. Abbildung seines Lehrers Saraha, 
ebda., 49, No. 11); Waddell, Buddhism of Tibet or Lamaism, S. 10 fg. mit Reproduktion des Bildes 
aus dem Pantheon. Über seine Legende Wassiljew a. a. 0., die tibetische in Schiefners Tära- 
nätha II, 70 fg., 303 fg. (mit der wichtigen Gleichung üdayana = Äntivähana); Chandradäs 
Journal of the Asiatic Soc. of Bengal (1882), S. 115 fg.; Nobin Chandradäs, Indian Pandits in the land 
of Snow, S. 15 giebt als den ihm befreundeten König Bhojabhadra an, der 56 n. Chr. gelebt habe. 
Zu seiner Legende ist von Interesse 1. in Bezug auf die in der chinesischen Fassung erzählte 
Massenhypnose: Yule, The book of Ser Marco Polo I, 280 und das merkwürdige Bild I, 281, ferner 
Sphinx XVIII, 227—29. 2. Die tibetische Fassung von der Todesgefahr des jungen Heiligen lebt in 
der brahraanischen Litteratur fort: es ist die Legende von Märkandeya, vgl. Ziegenbalg, Genea- 
logie der malabarischen Götter, S. 57 (2), 226 fg. Über Nägärjunas Beziehungen zu König Udayana 
haben wir ein merkwürdiges Dokument: Brief des Nägärjuna an König Udayana, herausgegeben 
von H.Wenzel, Suhrllekha (Leipzig 1880), vgl. Indian Antiquary 16, 169 fg. Über seine Philo- 
sophie vgl. Wassiljew, S. 128 fg.; Journ. of Buddhist Text Society V, 1897, IV, 7. Das dem Nägär- 



— 204 — 

jima zugeschriebene Tantra-Werk Paücakrama , herausgegeben von L. de la Vall6e Poussin (Gand 
18%); eine Sammlung philosophischer Ausdrücke: The Dharmasamgraha in den Anecdota Oxo- 
nieusia, Äryan Series Vol. I, P. V (Oxford 1885). Textproben (Verse) bei Huth, Geschichte des 
Buddhismus in der Mongolei (passim). Der Bau des Steinzaunes: Jas. Burgess, The Buddhist 
Stupas of Amaravatl and Jaggayyapeta (London 1887). Ein Räucherkerzenrecept, bearbeitet von 
B. Laufer, Zeitschrift f. Ethnologie 28 (S. 394 fg.). N&g&rjuna im Märchen vgl. Jülg, Die Märchen 
des Siddhi Kür, S.51 fg.; Mongol. Märchen-Sammlung 139; M^langes asiatiques (Petersburg 1857) 181 ; 
Benfey, Pantschatantra I, 410 fg. Über sein Zeitalter Indian Antiquary 15, 353 fg.; Academy 
No. 744 (1886), 89 fg. — Dürfen wir soweit gehen und die Notiz über Udayanas Statue Buddlias 
mit meinen Bemerkungen im «Handbuch» über die Nägas und die Kindergestalten neben grossem 
Figuren von Heiligen (Globus LXXV, 176B) in Beziehung setzen, so hätten wir einen zweiten 
Hinweis auf ein künstlerisches Moment der Gandhära-Schule in den N&gas, welche in Kinder- 
gestalt vor Nägärjuna erscheinen. 

Eine interessante Notiz aus mongolischer Quelle über die Nägärjuni- Grotte in Mägadha, 
wo Nägärjuna eine Zeit lang gelebt haben soll, giebt A. Cunningham, Archaeological Survey of 
India VIII, 43 (aus den «Sagas of the Far East» einer englischen Übersetzung von Bergmanns 
Siddhi kftr). 

" Eitel, Handbook of Chinese Buddhism s. v. DE VA: Schiefners Täranätha II, 83 fg.; 
St. Julien, Hiouen-Thsang I, 105, 118; II, 218, 277; III, 95 fg.; Wassiljew a. a. 0. 164, 234 fg.; 
M^langes asiatiques II, 171. Ein Werk in Sanskrit von A.s. Journal of the Asiatic Soc. of Bengal 
(1898), S. 175 fg. Über guravajra kenne ich nur die Notiz in Schiefners Täranätha II, 277. 
Über Dharmaträta vgl. ebd. H, 297; Pantheon 89. Eines seiner Hauptwerke ist übersetzt von 
W. W. Rockhill, Udänavarga, a collection of verses from the Buddhist canon (1883). 

** Kan, Kän bedeutet im Tamil «sehen, Auge», Käna im Sanskrit «einäugig». Über das 
Verhältnis des letztern Wortes zum erstem vgl Gundert, Zeitschr. der Deutsch. Morgenl. Ges. 23, 
521. Kannappa ist der zehnte in der Zahl der sogenannten «zweiundsiebzig Knechte ^^ivas» 
(Qivatontar oder N&yanmär). Ein Verzeichnis derselben enthält das Tokeipper Vilakkam des 
V6tagirimutaliyär, ihre Legenden das Periyapüränam. Vgl. Graul, Reise nach Indien IV, 327 
(39, 161). Das kgl. Museum für Völkerkunde in Berlin besitzt einen in Triplicane gedruckten 
Bilderbogen mit ihren Legenden. 

"* Vgl. über Asanga M61anges asiatiques II, 171—72; Wassiljew a. a. 0. 221 fg.; St. Julien, 
Memoires etc. I, 270; Eitel s. v.; Schiefner, Täranätha 107—110 und passim. 

Neben dem Namen Asanga, «ohne Hindernis», welches die Tibeter wörtlich übersetzen, 
findet sich auch die Form Asarij^lia. Das japanische Bild bei A. Fischer, Wandlungen im Kunst- 
leben Japans (Berlin 1899), S. 84. 

Über die Tantras und Dharanis vgl. Wassiljew a. a. 0. 177 fg. 

*^ Über Vasubandhu vgl. Eitel, s. v. (195); Pantheon 48, No. 7; Wassiljew 217 und passim; 
Täranätha II, 118 (9.3) fg. Die Notiz über die Koki-Länder ebd. H, 262. Gäthäsamgraha in 
deutscher Übersetzung mit dem Originaltext in M^langes asiatiques VIII, 560 fg. Viele Citate 
aus seinen Werken in Huth, Geschichte des Buddhismus in der Mongolei. Es scheint, dass die 
I^ehre von Amitäbha und seinem Paradiese Sukhävati auf Rähulabhadra (Saraha, Lehrer Nägär- 
junas) zurückgeht, Täranätha II, 313 zu 93, 15. 

Über die Verwendung der hohen Mützen bei religiösen Disputationen vgl. die Notiz bei 
Täranätha II, 200, wo erzählt wird, dass auf Veranlassung einer Däkini die Schüler Dharma- 
kirtis in ('hittagong (Chatisghao) Mützen trugen. 

^•^ (ber die Sthaviras, tibetisch gNas-brtan, vgl. Pantheon, S. 84 fg. und die dort gegebenen 
Notizen bezüglich der mangelhaften Übereinstimmung der laraaistischen Typen mit den in Japan 
überlieferten Fonnen. Es ist zweifellos, dass die Attribute der Sthaviras im Lamaismus ver- 
wirrt sind und zum Teil aus Missverständnissen der tibetischen Namen (infolge ähnlicher Aus- 
sprache verschieden geschriebener Namen) entstanden sind. Die Universitätsbibliothek zu Kasan 
besitzt eine mongolisch geschriebene Biographie der Sthaviras (vgl. das Vorwort von Kovalev- 
skijs Mongol.- Russisch -Französ. Wörterbuch), ein Werk, dessen Bearbeitung ein entschiedenes 
Desideratum ist. Einige derselben sind abgebildet bei Pozdneev, Skizzen aus dem lamaistischen 
Klosterleben u. s. w. (russisch), Taf. 6. Dort wird Angaja als Bruder Hva-shans ausgegeben. 



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Über den 16. Sthavira, dessen Sanskritname — vielleicht Abheda oder ähnlich — unbekannt 
ist, vgl. Wassiljew a. a. 0. 237, wo er ein Yasubandhu zu sein scheint, und besonders Schiefner, 
Tibetische Lebensbeschreibung des Qäkyamuni, S. 1>2 (Separatabzug); Vakula, tibetisch Sre-moü 
= Nakula, ebd. S. 97. 

Über Hva-shan als Vertreter der Mahkyäua-Schule vgl. meine Bemerkungen im Handbuch 
der buddhist. Kunst, 2. Aufl., S. 130. 

^'' Über die Stampfmaschine dhenkl (geschrieben dhemkl) vgl. G. A. Grierson, Bihar Peasant 
Life (Calcutta 1885), S. 90, und die beiliegende schöne Tafel. Die HindüstÄnl-Form ist dhenkä. 

^® Dass hier iranische Verhältnisse mit in Frage kommen, beweist die Erwähnung von 
Heiligen (rishis, tibetisch dran-sron), welche den Kult des «Sonnenwagens» (tibetisch nyi-mai 
sin-rta) betreiben. Irgendwie scheint dabei auf den Feuer- und Lichtkult der Pärsi- Religion 
angespielt zu werden, vgl. Originalmitteilungen aus dem kgl. Museum für Völkerkunde zu Berlin 
S. 126, No. 88. 

^^ Über Dharmakirti vgl. Journal of the Asiatic Society of Bengal (1882), 9; Wassiljew, 
Buddhismus passim; Täranätha U, 175 fg. 

*° Über Abhayäkara vgl. Täranätha U, 294. 330 u. s. w., Journal of the Asiatic Society of 
Bengal (1882), S. 16 fg. Er gehört zu den Präexistenzen des Pan-6*en von bKra-sis-lhun-po 
(Tra-si-lhum-bo); Originalmitteilungen aus dem kgl. Museum für Völkerkunde, Berlin, S. 128, No. 94. 

*^ Über Padmasambhava vgl. meine Abhandlungen: Ein Kapitel des Tä-se-sun (Berlin 
1896), Padmasambhava und Mandärava, Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft 
(1898), S. 447 fg., Toung-Pao (1897), 528—61, wo die ganze übrige Litteratur citiert ist. Notizen 
über das Kloster bSam-yas (S. 54) linden sich im Journ. of the Buddhist Text Society V (1897), 
Pt. n, 3 — 4 und im Englishman vom 30. Juni 181K), Calcutta Review, Juli 1890. 

Zu der oben erwähnten Litteratur ist noch hinzuzufügen E. Schlagintweits interessante 
Abhandlung «Die Lebensbeschreibung des P., des Begründers des Lamaismus, 747 n. Chr.», Abhand- 
lungen der kgl. bayerischen Akademie der Wissenschaften I. Cl. XXI, H (1899) und Veröffent- 
lichungen aus dem kgl. Museum für Völkerkunde zu Berlin V (1897), 105 — 26. 

Die oben gegebenen l'bersotzungen sind nach dem tibetischen Blockdruck der Darjilinger 
Ausgabe und einer ebenfalls aus Darjiling stammenden handschriftlichen Lepcha-Bearbeitung. 

*- Journal of the Asiatic 8oc. of Bengal (1887), 8. 3, und Graham Sandberg, Handbook of 
Colloquial Tibetan (Calcutta 1894), 8. 202. 

*^ Vgl. tiber ihn Huth, Verzeichnis der im tibetischen Tanjur mDO (Vol. 117 — 124) 
enthaltenen Werke (Berlin 1895), S. 15. 

** Über gLan-dar-ma vgl. Koppen D, 72—76; Journal of the Asiatic Society of Bengal 
(1881), No. 35, S. 239 fg. Auch dem Alber üni ist Kunde von gLaü-dar-mas Vorgehen gegen den 
Buddhismus und die damit verbundenen Ereignisse zugekommen, vgl. Sachau, Alberüni, engl. 
Ausgabe (1887) s. v. Longdherman. 

*^ Über Ati^a vgl. Pantheon, No. 29, 8. 53 und die dort citierte Litteratur, ferner 
Journal of the Buddhist Text Society I (1893), Part I, S. 7—33; Indian Pandits in the Land of 
Snow (Calcutta 1893), S. 51 fg. Im erstem auch sein Werk «Lam-Sgron», Bodhipathapradlpa, 
I, Pt. I, 39 fg., 59 fg. (Text); Pt. III, 21 fg. 

*^ Vgl. über Mi-la-ras-pa Jäschke, Tibetan-English Dictionary s. v. (413 A); Csoma, Tibetan 
Grammar, S. 184; Journal of the Asiatic Society of Bengal (1881), S. 206, 238; (1887), S. 4, 7, 21; 
Melanges asiatiques I (1852), S. 413; Waddell, Buddhism, S. 64 (Abbildung); Rockhill, Proceedings 
of the American Oriental Society (1884), S. 5—9. Die Textprobe Jäschkes in Zeitschrift der 
Deutschen Morgenländischen Gesellschaft 23 (1869), 8. 543—58; das Abenteuer im Stile des hl. 
Antonius: Globus LXXIII, 1, 28A (B. Laufer). Eine Abbildung im «Pantheon des Tschangtscha 
Hutuktu», No. 31. Material über ihn ist in Berlin nicht vorhanden. Die Bibliothek zu Kasan 
besass eine mongolische Übersetzung seiner Lebensbeschreibung, vgl. Kovalevskijs Mongol.- 
Russ.-Französ. Wörterbuch (Vorrede). 

*^ Über Sa-skya pandita vgl. Csoma de Koros, Tibetan Grammar, S. 169, 197; Koppen, 
Buddbismus II, 80 fg., 110 fg.; Pallas, Mongolische Völker II, 356 fg.; Ssanang Ssetsen, Geschichte 
der Ostmongolen, 8. 392—394; Journal of the Asiatic Society of Bengal (1881) 3, 240—242; 
(1882) 1, 19—20 (Abb. Taf. VI); Huth, Geschichte des Buddhismus in der Mongolei II, 118 fg. 



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Seine Subhäshitaratnanidhi im Journal of t^e Asiatic Society of Bengal (1855), S. 141 fg., (1856), 
S. 257 fg. (etwa die Hälfte des Textes mit englischer Übersetzung. Der tibetische Text wimmelt 
von Druckfehlern). Über ihr Stammkloster vgl. die Notiz im Journal of the Asiatic Society of 
Bengal (1887) 1, 8. 

**.Über 'P*ag8-pa bLo-gros rgyal-mts*an vgl. Koppen, Buddhismus ü, 97 fg., Ssanang 
Ssetsen, Geschichte der Ostmongolen, S. 115 fg. und die Noten, Journal of the Asiatic Society of 
Bengal (1882) 1, 67; (1887) 8; Huth, Geschichte des Buddhismus in der Mongolei U, 139 fg. 

** Vgl. Journal of the Asiatic Society of Bengal (1882), S. 20 fg. Zur-dban Byams-pa 
sen-ge ist leider völlig unbekannt; vielleicht war er der Lehrer des Heiligen. Die mit Bildern 
versehene Reihe der Wiedergeburten des Pan-5*en von bKra-sis-lhun-po im Berliner Museum, 
dem unsere Abbildung entnommen ist, sagt von ihm, er habe zu den Füssen des Zur-dban 
Byams-pa sen-ge gesessen (Ziu'-dban Byams-pa sen-gei zabs btud-cin), er sei durch die Betrach- 
tung des roten Yamäri, der Manifestation Manju^ris, ein Diener des mGon-po legs-ldan geworden, 
und nennt ihn den «Bezwinger der Schrecklichen» (dregs-pa zil gnon). Er gehört auch zu den 
Vertretern des Eälacakra-Systems; Csoma de Koros, Tibetan Grammar, S. 200; Schlagintweit, Die 
Berechnung der Lehre u. s. w., Abhandlungen der kgl. bayer. Akad. XX (1896), S. 42. 

*° Vgl. über ihn Pantheon No. 37, M61anges asiatiques II, 361. Wichtige Citate aus 
seinem Hauptwerk bei TäranäthaU passim; vgl. auch Wassiljew, Buddhismus, S. 319; Journal of 
the Asiatic Society of Bengal (1881), S. 211, 229; Sclilagintweit, Berechnung der Lehre, S. 618, 641. 

** Über Tson-k*a-pa vgl. Koppen, Buddhismus H, 108 fg., 374; Journal of the Asiatic 
Society of Bengal (1882) I, 53—57, 127; Journal of the Buddhist Text Society I, HI, App. H, 5 
(mit einer Tafel); Waddell, Buddhism 58 fg. (passim); Rockhill, The Land of the Lamas (passim) 
(Abb. von Kum-bum: sKu-'bum); Huth, Geschichte des Buddhismus in der Mongolei, H, 175 fg. 
Einige Notizen über ihn im Journal of the Asiatic Society of Bengal (1887) 17, 21, 29: Pozdneev, 
Skazanie o chozdenij v Tibetskuju stranu Malo-dörbötskago Bäsa-baksi, S. 214, 215 u. s. w. Iwanoffsky, 
Mu86on 3, S. 165—181. Über den Baum zu sKu-Tbura vgl. Huc et Gäbet, Voyage dans la Tar- 
tarie H, 112 (engl. Ausg. H, 53) citiert bei Waddell a. a. 0. 281, The Nature LEI, Hedin, Durch 
Asiens Wüsten H, 406, ausser den oben citierten Autoren. Zwei Stücke eines Zweiges von dem 
Wunderbaume befinden sich in der Sammlung des Fürsten Uchtomsldj. Tson-k'a-pas Greheim- 
name ist Amoghavajra, vgl. A. Schiefner, Vimalapra^nottararatnamälä, Vorrede. 

*' Genauer 'Jam-dkar-la namo, «Verehrung (Verneigimg) vor dem weissen Mafiju (ghosha)». 
Ich lasse aber die Ehrerbietigkeitsformel von nun an weg und nenne nur die Namen, wie bei 
Abb. 34, wo die Form -la nama statt -la namo so auf dem Originalbilde steht. Die Bücher 
Padmasambhavas weichen aber, wie erwähnt, in manchen ortho- nnd kalligraphischen Dingen von 
dem Gewöhnlichen ab. 

*' Über Byam-ö'en 5'os-rje als Gründer des Klosters Se-ra vgl. Csoma de Koros, Tibetan 
Grammar, S. 187 (citiert bei Koppen, Buddhismus II, 111), erwähnt als Schüler Tson-k^a-pas von 
Chandradäs, Journal of the Asiatic Society of Bengal (1882) I, 58. Seine Biographie bei Huth, 
Geschichte des Buddhismus in der Mongolei H, 189 fg. Die bei Waddell (Citat im Text) S. 61 
abgebildete «Fee» däkinl hat für den linken Fuss ein eigenttlmliches gestreiftes Beinkleid 
erhalten, das im Lamaismus nicht gebräuchlich ist. Wer sich für diese aus Prüderie so verun- 
staltete Däkinl in ihrer Originalform interessiert, mag das Bild bei Pander a. a. 0. (S. 71) nachsehen. 

^* Die Reihenfolge der Dalai Lamas ist: 

1. dGe-'dun grub, geboren 1391, als erster rGyal-ba 1439, gestorben 1478; doch führte er 
den Titel noch nicht; 

2. dGe-*dun rgya-mts*o 1479—1541; 

3. bSod-nams rgya-mts*o 1543 — 1586; 

4. Yon-tan rgya-mt8*o 1587 — 1614; 

5. Nag-dban bLo-bzan rgya-mts'o 1617—1680; 

6. Rin-5*en Ts*ans-dbyans rgya-mts*o 1693 — 1703; 

7. bLo-bzaü sKal-ldan rgya-mts'o 1705—1758; 

8. bLo-bzan *Jam-dpal rgya-mts*o 1759—1805; 

9. bLo-bzan Lun-rtogs rgya-mts*o 1806 — 1815; 
10. bLo-bzaii Ts*ul-k*rims rgya-mts*o 1817—1837; 



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11. bLo-bzan dGe-dmu rgya-mt8*o 1838 — 1855; 

12. bLo-bzaü P'rin-las rgya-mts*o 1856—1874; 

13. ]§rag-dbau bLo-bzan T*ub-ldan rgya-mt8*o 1875. 

Vgl. Graham Sandberg, Monasteries in Tibet in The Englishman (30. Juni 1890); Calcutta 
Review (Juli 1890); Waddell, Lamaism 233; A. Pozdneev, Skazanie o chozdenij v Tibetskuju 
stranu Malo-dörbötskago Bäsa-Baksi, S. 209 Note: Huth, Geschichte des Buddhismus II, 200 fg. 
Schon Koppen, Buddhismus U, 235, versuchte die Liste zusammenzustellen. Vgl. auch Pander, 
Pantheon des Tschangtscha Hutuktu, S. 5G fg. 

** Die Liste der Hierarchen von bKra-sis-lhun-po mit ihren frühern nicht in diesem Kloster 
erschienenen Präexistenzen ist die folgende: 

1. Der Sthavira Subhüti (tibetisch gNas-brtan Rab-*byor), angeblich Zeitgenosse Buddha 
Qäkyamunis; 

2. Kulika Mafijugriklrti (tibetisch Rigs-ldan *Jam-dbyans-grag8-pa), König des Landes 
Zambhala; 

3. Slob-dpon Leg8-ldan-*byed (Äc&rya Bhävaviveka); 

4. Äcarya Abhay&karagupta (tibetisch Slob-dpon *Jig8-med *byuii-gnas), neuntes Jahr- 
hundert (Abb. 32); 

5. rTa nag *g08 lo-tsa-ba K*ug-pa Ihas-rtis; 

6. Sa-skya pandita geboren 1182 (Abb. 40); 

7. gYun-ston rDo-rje dpal 1284—1376 (Abb. 45); 

8. mK'as grub dGe-legs dpal bzan 1385— 1439 (Abb. 47), Gründung von bKra-sis-lhun-po; 

9. bSod-nams p'yogs gl an (Dinnäga) 1439 — 1505; 

10. rGyal-ba dBen-sa-ba bLo-bzan-don-grub 1505 — 1570; 

11. Pan-5*en bLo-bzan 6*os-kyi rgyal-mts'an ( Mahäpandita Sumatidharmadhvaja) 1569 
—1662; 

12. Pan-d*en bLo-bzan ye-ses dpal-bzan-po (Sumatijnäna^ribhadra) 1663 — 1737; 

13. Pan-ö*en bLo-bzaii dpal-ldan ye-ses (Sumati^rijnäna) 1737—1779; 

14. rJe bsTan-pai nyi-ma 1781 — 1854; 

15. rJe dPal-ldan ö*os-kyi-grags-pa bsTan-pai dban-p*yug (?) 1854 — 1882; 

16. dGe-legs rNam-rgyal 1883. 

Die Liste ist zusammengestellt aus der bei Chandradäs im Journal of the Asiatic Society of 
Bengal (1882), S. 15 — 43, mit Abbildungen aller bis No. 14, aus der ergänzenden Liste bei Pozdneev; 
Skazanie u. s. w. (vgl. No. 8), S. 238 Note und den Angaben eines prachtvollen Albums im könig- 
lichen Museum in Berlin, vgl. Original-Mitteilungen, S. 103—104. Das bei 15 beigesetzte Frage- 
zeichen bezieht sich nm- auf die letzte Silbe des Namens; die Sanskritübersetzungen von 3, 9, 11, 12, 
13 sind bis jetzt unbelegbare Rekonstruktionen meinerseits; vgl. einige Namen bei Huth, Geschichte 
des Buddhismus H, 302. Über die Pan-d*en vgl. ausserdem bezüglich der altem Litteratur: 
Koppen, Buddhismus, S. 121 fg., 127 fg., 215—224, 236 fg.; A. Waddell, Lamaism, S. 231; Graham 
Sandberg in Calcutta Review, Juli 1890; Journal of the Buddhist Text Society I (1893), Appendix I. 

Interessantes Material über dieses Kloster vgl. Journal of the Buddhist Text Society I, 
Pt. IV (1893). 

^^ Man vergleiche die Abbildungen in meiner Ausgabe von Panders Pantheon des Tschang- 
tscha Hutuktu No. 43, 46, 50. Eine dieser Abbildungen ist mit so vielen meiner Bilder in Wad- 
dells Lamaism (S. 39) übergegangen. Über den siebenten vergleiche die ganz identische Miniatur, 
welche in den Original -Mitteilungen S. 110, No. 22 beschrieben und dort noch nach der nicht 
rektifizierten Liste der sechste Dalai Lama genannt ist Die Nc^iaeiL ftber die Ordination sind 
ganz nach Graham Sandberg in Calcutta Review, JuU 1890 gegeben. 

'^^ Dies ist genau so der Fall bei dem prachtvollen Porträt des 1779 in China gestorbenen 
Pan-ö*en dPal-ldan ye-ses, dessen Abbildung in meinem «Handbuch der buddhistischen Kunst», 
2. Auflage, unter No. 101 gegeben ist. 

^® Über bSod-nams rgya-mts*o vgl. Pallas, Mongolische Völker H, 425 (etwas fehlerhaft), 
J. J. Schmidt, Ssanang Ssetsen, S. 226 fg. und die dazu gehörigen Noten; Koppen, Buddhismus H, 
134 fg.; Journal of the Asiatic Society of Bengal (1882), S. 71; Huth, Geschichte des Buddhismus 
in der Mongolei U, 200 fg. (enthält eine sehr ausführliche Biographie). 



— 208 — 

*' Wohl tibetisch pan, i. e. pandita, und gyur-ba «werden»; «der ein pandita (Gelehrter) 
geworden ist». 

^^ Nach Pozdneev, Ocerki byta buddfjskich monastyrei i buddijskago duchovenstva 
vMongolii, S. 233 fg. Er giebt im Folgenden die Liste, welche einst Professor Wassiljew erhalten 
hat, und seine eigenen Erkundigungen. Obwohl es sehr wünschenswert wäre, diese Listen mög> 
liehst vollständig zu haben, so habe ich doch davon abgesehen, sie hier zu reproduzieren, da 
ich dieses Buch nicht mit seitenlangen Listen tibetischer und mongolischer Namen belasten will, 
die ich durch keine sicher zugehörige Abbildung beleben könnte. Ich bedauere femer lebhaft, 
dass es mir unmöglich gewesen ist, die Lebensbeschreibimgen der Khubilgane des rJe-btsun- 
dam-pa, welche Pozdneev ins Kussische übersetzt hat, zu erhalten. 

•* Vgl. über ihn Originalmitteilungen aus dem königlichen Museum für Völkerkunde zu 
Berlin, S. 44 und 4ö; Journal of the Asiatic Society of Bengal (1881), S. 187; (1882) I, S. 69; 
Ssanang Ssetsen, Geschichte der Ostmongolen, herausgegeben und übersetzt von J. J. Schmidt, 
No. 33, S. 438; Koppen, Die Religion des Buddha II, 219; Huth, Geschichte des Buddhismus in 
der Mongolei II, 291 fg. 

** Die frühem Existenzen des ICan-skya rol-pai rdo-rje (Lalitavajra) sind nach einem 
prachtvollen Miniaturenalbum des Berliner Museums für Völkerkunde die folgenden. Es ist 
dabei beachtenswert, dass mehrere davon, wie wir bestimmt wissen, tjbersetzer (Lo-tsa-bas) 
gewesen sind. 

1. Cunda der ^rävaka (nyan-t*os dgra-bcom-pa Tsunda), ein Zeitgenosse Buddhas; 

2. Grub-dban Q&kyamitra (C^-kya bzes-gnyen), einer der Mah&siddhas; 

3. dPal-ldan Higs-'dsin 8gro-p*ug; 

4. Lo-5*en Ka-ba dpal-rtsegs (Abb. 37); 

5. *Gro-mgon Si-si-ri-pa (Si-si-ri-pa aus Guü-t'an oder Se-ston-ri-pa wird bei Huth, Geschichte 
des Buddhismus in der Mongolei 11, 140 erwähnt; Laufers Hypothese, Klu*bum bsdus 
pai süin po [M^moires de la Societ6 Finno-Ougrienne XI, 79], der Name dürfte in Te-se- 
ri-pa zu ändern sein, ist dadurch erledigt); 

6. *Dul-*dsin rDo-rje sen-ge (Vajrasimha); 

7. 'P*ags-pa bLo-gros rgyal-mts'an (Äryamatidhvaja) (Abb. 41); 

8. rJe-btsun bSod-nams rgyal-mts'an; 

9. Byams-d'en 6*os-rje (Abb. 50); 

10. rJe-btsun Ö'os-kyi rgyal-mts*an; 

11. mK*as-grub dPal-M)yor Ihun-grub; 

12. mK'yen-rab Grags-pa'od-zer; 

13. ICan-skya Nag- d van bLo-bzaii c'os-ldan. 

" Fürst Uchtomskij bei Pander, Zeitschrift für Ethnologie (1889), S. 201»; vgl. auch Globus 
XLVn, 105 fg. 

«* Vgl. Pander in Zeitschrift für Ethnologie (1889), S. 45, 2; Jäschke, Tibetan-English 
Dictionary s. v. YM)AM.; Waddell, Lamaism, S. 361 fg.; A. Pozdneev, Ocerki u. s. w., S. 51. 

®" Vgl. Zicgenbalg, Genealogie der malabarischen Götter, S. 283. 

^^ Vgl. Pander, Das Pantheon des Tschangtscha Hutuktu, No. 68, S. 64. 

*^ Wie schon der Name beweist, niemand anders als Qiva selbst. Der Typus ist der des 
Virabhadra, der nach brahmanischer Fassung Dakshas Opfer zerstört ; vgl. Ziegenbalg, Genealogie 
der malabarischen Götter, S. 169. 

®* Was dieser Ausdruck bedeutet, weiss ich nicht. 

" Chandradäs im Journal of the Asiatic Society of Bengal (1887), S. 23. 

"^^ Ssanang-Ssetsen, S. 482; vgl. hierzu Memoires de PAcad^mie Imperiale de St.-P6ters- 
bourg, 6. S., n, 1834, S. 9, Note 5. 

" Wer, gelockt durch den Titel «Über die Art der Darstellung der vierund achtzig Sid- 
dhas», zum Beispiel im 123. Band der Tanjur etwa ikonographisches Material über diese Pracht- 
kerle sucht, der findet dort Dinge, gegen die die Lieder der Bilitis, welche in so sinniger Weise 
« respectueusement aux jeunes filles de la soci6t6 future» empfolilen werden, geradezu Kin- 
dereien sind. 

'^ Pallas, Mongolische Völker II, 94 zu Tafel 8, Fig. 3. 



— 209 — 

^' «Seht diesen Büsser, den die Büsserlocke ti'agenden, schwer büssenden, in nicht zu 
messend langen Zeitaltern von jetzt an wird er ein Erleuchteter auf der Welt sein»: Verse, 
welche dem ersten Buddha Dipaükara in Bezug auf Gautama in den Mund gelegt werden. 

^* Waddell, Laraaism, S. 345; Pozdneev, Ocerki u. s.w., S. 423, 428; Lalitavistara: rGya 
Tch'er rol pa, traduit par Ph. fid. Foucaux II, 354 fg. 

^* Pallas, Mongolische Völker II, 84 fg.; J. J. Schmidt, 'Dsaüs-blun , der Weise imd der 
Thor, Kap. XXXVII (H, 332 fg.). 

'* Vgl. mein Handbuch der buddhistischen Kunst in Indien, 2. Aufl., S. 158—164; die 
Abbildungen in Ajantä bei Griffith, Ajanta I, Tafel Ol; vgl. auch Bhagvänl&l Indraji, Sup&rä und 
Padana (Bombay 1882). Über die Krone der Dhyänibuddhas vgl. Journal of tlie Buddhist Text 
Society, V, Pt. II; Pozdneev, Ocerki u, s. w., S. 323. 

^^ Eine Liste der «tausend Buddhas» hat J. J. Schmidt abgedruckt in M^moires de PAca- 
d6mie Imperiale de St.-Petersbourg, (>. S., 11 (1834), S. 41— 86. Eine tibetische Liste: A brief 
Sammary of Do Ka zang exhibited by Ch. Elliott (I)arjeeling 1895) als Beilage zum Journal of 
the Buddhist Text Society, UI, Pt. 1. 

^* Über diese iranischen Elemente im nördlichen Buddhismus vgl. Rhys Davids, Buddhism, 
S. 207; Grünwedel, Handbuch der buddhistischen Kunst, S. 170; de Groot, Buddhist Masses for 
the dead at Amoy in den Actes du 6eme Congres international des Orientalistes k Leide, 4. p. 
S. 3—120. 

^* Vgl. Grünwedel, Handbuch der buddliistischen Kunst, 2. Aufl., S. 170; James Burgess, Ar- 
chaeological Siu-vey of Western India V, Tafel XX, 1; Padmapäni (Avalokite^vara) in Gändhära; 
vgl. Sergius von Oldenburg, Vostocnyja Zametki, S. 362, 363; Globus LXXVH, No. 5, S. 73. 

^" Ein Modell des Paradieses Sukhävati ist in Petersburg, im Besitze des Fürsten 
Uchtomskij. 

®^ Schott, Über den Buddhaisnuis in China und Hochasien, Abhandlungen der philosophisch- 
philologischen Klasse der königlich preussischen Akademie 1846, S. 55, 56; Die drei Käyas des 
Amitäbha in Huth, Geschichte des Buddhismus in der Mongolei II, 300. 

•** Vgl. die interessante Abhandlung Scliiefners zur buddhistischen Apokalyptik in M^langes 
asiatiques VII (1874), S. 416—428 und Legge, The Travels of Fä-hien, S. *>2— 1)3. Über Maitreya 
vgl. Original -Mitteilnnj^en ans dem k«»nigl. Museum für Völkerkunde, S. 124, Nr. 76 (und die 
dortigen Citate); Waddell, Lamaisni (passim). In der südlichen Kirche: Oldenberg, Buddha, 1. Aufl., 
8. 144, Note 1; Rhys Davids, Buddhism, 1. Aufl., S. 200 fg. 

**^ Die ältere Litteratur über ihn hat am vollständigsten James Burgess, Archaeological 
Survey of Western India V (1883), S. 14 zusammengetragen. Ausser einzelnen Angaben in den 
unter Anmerkung 29 zusammengestellten Werken ist besonders beachtenswert Waddells Abhand- 
lung im Journal of the Royal Asiatic Society (181)4), S. 51 — 8D. 

»* Vgl. zur Sache F. W. K. Müller, Ikkaku Sennin (Berlin 1897), S. 10 fg. der Separat- 
ausgabe; Veröffentlichungen aus dem königl. Museum für Völkerkunde V (1897), S. 106; Zeit- 
schrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft LH (1898), S. 459, Note 5 und die dort citiert« 
Litteratur. 

^^ ^vetasimham | tasyopari candre hrihkarasambhavain siinhanadaloke^vararüpam 

ätmänam dhyäyät | ^uklam amitäbhajatämukutinam trinetram dvibhujani | tapasvive^adharam | 
mahärajalilayä sthitam vamahastädutthitapadmoparikhadgam | dakshine sitatri^ülain sitaphani- 
veshtitam | väme nänäsugandhipushpaih pürna^vetakapälaiii spharatpahcatathägatain | mahänir- 
mänarüpinam dhyäyät; ziur Sache vgl. meinen in Note 101 citierten Aufsatz Bhrikuti. 

*• Vgl. hierzu Journal of the Asiatic Society of Bengal (1882), S. 67. Im Journal of the 
Asiatic Society of Bengal (1894), Tafel 1 giebt Waddell die Abbildung eines altindischen Siinha- 
näda, welcher genau mit dem Tantra tibereinstimmt. 

®' Es ist leider unmöglich, diese ganze interessante Reihe hier einigermassen ausführlich 
darzustellen. Ich muss mich daher auf Andeutungen beschränken : die nepalesische Form Halähalas 
bildet J. Burgess, Archaeological Survey of Western India, Tafel XXVU, 21 ab; über die Formen 
(^ivas vgl. Ziegenbalg, Genealogie der malabar. Götter, S. 48 fg. Näte^a = Tandavan, Halähala = 
Nilakantha. In diesen Zusammenhang gehört auch die Thatsache, dass Khasarpana, eine andere 
Form des Bodhisatva, in seinem Gefolge den Ganapati hat. 

QBÜzrWEDEIi. 14 



— 210 — 

"'^ Wer damit gemeint ist, weiss ich nicht. Wir finden oft solche Angaben bestimmter 
Formen von Göttern, welche der oder jener Heilige aufgebracht haben soll; so giebt es einen 
avierhändigen Nätha» des Näg&rjana etc., einen andern mit ^akti der ^äntigupta (tibetisch Zi-ba- 
sbas-pa), wieder einen andern des r0va Lo (tsa-ba) u. s. w. Hier ist mir aber die Person des 
Urhebers oder der Urheberin unbekannt. Der Name führt auf Sanskrit ^rl. 

"" Vgl. die Litteratur in den Original -Mitteilungen aus dem königl. Museum für Völker- 
kunde, S. 123, No. 70. 

•** Über Manju^ri vgl. die Zusammenstellung der altern Litteratur bei James Burgess, 
Archaeological Survey of Western India V (1883), S. 17 und Original-Mitteilungen aus dem königl. 
Museum für Völkerkunde, S. 113, No. 35 — 38; Waddell, Lamaism (passim). Einige andere Notizen: 
Manjugrl schon zur Zeit des Kaisers Min-ti in China erwähnt: Journal of the Asiatic Society of 
Bengal (1882) 2, S. 90; der chinesische Kaiser ist seine Inkarnation ebd., S. 98; seine rächende 
Form als Q^rlmah&bhairava: Journal of the Buddhist Text Society IH (1895); als solcher heisst 
er auch Ma-t*ul-ba bdul-bai nag-po, «der Schwarze, welcher die Unbekehrten bekehrt», oder 
T*ul-ba-bkrid-draii-gi k*ro-bo, «der Zttrner, der die Bekehrten richtig leitet». Das Bild der Tantra- 
Form des Bodhisatva, genannt gSan-'dus 'Jam-dpal, rdo-rje befindet sich in dem von Brom-ston 
1055 gestifteten Kloster Ra-bsgren (Ka-*dams-pa- Sekte), vgl. Pozdneev, Skazanie etc. (1897), 
S. 200, Note 66. 

®* Die Sammlung des Fürsten Uchtomskij enthält ein sehr grosses wunderschönes Bild 
der Berge Su-tai, wohin die Lamaisten pilgeni, mit allen ihren Heiligtümern. 

"* Die Beschreibung der einfachsten Form des Manju^rl (wie Abb. 108, nur statt des 
Löwen auf einer Lotusblume sitzend) lautet im Original : mdog ser btso-mai mdog Ita-bu 2al geig 
p*yag gnyis-pa | p*yag g,yas-pas ses-rab-kyi ral-gri Vyar-ba | g,yon-pas me-tog utpa-lai sten-na 

po-ti (Sanskrit pustaka) bsnams-pa. S&dhanamälätantra nennt ihn: kumkumäbham kumäräbha- 

ranam .... khadgapustakadharam vägi^varam, den safranfarbigen, Schmuck eines Kronprinzen 
tragenden, Schwert und Buch führenden Herrn der Rede (v&c) oder seiner Qakti Väc, d. h. 
Sarasvatl (Abb. 17). — Padmasambhava muss um etwas bitten, was der Bodhisatva ohnehin schon 
thun wollte, bloss um die Bedeutung seiner Sekte vorzukehren. — Über die goldene Schildkröte 
vgl. Pallas, Mongolische Völker H, 21 fg., 228 fg.; Waddell, Lamaism, S. 450 fg. (und die dort 
citierte Litteratur); besonders E. Schlagintweit, Buddhism in Tibet, Annales du Musde Guimet HI, 
200 fg. — Beachtenswert in der Erzählung ist die Betonung der Glaubenslosigkeit der Chinesen 
und der Hinweis auf die Hölle, d. h. auf den von den Chinesen so sehr gepflegten Ahnenkult. 
Es ist bekannt, dass der Stützpunkt des Buddhismus in China immer der Umstand gewesen ist, 
dass er sich des Ahnenkults bemächtigte und das Hauptmotiv der Familie in China, die Liebe 
der Kinder zu den Eltern, in Bezug auf die Verstorbenen zu benutzen wusste: er konnte ja am 
besten über die Verbleibsortc der Verstorbenen Auskunft geben. — Über die lakshanas und 
anuvyanjanas Buddhas und der Bodhisatvas vgl. F. M. Müller und H. Wenzel, Kenjiu Kasawara, 
The Dharmasamgraha in Anecdota Oxoniensia, Vol. I, Pt. V, Aryan Series (Oxford 1885), S. 53 fg. 

**' Nach der Sädhanamälä hat man ihn (oder vielmehr sich selbst) sich vorzustellen als: sar- 
vanga^^fklam caturmukham ashtabhujam pancabuddharatnamukutinam divyäbharanavastraQringärara- 
sa8(idhitam dharmacakramudräiigahastadvayam, kripänavänakuli^adakshinahastatrikam, prajn&para- 
mit(vpustakac^pavajraghanthav&makaratrikam .... eine Beschreibung, welche im wesentlichen 
mit dem im Texte Gesagten übereinstimmt. Nur ist zu bemerken, dass als Farbe «weiss an allen 
Gliedern» genannt ist imd als Krone, die er trägt, eine solche beschrieben ist, welche als 
«Juwelen» auf den Blättern die fünf Dhyänibuddhas zeigt; er trägt göttlichen Schmuck und Kleider 
und zeigt das Pathos der Liebe. Es giebt aber auch eine rote Form, das mittlere Gesicht gelbrot 
(raktagaura), das rechts gelb wie Safran (kumkumarüpa), das links purpurrot (padmarakta), das 
letzte hochrot (pitarakta). 

^* In dieser offenbar alten Form erscheint er z. B. in den «Fünfhundert Göttern von 
Nar-fan», Fol. 2 des Schlussabschnitts, wo er als weisser Manju^rl so auftritt. 

°^ Bodhisatva-Namen finden sich z. B. in der von Schiefner herausgegebenen buddhistischen 
Triglotte, Fol. 9 und 10, und zahhreiche im Kanjur, Annales du Musee Guimet II, S. 394. 

®® Vgl. besonders Louis de la Vallee Poussin, Bouddhisme, Etudos et Materiaux (London 
1898), S. 171; Waddell, The Indian Buddhist Cult of Avalokita and bis cousort Tara, the Sa- 



— 211 — 

viouress im Journal of the Asiatic Society of Bengal (1894), S. 51 fg.; Godefroy de Blonay, Ma- 
teriaux pour servir k Thistoire de la d^esse Tfträ (Paris 1895), Bibliotheque de l'^cole des haiites 
etudes 107. Ältere Litteratiir: Pallas, Mongolische Völker, S. II, 92; J. J. Schmidt, Ssanang 
Ssetsen, S. 354 fg.; Schlagintweit, Bouddhisme (tibersetzt von Millouö), S. 42; ders.. Die Könige von 
Tibet, S. 840, Kote u. s. w. Der tibetische Name ist sGrol-ma, neben welchem auch sGrol-yum 
vorkommt; da yum «Mutter» bedeutet, wird auch ma (nur Femininsuffix) von den Mongolen als 
«Mutter» aufgefasst und mit äkä «Mutter» übersetzt; vgl. S<?hiefner, Über den sog. tibetischen 
Artikel in Mölanges asiatiques (St. P6tersbourg 1851), S. 55 fg. Die Erzählung von der Ent- 
stehung der beiden Tär&s aus Avalokite^varas Thränen giebt am ausführlichsten J. J. Schmidt im 
Ssanang Ssetsen, S. 324. 

^^ Vgl. mein Handbuch der buddhistischen Kunst in Indien, 2. Aufl. (1900), S. 40, Nr. 11 
und meinen Aufsatz über eine Terrakotte aus Magdishu im Ethnologischen Notizblatt. 

^^ Der Sädliaka denke sich die Göttin: Täräin ^yämavarnäm sarvälamkäradharäm väme 
nilotpalavatim dakhshine varadäm, ardhaparyankanishannam (Übersetzung unter Abb. 116). 

^® Links von der Varadät&rä hat man sich zu denken: Ekajat&m kharvakrishnäm 
vyäghrftjinadharäm trineträm damshträkarälavadanÄin jvalatpiügalordhake^am kartrikapäladhä- 
rinlm, «die E. von kurzem Wuchs und schwarz, ein Tigerfell tragend, dreiäugig, das Gesicht 
mit einem bezahnten Rachen, mit struppigem, flammendgelbem Haar, das Messer gri-gug und 
eine Schädelschale haltend». 

100 jjacii dem Sädhanamalätantra hat man sie sich vorzustellen: haritäm Amoghasiddhi- 

'mukutÄin varadotpaladhäridakshinavämakaräm agokakäntitmarlcyekajatäsvagradakshinavämadigbhä.- 

gain divyakumärisälamkäravatim . . . , «gelb mit der Amoghasiddhi-Krone, die rechte und linke 

Hand in Varadämudrä und einen blauen Lotus haltend, zur Seite vor sich hat sie A^okakäntä- 

marlci und Ekajatä; sie trägt allen Schmuck einer himmlischen Prinzessin.» 

^'^^ Ausführliches über diese Göttin mit Bezug auf eine in Java gefundene Darstellung der- 
selben vgl. meinen Artikel Bhrikuti im Ethnologischen Notizblatt II , S. 6—10 und die dort 
gegebenen Abbildungen. 

^"^ pitrvoktavidhänena candrasitabhrumkärajilin ^ukläm trimukhäm trineträm navayauvanäm 
nänalankilradharam bhugavatim ciiitayet; pitadakshinavadanäm nänälankäradharäm ashtabhujam 
bhagavatlm cintayet; krishnadakshinetaravadanäm, dakshinacaturbhujam: vi^vavajrapadmastha- 
buddhavänavaradamudrädharäm ; vAmacaturbhujaigcäpatarjanipä^äbhayahasta pürnakumbhäm cai- 
tyaguhagarbhasthitavairocanamukutim nishpädya svavijam padmastham hridi dhyäyät. tadanu 
^ikhälalätakanthanäbhicaraneshu yathakramam hfim träni hrili om äh iti pancäksharäni pa^yet. 
tato mantram japet: om bhrum svähä. S(idhanamälätantra. 

Die von F. M. Müller entdeckten Palmblätter sind veröffentlicht in Anecdota Oxoniensia 
Vol. I, Pt. m, Aryan Series (Oxford 1884). 

^°* Über die Sauras (^avaras) vgl. Alexander Gunningham, Archaeological Survey of India 
Vols. IX, XVn, XX, XXL 

^"* Vgl. Mömoires de PAcademie de St. Petersbourg XXII (1875), S. 11. 

106 Proben solcher Erzählungen sind zahlreich bei Täranätha II, im Index s. v. Däkini; 
J. J. Schmidt, Ssanang Ssetsen S. 457 u. s. w., Graham Sandberg, Manual of colloquial Tibetan, 
S. 204; Journal of the Asiatic Society of Bengal (1887) S. 22, 27. 

Die Ausdrücke, welche die Däkinis schildern, sind in den Texten: sie tanzen (tibetisch 
gar-byed-pa); sind nackt (tibetisch p*yogs-kyi gos-can d. h. sie haben die Weltgegenden als Kleid 
(Sanskrit digambara); ihr Haar sträubt sich (tibetisch skra grol-ba); sie tragen die Schädelkrone 
(tibetisch t*od-pai dbus ni dbu rgyan mdses); sie halten die Trommel Damani (tibetisch can-te *dsin; 
can-teu p*yag-na snams); ihr Gürtel klirrt (tibetisch ska-rags sil sil sgra sgrogs-pa) u. s. w. 

^^^ Ganz nach Graham Sandberg, Calcutta Review 30. Juni 1890, vgl. auch Pozdneev, 
Skazanie u. s. w% S. 229—231 (Noten); Koppen, Buddhismus U, 353—354; Georgi, Alphabetum 
Tibetanum, S. 271, 451 (bei Koppen in extenso mitgeteilt). Vgl. auch Journal of the Asiatic 
Society of Bengal (1887), S. 12. 

"' Kälacakratantraräja IV, 41. 

^^^ Schiefner, Eine tibetische Lebensbeschreibung des fäkyamuni, S. 19. (Separat- 
Abdruck). 

14* 



— 212 — 

''»• Globus LXXV, S. 170 fg. Über Vajrapäni vgl. die Litteraturnotizen in Original -Mit- 
teilungen u. 8. w., S, 123, No. 71—73 und von James Burgess in Archaeological Suivey of Western 
India V (1883), S. 14 Note. Nllambaravajrapäni in drei Formen vgl. Annales du Mus^e Guimet 
n, 300; rGyud VI, I. Vajrapäni in Lha-sa im Journal of the Asiatic Society of Bengal (1887), S. 16. 

"^^ Annales du Mus^e Guimet II, 308. 

*" Jülg, Die Märchen des Siddhi-k&r (kalmückisch) (Leipzig 1866), S. 86 fg. 

^^* Vgl. über Hayagriva Original-Mitteilungen aus dem kgl. Museum für Völkerkunde, S. 116, 
No. 48; Jäschke, Tibetan.Dictionary S. 121, s. v. sgrub-pa; Graham Sandberg, Handbook of collo- 
quial Tibetan, S. 199; Journal of the Asiatic Society of Bengal (1882) 1, S. 12; Pantheon des 
Tschangtscha Hutuktu, S. 80 fg. (die Pfeil schiessende Form des Gottes heisst nach Atl^as Titel 
Jo-bo: Jo-boi lugs). 

**" Über ICam-sraü vgl. Pozdneev, Ocerki u. s. w., S. 329 fg. 

^^^ Über ^mag&napati (Citipati) vgl. Pantheon des Tschangtscha Hutuktu, S. 98, No. 253. 
Er weiht den Lui-pa in das Cakrasamvaramandala ein; vgl. A. Schiefner, Täranätha, S. 319. 

*** Eine Probe einer Beschreibung solcher Leichenstätten habe ich in wörtlicher Über- 
setzung gegeben in Ein Kapitel des Tä-se-sun (Berlin 1897). Über den pferdeköpfigen Höllen- 
knecht vgl. mein Handbuch der buddhistischen Kunst, 2. Auflage, S. 51. 

Über Sa-ba, bisweilen Cervus Wallichii, vgl. Graham Sandberg, Manual of colloquial 
Tibetan, S. 168 und M61anges asiatiques VI (1868), S. 9. 

*^' Yamäntaka ist oft abgebildet und beschrieben worden, vgl. Pallas, Mongolische Völker 
n, 95 fg., Taf. V; Bergmann, Nomadische Streifereien im Lande der Kalmücken UI, 69; Koppen,« 
Buddhismus II, 297 (und die bei ihm citierte ältere Litteratur) u. s. w., nirgends aber sind bis jetzt 
seine Attribute einzeln aufgezählt. 

^^"^ Über Lha-mo vgl. Pallas, Mongolische Völker II, Taf. IX, 5 (schlecht); Schlagin tweit, Boud- 
dhisme (übersetzt von Millou^). S. 71, Tafel XI u. s. w. Sie veranlasst den Tod gLau-dar-mas; 
vgl. Journal of the Asiatic Society of Bengal (1881), S. 239. Ein See in Tibet gilt als ihr Herz 
vgl. ebd. (1887), S. 21; Schutzgöttin von Lha-sa ebd. (1882), S. 187; Ausführliches über sie im 
Pantheon des Tschangtscha Hutuktu, S. 96; Journal of the Buddhist Text Society I (1893), 
App. n, 8 5—6 u. s. w. 

"« Brockhaus, Kathä Sarit Sägara 1, 31; Taraüga IV, 20—25; A. C. Burneil, On the Aindra 
School of Sanskrit Grammarians (Mangalore 1875) S. 5 (Hiuen-Ts^ang dort citiert); F. W. Müller, 
To no Yoshika im T*oung-Pao (1895); Melanges asiatiques, S. 7—9. 

In diesem Zusammenhang ist interessant, dass es Fälle giebt, dass die Inspiration durch 
Selbstmordversuch erzwungen wird. So erinnere ich mich gelesen zu haben, dass der Paudit 
eines in Südindien wirkenden Engländers, der in seiner Jugend schwer lernte, in den Tempel 
der Kali ging und sich eine Wunde beibrachte. Er verbrachte die Nacht im Tempel, wurde 
goheilt und war von da an in seinen geistigen Fähigkeiten ganz verändert. 

**" Abbildungen dieser Gottheiten — meist direkt die Typen, welche der Brahmanismus 
noch gebraucht — sind im Pantheon des Tschangtscha Hutuktu, No. 277 fg., S. 106. 

**^ Bischamon ist aus Vai^ravana verderbt; einen ähnlichen Vorgang vgl. Schiefner, 
Nachträge zu Schmidts Ausgabe des Dsang-lim, S. 84. 

Über die vier grossen Könige vgl. mein Handbuch der buddh. Kunst, 2. Aufl., S. 128 fg. 
Schilderungen ihrer Paläste, u. s. w. bei Minayev, Recherches sur le Bouddhisme in Annales 
du Mus6e Guimet, Biblioth^que d'fitudes IV, 140 fg. und die Noten. 

**^ Über die Dam-can oder sKu-liia vgl. Waddell, Buddhism in Tibet or Lamaism, 
S. 479 fg.; Graham Sandberg, Handbook of colloquial Tibetan, S. 200; Journal of the Asiatic Society 
of Bengal (1887) H, 3—4, 247. Vgl. auch Journal of the Buddhist Text Society V, 1897, H 3—4. 
Ül)er ihren Präsidenten als Gandharva-König vgl. Huth, Geschichte des Buddhismus in der Mon- 
golei U, 134. Eine interessante Notiz auch im Journal of the Asiatic Society of Bengal (1887), S. 14. 

dPe-har oder dPe-dkar (letzteres wörtlich «weisses Beispiel») gehört jener alten Schicht 
der tibetischen Sprachperiode an, in welcher Sanskrit -Wörter nicht übersetzt, sondern mund- 
gerecht gemacht wurden, indem man ihnen ein tibetisches Aussehen gab. Es repräsentiert das 
Wort Vihära, «Kloster»; der Gott ist in erster Linie Schutzgott der Klöster; vgl. Schiefner, 
M6langes asiatiques (1851), S. 15. 



— 213 — 

"- Über Subhüti vgl. Journal of the Asiatic Society of Bengal (1882), S. 15; Original- 
Mitteilungen aus dem königlichen Museum für Völkerkunde, S. 119, No. 57. Er ist die erste 
Existenz des Grosslama von bKra-sis-lhun-po. 

^^' Über die Nägas vgl. die Liste aus dem Saddharmapundarika bei Pozdneev, Ocerki 
u. s. w., S. 317; die Liste bei Waddell, A trilingnal List of Nägaräjas im Journal of the Royal 
Asiatic Society (1894), S. 91 — 102. Dieselben Namen nennen die Bon vgl. A. Schief ner, Das 
weisse Nägahunderttausend in den M^moires de l'Academie de St. Petersbourg XXVIII, No. 1; 
B. Laufer, Klu'bum bsdus pai snin po (Helsingfors 1898). Sonstiges über Näga-Darstellungen : 
Fergusson, Tree und Serpent worship, 2. edit. (London 1893); J. Burgess, Journal of Indian Art and 
Industry (Jan. 190Ö); J. Griffith, The paintings of the Ajantä-caves I, 11, 19; Grünwedel, Handbuch 
der buddhistischen Kunst in Indien, 2. Aufl., S. 90 — 103. Vgl. auch Journal of the Buddhist 
Text Society 1894, II, 1 fg. und Veröffentlichungen aus dem königl. Museum für Völkerkunde V, 
24, 36, 58, 83 fg. 

*^* Es schliesst sich also dieser Typus an die Formen der indischen Archäologie, z. B. 
an die Gemälde in AjantA, wohl an; vgl. mein Handbuch der buddhistischen Kunst, 2. Aufl., 
S. 47fg. 



Quellen der Abbildungen. 



cbniing «Orientreise» bezieht sich auf die 6 Ilalbbände der nissischen Ausgabe des in 
Qg 29 citiertcn Werks von Fürst E. Uchtomskij, Orientreise Sr. Majestät des Kaisers 
Nikolaus II. von Russland. 



Vorwort. 



Seite 

VII Aus Orientreisc 5, LX 

VIII ebd. 6, 15 

IX ebd. 4, 243 

X ebd. 5, 79 

XI ebd. G, 19 

XU ebd. 4, 72 

Xm ebd. 4, 2()3 

XIV ebd. 4, 112 



Soiia 

XV Aus Orientreise 5, 

XIX ebd. 8, 120 

XXI ebd. 3, 148 

XXIII ebd. 3, 128 

XXV ebd. 3, 63 

XXVII ebd. 3, 1()() 

XXIX ebd. 3, 187 

XXXI ebd. 5, VIII 



10 



Vignetten. 



)ite 

CXVI Aus dem Petersburger antojLTapliisclHMi 
«Index des Kanjur», Schlnss))latt. 

1 Drachendarstelhingen aus einem Ilelief aus 
Loriyäu Tangai im Journal of Indian 
Art and Industry VIII (IIHM)) No. 09, 
S. 73. 

9 Ornameuto von dem vergoldeten Deckel 
einer Schädelschalo (Museum für Völker- 
kunde zu Berlin). 



94 Oberer Rand des ersten Blattes der «Peters- 
burger Triglotte». 

193 Unterer Hand des ersten Blattes der «Peters- 

burger Triglotte». 

194 Sogensspruch. In Lants* a-Schrift. 

197 Donnerkeil-Ornament. Von einem Vorhang 
im Museum für ViUkerkunde zu Berlin. 

217 Donnerkeil -Ornament vom Rande einer 
Glocke. 



Textabbildungen. 



. Aus Orientreise G, 52. 

. Nach einer Photographie. 

. Aus den «500 Göttern von Nar-t*an». 

. ebd. 

. Aus Orientreise 5, XXII. 

'^""ninarham, The stupa of Bhar- 



Abb. 



9. 
10. 



Nach einem alten tibetischen Bilde ir 
Museum für Völkerkunde zu Berlin. 

Nach James Burgess, Journal of Indian A 
VIII, 69, 82, 22. 

ebd. VIII, 69, 76, 8. 

Aus Grünwedel, Handbuch der buddhi 
sehen Kunst, 2. AuH., S. SS, No. 36. 



— 215 — 



Abb. 

11. Aus Orientreise 6, 32. 
12.. Aus Cole, Preservation of National Monu- 
ments India, Yusüfzäi, Tafel 25. 

13. Aus James Burgess, Journal of Indian Art 

Vin, 69, 87, 31 und 62, 14, 1. 

14. ebd. 62, 14, 3. 

15. ebd. 62, 4, 3. 

16. Aus Grünwedel, Handbuch der buddhisti- 

schen Kunst, 2. Aufl., S. 1)5. 

17. ebd. S. 101. 

18. Aus James Burgess, Journal of Indian Art 

VUI, 69, 84, 27 und 62, 7, 2. 

19. Aus Grttnwedcl, Handbuch der buddliisti- 

schen Kunst, 2. Aufl., S. 103. 

20. Aus James Burgess, Journal of Indian Art 

VIII, 62, 26, 4. 

21. Aus Orientreise 5, 24. 

22. ebd. 5, 33. 

23. Nach einer Miniatur auf Seide im Museum 

für Völkerkunde zu Berlin. 

24. Nach einem Original in der Sammlung 

Ostrovskich. 

25. Aus dem «Pantheon des Tschangtscha Hu- 

tuktu ». 

26. Nach einer Miniatur auf Seide im Museum 

für Völkerkunde zu Berlin. 

27. Aus dem «Pantheon des Tschangtscha llu- 

tuktu». 

28. ebd. 

29. Nach einer Bronze in der Sammlung des 

Fürsten Uchtomskij. 

30. Nach einem alten Bilde im Museum für 

Völkerkunde zu Berlin. 

31. Aus dem «Pantheon des Tschangtscha Hu- 

tuktu ». 

32. Nach einer Miniatur auf Seide im Museum 

für Völkerkunde zu Berlin. 

33. Nach einem alten Bilde im Museum für 

Völkerkunde zu Berlin. 

34. Aus dem Holzdnick von Darjiling des 

Pad-ma-t'an-yig (Titelblatt). 

35. Nach einer Bronze in der Sammlung des 

Fürsten Uchtomskij. 

36. Aus Orientreise 5, XII. 

37. Nach einer Miniatur im Museum für Völker- 

kunde zu Berlin. 
3H. ebd. 

39. 1. Nach einer Bronze in der Sammlung des 

Fürsten Uchtomskij; 2. nach dem «Pan- 
theon des Tschangtscha Hutuktu». 

40. Nach einer Miniatur im Museum für Völker- 

kunde zu Berlin. 

41. ebd. 



Abb. 

42. 

43. 
44. 

45. 



46. 

47. 

48. 
49. 
50. 

51. 
52, 
53. 
54. 

55. 
56. 

57. 
58. 
59. 
60. 
61. 
62. 
63. 
64. 
65. 
66. 
67. 
68. 
69. 
70. 
71. 
72. 
73. 

74. 
75. 
76. 
77. 

78. 
79. 
80. 
81. 
82. 
83. 



Nach einer Bronze in der Sammlung des 
Fürsten Uchtomskij. 

Aus den «500 Göttern von Nar-t*an». 

Citat nach J. J. Schmidt, Bulletin de T Academie 
de St.P^ersbourglV, No. 81, No. 9, 130 fg. 

Nach einer Miniatur auf Seide im Museum 
für Völkerkunde zu Berlin. Vgl. Original- 
mitteilungen aus dem Museum für Völker- 
kunde zu Berlin (1885), Tafel 4. 

Aus dem «Pantheon des Tschangtscha Hu- 
tuktu». 

Aus den «500 Göttern von Nar-t*an». 

Aus Orientreise 5, XXI. 

Aus dem Berliner Kanjur von 1410. 

Nach einer Miniatur auf Seide im Museum 
für Völkerkunde zu Berlin. 

Aus Orientreise 6, 27. 

Aus dem Berliner Kanjur von 1410. 

Aus Orientreise 5, XVIII. 

Nach einer Bronze in der Sammlung des 
Fürsten Uchtomskij. 

Aus Orientreise 5, 143. Ergänzt. 

Nach kleinen Miniaturen aus Urga im Mu- 
seum für Völkerkunde zu Berlin. 

Aus Orientreise 5, XXXIII. 

ebd. 5, XX VIII. 

ebd. 5, LIV. 

ebd. 5, XXIX. 

5, XIX. 

5, XVII. 

4, 176. 

4, 170. 

ebd. 4, 172. 

ebd. 5, LIV. 

ebd. 6, 30. 

ebd. 6, 31. 

18. 

169. 

173. 

158. 

Nach einer Miniatur auf Seide im Museum 
für Völkerkunde zu Berlin. 

Aus Orientreise 5. XII. 

ebd. 3, 71. 

ebd. 6, 21. 

ebd. 5, XXXVII. 

ebd. 5, XUI. 

Aus dem Berliner Kanjur von 1410. 

ebd. 

Aus den «500 Göttern von Nar-t*an». 

ebd. 

Nach einer Bronze in der Sammlung des 
Fürsten Uchtomskij. 



ebd. 
ebd. 
ebd. 
ebd. 



ebd. 6, 

ebd. 4, 

ebd. 4, 

ebd. 5, 



— 216 — 



Abb. Abb. 

84. Nach einer Bronze in der Sammlung des 128. 

Fürsten Uchtomskij. i 129. 

85. ebd. ' 

86. ebd. , 130. 

87. ebd. I 131. 

88. Aus den «500 Göttern von Nar-t'an». : 132. 

89. Aus dem Berliner Kanjur von 1410. 133. 

90. Aus Orientreise 4, 132. 

91. Aus dem Berliner Kanjur von 1410. i 134. 

92. Nach einer Bronze in der Sammlung des ■ 135. 

Ffirst(Mi IrlitrHnsskij. 

93. Aus Orientreise «, 29. 130. 

94. ebd. 5, XIV. 137. 

95. ebd. 5, XVIII. 138. 

96. ebd. 5, XIV. 139. 

97. Nach einer Bronze in der Sammlimpr des 

Fürsten Uchtomskij. 140. 

98. ebd. 141. 

99. ebd. ' 142. 

100. Aus Orientreise 5, X.\IV. I 

101. Aus den «5(M) Göttern von Nar-t^an». ; 143. 

102. Nach einer Bronze in der Sammlung des j 144. 

Fürsten Uchtomskij. I 

103. ebd. 145. 

104. ebd. I 146. 

105. Aus den «500 Göttern von Nar-t*ai'i». 

106. Nach einer Bronze in der Sammlung des 147. 

Fürsten Uchtomskij. 148. 

107. Aus Orientreise 5, XXXI. 

108. Aus dem Berliner Kanjur von 1410. 149. 

109. ebd. 150. 

110. Nach einer Bronze in der Sammlung des 151. 

Fürsten Uchtomskij. 

111. ebd. ' 152. 

112. ebd. 153. 

113. Aus den «500 Göttern von Nar-t'an«. 154. 

114. ebd. 

115. Aus dem Ethnologischen Notizblatt, Fol. I. 155. 

116. Aus Orientreise 5, 149. 156. 

117. Aus dem Berliner Kanjur von 1410. I 

118. ebd. 157. 

119. ebd. 158. 

120. ebd. 159. 

121. Aus Orientreise 5. LH. I 

122. Aus dem Berliner Kanjur von 1410. 160. 

123. ebd. 

124. ebd. 161. 

125. Aus Orientreise 5, 142. 

126. Aus den «5(M) Göttern von Nar-t'an». 1 162. 

127. Nach einer Bronze in der Sammlung des ' 163. 

Fürsten Uchtomskij. | 



Aus dem Berliner Kanjur von 1410. 
Nach einer Bronze in der Sammlung des 

Fürsten Uchtomskij. 
ebd. 

Aus den «500 Göttern vqu Nar-t*an». 
Aus dem Berliner Kanjur von 1410. 
Nach einem Gemälde aus Urga in der 

Sammlung des Fürsten Uchtomskij. 
Aus dl n r^Ht (, Ottern von Nar-t'aii». 
Nach einer Bronze in der Sammlung des 

Fürsten V htoinskij 
Aus Orientreise 5, XX [L 
Aus den «500 Göttern von Nar-t*an». 
Aus dem Berliner Kanjur von 1410. 
Nach einer Bronze in der Sammlung des 

Fürsten Uchtomskij. 
ebd. 

Aus Orientreise 4, 222. 
Nach einer Bronze in der Sammlung des 

Fürsten Uchtomskij. 
Aus Orientreise 4. 223. 
Nach einem Gemälde in der Sammhmg des 

Fürsten Uchtomskij. 
Nach dem Berliner Kanjur von 1410. 
Nach einer Bronze in der Sammlung des 

Fürsten Uchtomskij. 
Nach dem Berliner Kanjur von 1410. 
Nach einer Bronze in der Sammlung des 

Fürsten T^chtomskij. 
ebd. 

Aus dem Berliner Kanjur von 1410. 
Nach einer Bronze in der Sammlung des 

Fürsten Uchtomskij. 
Aus Orientreise 5, 143. Ergänzt, 
ebd. 5, 13. 
Nach einem Gemälde aus Urga in der 

Sammlung des Fürsten Uchtomskij. 
Alls Orientreist^ 5, XX. 
Nach einer Bronze in der Sammlung des 

Fürsten Uchtomskij. 
Aus Orientreise 5, 159. 
ebd. 5, XXI. 
Nach einer Bronze in der Sammlung des 

Fürsten Uchtomskij. 
Nach einem Gemälde auf Seide im Museum 

für Volktfrkuiide zu Berlin. 
Nach einer Photographie von Peter Schim- 

kewitsch. 
Aus den tt5(K) Göttern von Nar-t*aii)>. 
Aus «Ein Kapitel des Tä-se-sun (Berlin 

1897)'). 



d <!><!> 4) <!><!> I> i Ä ^ ^ 4> 4 ^ ^ 4 



Glossar. 



Abhayäkara, Abhayäkaragiipta, tib. \Jigs-me(i 
'byuu-gnas, mongol. Abiakar 48, abgebildet 
42; seiu Abenteuer mit einer Däkini 154. 

Abbayamudrü, vgl. mudn\, die Göttin I'sbnisba- 
vijayä in A. 149. 

Abbidhänottaratantra , ein Tantra im 2. Hände 
der Klasse rGyud (tantra) des Kanjur i>4. 

Abbidbarma, Päli: Abbidbamma, tib. ("'os mnon- 
pa mdsod, mongol. ilärkä nom oder ilüdä nom- 
iin aimak, der dritte Teil des Tripitaka, die 
Metapbysik 11. 

Abhisbeka, tib. dban skur(-ba), dl)an-ba, mongol. 
abisik, Name einer Weibe, wie si(* die Scbutz- 
götter und Dakinis geben 4h, 154. 

Abiakara, mongol. Umscbrift von Abbayakaia 
(gupta) 42. 

Aboriginerstämme Indiens 82, vgl. (^'a-va-ri-pa, 
Sauras, (^avara, Parnac^avari. 

Acacia catecbu, vgl. Kbadira, P'ur-bu IGo, 

Acala, «unbeweglich», tib. Mi-g,yo-ba, mongol. litt 
kälbäriktsi 162, abgebildet 1B8. 

Aearya «der Lebrer», tib. slob-dpon, mongol. 
baksi, surgaguli-in baksi (noyan), P^brentitel 
verschiedener Heiliger, z. B. des Abbayakara- 
gupta 42. 48: des Padmasambhava 4t>; im 
Tsam 16i>. 

Acht; die «acht schrecklichen Götter» 1)7,104, 
KVl; acht Begleiter des Ototsi 118, des Beg- 
tse 16B; achtbändig, vgl. ashtabhuj 15(). 

A(;;oka, tib. Mya-nan-med-pa . mongol. gasalang 
ttgäi 11—18, 15, 17. 

A(;oka-Baum, Jonesia A^oka, Attribut der Mü- 
rici 145. 

A(;oka-Periode, Bezeichnung der altern Periode 
der buddhistischen Kunst, welclie noch nicht 
die Einflüsse der Gandbara-Skulpturen zeigt 
20, vgl. Blmrhut (Barahat), Si\nchi. 

Arokakantii: Marlci, «Tiiebling des A^oka» 140. 



A^va, tib. rTa, mongol. morin (ärdäni), eines 

der acht Kleinodien 48. 
A(;vagbosha, «pferdestimmig», tib. rTa-dbyans, 

mongol. Morin ägäsik yar inägäktsi 4, vgl. 

im Index unter «vier Sonnen». 
Adamspik 4. 
Adhisa, mongol. Umschreibung des Namens 

Ati(;a 50. 
Adibuddha, tib. ni(Vog-gi daii-poi sans-rgjas, 

mongol. Angkiian burkb^n, Lehre vom «Ur- 

buddba» 42; Samantabbadra als A. %, 141; 

Vajrapäni in der Form des Vajrasatva als 

A. IMi, 141. 
Adler des Zeus, Garnda 101. 
Afridi IS. 

Ägäsiktü äkä, mongol. für Sarasvati 152. 
Ägätsi dägu (du), mongol. für ICam-srin, ICam- 

sran, Beg-tse, abgebildet 6i), 165. 
Agni, <ler Gott des Feuers, tib. Me-lha, mongol. 

gal-un tägri 52, 180; Me-lha dmar-po 105. 
Agnija, eine andere Form für Aiigaja («Glied- 
geboren»), einer der Sthaviras, bedeutet 

«Feuergeboren», tib. Me-skyes 37. 
Ai-li 26. 

Ainiak 86; Aimak Sain Noyan 86. 
AjantÄ, Darstellungen der Tathägatas in A. 112. 
Ajiita^atru, «dem kein Feind geboren ist», tib. 

Ma-skyes-dgra, mongol. Äsä töröksän daisun, 

das erste Konzil unter seiner Regierung 11, 

A.-Pfeiler zu Bharhut 14. 
Ajita, tib. Ma p'am-pa, Mi p*am-pa, «unbesiegt», 

einer der Sthaviras 37, abgebildet 7; auch 

Beiname Maitreyas. 
Aka^agarbha, «Ätherkeim», ein Bodhisatva, 

141; vgl. Khagarbba. 
akshamälä i. q. akshasütra 132. 
akshasütra, Rosenkranz, Attribut der Bhrikutt 

148; wörtlich «Augenschnur» aus Perlen, 



— 218 



Nüssen von Elaeocarpus ganitrus, welche 
«Augeii Rudras» (radra-aksha) heissen; gani- 
tras vom javanischen Namen djanitri. 

Akshohhya, tib. Mi-bskyod-pa, «unerschütter- 
lich», mongol. Aksobi, Ülü küdälüktsi, einer 
der Dhyltnibuddhas 58, 98, entspricht dem 
Kanakamuni 95, sein Dhy&nibodhisatva Ya- 
jrasatva 96, in der Krone des Manjugrl 140 ; 
mit Yum abgebildet 99. 

Aksobi, Aksobhi, mongol. Umschrift von Aksho- 
bhya. 

Alexander der Grosse 11, 17, 18. 

Almosenschale, vgl. p&tra, Ihuü-bzed 114, 118. 

Altan Khagan, Altan Kh&n der Tttmäd 80—82, 
84, A. Kh&n der Khalkhas 84. 

Altan tsidaktsi, mongol. für Kanakamuni 111. 

amatam padam (Päli) für Sanskrit: amritam 
padam, «der unsterbliche Ort (Pfad)», poetische 
Bezeichnung des Nirv&na 8. 

Ambrosia, Sanskrit amrita, tib. bDud-rtsi ; Götter 
und Dämonen kämpfen darum 160; Ambrosia- 
gefärSS, Attribut des Sarvanivaranavishkarabhi 
141. 

Amguvarmä, mongol. Gäräl-ün khuyak, König 
von Nepal, Vater der inkarnierten Tara 144. 

Am-do 70. 

Amitäbha, « unermessliches Licht besitzend», 
tib. 'Od-dpag-med, mongol. Tsaglasi ügäi gä- 
rältü, Name des Dhyänibuddha des ^'Äkya- 
muui 95; Vasubandhus Lehre 36, 37; Para- 
dies des A. 48; A. als Dhy&uibuddha mit 
gakti 99, als Buddha dargestellt 118, auf 
dem Täfelchen der Ushnishavijayfi 131, baut 
Avalokiteijvaras zerspningenes Haupt pyi'a- 
midenförmig als zehn Köpfe auf 133, in der 
Krone der KurukuUä 152, im Haare (Krone) 
des Avalokite^vara 126, 127, des Sirahanäda 
130, emaniert aus seinem Haupte den Avalo- 
kite^vara 114, 115, inkarniert sich im Pan- 
Ven 118, iranische Elemente in der Ami- 
täbha-Doktrin 114; vgl. Sukhävatl, Amitäyus, 
Avalokitecjvara. 

Amitan-u ädzän, mongol. für Srog-bdag, Sanskrit 
Prajäpati 166. 

Amitäyus, «unermessliches Leben habend», tib. 
Ts'e-dpag-med, mongol. A-yu-si, Name einer 
Form des Amitäbha als Lebenspender 31, 
Sambhogakäya des Amitäbha 118, abgebil- 
det 113. 

Amoghapä<;a, tib. Don-zags, 132, abgebildet 129, 
130. 

Amoghasiddhi und Amoghasiddha , «nicht feh- 
lenden Zauber besitzend», «nicht fehlend 
zauberhaft vollendet», tib. Don -grub, Don- 



yod-grub-pa, Dhyänibuddha mit ^akti 99; 
des Maitreya Dhyänibuddha 95, in Täräs 
Krone 143, Amoghasiddhamukutinl 143. 

Amoghavajra, vielleicht der 129 gemeinte Pandit 
von Kä^mira 129. 

amurlinggui, mongol. für ^änta, tib. zi-ba 99, 141. 

Amursana 86. 

anägämi, tib. p'yir mi 'oü, mongol. Kharin ülü 
iräktsi 8. 

Anandadhvaja^ribhadra, tib. Kun-dga rgysil- 
mts'an, abgebildet 52, vgl. Sa-skya pandita. 

Anavatapta, tib. Ma-dros-pa, mongol. Anobata. 
ein Näga 191. 

Angaja, tib. Yan-lag'byun, einer der SthaWras 
7, 37, vgl. Agnija. 

anjali, tib. p'yag *ts*al-ba, gefaltete Hände 129. 

anku^a, Attribut der Kurukullä 152. 

Anobata, mongol. für Anavatapta 191. 

Antiochos, griechischer Typus des indischen 
Namens Antivähana 32. 

Antivähana, nach Schief ner indische Form des 
griechischen Namens Antiochos 31, 32. 

änubhäva, überirdische Kraft 8. 

anuvyanjana, tib. dpe-byad, mongol. nairak, 
kleine Schönheitszeichen des Buddha oder 
eines Bodhisatva 136; vgl. F. M. Müller, The 
Dharmasamgraha, Anecdota Oxoniensia, Aryan 
Series I, V s. v. 

Aparagodäna, tib. Nub-gyi ba-lan spyod, mongol. 
Ükär ädläktsi 38. 

Apollo -Ideal, Gnmdlage des Buddhatypus der 
Gandhära-Periode 19. 

Ärdäni, mongol. aus Sanskrit ratna verderbt, tib. 
Rin-po-ö*e, vgl. A^va, Ratnasambhava. 

Ärdäni-in nökür, mongol. für Vasubandhu 35. 

Ärdäni-in oron, mongol. für Ratnasambhava. 

Argun 2. 

arhat, «der würdige», Spx^v, tib. dgra-bcom-pa 
(von ari und hau, «Feindbesieger»!), höch- 
stes Stadium der buddhistischen Heiligkeit 8 ; 
A. Subhüti 190; es giebt 500 Arhats, von 
denen eine Gruppe von 16 (17 oder 18) als 
Sthaviras (Älteste) besonders in Ehren stehen 
37, 38, 40. Andere Reihe Ann. du Mus6e 
Guimet H, 215 fg. 

Ariabalo, mongol. Entstellung von Aryävaloki- 
tCQvara 65, 127. 

äriyäni saccäni, Päli, für äryäni satyäni, «die er- 
habenen Wahrheiten», tib. bden-pa bzi, mongol. 
dürbän ünän, «die vier Wahrheiten» 6. 

Arjuna-Baum, Pentaptera Arjuna 29. 

Ärlik, mongol. Name des Yama, tib. gSin-rje 
101, 168; Ärligiin yargaktsi oder Arlik tonil- 
gan üilädüktsi, Yamäntaka 174. 



— 219 — 



Ärlik Matun Yami 62. 

a-ru-ra, tib. für harltakl 114. 

Ärya, tib. 'P*ag8-pa, mongol. Mutnktu, Ehren- 
titel von Lamas und Bodhisatvas ; vgl. Äryä- 
saüga, Äryadeva, Aryamahäratna , Äryävalo- 
kitegvara. 

Äryadeva, tib. 'P'ags-pa ILa 34 — 36, 46, einer 
der ^ivanäyaiimär 97. 

Äryajängiilitärä, tib. So-sor-'bran-ma 146. 

Aryamahäratna Sumatikirti, «das heilige grosse 
Kleinod, welches den Kuhm guter Einsicht 
besitzt», Klostername des Tson-k*a-pa 70. 

äryamandala 5(). 

Aryamanju^rl, Manju^ri 134, 130. 

Aryamatidhvaja 53. 

Äry&sanga, tib. T'ogs-med 35, 158, 185; vgl. 
Asaüga. 

ÄryävalokiteQvara 127, i. e. Avalokitegvara. 

Asanga, tib. T^ogs-med, mongol. Türbäl ügäi 
baksi 32, 35—36; seine Wirksamkeit in Bezug 
auf die Aufnalime des Hindu-Pantheons in das 
Mahäy»^na-System 1)7. 

asekha, Päli, «der nicht mehr Schüler (sekha, 
Sanskrit gaiksha) ist» 8. 

ashtabhuj, «achtarmig», tib. p'yag brg}'ad 150. 

Assam 106. 

Asuras, tib. Lha-ma-yin, mongol. Tägri busu, 
kämpfen in der Luft mit den Devas 30. 

Atir;a 32, 50, 58, 71; sein Hayagriva 164. 

A-ti-yoga, eine der Lehren des Padraasambhava 
47, 50. 

Attribute, vgl. Auge (drittes), Axt, Beil, para(;u, 
Fangschlinge, Donnerkeil, vajra, rdo-rje, Drei- 
zack, tri^illa, khatvänga, Lotusblume, vigva- 
vajra, Krone, Schwert, kripäna, gri, khutuga, 
Gefass, Ambrosiagefäss, kumbha, kalä^a, 
mangalakaläga, bum-pa, Tigerfell, Rosenkranz, 
akshamälä, akshasütra, Schädel, Schädel- 
schale, Schädelgehänge, Anku^a, Buch, Löwe, 
Bär, Maultier, A^oka-Baum, pallavapicchikä, 
Pfau, Bogen, Pfeil, rus rgyan, dra-ba p*yed, 
Rad, cakra, 'k*or-lo, Schlange, caitya, vinä, 
Elefantenkopf, Almosengefäss , Würfel (vgl. 
Ilevajra), Fahne, dhvajä, p*ur-bu, gri-gug, 
kartri, Juwel, Cintämani, dbyug-gu. 

Auge, drittes Auge 100, vgl. Ses-rab spyan; 
des blauen Maüju^rl 139; Auge entsteht aus 
einer Wunde 175; sieben Augen der weissen 
Tärä 146; ausgerissene Augen 183. 

Avalokiteyvara, tib. sPyan-ras-gzigs, mongol. 
Nidübär üdzäktsi, Khongsim bodisato, Dhy&ni- 
bodhisatva des ^'akyamuni 31— 32, 51, 65, 76; 
A. inkorporiert sich im Dalai Lama 118, 
Iborsetzung des Namens 127—128, der Bo- 



dhisatva abgebildet 126, A. als Amoghap&^a 
130, 132, besieht das Elend der Welt 137, 
in Gandhära von S. von Oldenburg nach- 
gewiesen 134, elfköpfiger A. 133, tantrische 
Formen 133, Kolosse des A. 141, T&rä, des A. 
CJakti 142, A. emaniert aus Amit&blias Kopf 
114; A. abgebildet und beschrieben 109; vgl. 
Araitlibha, Simhanäda. 

Avat&ra, Herabsteigen, Inkamieren einer brah- 
manischen Gottheit (Vishnus) 42, 106. 

Avidürenidäna 107. 

Axt, para^u 106; Attribut des Yamäri 102. 

Ayodhyä 15. 

Ayolgaktsi, mongol. für 'Jigs-byed, Bhairava 
101, 174. 

Ayusi, mongol. für AmitAyus A-yu-si, tib. Ts*e- 
dpag-med 118. 



I Bk, bd, bot, Ms, bl, bs, bsk Im AnfanKO tibetischer 
I Wörter sind unter K, D, T, L, S, K zu suchen. 

üabasi, mongol. Umschrift für Vipagyl 111. 
I Badakshan 26. 
I Bajaur 18. 
I Bakchische Szenen in Mathurä und Gandhära 24. 

Ba-ku-la, Name eines der sechzehn Sthaviras 38. 

Balavän, ein Näga, tib. sTobs-ldan, mongol. 
I Dzibkhulangtu 190. 

baiin, Opfer an Drag-gsed und Dämonen 183. 

Bi\m!än 18. 

Bär, Keittier einer Form der Lha-mo 177, vgl. 
Rikshavaktra 174. 

Bi\rä-Bu(lur 28. 

Barahat i. q. Bharhut, Bäume der Buddhas 112. 

Baränäsi 19. 

Batu 1. 

Bäume, vgl. Bodhibaum, Syringa villosa, Jam- 
I bnvriksha, Panca^irshaparvata, der Buddhas 
I zu Bharhut 112. 
I 

i 



Bayaskhulangtu lüs-un Kliagan, mongol. für 
Nanda 190. 
I sBed-byed, Name eines Sthavira 38. 

Beg-tse = ICam-sran 69, 164, 165, 166. 

Beil, para^u 106. 

Benares 5, 6, 10, 13, 20, 21. 

Bengalen 5, 43. 

Bhadra, tib. bZan-po, einer der Sthaviras 7, 38. 

Bhagavän, tib. bCom-ldan-Mas, mongol. iladzu 
tägüs nöktsiksän 14, 19, 136. 

Bhagavato okamti, Inschrift zu Bharhut, 14. 

Bhairava, tib. Migs-byed, mongol. Ayolgaktsi 
i. q. ^Vlvajrabhairava 67, 171, tib.- drag-po, 
Steigerung von 'K*ro-bo, Beinamen der Drag- 
gsed 100. 



- 220 — 



Bhaishajyaguru, tib. sMan-bla, mongol. Ototsi, 
abgebildet 114, und seine Begleiter 115—118. 

Bha-ra-dhva-dsa, Name zweier Sthaviras: Bli. 
gser-can und Bh. bsod-snyoms-len 38. 

Bharadv&ja, altindischer Name, Beute bringend, 
bharat-väja (wie altpersisch daraya[t]-vahu 
[dhärayat-vasu würde es im Sanskrit heissen], 
«den Besitz erhaltend», Name des Dareios); 
die Tibeter schreiben dhva-dsa, da sie an 
dhvajSi, Standarte, Siegeszeichen denken 4(). 

Bharhut (Barähat) 12, 13, 14, 15, 23. 

Bhavänt, Hindügöttin, Gemahlin (Jivas 158; 
Vajravarähl gilt bei den Nepalesen als Bha- 
v&ni 156. 

bhikkhu, Päli, für Sanskrit: bhikshu, «Bettler», 
Name der buddhistischen Mönche 5, tib. 
dGe-slon. 

BhopM 12. 

Bhrikutl, «die Brauen ziehende Göttin», tib. 
K*ro-gnyer-can-ma, mongol. Kilingtü äkä, 
«zornige Mutter» 132, 146, abgebildet 129, 
13()(?), 148, eine Form der Tärö, 15(), 146. 

Bhriip, die Dh&ranlformel der Göttin Bhrikuti 36. 

bhrura, Dhär&ni, daraus entsteht während der 
Contemplation Ushnlshavijaya 149. 

bhumispar^amudrft, vgl. mudrä. 

Bi-hu, Name eines Berges 38. 

Bimbisära, tib. gZugs-brnyan, mongol. Dürsütü 
dzirttkän, Tsoktsas-un dzirükän 11 ; vgl. Schief- 
ner, Lebensbeschreibung 82. 

Biraman düritäi Ma-hä-ka-Ia, mongol. für Mahi\- 
k&la br&hmanarüpa q. v. 176. 

Bir-va-pa, Name eines der 84 Siddhas 40. 

Bisbabu, mongol. für Vi^vabhü 111. 

Bishamon, japanisch, aus Vai<;ravana 180. 

Bodhi, tib. byan-ö*ub, mongol. bodi, bodhi 9, 61. 

Bodhi-Baum 10, 13; Bodhi-Bäume der frühern 
Buddhas 112. 

Bodhimör 142. 

Bodhisatva, tib. Byam-d*ub sems-dpa, mongol. 
bodisato, bodi sätkiltü 9, 14, 17, 19, 22, 24, 
27, 28, 31, 33, 36, 37, 38, 44; Bodhisatvas 
neben Buddha dargestellt 109, B. sucht die 
Weihe einer Däkinl 107, keine B.s der 
Dhyänibuddhas , sondern Emanationen 113; 
Schwierigkeiten der Bestimmung der B.s 119, 
wenn gebannt, nähert sich dem Bannenden 
(Sädhaka) 130, B. Vajrapäni 158, Emana- 
tionen 134, weiblicher B.: Tara 144. Vgl. 
Padmapäni , Avalokitegvara, Maujugri, Akä^a- 
garbha, Khagarbha, Kshitigarbha, Vajrapäni, 
Nägärjuna,Maitreya, Samantabhadra, Sudhana- 
kumära , Sarvanivaranavishkambh! ; Bodhi- 
satva-Rang gewisser Yi-dam 98. 



Boddo: Buddha 17. 

Bogda, vulgär: Bogdo, mongol. Übersetzung von 
rJe-btsun 34. 

Bogen, tib. gzu, mongol. numu(n), Sanskrit dhanu, 
Attribut des ICam-srin 165, des Dam-can vgl. 
sKu-lüa, der UshnishavijayÄ 149, KurukuUä, 
152, SitÄtapaträ 150, Yam&ris 102, Attribut 
der EkajatÄ 145, Mauju^rls 138, 140; vgl. 
Hayagriva, Atl^a. 

Bon, die Religion, welche die Tibeter vor Ein- 
führung des Buddhismus gehabt habensollen 60. 

boii-bu, Attribut des Hevajra 105. 

Borazan 18, 41. 

Borcam i. q. Burkhan. 

Brahma, tib. Ts*ans-pa, weisser Br. als Drag- 
gsed 178, schenkt der ^^rldevl einen Schirm 
aus Pfauenfedern 175, Padmasambhava in B.s 
Gestalt 137, 138, von Vajrapäni niedergetreten 
161, identisch mit Manju^rl 138, 180; von 
BhrikutitärÄ enthauptet 148, von Samvara ent- 
hauptet 106; bedient Buddha 108; B.s Gattin 
152. 

Brahman: Urseele manifestiert sich in Vishnu 
oder ^'iva 106. 

Brähmana, die erste Kaste der Hindus, tib. 
Bram-ze 5, 6, 10, 11, 29, 31, 40, 43, 54; im 
Staate der Nägas Brähmanas 187; Ritualtexte 
zur Exegese der vedischen Litteratur gehörig 
106. 

Brfthmanarüpa, eine Form des Mah&käla q. v. 176. 

brahmanisch 10, 32, 33, 34. 

sBran-rtsi blo-gros, tib. Übersetzung von Ma- 
dhumati (Muhammad) 42. 

*Bras-8puiis, «Reishaufen», Name eines Klo- 
sters, Übersetzung von I)hänyakataka 76, 78, 
84, 182. 

*Bri-gun 69. 

Brihaspati, Name einer brahmanischen Gott- 
heit 51. 

Brom-ston 58. 

Bru-za, Name einer Sprache; auch die Form 
Bru-zal kommt vor 46, 61, 66. 

Buch: Prajnä 134; Attribut der Bodhisatvas 119, 
des Amoghapä^a 129, 130, 132, des Sudhana- 
kum&ra 129. 

Buddha, tib. Sans-rgyas, mongol. Burkiian; Quel- 
len über sein Leben 4, univers. Charakter 
seiner Lehre 6, Wuuderkraft des B. 8, frühere 
B.s 9, Legendenschema 10, sein Nachfolger 17, 
Buddha-Typus 19, 20, verändert nach Landes- 
stil 22, Schutzgötter 23, seine Lehre in Tibet 28, 
Udayanas Statue 32, drei Leiber des B. 83, 
Abbildung 37, B. lehrt Kälacakra 41, der ür- 
buddha 42, Padmasambhava als B. 49, Da- 



~ 221 



monen kämpfen gegen seine Lehre 54, an- 
gebliche Wiedergeburten 58, Angriff Märas 60, 
B. in Serien dargestellt 109, B. C^kyamuni 
verhältnismässig selten 107, Darstellungen B.- 
Formen zum Heil nichtmenschl. Wesen 110, 
KÄ^yapa giebt B.s Robe dem Maitreya 124, 
häufigste B.-Figur: Amitäbha 115, B. in der 
Krone eines Bodhisatva 119, B.-Darstellungen 
107 fg. Buddha in der Hand der Ushnlshavi- 
jayä 149, ^'äkyamuni B. angeblich viermal in 
China 134. 

Buddhas, «gekrönte» 98; stellen Sambhogakäya 
vor 110; drei Käyas der B.s 109. 

Buddhadäkini, tib. Saüs-rgyas mk*a-'giü-mal54. 

Buddhagayä 5; vgl. Gayä, Vajräsana. 

Buddhakapäla, tib. Saiis-rgjas to'd-pa, «der Schä- 
del Buddhas», ein mystischer Buddha 97. 

Buddhismus 2, 6, 17, 18, 28, 29, 37, 40, 41, 
43, 44, 50, 55. 

buga, mongol. für sa-ba 172. 

bukha, mongol. für ma-he 173. 

*bum 71. 

bum-pa, tib. für kalä<:a, maügalakaläga 79, auf 
dem Khatvänga 100, Attribut des Maitreya 
124. 

Buner 18. 

Buräten 21, 90, 92, 93, 132. 

Burgess, James 18, 19, 22, 23, 26, 130, 132, 
138. 

Burklian, mongol. für Buddha, aucli in den 
uigurischen Texten Purkan; vgl. Radioff in 
«Nachrichten über die von der kaiserl. Aka- 
demie der Wissenschaften zu St. Petersburg 
ausgerüstete Exped. nach Turfan» I, S. 70, 77. 

dBus, Centraltibet; nach Ptolemäos wohnten 
dort die Dabasai, deren Name in der Ortho- 
graphie des Wortes fortlebt 44. 

Bu-ston 68, 71. 

Bya-rkod-p' uii-poi ri, tib. für Gridhraküta 136. 

bya-rok, tib. für «Rabe», mongol. Käriä, im Tsam 
169. 

Byams-c'en ö'os-rje; vgl. ralCas-grub B. 72, 75. 

Byams-pa 72, tib. für Maitreya 113; mongol. 
Maidari 121, 122; Byam(s) verwechselt mit 
*Jam 119, 125. 

Byams-zugs, die Art, wie Maitreya sitzt, nach 
europäischer W^eise mit herabhängenden Bei- 
nen, «wie die Gläubigen behaupten, um gleich 
zur That schreiten zu können» (Fürst Uch- 
tomskij) 122. 

dByans-can-ma, tib. für Sarasvatl 152, 155. 

dByar-gyi rgyal-mo, Göttin des Sommers 176. 

dByig-gnyen, tib. für Yasubandhu 35. 

byi-la, Katze, Attribut des Hevajra 105. 



I dbyug-gu, tib. Name der Keule Yamas 62, des- 
halb dbyug-gu *dsin genannt; Yamäris 170, 172. 
*Byun-po 'dul-byed, tib. eine Form des Vajra- 
I päni 162. 

iCags-po-ri, «Eisenberg» in Lha-sa, dem Vajra- 

pftni heilig 161. 
caitya, tib. mö'od-rten, mongol. suburgan 72, 
136; über die genauere Unterscheidung von 
Caitya und Stüpa vgl. Fergusson, History of 
Indian and Eastern Architecture s. v. v.; At- 
' tribut des Virüpäksha 181, des Kubera in 
I Japan 181. 
(^akra, Päli Sakka, der buddhistische Name des 
Donnergottes Indra, tib. brGya-byin, «der 
hundert Opfer erhaltende», was eigentlich 
Sanskrit ^atakratu entspricht; mongol. Kfcor- 
musda 23, 179; in der Gandhära - Schule 
Vorstufe des Vajrapäni 99; Prototyp Vajra- 
satvas 98. 
cakra, das Rad, tib. *k'or-lo, mongol. kürdü(n) 
21, 48, 98, 124; Attribut vieler Götter: z. B. 
Yairocana, Avalokite^vara , vgl. Rad; altes 
Symbol des Buddhismus. 
Cakraväka, P&li Cak(k)aväka, N&gakönig 15. 
Cakravartl, tib. *K*or-lo sgyur-ba, der «Raddre- 
liende», eigentlich Beherrscher eines Cakra- 
väla, im Sinne von Weltbeherrscher, Kaiser, 
im Gegensatz zu Buddha 169, 181 ; vgl. Tsakra- 
varti. 
(Jakti, weibliche «Energien», «Kräfte» der Tantra- 
götter, tib. Nus-ma, Yum 24, 25 = Däkinl, 
153; 67, 68, 69, 94, 96, 97; g. Jamäris 172, 
Dsara-bha-las 181, Hayagrlvas 164, Vajrapänis 
161, Samvaras 106, des Manju^ri 152, 155, 
Avalokite^varas 142. 
(^'äkya, 10; von den Tibetern von ^ak, können, 
abgeleitet und mit t*ub übersetzt. 
I ^'äkya^r!, tib. Sa-kya dpal 61. 

(^■äkyamuni, tib. Sa-kya t'ub-pa, T*ub-dbaü, 
I mongol. Sigämüni burkhan, Ehrenname des 
i Gautama nach dem Namen der Familie, der 
' Religiöse (muni) der ^äkyas. Legende 4; Typus 
' des Q. in Gandhära 19; eine der vier Son- 
i nen 32; Sandelholzbild des Q. 44; Prophezeiung 
I des Q. auf Tson-k'a-pa 70, ein Bild des Q. aus 
I China nach Se-ra gebracht 74, gegenwärtiger 
Mänushibuddha 95, in Ajantä 111; ^äkya- 
muni abgebildet 189. 
(;&kya-*od 67. 
^äkjaprabha 67. 
(^^äkya-ye-ses 72. 
Calosanthes-Baum 56. 
(^ambara, 97, 105 vgl. Samvara. 



— 222 — 



ICam-srin oder ICam-sraü, vgl. Beg-tse, mongol. 

Ägätsi dägfi, abgebildet 69, 159 (No.2), 165 fg.; 

mit Hayagrlva verwechselt 164; seine acht 

Diener 166, 174. 
Candäla, tib. gDol, die «outcasts» 43. 
Camiikä 31. 

ICaü-skya khutuktu 56, 92, 105, 106. 
ICan-skya rol-pai rdo-rje 88, 89, 93, 104. 
Ican-lo, tib. fttr jat& 40, 131. 
Candra, der Mond, tib. Zla-bai-lha-dkar-po 105. 
Candragupta, tib. Zla-ba sbas-pa, mongol. saran 

niguksan 11. 
Candrapäla 51. 
^aiikara, der Brähn^ana 31 ; tib. gewöhnlich un- 

übersetzt, würde aber bDe-byed heissen. 
^ankha, tib. dun, die Schnecke Turbinella rapa 

178. 
^ankhapäla, tib. Dun-skyoü, ein N&ga 191. 
^Änta, gütig, gütige Form eines Gottes, tib. zi-ba, 

mongol. amurlinggui 99, 141 ; Vajrapäni 134. 
can-te, can-teu, tib. für damaru, kleine Trommel, 

fast in Form einer Sanduhr, Erfindung Qivas 

(nach der Hindu -Mythologie), Attribut der 

Tantragötter (Däkinis u. s. w.) 40, 91; der Dä- 

kinls 106. 
QAntarakshita, tib. Zi-ba -*t8*o 53. 
^ara, tib. mda, Pfeil 40, vgl. Parna^avar! 150, 

Kurakull& 152, u. s. w. 
^arana, einer der Sthaviras 37. 
C^putra, tib. Sa-rii bu, Päli: Säriputta, Narae 

eines Lieblingsschülers des Gautama Buddha 

37; mit Maudgalyayana oft neben Buddha 

dargestellt «das Musterpaar», tib. Zuü-mö^og 

7, 108. 
(^atakratu, tib. brGya-byin 179. 
Cataparna 11. 
catur-lokapälas oder -mahäräjas , kalmück. dör- 

bön yäkä khän, tib. rgyal-5'en bzi 180. 
Qavaras, Sauras, ein Stamm der Urbewohner 

Indiens 40, 150. 
^a-va-ri-pa, einer der Mahäsiddhas 40. 
Qekaprakriyä, ein Tantra-Text 107. 
Ccntral-Tibet 44, 58; vgl. dBus. 
Ceylon (aus Simhala, durch Tamil -Aussprache 

verderbt), Fussabdruck, Bericht Marco Polos 

2 fg.; A^okas Gesandte in G. 11, südliche 

Kirche in G. 17, 122; Padmasambhava mit 

einer Königstochter von C. verheiratet 49; 

Metteyya 122. 
Gh'ang-an, alte Hauptstadt Ghiuas 27. 
China, vgl. Fa-hien, Hiuen-ts*aii, Min-ti, Ai-li, 

Ming; fünfgipfeliger Berg in Gh. 134; T&rä, 

Prinzessin aus Gh. 44, 144; sMan-bla 118; 

'P'ags-pa in Gh. 63; Amitäbha in Ch. 37, 115, 



116 fg., chinesische Fassung der Nägärjuna- 
Legende 29; von den Mongolen erobert 1; 
vgl. auch ICan-skya-^utuktu, Byam8-ö*en 
d*os-rje, Khien-lun, Kuan-yin, Peking, Yuü-lo, 
Yue-chi, Wei-schi I-söng, Sung-Yun. 

md*od-rten, tib. für caitya und stüpa 43, 136. 

mÖ*og-gi daii-poi saiis-rgyas, Ädibuddha 96. 

5' OS, tib. für dharma, mongol. nom 136. 

Ö*os-dbyin8 gsuns-dban, tib. für Dharmadhätu- 
vägi^vara 140. 

Ö*os-*byun des dBu-ston 68. 

Ö*os-grags, tib. für Dharmaklrti 41. 

fj'os-rgyal, tib. für dharmaräja, 45, Name des 
Gottes des Todes, auch Ö*os-kyi rgyal-po 62, 
168; abgebildet 62, 159 (No. 6), seine Begleiter 
Sa-ba und Ma-he 172, 173; im Tsam 169; Ö.*r. 
gsaü-sgrub 166, 168; Ö.*r. p'yi-sgrub 168. 

Ö'os-rje, «Äryadharma», inkamierter Dam-can 
182, Titel eines Lama, mongol. Tsordzi 89. 

ö'os-sku, tib. für dharmakäya 110, 

Ö'os-sku *od-zer oder Ö*os-kyi \)d-zer 65. 

d*08-skyoü, tib. für dharmapftla 56, 72, 76, 78, 
158, 182. 

Ö'u-bar 59. 

Ö'u-lha, tib. für Varuna, mongol. Usun tägri 191. 

Ö*u-lha ser-po, gelber Wassergott 105. 

Ö*u-srin, tib. für Makara «Wasserelefant», wört- 
lich ('Wasserdämon»; der Typus ist aus dem 
antiken Delphin entstanden 89; Ö*u-8rin-mo, 
tib. für Makaravakträ 176. 

^'ikhi, tib. gTsug - tor - can, mongol. Siki, einer 
der Tatliägatas, der Vorgänger des Gautama 
Buddha 9, 111; in Ajantä 113. 

GintÄraani, «Wunschedelstein», Stein der Weisen 
43, 48, 49, 70; Attribut des Sarvanivarana- 
vishkambhl 141; der ÄryajängulltärÄ 146; C. 
des Mahäkäla 177; der Bodhisatvas 119; Ya- 
mas C. 170; C. zwischen dem Geweih des 
Sa-ba und den Hörnern Ma-hes 172; tib. yid- 
bzi nor-bu. 

^'Itavana, tib. bSil-bai ts'al, mongol. särigün oi, 
der kühle Totenhain 170. 

Citipati, «HeiT des Scheiterhaufens» 169, 170, 
172; vgl. ^ma^änapati. 

^iva, tib. Zi-ba, «gütig», gewöhnlich 'P*rog-byed, 
der «Ergreifer», Hara, in Südindien 97; 23, 
35, 52, 65, 82; in Tsa-ri 106; in den Pu- 
r&nas 106; unter Vajrapönis Fuss 161; ^ivas 
Weib Bhaväni 156, 158; Sohn K&rtikeya 166; 
(J. als Inspirator von Wissenschaften 177; 
(^'ivaitisches in der Legende der Tfträ 144, 
des Avalokite^vara 132, 133 ; ^ivaitische Götter 
identificiert mit tibet. -mongol. Lokalgöttern 
82, 178, 185; vgl. Nätecja. 



\ 



223 — 



^'ivan&yanm&r, «Knechte Qivas» 97. 
Qivasütras des Pänini 177. 
^ivatontar, aKnechtc Qivas» 97. 
^ma^änapati, «Herr des Leichenackers» (^ma- 

^äna, tib. dur-k*rod), i. q. Citipati, tib. Dur- 

k*rod-bdag-po, mongol. ükägär-ün oron 169, 

170, 172; vgl. rod-skam. 
cod-pan, mongoL titim 111, 114. 
Cole 26. 
^rävaka, «die Hörer», Name der Schüler Buddlias, 

welche ihn selbst noch gesehen haben 43; 

vgl. ^äriputra, Maudgaly&yana, Subhüti; tib. 

Nyan-t*os. 
Q'rävastl, Päli Sftvatthl, Name einer Stadt, tib. 

Nyan-yod 37. 
^rl, tib. dPal (Idan), die altindische Göttin des 

Glücks, ihr Typus 142; vgl. Tirumagal; Vor- 
silbe im Sinne von «heilig»; vgl. ^'rlvajra- 

bhairava q. cfr. 
* gricaila 32. 
Q^rldevl, dPal (Idan) Iha-mo, die furchtbare Form 

der Sarasvati 66, 175, q. cfr.; Schutzgöttin 

von Lha-sa, veranlasst den Tod des gLan- 

dar-ma 58; abgebildet 66, 173. 
^rldhara, ein Pandit 157. 
(^'rlküta, Name eines berühmten Übersetzers 

49." 
(^'rlnätha, «heiliger Beschützer», Titel des Nägär- 

juna, tib. dPal-mgon 29, 30. 
(Jripäda 84. 
(Jrlvajrabhairava, tib. rDo-rje 'jigs-byed 101, 

102, 139, 140; vgl. Bhairava, Vajrabhairava 

Manju^r!, Yamäntaka. 
^Vi(mah&)vajrabhairavatantra 101, 104, 153. 
^/rtvajradäkinl 94. 
Cüdapanthaka, tib. Lam-p'ran-stan, einer der 

Sthaviras 7, 38; einen Cullapanthaka kennt 

auch die südliche Kirche; vgl. das Cullaka- 

setthijätaka in Chalmers Übersetzung der Jä- 

taicas 14—20. 
(Juddhodana , « reine Speise besitzend » , Päli 

Suddhodana, tib. Zas-gtsaü, mongol. Arigun 

idägätü 10. 
(^*üdras, niedrigste Kaste im brahmanischen 

Staate, auch im Staate der Nägas 187. 
Cunuingham, Alexander 13, 14, 15. 
(^ünyatä, tib. sToü-pa-nyid 32, 35. 
(Jura, «Held», tib. dPa-bo, Name der Tathä- 
gatas, auch Ehrentitel der Lokap&las und 
Drag-gsed, Lokapälas als ^'üra 181; Qüra- 
Leinwand 102. 
(Jüravajra, tib. dPa-bo-rdo-rje, Lehrer des Ärya- 

deva 34, 35. 
Curzola 2. 



(y&ma, ^ykmavarna, «braun», «goldfarbig»; Aus- 
druck für die Hautfarbe der Hindüfrau, von 
den Tibetern mit «grün» übersetzt 129, 143, 
144. 



db, dm, dii, in tibetischen Wörtern unter B, M, N. 

Da^antha, der «Zehnnackige», König der Dä- 
monen im Pad-ma-t*an-yig 52. 

Wka, Dftkinl, tib. mK'a-'gro, mK'a-*grO"n^a, 
mongol. oktargui dur yahuktsi; D&ka 24, 153; 
Däkinl 24, 28, 44, 46, 48, 49, 53, 55, 71, 94, 
153; geleiten Lha-mo 176; Däkinl und ihr 
Segen : Braut im Märchen 107 ; Padmasambhava 
und die D.s 177; Lokalgottheiten 186; vgl. 
p*ag-mo, Simhavakträ, Vajra-däkinl. 

Dalai Lama (bLa-ma), das erste Wort mongoli- 
schen Ursprungs, Übersetzung des tibetischen 
rGya-mts*o, «Meer», um die Unendlichkeit 
seiner Macht zu bezeichnen 68, 71, 75, 76, 78, 
80, 84, 91; Inkarnation des Avalokite^vara 
118; D. bannt die Kurukullä 152; Wahl des 
D. 182; vgl. Po-ta-la, mK'as-sgrub bSod-rnams 
rgya-mts* o. 

Dam, tib. ein Eid, Gelübde, d.h. die Religion 
des Buddha zu verteidigen, Dam-can, «Ge- 
lübde haltend», Name givaitischer und lokaler 
Götter vgl. Dharmapäla 56, 182 fg.; Dam- 
ö'en, «ein grosses G. haltend», der Gott des 
Todes 62; vgl. Tson-k'a-pa, Wahrsager davon 
inspiriert 184; vgl. sKu-lüa, rDorje legs, gSin- 
rje 6*os-kyi rgjal-po. 

paraaru, tib. caii-te, caii-teu, kleine Trommel in 
Form einer Sanduhr 40, 70, 91; Attribut des 
Samvara KX5, der Vajravarähl 157, des Yamäri 

102, der Däkinls 154; vgl. Yi-dara, Dhyänibud- 
dhas als Yi-dam. 

Dämon, vgl. Yaksha, Räkshasa, Näga (Schlangen- 
dämon), Däka, Däkinl, Simnus, Vetäla, Gana, 
DaQakantha. 

danda, Stock, Attribut der Bhrikuti 148. 

Dara äkä, vulgär Dara äkhä, Mutter Tärä 44, 
45, 142 fg. 

bDe-ba-can, «freudenvoll», tib. für Sukhävatl 114. 

bDe-mö*og, «höchstes Glück», tib. für Samvara 

103, 105, 106. 
bDe-bzin-gsegs-pa, tib. für Tathägata HO. 
deva, tib. 1ha, mongol. tägri, «Gott», besser der 

Bedeutung nach «Engel», «guter Dämon» 8, 
30, 50; als Lokalgott 120; = Aryadeva, Nlla- 
netra 35; Devabodhisatva 34. 
Devi, tib. Lha-mo, Göttin überhaupt, dann ein 
Drag-gsed, Schutzgöttin von Lha-sa 66, 76; 
givas Weib 158; vgl. grldevl, grlmatldevl. 



— 224 



dliamma 8, Päli für dharma 50. 

Dhammapada 107. 

Dhanako^a 50. 

dhanu, Bogen (vgl. d.), Attribut der Parna^avarl 
150. 

Dhänyakataka 32, 41, Sanskrit für 'Bras-spuüs. 

Db&rani, tib. gZuüs, mongol. tarni, toktagal, 
«die baltende, d. b. bannende Formel», Zauber- 
formel; vgl. om ma-ni pad-me hüm 33, 36, 
48, 53, 72, 81; geben einem Bilde Kraft 102, 
110. 

dbarma, Päli dhamma, tib. 6'os, mong. nom (von 
v6fJio;!), die Lehre Buddbas 5, 9, 50, 51, lo(>; 
Dreizack-Symbol des Dh. 71 ; in China verbrei- 
tet 134; vgl. Paramärthasatya, Samvrittisatya. 

Dharmacakramudrä 50, 118, 124; der Tathä- 
gatas 113, des Maitreya 113. 

Dhannadh&tu, tib. d'os-dbyiiis, mongol. uom-un 
agar, «Basis des Dbarma» 94; Dh. vugl^vara, 
tib. d'os-dbyiüs gsuns dbaii 140. 

dharmakäya, tib. 6'os-kyi sku, mongol. uom-un 
bäyä 33, 110; des Amit&bha 118. 

Dharmaktrti, «Ruhm der Religion», tib. Ö*os 
sgrags 36, 41, 42. 

Dbannalako9a (sie!), myth. Name im Pad-ma 
t*an-yig 51. 

Dharmapälas, «Beschützer der Religion», Name 
der ins System aufgenommenen Götter, tib. 
Ö^os-skyon, mongol. nom-un sakigulsun 21, 
56, 69, 72, 76, 81, 98, 158 fg., 182 fg. 

Dharmar&ja, tib. &os (-kyi) rgjal (-po), «König 
der Lehre Buddhas», Titel des Gottes der 
Toten, gSin-rje, Yama 62; Königstitel: Dh. 
IHai Ts*aüs-pa ö*en-po (etwa Divyamaha- 
brahmä) 82, Sron-btsan-sgam-po 45. 

Dharmaraksha 4. 

Dharmasvämi 84. 

Dharmaträta, Dharmätala (Täranätha II, 297), tib. 
Ö'os-skyob, einer der Sthaviras, Schüler des 
^Vryadeva 7, 35, 37, 40. 

Dharmavajra, tib. rDo-rje ö*os, eine Form des 
Vajrasatva 98. 

dhefika, dhenki 41. 

dhyäna, tib. bsam-gtan, mongol. nutada sauakhu 
dian 27. 

Dhyänamudrft 113. 

Dhyftni-Bodhisatvas 95, 96. 

Dhyänibuddhas 64, 95, 111, mit ^:akti 98; abgcb. 
99; als Buddhas 113 fg.; ohne C^'akti zu Elun\ 
115; Dh. Amitabha, spintueller Vater Ava- 
lokite^varas 133; vgl. Titimtü burkhan. 

Dhritaräshtra, «ein festes Reich besitzend», tib. 
Yul-*k'or-sruü, kalmück. Oron ort^n-i täd- 
küktsi yäkä kfeän 7, 181; vgl. Lokapälas. 



dhvajä, tib. rgyal-mts*an, mongol. ilaguksau-u 
tsimäk, «Fahne», «Siegeszeichen», das antike 
TpoTtaiov, Attribut des Kubera IHl. 

Diadochen 11. 

Dibangkara, mongol. Umschrift von Dipankara 
q. V. 

Di-bhi-pa, ein Siddha 40. 

«Dickbauch Buddha» vgl. Hva-san 40, 

sdig-pa, «böse», «dämonisch» 183. 

Diunäga, tib. P*yogs-glih 36. 

Dlpaükara, der erste Tathägata, tib. Mar-me- 
mdsad 110, 112; Dlpaükara9rijriäna i. q. 
Att^a 50, 68. 

gDod-nas dbaii-po, Kubera 179. 

Doksit, mongol. aus Drag-gsed 114, 164. 

Dombhi-pa, ein Siddha 40. 

Dom-gdoü-ma, tib. für Rikshavakträ 174. 

Doü-kor, tib. sToii-*k'or; D. K. Maüju^rl Gägäu 
84; I). K. Khutuktu 84, 86. 

Don-Kazaken-Lama 111. 
I Donnergott als Garuda 161. 

Donnerkeil, vgl. Vajra, rdo-rje 99; Attribut des 
I Vajrapäni 160; des Acala 162; der Yajradä- 
kini 154; der Sitätapaträ 150; der Marlcl 145; 
' des Samantabhadra 141; des Manju^r! 99; 
' Yamäris 102; Donnerkeil-Dolch 102. 
] Don(-yod) grub(-pa), tib. für Amoghasiddha 99. 

Don-zags, tib. für Amogbapä^a 129. 

rdo-rje, tib., cfr. vajra 79, 94, 98; in Namen 
abgekiu-zt zu rdor, vgl. P'yag-rdor, rDor- 
legs, Kye-rdor; Attribut vieler Gottheiten: Vaj- 
rasatva, Vajradhara, Vajrapäni, Dam-can, 
Acala, Vajradäkinl, Sitätapaträ, Yamäri, Maü- 
ju^ri. 

rDo-rje '6'aü, tib. für Vajradhara, mongol. um- 
schrieben Otsirdara 95, 159 (No. 9); rDo-rje 
! 'ö'aii Ta-lai bLa-ma, Titel 81, 82. 

rDo-rje li'os, eine Form des Vajrasatva 97, 98. 

rDo-rje \Jig8-byed, tib. für Vajrabhairava 101, 
159 (No. 1); vgl. ^Mvajrabhairava, Bhairava, 
Yamäntaka, Manju^rl. 

rDo-rje las 96, 98. 

rDo-rje legs(-pa), rDor-legs, ein Dam-can 185, 
186, 187. 

rDo-rje dPal, g,Y^iii-ston rDo-rje dPal, Vajra^r!, 
«der Svastika-Lehrer» 57, 67, 68. 

rDorje moi bu, tib. für Vajrlputra, ein Sthavira 
7, 37. 

rDo-rje p'ag-mo, tib. für Vajravarähi 155. 

rDo-rje sems-dpa, tib. für Vajrasatva 98, 99, 
; dra-ba p'yed, Gürtel 172. 
I Drag8(-po), tib. für bhairava, schrecklich, KX); 
I Name einer Gruppe von Göttern, die schreck- 
I liehen Töter (Henker) (der Dämonen), tib. 



225 — 



Drag-gsed, mongol. Doksit 164, 168; jeder 

DhyAnibuddha hat einen Drag-gsed 114; nicht 

bestimmbar 172, 173; Anzug zum D.-Kult 111, 

114; vgl. Bhairava, Kubera, Mahäk&la, Lha-mo, 

ICam-srin, Ts'ans-pa, Yama. 
dravidischSö ; vgl.Äryadeva,Tan(lavan,Tirumagal. 
Drei Augen, vgl. Auge, Ses-rab spyan, z. B. bei 

Ushnishavijayä 149 u. s. w. 
Drei Körper, vgl. sambhogakäya, nirmltnak&ya, 

dharmak&ya 101), 110. 
Dreizack, vgl. triQÜla, Symbol des Dliarma 71, 

^ivaltischer D., Attribut der EkajatA 145, 

Vajravarähi 157, Bhrikuti 129, des Yamftri 

102, des Amoghapä^a 129, 132, des Simhanäda 

130; vgl. Mahäk&la, Padmasambhava, Tsagan 

itägäl. 
dril-bu, tib. für ghantä, Glocke 79, 91, 100; 

Dril-bu-pa, «der Mann mit der Glocke», ein 

Siddha 40. 
dri-za, «Geruchesser», tib. für gandharva 181. 
Dsam-bha-la, Yi-dam des Kubera 181. 
Dsa-wa-ri-pa, ein Siddha 40. 
Dschangel, von Sanskrit jaügala, «Busch wald», 

engl, jungle 5, 10. 
Dsungaren 84, 86. 
bDud, tib. für M&ra 110; bDud-rtsi, «dämonische 

Flüssigkeit», Ambrosia, s. d. 
gDugs-dkar-mo, gDugs-dkar-can-ma, tib. für Sitä- 

tapaträ 93, 150. 
(lukkha, Päli, für Sanskrit dulikha, tib. sDug- 

bsi'ial, «der Schmerz» 6. 
«Dungschadma», Orthographie? 173. 
Dun-skyon, tib. für (JankhapÄla 191. 
dun-t*o-CÄn, Brahma als Drag-gsed 178. 
Dur-k*rod-bdag-po, tib. für ^'ma^änapati 172. 
Dus-kyi *k*or-lo, Kälacakra 41. 
Dus-ldan, tib. für Kälika, ein Sthavira 37. 
Dvipa, für tib. glin, «Insel», d. h. Weltteil 50. 
Dzirgugan gartai Ma-ha-ka-la 70. 
Dzibkhulangtu, mongol. für Balavän 190. 
Dzü Adhisa 50. 
Dzula dzokiaktsi, mongolische Übersetzung von 

Dlpankara HO. 
Dzütsi 1. 



Kingeweide, vgl. Bhrikntltlirä 148 und Yam&ri 
102; einer Figur 110. 

Eitel 32. 

ekadagamukha Avalokite^vara 133. 

Ekajatä, tib. Ral-gcig-ma, «eine Büsserlocke tra- 
gend» 145, 146. 

Eläpatra, ein Näga, tib. 'E-Iei-Viab-ma, mongol. 

V.la-in nohfwi.fii 1M1 



Ela-in nabtsi-tu, mongol. für El&patra 191. 
Elefant, vgl. unter Hevajra; Elefantenkopfhaut 

als Helm 181; E.-Fell, vgl. Mahftkäla, Sam- 

vara 106; YamUri 102. 
'E-lei-dab-ma, tib. für El&patra 191. 
elfköpfiger Avalokitegvara 133. 
Elisabeth von Russland 147. 
ElurU 115, 140. 
Ephthaliten 16. 
europäische Art zu sitzen, Abzeichen Maitreyas 

120, 121, 122. 

ra-hien 26. 

Fahne des Brahma 178; des Kubera 181; des 
ICam-srin 165; vgl. dhvajä. 

Fangschlinge, vgl. p&^a, 2ags-pa, Attribut der 
Bhrikuti -Tärä 148; der Ushnlsha^ijayä 149; 
der Sitätapaträ. 150; der EkajatA 145; des 
Araoghapä^a 129, 132; des Yama 170; des 
Acala 162, 163; des Yam&ri 102; des Sam- 
vara 106, des Hayagriva 163. 

Ferver 114. 

Finger, drohend, Yamäri 102; vgl. mudr&. 

Fläschchen, vgl. kalä^a, kamandalu, mangala- 
kal&Qa, kumbha, Attribut der Bodhisatvas 119 ; 
des Padmapäni 126. 

Fravashi 114. 

Frühling, Göttin des F.s 176. 

Fünf, beliebte Gruppe: Amoghapä^a, Sudhana- 
kumÄra, Tärä, Bhrikuti, Hayagrtva 129. 

Fünf Däkinis 154. 

Fünf Dharmapälas 1 58, 182 ; vgl. sKu-lua, Dam-can. 

Fünf Dhyänibuddhas, vgl. pahca dhyänibnddha 
98, 111; in der Schale Simhan&das 130; vgl. 
pancätmaka. 

Fünf Farben des ManjuQri 138. 

Fünf Mänushibuddhas, vgl. (paiica) mänushi- 
buddha 95. 

Fünf gipfeliger Berg, vgl. Panca^irshaparvata 134. 

Füsse, unter die F. treten; vgl. Yamäri, He- 
vajra, rNa-ro mk*a-spyod-ma. Mah&käla, ICam- 
srin, Vajrap&ni, Samvara. 



Tibetische Wörter, welche mit g,y (nicht gy), gd, gt, 
gt« beginnen, sind unter y, d, t, ts ku suchen. 

Gäbet 71. 

dGa-ldan, tib. Tushita, «freudenvoll», Kloster- 
name 62, 72; der Dsungare 84. 

galab, mongol. Umschrift für Kalpa 95. 

sGam-po dkar-po, Geist der Erde, «der weisse 
Alte» 173. 

Ganagamuni, mongol. Umschrift von Kanaka- 



— 226 — 



Ganapati, vgl. Vighnegvara 55, 64, 70. 

Gan-5*un, Tochter Avalokite^varas 137. 

Gandhära, Gändhära, FavddipioC} G&ndhftra adj. v. 
Gandh&ra 15 ; -Kunst : 18—20, 22—27, 32, 35, 36. 

Gandh&ra-Schule, Bilder Buddhas 108; Juwel in 
der Krone eines Bodhisätva, Vorstufe des 
Caitya 125; Ansätze von guten und hosen 
Formen der Götter 99; die Tathägatas in 
Gandhära 112; Yajrap&ni 161; Ganymedes 
und Adler: Garuda und N&gl 161; Sarasvati- 
Typus in G. 153; ihr Thron 128; trauernder 
Bodhisatva 134; nur zweihändige Figuren 119, 
Padmapäni in G. 115. 

Gandh&ri, Beiname der Lo-ma-gyon-ma 150. 

Gandharva, tib. Dri-za 53, 178, 181; Gandharva- 
König 181. 

Gane^a 53, 55. 

Gafigä, der Ganges 137. 

gar-byed-pa, vgl. nat 97 ; gar-dban, Sanskrit Nä- 
te^a, i. q. Avalokitegvara 133. 

Gäräl sakiktsi, mongol. für Kä^yapa 111. 

Gargasundi, mongol. Umschrift von Krakucchanda 
111. 

Garuda, tib. k'yun, mongol. Garudi sibagun 25, 
26," 43, 89, 121, 188, 189, 190, 191, 192; bei 
Vajrapäni 160. 

Gasib, mongol. für Kä^yapa 111. 

gätälgäktsi äkä, vgl. sGrol-ma 144. 

Gäthäsamgraha 37. 

ga'u, tib. = karanda 136. 

Gaur 43. 

Gaurl, «die Gelbe», Weib ^'ivas 158. 

Gautama Buddha 5, 7, 13, 15, 32, 35, 50, 96; 
wie dargestellt 107; dargestellt in Serien von 
Buddhas 109; sein erster Vorfahr 110; vgl. 
Qäkyamuni. 

Gayä (Buddhagayä) 5, 10, 32, 50; Gurupäda 
bei G. 124. 

Gazellenhaut, Attribut des Padmapäni und an- 
derer (?) Bodhisatvas 126. 

dGe, «Tugend», dGe-ldan, i. q. dGa-ldan 72; 
dGe-ldan-pa, Mönche dieses Klosters 75; dGe- 
*dun-grub 75; dGe -'dun dpal-bzan 84; dGe- 
'dun rgyal-ba 78 ; dGe-bskos, Titel einer Raug- 
klasse der Lamas 89; dGe-legs dpal-ldan 72; 
dGe-lugs-pa, «Tugendsekte», die Gelbmtitzen 
72, 84; dGe-sloü, «Tugendbettler», Mönch, 
bhikshu 78. 

Geburt Buddhas, Bild 16, 108. 

Gefäss, vgl. kumbha, kamandalu, mangalakalä^a, 
kalä^a, Attribut der Äryajäfigulitarä 14(>; des 
Samantabhadra 140; des Sarvauivaranavish- 
kambhi 141; des Amoghapä^a 132; der IJslinl- 
shavijayä 149. 



Gesar kämpft mit Beg-tse 168. 

ghantä, tib. dril-bu, mongol. khongkho, «Glocke» 
79, 91, 100; Attribut der Dhyänibuddhas 98 ; 
Manju^rls 140. 

ghrita, ghl, Schmebsbutter 50. 

Glocke, vgl. ghantä, dril-bu, khongkho 99 ; Attri- 
but einer Form Manju^rls 140, des Yamäri 102. 

Go^irshacandana, tib. gLaü-mgo tsan-dan, mon- 
gol. Dzagan-u tärigün, eine Art Sandelholz 19; 
vgl. A. Schief ner, Ergänzungen und Berichti- 
gungen zu J. I. Schmidts Dsanglun, S. 34. 

mGon-po, «Schutzgott», Sanskrit Nätha, ge- 
wöhnlicher Name Mahäkälas in allen Formen 
177; einköpfiger mG. 57; mG. bram-zei gzugs 
54, 176; gur-gyi mG. 159 (No. 11), 177; sechs- 
bändiger mG. 70, 159 (No. 7), 164; weisser, 
mit Cintämani 70, 159 (No. 3), 164; mG. legs- 
Idan 67, 177; Titel des Nägärjuna 30. 

Gopa, einer der Sthaviras, tib. sBed-byed 7, 38. 

Gopäla, vgl. Kanakavatsa 38. 

sGra-gcan, Rähu 160; sGra-gcan-'dsin cfr.Rähula. 

dGra-bcom-pa, «Feindbcsieger» = Arhat 37. 

dgra-sta, tib. für para^u, Attribut des Samvara 
106. 

graeco-buddhistisch 17. 

gri, tib. «Messer» (vgl. Tal-gri, gri-gug), mongol. 
khutuga 174; Gri-bdog, Begleiter des ICam- 
sriii 166, 174. 

sGrib-pa rnam-sel, tib. für Sarvanivaranavish- 
kambhi 141. 

Gridhraküta, «Geier -Bergkuppe», tib. Bya-rkod 
p'uii-poi ri, mongol. khadzir tsoktsalaksan 
agula, Gaudarigüt 38, 136. 

gri-gug, vgl. kartd 70, 98, 99, 100, 102, 104; 
Attribut des Samvara 106; der Simhavakträ 
176, 177; Yamas 168, 170; der Ekajatä 145, 
der Vajravarähi 157; vgl. Däkin!, Yi-dam. 

'gr«-^a, tib. für satva 137. 

sGrol-ma, tib. für Tärä 44, 45, 142; sGrol-ljan 
143; sGrol-dkar 144. 

Grub-5*en, tib. für Mahäsiddha 38, 40. 

Grub-pai dban-p*yug Mi-la 59. 

sGrul-'bum, tib. für kumbhända 181. 

«Gu-gor» 173. 

Guhyapati, tib. gSaü-bai bdag-po, «Herr der 
Geheimnisse» 98. 

Gunaprabha, tib. Yon-tan-'od 67. 

dGun-gyi rgyal-mo, Göttin des Winters 176. 

Gupta-Dynastie 153. 

gurban tsagan burkhan, «die drei weissen Bud- 
dhas» 112. 

Giu-u, tib. bLa-ma, «Lehrer» 44, 51, 137; Guru 
drag-po, «furchtbarer Lehrer» 105, 107. 

Gurupüda bei Gayä 124. 



— 227 — 



brGya-byin, ^atakratu, Indra 179. 

rGya-mts'o, tib. für S&gara 1$K). 

rGyal-ba, «Sieger», tib. für Sanskrit Jina, Titel 

Buddhas, der Buddhas, rgyal-ba rig-lüa 95; 

Titel der Dalai Lamas 70, 75—78, 80, 81, 84. 
rGyal-ba rGya-mts^o, etwa: Jinasägara 128; 

rGyal-dban 75; rGyal ts*ab, Sanskrit Yuva- 

räja, mongol. ilaguksan-u oro, « Kronprinz d 

72, 84. 
rGyal-d*en bzi 180. 
rgyal-mts'an, Sanskrit dhvajä, mongol. ilagu- 

ksan-u tsimäk 181. 
rGyan drug, «sechs Schmucksachen» 100. 
gj'in, tibetische Umschreibung von arabischem 

j!n, vom lateinischen genius, im Pad-ma-t'an- 

yig für däkinl 49. 

Haken, aiilni^; Attribut der Sitätapaträ 150, 
der KurukullÄ 152, der Bhrikutltarä 148, des 
Yam&ri 102. 

Ilal&hala, eine Form des Avalokite^vara 133. 

Halbmond im Haar des Samvara 106, des Sim- 
hanäda 131, der Bhrikutl 148. 

Hand, Attribut des Yamäri 102; vgl. mudrä; 
in der Hand ein Buddha oder hrlli 131. 

Ha-p*rug, Hva-saii und Schüler 169. 

harltaki, tib. a-ni-ra, Attribut des Ototsi 114. 

hastl, tib. glaü-po 6*en-po, mongol. dzagan, Ele- 
fant, eines der acht Ratnas 48. 

Ilayagriva, «der Pferdenackige » gehört zu den 
Yi-dam 32, 97, 104, 129, 132, 163, 164, 179. 

Hedin 41. 

Herz, von ICam-sraü in den Mund gesteckt 165; 
vgl. baiin. 

Hevajra, tib. Kye-rdor u. s. w. ; «Wohlan Donner- 
keil», ein mystischer Buddha 63, 97, 104, 105, 
106, 175; H.-tantra 64, 107; H.-va?itä 63, 105. 

Himälaya, «Wohnung des Schnees» 5, 30, 38, 56. 

Hlnay&na, tib. T*eg-dman, T*eg-ö*un, mongol. 
Ütsükän külgän, döratu külgän 17, 31, 35, 
37, 43, 50; vgl. Yäua, Mahäyäna. 

Hindu, «Bewohner Indiens» 6, gewöhnlich im 
Sinne von Anhängern der Brahmanismus im 
Gegensatz zum Isl&m, dann auch im Gegen- 
satz zum Buddhismus 35, 39, 41, 82; Hindül 
die mittelalterliche Form der aus den arischen 
Dialekten entwickelten Volkssprache Hindi, 
welche als muhamraedanische Litteraturspra- 
che Hindüstäni heisst 41. 

Hirth 26. 

Hiuen-Thsang 26,35; Bericht tlber Kfifjyapa 125. 

Hölle 133, 168; vgl. Yama. 

lioma, tib. sreg-pa 36. 



Hör 62. 

Horiüzi 149. 

hrlh, dhäranl, daraus entwickelt sich Simhanftda 

130, in der Hand der Vijayä 131. 
Huc 71. 
hüm tr&m hrlh om äh, dhäranl der Ushnisha- 

vijay& 149. 
Hut des Zauberers 184. 
Hva-saü, Hva-shan 40, 169. 



l^vara, tib. dbaii-p^yug, eine ^akti 138. 

iddhi, P&li, für Sanskrit riddhi, tib. rdsu*'p*rul, 
Zauberkraft 8. 

indo-baktrisch 18. 

Indoskj'then 16, 17, 23, 41. 

Indra 10, 179; vgl. Qatakratu, ^akra. 

Indra bhüti, einer der 84 Zauberer, Pflegevater 
des Padmasambhava 48, 56; tib. brGya-byin 
ra-dsa, bZaü-po mö*og, Spyan-med sbyor-ldan, 
Verfasser des Kurukulläsädhana, vgl. Kuru- 
kullä. 

iranische Flemente, vgl. Kft^yapa, Amit&bha, 
Dhyänibuddhas. 

Islam 1, 2, 42, 43, 96. 

ishta-devatä 94. 

I-söng, vgl. Wei-schi I-söng. 



Jaina-Religion 25. 

Jälandhara 17. 

Jamälgarh! 26. 

Jambu und Jambü (vom dravidischen Stamme 
^e, rot sein, wegen der roten Blüten des 
Baumes); Jambuvriksha, der £ugenienbaum, 
Eugenia jambu; nach buddhistischer Kosmo- 
logie gehört er dem südlich vom Berge Meru 
liegenden Kontinente an, unserem Weltteil 
(als Insel, dvipa, gedacht) 50; Jambftdvlpa, tib. 
Jam-bu glin, Indien 36, 50; Jambümale für 
Jambümalaya, Jambümalayadvlpa, Indien 50. 

Jambu in Panca^lrshaparvata 136. 

jam-byön rip 138. 

'Jam-dbyaüs 63, 135, 139. 

Mam-mgon Kun-dga rgyal-mtsfan 52. 

'Jam-dpal, tib. Manju^r! 72, 134, 137; smra-sen 
und sgra-sen 132, 138; 'Jam-pai rdo-rje, Man- 
juvajra 140. 

*Jam-dpal snyin-po, etwa: Manju^rlgarbha 72. 

Japan 27, 28, 36, 37; bessere Tradition 120 
jap. Bodhisatvas 141; Mah&sth&napr&pta 126 
jap. Avalokite^vara 133; jap. Amit4bha 115 
jap. sMan-bla 118; jap. Ushnlshavijayä 149 
jap. Kubera 181; vgl. Horiüzi, Ra-jö. 
15* 



— 228 — 



Jäschke 59. 

jat&, tib. Ican-lo, zasammengeflocbtenes, auf dem 

Kopfe aufgetürmtes Haar, charakteristisch für 

Asketen, besonders Brähmanas 40; Bhrikutis 

jatä 148; Simhanädas j. 131. 
Jätaka, tib. rNam-t*ar 10. 
Java, buddhistische Bauten 28. 
Jaxartes 41. 
Jayaja, erdichteter Name eines Königs, Pad-ma- 

t'an-yig 50, 
rJe, «heilig», erhaben; Sanskrit &rya; rJe bLa- 

ma, «heiliger Lama» 79. 
r Je-btsun, Sanskrit Arya-bhadanta, mongol.Bogdo, 

vulg. Bogda, ein Titel vieler Lamas 34; vgl. 

Ö*os-grags, Mi-la-ras-pa, K*ol-po-dga, dByig- 

gnyen, Togs-med; vgl. zur Sache A. Schiefner, 

T&ranfttha U, 4, Note 7. 
rJe-btsun Byams-pa rgya-mts*o 84. 
r Je-btsun dam-pa (Täran&tha) 73,74,75,84,86, 

91, 93; -khutuktu 86. 
rJe-rin-po-d'e bLo-bzaü-grags-pa 70; vgl. Suma- 

tiklrti, Tson-k*a-pa. 
Jerusalem 2. 
Migs-byed, tib. für Bhairava; mit einem Kopf, 

zwei Händen und Yum 67; mit einem Kopf 

171; i. q. YamÄntaka 164, 166. 
'Jigs-med *byun-gnas, tib. Übersetzung von Ablia- 

y&karagupta 43. 
'Jig-rten skyon bzi, die vier Lokapälas 180. 
Jina, «Sieger», tib. rGyal-ba 75. 
Jinnen, tib. Gyin, im Pad-ma-t'an-yig, synonym 

mit päkini 49. 
Jfi&nasatva 133. 
Jo-bo A-t!-sha 58; Jo-bo-rje u. s. w. 50; Jo-lugs, 

Götter, welche Att^a zuerst gesehen hat 193. 
*Jog-po, tib. für Takshaka 138, 190. 
Jotipäla, Name Buddhas vor seiner letzten 

Wiedergeburt, während er als Bodhisatva im 

Himmel Tushita weilt 10. 
Juan- Dynastie 68. " 
Jülg 192. 

Jurte 82, vgl. mGon-po, Gur-gyi mGon-po. 
Juwel, tib. rin-po-ö*e, Sanskrit ratna, mongol. 

ärdäni, Attribut 98; in der Krone 125; mit 

Lotusblumen 141; Attribut der Hatnadäkint 

154; vgl. cmtämani. 



kl am Anfang tibetischer Wörter unter L. 

Ka-ba dpal-brtsegs (^^rlküta), mongol. Tsok dzali 

dabkhurlaksan 49, 56. 
Kabul, K(i>9T^v, K(&9T);, Sanskrit Kubhä 18. 
Ka^akamaladvlpa, fabelhaftes Land im Pad-ma- 

t^Aü-fig 50, 51. 



Kä^yapa, Buddha, Päli Kassapa, tib. 'Od-srun 
und ITen-rgyas, mongol. Kasip, Gasip, Gäräl, 
sakiktsi, Vorgänger Gautamas 9, 95, 109, 111, 
124, 125; in Ajantä 113; in Bharhut 112; 
einer der Hauptschüler des Gautama 124, 125. 

bKa-gdams-pa 58. 

bKa-*gyur 68. 

bKa-brgyud-pa 60. 

Kaiser von China 134; vgl. Ming-ti, Ai-li, Khu- 
bilai, Möngkä, Juan-Dynastie; K. von Kussland, 
vgl. Tärä. 

Käka, tib. bya-rok, mongol. käriä 169. 

Kakutsamdha, Krakucchanda in Bharhut 112. 

Kakutthä 5. 

Kaläga, vgl. mangalakalä^a, Gefäss; Attribut 
des Padmapäni 128. 

Kälacakra, «das Rad der Zeit», tib. Dus-'k'or, 
mongol. tsag-un kürdün, ein mystischer Buddha 
97; Name einer Schule 41, 42, 52, 58, 66, 
68, 73; vgl. Zam-bha-la, Sucandra. 

Kälacakramülatantra 41. 

Kälacakratantra 97. 

Kälä-iu ükin tägri, Sarasvatl 155. 

Kaläpa 177. 

Kali, Hindügöttin 175. 

Kälika, ein Sthavira, 7, 37. 

Kalki 42. 

Kalpa, Weltperiode, tib. bsKal-pa 95. 

Ktoadeva, Gatte der Kurukullä 152. 

Kamamlaln,«Krug»,AttributderBhrikutll29,148. 

Kämarüpa 106. 

Kambodscha, gehört der südlichen Kirche an 122. 

Kamma, Päli für Karman 8. 

sKara-po dkar-po, auf dem Khatvänga 1(X>. 

Känadeva 35. 

Kanakabharadv&ja, einer der Sthaviras 7, 38. 

Kanakamuni, Päli Konägamana, tib. gSer-t*ub, 
mongol. Ganagamuni, Altan tsidaktsi 9, 111; 
in Ajantä 113. 

Kanakavatsa, einer der Sthaviras 7, 38. 

rkan-duü 54. 

Kanishka, tib. Ka-nis-ka, Ka-ni-ka 17. 

Kanjur,tib.bKa-*gyur 68,74,93 ;Qrlmah&vaj rabhai- 
ravatantra 101; Miniaturen im K. 105; Ber- 
liner K.-Handschrift 178; vgl. Se-ra, Yun-lo. 

Kannappa 35. 

Kanthaka und Kanthaka, tib. bsNags-ldan 10. 

Kauyäbhartar 166. 

Kapäla, tib. t*od-pa, t*od-k'rag (Vod, Schädel; 
k'rag, Blut), Schädelschale KK); Attribut der 
Dhyäuibuddhas 98; des Samvara 106; der 
Siddhas 40; Padmasambhavas 46; bei einem 
Lama 79; weitere Notizen unter Schädel, Ba- 
iin, päkini. 



— 229 — 



Kap&lakhatY&ngä 62. 

Kapilavasta, Päli Kapilavattha , tib. Ser-skyahi 
gnas, mongol. Kabalik 10. 

Kapita, K.-dvlpa 50, 51. 

Karakorum 17. 

K&ram&r HUI 23. 

Earanda, tib. Za-ma-tog 43, tib. ga,u 136. 

Eäriä, mongol. für bya-rok 169. 

Kärkäsündi, mougol. Umschrift von Krakucchanda 
111. 

Karmad&kiul, tib. Las-mk*a-'gro 154. 

Kar-ma-pa-Sekte 155; vgl. bSam-ldin. 

Karmavajra, tib. rDo-rje las, eine Form des 
Vajrasatva 98. 

Karnaripa, Karnarüpa 35. 

Kartikeya 166, 177. 

Kartrl, kartrlkä, tib. gri-gug, krummes Messer, 
Attribut der Qaktis der DhyAuibuddhas 98, 
100; der Däkinls 156; vgl. gSin-rje gsed. 

Kasapa, in Bharhut 112. 

Kassapa, Päli für Kä^yapa 112. 

Käshmlr, Sanskrit K&^mlra 38, 44, 129. 

Kaiib, mongol. für Kä^yapa 111. 

Ka-so-ri-pa, ein Siddha 40. 

Katharina von Russland 147. 

Kathäsaritsägara 177. 

Kau^ämbl 19. 

Kaugika 35. 

Kaurukuliika 152. 

Käya, tib. sku, mongol. bäyä, drei Käyas 109. 

Kazak, donischer K.-Lama 111. 

Keule, vgl. dbyug-gu (s. d.). Kbatvänga, Kapäla- 
Khatväüga. 

mK'a *gro, «Luftwandler», tib. für l)äka; — ma, 
tib. für Däkin! 24. 

Khadira, Acacia Catechu, tib. Sen-lden 37(Kliadira- 
vana); der P*ur-bu, mit dem Nägärjuua die 
Göttin Candikä bannte, war ans diesem Holz 
165; Khadiravanatärä 146. 

Khagarbha, vgl. Äkägagarbha, tib. Nam-mk*ai 
snyin-po, mongol. Oktargui-in dzirnkän 140, 
141; Attribut Schwert 134. 

Khagan, zusammengezogen Khan 1, 2, 61, 63, 
64, 105; dient zur Übersetzung von Sanskrit 
pati, vgl. Ganapati. 

Khakkhara, auch «hikkala» (bei BR. Peters- 
burger Sanskrit -Wörterbuch VH [1613], lies 
«Stock» statt «Rock»), tib. mK'ar-gsil, Rassel- 
stab der Mönche 38. 

Khalkha-Mongolen 84, 86, 88, 91. 

Khamuga sain, mongol. für Samantabhadra 96, 
140. 

Khan, vgl. Khagan 80. 

mK'an-po, Sanskrit upädhyäya 93. 



mK'ar-gsil, tib. für Khakkhara 38. 
mK*a8-grub, «vollendet in Kenntnis j», Lamen- 
titel: mK*as-grub rje 72, 75, 76; mK^as-grub 
Byam8-d*en d*os-rje64, 72; mK^as-grub dGe- 
legs dpal-bzaü 72; mK*as-grub bSod-nams 
rgya-mts'o 68, 80. 
Khatväfiga, tib. K'atvang^, «Stuhlbein», eigen- 
tümliche Keule des Tantrakults 46, beschrie- 
ben 100; vgl. Padmasambhava; Attribut des 
Samvara 106, des Yam&ri 102, der Vajra- 
varähl 157, der Simhavakträ 177, der Däkinis 
154, 156; K*a-tvan-rtse-gsum, «Kh. mit drei 
Spitzen», wenn auf der Spitze ein Dreizack 
ist, Attribut des Samvara 106. 
Khayanggirwa, mongol. für Hayagriva 164. 
I K'ol-po dga, «der ein Knecht ist», ein Siddha 
I 39, 40. 

I Khongkho, mongol. für ghantä, tib. dril-bu, 98. 
: Khongsim bodhisato, mongol. für Avalokite^vara, 
i q. V. nach Jülg vom chinesischen Kuan-si-yin 
I 127. 
'K' or, «Kreis», Sanskrit parivära, Umgebung eines 
Gottes, 129; 'K'or-bcas, «mit Umgebung, Be- 
I gleitern», Sanskrit saparivära 109, 178, 179. 
! 'K*or-ba Msig, tib. für Krakucchanda 111. 
I 'K*or-{^'en, Mahäcakra 161. 
'K'or-lo, tib. für cakra, Rad, Attribut des Mai- 

treya 124. 
'K*or-yig, die mongolische Quadratschrift 65. 
Khormusda, mongol. für ^atakratu 180. 
Khotan 18, 23, 41. 
, K*ri-pa 89. 
K'ri-sron-lde(u)-btsan, König von Tibet 53, 55, 
56; Inkarnation des Mafiju^rl 134, lernt den 
Kult Hayagrlvas von Padmasambhava 164. 
I *K'ro-bo, tib. für krodha 99, 100, 165; *K*ro-boi 
rgjal-po (Mahä-) Krodharäja 162; K*ro-gnyer- 
' can-ma, «die Zornige», Bhrikuti 129, 148. 
j Khubilai, tib. Hu-pi-le, Hvo-pi-lai 1, 2, 63, 65, 
j 66, 81, 82; durch llevajra bekehrt 105, 177. 
j Khubilgan, mongol. für sPrul-ba, Manifestation 
eines Bodhisatva 76, 80, 86 fg.; Khubilgane 
des sMan-bLa 118; der Tkrk 147. 
I Khulagu 1, 2. 
i Khural 88. 
1 K^i-re 84. 

I Khutuga, tib. gri, Messer 174; Khutuga bariktsi, 
Begleiter des ICam-srin 166, 174. 
K'yun, tib. ftlr Garuda 89, 121, 160; K*yuü- 

sog-can, Vajrapäni 160. 
Kiachta 84. 

Kilingtü, mongol. für Krodha, tib. *K'ro-bo 99. 
Kilingtü äkä, mongol. für Bhrikuti 148. 
Knochenschmuck 100. 



— 230 



Ko^ala 35. 

Koki 37. 

Kökö Ehoton, «blaue Stadt» 84. 

Kökö n6r, tib. mTs'o siion, «der blaue See» 
81. 

Kolosse 22, 141. 

Eon&gamanb, F&li für Eanakamuni 112. 

dKon-mö'og rgyal-po 61. 

Kopf, Fadmapänis K. platzt 133; vielköpfige 
Götter: Bhairava, Ushnishavijayä, Samvara, 
Hevajra, sKu-lna, Maliäcakravajrapftni, Bhri- 
kutUftr&, Acala, Parna^avarl, Marlcl, Vajra- 
var&hl, Sit&tapatrA; vgl. Ts*an8-pa, BrahmA. 

Koppen 156. 

Korea 27. 

Krakucchanda, F&li Kakusandha, tib. 'K'or-ba 
^dsig, mongol. Kärkäsündi, Gargasundi, Or- 
tsilanggi äbdäktsi 9, 95 111, in Ajantä 113. 

bKra-sis-lhun-po 63, 67, 68, 76. 

Krip&na, tib. ral-gri 140. 

Krishna-Kult 25. 

Krishnä-Fluss 32. 

Krodha, «zornig», zornige Form der Götter, tib. 
'K*ro-bo, mongol. Kilingttt 99. 

Krone, vgl. titim, cod-pan, mukuta, in der Krone : 
Amit&bha, Akshobhya, Amoghasiddlii ; vgl. 
diese. 

Kshatriya der N&gas 187. 

Kshetrap&la 102. 

Kshitigarbha, tib. Sai-snyiii-po, mongol. gadzar- 
nn dzirükän 141. 

Kshitipati, tib. Sa-bdag, mong. gadzar-un ädzän 
187. 

sKu, tib. für KÄya, «Körper» 71, KM); auch «Bild» 
70; sKu-'bum, ein berühmtes Kloster, sku- 
gsum, «die drei Küyas», mongol. gurhan biiyil 
109; sKu-lna, «die fünf Körper (oder Könige)» 
1K2, 1H3. 

Kuan-yin 79. 

Kubcra: Vai^ravana 15, 23, 17H, 179, IHO, 181; 
in Bharhut Kupiro ; gehört zu den Yi-dam (dann 
heisst er Dsam-bha-la) 97; in seiner Umge- 
bung KurukullÄ 152, schenkt Lha-mo einen 
Löwen 175; vgl. r>'am-t*os-sras, Dsam-bha-la, 
gDod-nas dbaii-po, Bisliamou. 

Kuya 31. 

Kukkutapada 124. 

Kükü, vgl. K(>kö. 

Kulika, tib. Rigs-ldan, Titel der Könige von 
Zam-bha-la 41. 

Kumbha, Gefäss; Attribut der Sitätapaträ 150. 

Kumbh&nda, tib. sGrul-'bum 178, 181. 

Kun-dga rgj^al-mts^an 52, 61. 

Kun-rdsob bden-pai 5*os 136. 



Kun-tu bzaii-po, tib. für Samantabhadrä 96, 
140, 141. 

Kupiro yakho 15. 

Kürdü, Kürdün, mongol. für cakra, tib. *K'or-lo. 
, Küriä 84. 
! KurukullA, Kurukulle 152, 153, 154. 

^Koshan 16. 
; Kusin&r& 5. 

Kyai rdo-rje, Kye(-ba) rdor(je) ;68, 104, 105; 
tib. für Hevajra. 

dkyil-*k*or, tib. für mandala 67. 
I Kyoto 178. 

16 in tibetischen Wörtern, Tgl. unter & 

j bLa-braii 44, 81. 
Lag-na rdo-rje, Vajrapäni 140. 
Lahor 25. 
, lakshana, Schönheitszeichen Buddhas, tib. mts'an, 
j mongol. laksan 136; vgl. anuvyanjana. 
: Lakslimi 142. 

\ Lalitavajra, tib. Rol-pai rdo-rje 40. 
Lalitavistara 4, 10; die Stelle Seite 119 lautet: 
«Der Bodhisatva kommt aus Mitleid zur 
Menschheit zur Welt, ein Gott (deva) geworden, 
dreht er nicht das Rad der Lehre.» 
Lama, tib. bLa-ma, «Superior» 56, 64 passim; 
nördlicher Buddhismus in Tibet und der Mon- 
. golei: Lamaismus 40, 56 passim. 
I Lambodarl, «die mit dem Hängebauch» = Par- 
! nagavari 152. 
Lam-sgron 58. 

Lam-p' ran-bstan , tib. für Cüdapanthaka, einer 
der Sthaviras 7, 38. 
1 Lam-bstan, tib. für Panthaka, einer der Stha- 
viras 7, 38. 
gLan 105; vgl. Mähe, 
gLaü-dar-ma 56, 58. 
gLan-dkar-po 105. 
gLaü-lpags, Elefantenfell 106. 
gLan-po skyoü 38. 
Lanka 52. 

Lants'a-Schrift 61, 194. 
Lanze des ICam-sriü 165. 
Lapis lazuli 79. 

Las-kyi rdo-rje 00; vgl. rI)o-rje las. 
Legs-ldan, eine Form des Mahäkäla 177. 
Leichenacker 48, 49, 102; Leichengespenst, vgl. 
Vetala; Leichenacker -Linnen 102; vgl. ^Ita- 
vana. 
Leinwand für Gemälde 102; flatternde L. in der 

Hand Bhairavas 102. 
Lepcha 55, 138; vgl. jam-byöü, Tä-se-sun. 
, Lepra, geheilt durch Siinhanäda 132. 



231 — 



Lha-mo, tib. Übersetzung von Dev! 76, 158, 
159 (No. 8), 173, 175; Lh. gehört zu den acht 
Drag-gsed 164; Lha-mo neben lÖam-srin 166. 

Lha-sa, tib., «Götterland», Devaloka, Hauptstadt 
von Tibet 41, 44, 54, 58, 71, 76, 78, 80, 84, 
175; Ra-mo-ö*e bei Lh. 154; Yajravar&hl in 
Lh. empfangen 155. 

Lha-t*o-t*o-ri 43. 

Lho-brag 60. 

Ihun-bzed 67. 

Lokap&la, tib. *jig-rten skyon 7, 180, 190. 

lokapüjästotra 52. 

Lo-ma gyon-ma, tib. fttr Parna^avarl 150, 152. 

rlon-pa gsar-ba snon-pa, auf dem Khatväilga 100. 

Lons-spyod sku, tib. für Sambhogakä,ya 110. 

Loriyän Tangai 19, 25. 

lo-tsa-ba 56. 

Lotusblnme, Padma, Utpala, Lotusfruchtboden 
130; L. mit Schwert darauf: Attribut des 
Khagarbha 134, des Siiphanäda 130, des 
Amoghapä^a 129, 132, der Tärä 129, 143, dep 
Bodhisatvas 119, 124, Maitreyas 121, 124, 
Fadmapänis 123, 124 fg.; mit Donnerkeil 
darauf, Attribut des ^ftnta Vajrapäni 125, des 
Maüjugrl 125; mit Buch und Schwert 79, 134, 
139, 140; L. auf dem Panca^irshaparvata 136; 
mit Juwel, Attribut dos Kshitigarbha 141, der 
Kkajatä 145; mit Sonne: Attribut des Saman- 
tul)hadral40, 141 des Sarvanivaranavishkambhi 
141; auf dem Khatväüga der Padmadäkini 154; 
vgl. Hayagrlva 163. 

Löwe, von Kubera der Lha-rao gesclienkt 175; 
L. der Sarasvatl 153; L. brüllt die Jungen 
an 128; Manjughoshas 135, 139; vgl. Simlia-, 
Sen(-ge-), Simhanädasädhana 130. 

bLo-bzaü sKal-ldan rgya-mts*o 79. 

kLu, tib. fürNftga 89, 121, lH8fg.; tibet. kLu 
dban rgyal-po 108, 109, 110;kLui-rgyal-po 138. 

kLui-sde, tib. für Nägasena 7, 38. 

Lui-pa, einer der Siddhas 40. 

Lü-in kjiagan (khän), mongol. für Nägaräja, kLu- 
dban-rgyal-po 109, 110. 

Lumbinl 10, 16. 

rlun-lha-ljan-k* u, Attribut des Hevajra 105. 

Lus btttüksän khutuktu, mongol. für Nägärjuna30. 

«Luwai» 173. 



mg, md, mtal*, mds, mn in tibetischen Wörtern unter 
g, d, ts*, dB, n. 

rMa-bya-ö*en-mo, tib. für Mahämayürl 146. 
Madhumati, Sanskrit-Name des Muhammad, tib. 

sBran-rtsi blo-gros 42. 
Madhyamika, «der mittlere (Weg)», Name der 



Philosophie des Nagärjuna, tib. dBu-mai ts*ul 
Ougs) 33. 

Ma-dros-pa, tib. für Anavatapta 191. 

Magadha 11, 38, 55. 

Mah&bhinishkramanasütra 5. 

Mah&cakra-Vajrapäni, tib. P'yag-rdor *k*or-6*en 
161. 

Mah&cftrya, «grosser Lehrer» 44. 

Mahäguru, «grosser Lehrer» 44. 

Mahäkä^yapa, tib. *Od-srun 6*en-po, Schüler 
Buddhas, Leiter des ersten Konzils 11; vgl. 
Kägyapa. 

Mahäkäla, «der grosse Schwarze», mongol. yäkä 
khara, oder «die grosse Zeit», tib. mGon-po i. e. 
n&tha, «Schutzgott», gewöhnlicher Name Qivas 
als Schutzgott des Lamaismus; er ist ein Yi- 
dam 97; in Gandh&ra 23; sonst: 32, 54, 64, 65, 
67, 82, 177; M. brähmanarüpa 176, 177; mit 
einem Kopfe, sein kolossaler Kopf erscheint 
während einer Bannung 57; vgl. Täran&tha II, 
172, wo er dem Brähmana ^'ariikara so er- 
scheint; M. shadbähun&tha 70, 177; vgl. Gur- 
gyi-mgon-po, mGon-po. 

Mahäkälidevi, ein Preislied von Nägärjuna im 
Tanjur 32. 

Mahäkarunika, «grosser Erbarmer», 119, 133. 

Mahäkrodba KX), 162; «Grosszümer» i. q. Acala. 

mahämÄmsa, Opfer, tib. sa-ö*en 102, 104. 

Mahämäyä, tib. Ma-hä-raÄ-yä, ein mystischer 
Buddha, Yi- dam -Form des Brahma, tib. 
Tsans-pa 97, 105, 106; i. q. M&yä. 

Mahämayüri, tib. rMa-bya-5'en-mo 146. 

Mahämegliagarblia, tib. sPrin-ö'en snyiü-po 120. 

Mahünishkraraanasütra 5. 

Mahäpandita Anandadhvaja^rlbhadra 52. 

Mahäparinibbanasutta 4. 

Maliäparinirväna 108 (l*äli Mahäparinibbäna). 

MahÄpunisha 4. 

Mahäsänghika 11, 14. 

Mahasiddha, tib. Grub-ö'en 38, 39, 40. 

MahästhänaprÄpta 12(). 

Mahäyäna, tib. t'eg-6*en, mongol. yäkä külgän, 
vgl. Yana 17, 22, 29, 30, 32, 35, 36, 37, 40, 
42, 43, 46, 50, 58; drei Käyas im M. 109, 
Vajrap&ni im M. 179, Bodbisatva- Listen in 
M.-Büchern 120. 

Ma-he, aus Sanskrit mahisha, mongol. bukha, 
Tsam-Maske 172, 173. 

Mahe^vara, tib. dBaü-p'yug ö*en-po 34, 35. 

Mahn 118. 

Maidari, mongol. für Maitreya q. v. 111, 122. 
M. Khutuktu 84. 

Maitreya, Päli Metteyya, tib. Byam(s)-pa 17, 22, 
35, 46, 72, 95, 109,' 112, 119, 120, 121, 122, 



— 232 — 



123, 124, seine Farbe 126, mit Stüpa 124, 

125 als Buddha 122, in Ajantä 113, Koloss 

des M. 141. 
Maitreyadharmasvämi 64. 
Makara, «Delphin», tib. Ö^u-srin, «Wasserteufel» 

15, 89. 
Makaravakträ, tib. Ö* u-srin-gdon-ma, (T u-srin-mo, 

eineDäkinl 173, 176, bei Pallas: Tschüsterin. 
mala, tib. p'ren-ba, mongol. ärikä, Attribut des 

Padmap&ni 128; der Bhrikutl 148; vgl. Rosen- 
kranz. 
Malen, Rezept zum M. 101 fg. 
Malla, tib. Gyad 5, 20. 
Mallalinkarawoottoo 5. 
manas, tib. yid, mongol. sätki] (auch für citta), 

vgl. mano. 
mandala, Kreis, Zauberkreis, tib. dkyil-'k*or 

36, 67. 
Mandärava 50, 56. 
Mandschu 86, 93. 
Mandi^usri, gespr. Mandsusiri und vulgär Mau- 

dzusarai, mongol. Umschrift für Maüjuvri 134. 
mangalakal&^a 45, 79, 124. 
Maiigalasutta 1, 107, das Citat «püjä ca pü- 

janneyyänam» aus dem Verse: 

Asevanft ca bälänam panditänaü ca sevanä 
Püjä ca püjaneyy&nam etam maügalam ut- 

tamam 
To serve wise men and not serve fools, 
To give honour to whom honour is 
This is the greatest blessing. [due 

(Childers in Journal of the Royal Asiatic 
Society 1869, S. 313). 
Manju^rl, tib. Mam-dpal 31, 32, 51, 71, 72, 109, 
113, 119, 125, 127, 134, 138, 189; Hauptzüge 

die Brahm&s 138; schwarzer (dunkelblauer) 

M. 137; Kalendergott 138; M. Jiiänasatva 133; 

sein Kopf über denen Bhairavas 102; als Ya- 

m&ntaka (Yi-dam) 97, 101, 104, 168; vgl. 

Sirahan&da-M. 132. 
Mauju^rl Khutuktu 84. 
Manjuyrlmülatantra 29. 
Maüjughosha, tib. 'Jam-dbyaüs, eine Form des 

Bodhisatva Manjugrl 61, 135, 139. 
Manjuvajra, tib. Mam-rdor, Manju^rl mit ^'akti 

beschrieben 99, 140. 
Man-la 71, vgl. sMan-bLa. 
sMan-bLa, mongol. Ototsi 114, 8Man(-gyi) bLa 

118; sMan-bLa k*an 71. 
mano, Päli, für manas 8. 
mantrl, tib. bLon-po, mongol. tüsimäl 48. 
M&nushibuddha 95. 

Ma-p*am-pa, tib. für Ajita, ein Sthavira 7, 37. 
, tib. bDud, mongol. Öimnu, Simnus 10, 



23, 24, 54, 56; von Buddha besiegt 110; auf 
Leichenstätten 102. 

Marco Polo 2, 4, 10. 

Maricl, tib. 'Od-zer-can-ma 145, 146. 

Mar-me-mdsad, tib. für Dlpankara 110. 

Mar-pa 60. 

Ma-ru-tse 52; vgl. Maruta bei Täranätha II, 51. 

Mali gäigülün dzokiaktsi, mongol. für Yairocana 
98. 

Mathm-ä 25. 

Mfttrikä 52. 

Maudgalyäyana, Päli Moggallftna, tib. Mo-u-dgal- 
gyi-bu, mongol. Motgalwani, Motgaliani, Mo- 
lontoin, Motgal-un kübdgün, äbür ätsä török- 
sän 7, 37, 108, 189. 

Maultier, vgl. Lha-mo. 

M&yä, tib. sGyu-yrul 9, 10, 14, 16. 

M&yäsütras 50. 

Medizinbuddha 109, 114, 118, 120. 

Meghanäda 53. 

Me-lha Agni, Me-lha dmar-po 105. 

Me-skyes, tib. für Agnija, einer der Sthaviras 7, 37. 

Menandros 15. 

Menschenhaut, vgl. Lha-mo. 

Meru , tib. Ri-rab Ihun-po, mongol. Sümär agula 
(61a) 64, 180, 181. 

Messer, Attribut des Bhairava 102; vgl. kartri, 
gri-gug, gri, khutuga. 

Metteyya, Vk\i für Maitreya 122. 

Mi-bskyod-pa, vgl. Akshobhya 98. 

Mi-la, Mi-la-ras-pa 58, 59, 60, 61. 

Milinda 15, bei Täran&tha: Minara; Milinda- 
paüha 15. 

mi dmar, «roter Mensch», Attribut des Hevajra 
105. 

Miug 26. 

Miug-ti, Mifi-ti 26, 68, 73, 134. 

Mi-p'am-pa, i. q. Ma-p'ampa, Ajita 37. 

Mi-p*yed, ein Sthavira 7, 38. 

Mi-g,yo-ba, tib. für Acala 162, 163. 

Moggalläna 7, 12; vgl. Maudgaly&yana. 

Mohammad der Khowaresmier 1. 

Momand 18. 

Mond, vgl. Halbmond, candra, Nebenfigur 120, 
131; Vishnu schenkt Lha-mo einen M. 175; = 
Fruchtboden eines liOtus 130; vgl. Simhanftda 
132. 

Mongolen, Bekehrung zum Buddhismus; vgl. 
Khubilai, Altan Khan, Mah&käla, 'P*ags-pa, 
Hevajra, Ö'os-kyi-'od-zer, Onggot; mongoli- 
sche Lokalgötter 178; lamaistische Ärzte als 
Bekehr er der M. 132; Modelle von Sukhä- 
vatl 115. 

Möngkä 1, 56. 



— 233 — 



Morin ägäsiktü, Hayagrlva 164. 

Mörserkeule, Attribut des Yamftri 102. 

Mrigadäva, P&li Migadäya 22. 

Mucilinda, tib. bTan-zun 109, 110. 

Mudrä, tib. p*yag-rgya 19, 20, 33, 36, 1(J9; M. 

Yara(dä) 143. 
Muhammad N&rl, Tath&gata-Darstellnngen 112. 
Mofiammed, Sanskrit Madhumati, tib. sBrau- 

rtsi blo-groB 42. 
Muhammedaner 39, 40, 43. 
mokti, Erlösung 33. 

mukuta, tib. cod-pan, mongol. titim 114. 
Mumien der yajravarfthl 155. 
Myrobalane des Ototsi 114. 

rNa-bon 105. 

8na-ts*og8 rdo-rje, vgl. vigvavajra 1(M), 106. 

Näga, tib. kLu, mongol. lü; vgl. Schlange, Ga- 
ruda, K*yun, Abhayäkara; N.s baden den 
Buddha als Kind 10; Nftga-Typus zu Bharhutlö; 
derselbe Typus in Gandhftra 25; drachen- 
artige N.s zu Gandhftra 20 ; N.s unterrichten 
den Nägärjuna 29, 30, 31, 32, 46; dekorative 
N.s 89; Padmasambhava predigt den N.s 51; 
N&gakönig zu Bharhut 15; Nägas 178, 181, 
187, 188, 189, 190; auf Thronsesselu 121; 
Nägarftja Mucilinda 109, HO; NAgarAja giebt 
Tantras 138. 

Nagä, wilde Bergstämme in Assam 106. 

Nagamlzuna baksi, mongol. für Nägärjuna 30. 

Nägapotadvipa, Land der Niigas nach dem Pad- 
ma-t'an-yig 51. 

Nägärjuna, tib. kLu-8grub(s), mongol. Nagan- 
dzuna baksi Ifts büttiksän khutuktu 29—36, ab- 
gebildet 30; sein Lehrer Saraha 40; erhält 
seine Bücher von den Nagas 46 (s.d.); Trias 
mit N. als Mittelfigur 58; besucht Tson- 
k*a-pa 71; Begründer des Mahäyäna 97; bannt 
Mahäkftla 177; N. im Siddhikfir 192. 

Nagasena, tib. kLu-i sde, ein 8thavira 38, Ab- 
bildung 7. 

Nag-dbaü bLo-bzaü rgya-mts'o, einDalai Lama 78. 

Nag-gi Iha-mo, tib. für V&c, Sarasvatl 13«, 152. 

Nägi, Fem. von Näga, Darstellung in Gandh&ra 26, 
in der tibetischen Kunst 16, 191; bringt Re- 
gen 192. 

Nagüd 12. 

Nag-po, tib. für Kälika, ein Sthavira 37. 

Nag-po spyod-pa, einer der Siddhas 40. 

Nags-na gnas, tib. für Vanaväsa. ein Sthavira 37. 

Nain Singh 55. 

nakula, tib. neu-le, sre-moii, Attribut des Ku- 
bcra 181 ; vgl. unter Bakula, Sre-moii. 



Na-lam 59. 
Nälanda 31, 43. 
rnal-*byor-pa, tib. für Yogi 38. 
rNam-rgyal , « siegreich » , gewöhnliche Über- 
setzung von Yijaya oder ähnlich, ein Kloster 

78. 
rNam-rgyal bum-pa, tib. für mangalakalä^a 45. 
rNam-rgyal 6*os-sde, ein Kloster 76, 78. 
rNam-rgyal-ma, Vijayä; vgl. gTsug-tor 131. 
Nam-mk*ai snyin-po, Khagarbha 140, 141. 
rNam(t*os-)sras, Vaigravana 7, 159 (No. 5), 164. 
rNam-gzigs, tib. für Vipa^yl 111. 
sNan-ba mt*a-yes, tib. für Amrtäbha 118. 
Nanda, ein Näga, tib. dGa-ba, mongol. Bayas- 

khulangtu lüs-un Khagan 190, 191; schenkt 

Lhamo eine Schlange 175. 
sNar-t'an, Nar-t*an 84, 105, 133, 141. 
mNa-ris 37, 58. 
Na-ro-mk*a-spyod-ma, Däkiui, Schutzgöttin der 

Sa-skyas 155, 156. 
Na-ro-pa, Na-ro-ta-pa, einer der Siddhas 40. 
gNas-brtau, vulgär Nä-tan, tib. für Sthavira 37. 
gNas-ö'un, «kleines Haus», Kloster bei Lha-sa, 

wo sich der Dharmapäla inkarniert 76, 182. 
nat, tanzen, tib. gar-byed-pa, Ausdruck für «eine 

Schöpfung bilden» 97. 
Nätega, tib. Gar-dban 133. 
nÄtha, «Beschützer, Schutzgott»; vgl. ^rlnätha, 

tib. mGonpo 54. 
Nepal, tib. Bal-yul 5, 12, 44, 55, 59; T&r& aus 

N. 144. 
ne,u-le, tib. für nakula 181; vgl. sre-moii. 
Nibbana, Pali für Nirväna 8. 
NidübAr üdzäkttü, mongol. für Avalokite(jvara 

65, 127. 
NigUva, Geburtsort Buddhas 12. 
Nike-Typen in Gandhära 19, 24. 
Nilämbara (dhara)-Vajrapäni, V. mit dem blauen 

Kleid 161, 162. 
Nilanetra, «schwarzäugig, blauäugig» = Arya- 

deva 34, 35. 
nirniänakäya, tib. sPrul-bai sku, mongol. kbu- 

bilgan-u bäyä 33, 109, 118. 
Nirv&na, P&li Nibbäna, tib. Mya-nan-'das, mongol. 

Nirwan oder gasalang ätsä nöktsiktsän 8; 

selten in Bronze dargestellt 108, 109. 
No-bo-nyid sku, Svabhävakäya 110. 
gNod-sbyin, «Schadenstifter», Yaksha 175. 
Nogogan (nogön) Dara äkä, mongol. für ^yäma- 

varnä Tärä 144. 
Nom-un gäräl, mongol. für Ö*os-kyi'od-zer, 

«Lichtstrahl der Religion», etwa Dharma- 

prabha 65. 
Nom-un khän, Dharmaräja, Yama 168. 



— 234 



uom-un sakigalsun, mongol. für dharmap&la, üb. ' 
ö*os skyoii 158. ' 

Nor-'dsin-ser-mo, die gelbe Vasundharft, Attribut 
des Hevajra 105. i 

Nor-rgjas, tib. für V&suki 190. 

Nor-bzan-gzon-nu, tib. für Sadbanakiim&ra 129. 

Noyan tsortii 86. 

Nus-ma, tib. für gakti 94. 

]^a-tai-San, im tib. Text Te-san Pafica^lrshapar- 
vata 134. 

Nyagrodha-Baum, Feigenbaum mit nach unten 
gehenden Zweigen (nyagrodha) oder Luft- 
wurzeln 102. 

gNyan-d*en t*an 1ha 182. 

Nyer-dga-ba, tib. für üpananda 190. 

Nyi-mai 1ha dmar-po, roter Sürya, Attribut des 
Hevajra 105. 

Nyi-mai snyin-po, Süryagarbha 120. 

rNyig-ma-pa, alte Sekte der Rotmützen 5(5. 

rnyin-pa rid-po dmar-po auf dem Khatvänga 100. 

'Od-dpag-med, tib. für Amitäbba 76, DO; Nir- 
mftnakftya des Amitäblia 118. 

*Od-Brun, K&^yapa 111. 

'Od-zer-can-ma, tib. für Marie! 145. 

Ofen, Attribut des Bhairava 102. 

Okiu tägri 66, vgl. Ükin tägri. 

Okro, Ugra 23. 

Oktargui-in dzirükän, mongol. für Kliagarblm 140. 

oktargui-in orkitsa, mongol. für KhatvÄnga 170. 

Öldzäitü, tib. ül-ji-t*u, 01-je-t'u 2, 65; vgl. M6- 
langes asiatiques I, 423. 

om bhrura sv^iliä, 141). 

om ma-ni pad-me lifiin, Dliärani des Avalokite- 
?vara, erscheint unter den Hufen dos Reit- 
pferdes des Dalai Lama während der Heise 
nach der Mongolei, «o das Kleinod im Lotus, 
amen!» 81. 

Onggot, mongol. Götter 82, 178. 

Onon 93. 

Örgä 84. 

'0-rgyan-pa, U-rgyan-pa 44. 

Orissa 41. 

Ürtsilanggi äbdäktsi, mongol. für Krakucchanda 
111. 

Otantapurl 43, 55. 

Ototsi, mongol. für sMan-bla 114. 

otsir, mongol. Umschrift für vajra, tib. rdo-rje 
98; Otsirdara, Vajradhara. 

dPa-bo, tib. ftlr ^üra, Held, Ehrentitel der Ta- 

th&gatas und der Lokap&las 181. 
dPa-bo rdo-rje, tib. für ^'üravajra 34. 



p&^a, tib. zagspa, Fangschlinge, Attribut des 
Mahäkftla 70; des Dharmaräja 62; des Sam- 
vara 106; des Sroii-btsan-sgam-po 45; der Par- 
na^avari 150; des Amoghapä^a 129, 132. 

Padma, Lotusblume, vgl. d. und Utpala, tib. 
Pad-ma, mongol. Lingkhoa, Sitz der Götter 
und Heiligen 46; in der Hand des Padmapftni 
128; Attribut der Bodhisatvas, der T&r&, der 
Grosslamas; = Padmasambhava 48, 51, 52. 

Padmadäkinl 154. 

Padmap&ni, eine Form des Avalokite^vara 65; 
«eine Lotusblume in der Hand», verehrt von 
den Nägas 51 ; inkamiert im Dalai Lama 75, 
81; japanische Formen 27; neben Manju^rl 
138; mit Lotusblume 124, 126; in Gandhftra 115. 

Padmasambhava, tib. Pad-ma l)yuü-gnas, ü-rgyan- 
pa, X)-rgyan-pa 44, 46, 47, 49—56, 66, 183, 
184, 185; Erfinder des Khatväfiga 100; P. und 
die Däkinis 153, 177; P. baut bSam-yas 182; 
P. empfiehlt den Kult Hayagrlvas 164; P. bei 
Mar^ju^rl 134 fg., 137, 139. 

Pad-ma-t*an-yig47, 99, 134, 158, 164,172, 185. 

Pagur Vairoeana, von Padmasambhava als erster 
Übersetzer bestellt 55. 

dPal-mgon, tib. für ^-rln&tha, «heiliger Be- 
schützer», Näg^juna 30. 

dPal-ldan Lha-mo, Qrldev! 66, 173, 175. 

dPaI-*k*or-lo sdom-pa 103, 106; vgl. Samvara. 

dPal-mo 133. 

Päli, Kirchensprache der südlichen Buddhisten 
5, 6, 8, 9, 12, 18, 128 (Slhanäda). 

Pallas 107. 

pallavapicchikä, «Bouquet» 150. 

Palniblatthandschriften in Japan 148, 149. 

pafica dhyänibuddhä, die fünf I)hyänibuddhas95. 

Paiica^lrshaparvata , tib. Ri-bo rtse-lna, chin. 
Nu-tai-san, mongol. tabun üdzügürtü agula, 
kalmück. t«bun üdzftrtü öla 134, 138. 

paöcätmaka, eine Hauptfigur mit vier Beglei- 
tern 132. 

Pan-ö*en, tib. abgekürzt für Pan-di-ta ö*en-po 
= Sanskrit Mahäpandita, «grosser Gelehrter» 
61; Halle der Gelehrten 71; gewöhnlich für 
den Grosslama von bKra-sis-lhun-po 67, 75, 
76; Inkarnation des Amit&bha 118. 

Pan-ö*en bLo-bzan dpal-ldan ye-ses 67. 

Pander 74. 

panditA, tib. pau; mahäpandita, pau-ö*en, «Ge- 
lehrter», Ehrentitel sowol brahmanischer wie 
buddhistischer Gelehrton 58; Palast der P.s 
71; p. mk'an-po, Titel des Haupt-Lama der 
Buräten 90. 

panidhim kar; vom Bodliisatva, einem Buddha 
gegenüber den Wunsch (bei Gelegenheit einer 



— 235 — 



Gabe) aussprechen, in späterer Existenz 
Buddha zu werden 9; so erreichte Kanaka- 
muni («goldner Heiliger») die Buddhawürde, 
indem 6r als Goldschmied einem Buddha Jas- 
minblumen brachte, ^äkyamuni von Dipaii- 
kara durch einen ähnlichen Liebesdienst u. s. w., 
vgl. M^moires de PAcad^mie de St. P6ters- 
bourg VI, S. U (1834), 82, 83 u. s. w. 

PAnini 177. 

Panjftb 11. 

Panthaka, tib. Lam-bstan, ein Sthavira 38, ab- 
gebildet 7. 

para^u, Beil, Axt, tib. dgra-sta, Attribut des 
Ganapati 55; des Samvara 106; der Parna- 
gavari 150. 

Paradies, vgl. Sukhävatl 115, 116 fg. 

paramftrthasatya dharma, tib. don dam bden-pai 
ö*os, mongol. tinämläkü-in ünän 33, 136, 137. 

param itä, vgl. prajna param itä 33. 

Parbatadvlpa, Name eines fabelhaften Landes 
im Pad-ma-t'an-yig 50, 51. 

Paignia 19. 

Parinirvana, P&li Parinibbäna 8, 10, 20, 25. 

parivära, tib. *k*or, Nebenfiguren 129, 178, 179. 

parna, Blatt, Feder 40. 

Parna^avarl, tib. Lo-raa-gyon-ma 150, 152. 

P^rvatl, « Berggöttin » , tib. lli-ma-te 66; Weib 
Yamas 175. 

Pätaliputra, «Sohn der Trompetenblumc», statt 
Stadt der Trompetenblume (Bigiionia suaveo- 
lens), Kusumapura, tib. Pa-ta-li-pu-tra, dMar- 
bu-can 11, 12, 15; ht. Patnä, grieoh. lia- 

Pathamasambodhi 5. 

pätra, Almosengefäss, tib. Ihun-bzed, Attribut des 
^'äkyaprabha 67, des Mediziu-Buddha 114; des 
Buddha Amitäbha 118; der Sthaviras 38. 

Vä\k 10. 

dpe-byad, anuvyafijana 136. 

Pe-har, Pe-dkar, unvollständige Orthographie 
für dPe-har, dPe-dkar 76, 182. 

Peking 56, 84, 91, 92, 106; vgl. ICaii-skya khu- 
tuktu. 

Pentaptera arjuna 29. 

Persien 11, 73. 

Pcschaur, Purushapura 35. 

Pfau, tib. rma bya-ö*en, Sanskrit mayüra, Pfauen- 
federkragen der Göttin des Herbstes 176; der 
Pfauenfederschweif der Mahämayürl 146. 

Pfeil, Sanskrit ^ara, tib. mda, Attribut des Ya- 
märi 102, der Sitätapaträ 150, der Kurukullä 
152, derEkajatä 145, des Manju^ri 99, 138; 
Maultier der Lha-mo verwundet 175; vgl. 
Saraha, Atl^as Hayagriva. 



, Pferd, Sanskrit a^va, tib. rta, mongol. morin; 
! Pferdekopf im Nacken 163; Pferdekopf ver- 
I treibt Dämonen 164; ^ferdeköpfiger Todesbote 
1 172; von Beg-tse niedergetreten 165; vgl. 
; A^va, Hayagriva, A^vaghosha. 
■ P*ag-mo, «Sau», i. q. Vajravarähl 157; i. q. Yo- 
I ginl 156. 

' 'P*ag8-pa, tib. für Ärya, «ehrwürdig, heilig», 
I mongol. Khutuktu; 1. gewöhnlich für den 
Mongol enbekehrer T*. bLo-gros rgyal-mts'an 
' 63—65, 81, 82; abgebildet 53.; 'P*. und Khu- 
! bilai, 105, 177 ; 2. Titel des Avalokite^vara 127. 
I 'P'ags-pa 1ha, tib. für Aryadeva 34. 
. Philipp der Schöne 2. 
p'o-bran dmar-po, der rote Palast 71. 
p'reü-ba, tib. für mälä, Rosenkranz, Attribut 

des Padmapäni 128. 
'p*ur-bu 31, 67, 164, 165, 174, entspricht Sanskrit 
' klla (Proc. Gen. Meeting, Buddhist Text So- 
, ciety [1896J, S. 5fg.); eines Siddha in Lha-sa 
(Journal of the Asiatic Society of Bengal 
[1887], S. 16). 
P* yag-mdsad-pa, Lama-Titel 89. 
P*yag-na rdo-rje, Vajrapäni gänta 140, gewöhnl. 
; Form 159, 160. 
P'yag-na pad-ma, Padmapäni 127. 
p'yag-brgyad, die achthändige Tärä 150. 
'PSags-skyes-po, tib. für Virüdhaka 181. 
Physiologus 128. 
Pigäd, Pania^avarl 150. 

PiiKJolabharadvaja, tib. bSod sn3'oms-len, einer der 
Sthaviras 38, abgebildet 7 ; Lehrer Asaügas 35. 
Pisa 3, in der «Kavalkade» liegen zwei buddhi- 
stische Elemente vor: 1. in formaler Beziehung 
Anlehnung an die Ausfahrt (hier Ausritt) des 
Bodhisatva; 2. in sachlicher Anlehnung an 
buddhistische Höllenbilder: der Jäger, den 
der Todesdämou jagt. Wichtig ist folgende 
Notiz: «Barlaam und Josaphat war ein Lieb- 
' lingslesestoff zu Pisa» ; Dobbert, Repertorium 
' für Kunstwissenschaft IV (1881) 23, Note 23. 
! Pitaka, vgl. Tripitaka, tib. sde-snod, mong. aimak 
I saba 30. 

I pltavarua, gelb, gelbrot 135. 
i Pito, der Siddha, Vertreter des Kälacakra 42. 
! Piyadasl 11. 
I Poseidon 23. 

Po-ta-la, Ri-bo-ta-la, Wohnort Avalokite^varas, 
I mongol. onggotsa bariktsi agula 137; der 
j «Eisenberg» zu Po-ta-Ia 161, Palast des Dalai 
I Lama 71, 76, 78. 
Pozdneev 86, 164. 

prajnä, tib. ses-rab 33, 94; prajnä und upäya 
als Grundlage des Yi-dam-Typus 98. 



— 236 — 



PrajnA paramitl^ tib. §es-rab p*a-rol-tu p'yin-pa 

32, 46; als Attribut 130. 
Prasenajit, Päli Pasenadi, 13; tib. gSal-rgyal 

= Prasannajit, mongol. toda ilagoksan kha- 

gan; (Schiefner, Lebensbeschreibung 82). 
Pray&ga 35. 

sPrin-d*en-8nyin-po 120. 
sPrin-gyi sgrog oder sgrolV 53. 
Prlyaflgudvlpa 38. 
sPrul-ba, tib. für Khubilgan, Nurmftna q. cfr. 76, 

sPrul-sku, Nirmänakäya 109. 
Pukka^i, Parna^varl 150. 
Purftnas 97, 106. 
Purushapura, Peschaur 35. 
Pürvavideha, tib. iar-gyi lus-*p*ags gliii 35, 38. 
sPyan-ras-gzigs dban-p*yug, tib. für Avalokite^- 

vara 65; sPyan-ras-gzigs bcu-gcig-ial 133. 
dPyid-kyi rgyal-mo, Göttin des Frühlings 176. 

rd, rk, rg, rt, ra am Anfange tibetischer Wörter vgl. 
unter D, K, O, T, Ä. 

Rab-*byun, Name des tib. Kalenders; dieser soll 
aus Zam-bha-la stammen 58. 

Rad, Sanskrit cakra, tib. 'k*or-lo, vgl. das Attri- 
but auf der Brust des Hayagriva 163, des 
Yamäri 102 (vgl. auch 100), der Khutuga ba- 
riktsis 174, auf Khatväfiga: Buddhadäkini 
154; in der Hand (oder auf Lotusblume) der 
Bodhisatvas 119; der Ekajatä 145; des Mai- 
treya 121, 124, der Sitätapaträ 150. 

Kag-ma 60. 

rahassa (P&li), Sanskrit rahasya, «Geheimnis» K. 

R&hn, tib. sGra-gcan, stiehlt das Amrita 160; 
wird von Kunikullli niedergetreten 152. 

Kähula, tib. sGra-gcan-'dsin, der Sohn Buddhas 10; 
der Sthavira 38, abgebildet 7. 

Rähulabhadra, tib. sGra-gcan-*dsin-bzaü-po ^- 
Saraha 31, 40. 

R&hula-mÄta, Mutter R&hulas, die Gattin des 
Gautama 10. 

RÄjagriha, Päli Räjagaha, tib. rGyal-poi k*ab 
11, 36, 38. 

Ra-jö-Thor zu Kyoto 178. 

Rftjpftt, von Sanskrit räjaputra, «Königssohn», 
Vertreter der Kriegerkaste und weit in Indien 
verbreitet; fast alle Fürsten sind Räjpüten. 
Sie wollen identisch sein mit der alten zwei- 
ten Kaste des Systems, den Kshatriyas, doch 
kennen die Brähmanas diesen Anspruch nicht 
an 5. 

Räkshasa, Fem. Rftkshas!, tib. srin-po, Fem. 
srin-mo, menschenfressende Dämonen 52, 56, 
102, 175, 178, 192; ihr Land R.-dvlpa 50; 
Lha-mo als Fürstin der R.s 175. 



Rakta, «rot», «Blut», Raktayam&ri 172, Rakta 

rgya-mtB*o 176. 
Ral-gcig-ma, tib. für Ekajatä 145. 
Ra-mo-Ä*e, Kloster R. 44, 58; Tempel der Dä- 

kinis 154. 
Rati 152. 
Ratnacandra 116. 
Ratnadäkinl 154. 
Ratnasambhava , tib. Rin(-po-ö*e) *byun, mongol. 

Ärdäni-in oron, Dhyänibuddha 95 ; mit (^'akti 98. 
Rawalpindi-Distrikt 18. 
Reichtumsgötter: Kubera, Kurukullä, weisser 

Mahäkäla, Dsam-bha-la, eine Form Yamas. 
Rhys Davids 114. 
Ri-bo-dge-rgyas-glin, Name des Klosters in 

Urga 84. 
Ri-bo-ta-la 137 = Po-ta-la. 
Ri-bo rtse-lna, tib. für Panca^lrshaparvata 134. 
Ri-rgyal-p* o-bran («Königspalast auf dem Berge»), 

Ort in Lha-sa, wo der Dalai Lama als Kind 

erzogen wird 78. 
Ri-ma-te oderRi-ma-ti, tib. fürPärvati, die Berg- 
göttin, einer der Namen der Göttin Lha-mo 66. 
Ri-rab Ihun-po, tib. für Meru, Sumeru 180. 
riddhi, Päli iddhi, Zauberkraft, vgl. iddhi. 
Rigs-bu-mo, eine Form der Lha-mo 166. 
Rigs-ldan, tib. für Kulika, Titel der Könige 

von /am-bha-la 41. 
Rikshavakträ, «mit dem Bärengesicht» 158, 177. 
Rin-d/en zla-ba 116. 

Rin-(po-ö*e) *byun 98, vgl. Ratnasambhava. 
Rishi, «der Seher», Name brähmanischer Weisen, 

tib. dran-sron 51; Rishi -Berg 37; Rishi- 

dvtpa 50. 
Rosenkranz, vgl. mala, p'ren-ba, akshasütra, 

aksharaälä, neben Bild zu hängen 102; Attri- 
but des Padmapäni s. d. ; der Bhrikutl 129; 

des Amoghapä^a 129, 132; aus Schädeln, s. 

sechsbändiger Mahäkäla. 
Rusciano de Pisa 2. 

Rudra, neben Mahäkäla als besonderer Gott 180. 
rudhira 104. 

rus-rgyan, Schmuck aus Knochen 173. 
Russische Expedition nach Türfän 18, 41 ; Kaiser 

von Russland, die inkarnierte Tärä 147. 

bM, bT, bP, bK, bN, bB, bO am Anfange tibetiacher Wörter 
unter M, T, P, K, N, B. G; 8 = Sh. 

Sa-bdag, tib. für Kshitipati 187. * 
Sädhaka, «der Bannende» (hat er die Siddhi 

erreicht, so heisst er Siddha) 102. 
Sädhana 130, der Ushnishavijayä 149, Sädhana- 

j mälätantra 128, 144. 

I Sädhanasägara, Handbuch der Zauberei 43. 



— 237 — 



Safran, «bester S.», Name eines Berges in Käsh- 
mir 38. 

Sagamoni Borcam, bei Marco Polo für ^äkya- 
muni Buddba 4. 

S&gara,tib. rOya-mts^o, mongoL Sagara dalai 190. 

Sai Iba ser-po, gelber Erdgott, Attribut des He- 
vajra 105. 

sakadägämi (Päli), Sanskrit sakridägftmi, tib. 
lan-gcig p*yir *on, mongol. nigäntä kharin 
iräktsi, «der noch einmal Wiederkehrende» 8. 

Sakamuni 112. 

Säketa, tib. gKas-bcas, mongol. Oron sältä (Sä- 
ketana) 15. 

Sakka, P&li für Qakra q. v. 179. 

sakridägäml, tib. lan-gcig p*yir *on, vgl. sakadä- 
gäml 8. 

sakrodhahäsinl, Parnai^avarl 152. 

Sa-skya, Kloster 61; Patronin Na-ro mk*a- 
spyod-ma 155; Sa-skya La-ma als Haupt der 
Kirche: Vorstufen der rGyal-bas 09; ein S.- 
Lama von T8on-k*a-pa überwunden 72. 

Saskya (mahä) pandita (tib. pan-ö'en) abgebildet 
52; Notizen über ihn 61, 62, 63; versucht die 
Schrift der Uiguren dem Mongolischen anzu- 
passen 65; versteht Bru-za 66; vgl. Anan- 
dadhvaja^Tibhadra. 

Sa lugs, «in der Form der Sa-skyas» 193. 

samädhi, tib. tin-ne *dsin, mongol. tuktam bari- 
khu 8, 36. 

ßamantabhadra, tib. Kun-tu bzaü-po. mongol. 
Kh.amuga sain, als höchster Urbuddha 96, 
140, 141. 

Sambhogakaya , tib. Lons-spyod sku, mongol. 
tägtisdzirgalang-un bäyä 33, 110; Amitäyus, 
der S. des Amitäbha 118; durch gekrönte 
Buddhas dargestellt 110. 

bSam-ldin, Kloster der Vajravarfthl 155, 156. 

Samvara, die gewöhnliche Form für (j'ambara, 
tib. bDe-mö'og, ein mystischer Buddha 97, 
103, 105. 

Samvrittisatya (samvritti), tib. kuu-rdsob, mongol. 
inagungki 33. 

Samyaksambodhi 50. 

bSam-yas von Padmssambhava gebaut 54, 56, 
58, 182; vulgär Sam-ye, voller Titel 54. 

Sanang Setsen, Ssanang Ssetsen, Geschichte der 
Ostmongolen, übersetzt und herausgeg. von 
J. J. Schmidt, citiert 54, 61, 63. 

Säiichl, in Bhopäl, berühmt durch seine Stüpas 12; 
^'i1 in S. 142; Bäume der Tathftgatas in S. 112. 

gSan-bai bdag-po, tib. für Guhyapati 98. 

Sandelholzbaum, in sKu-*bum 71; S.-Bild Bud- 
dhas 108; vgl. Gogirshacandana, Antivähana, 
Udayana. 



sangha, tib. dGe-Mun, mongol. Khowarak, «die 
Gemeinde' der Mönche» 11. 

Sanghfto, Lokalität in Gandhära (Swftt) 26. 

Sänkhya, tib. Grans, v. Sankhyä 5. 

samsära, sansära, tib. 'k'or-ba, mongol. ortsi- 
lang, «der Kreislauf (der Geburten)», die Welt 
32, 137. 

Sanskrit, tib. legs-par sbyar-bai skad; vgl. M6- 
lauges asiatiques II, 381 ; gewöhnlich rg>a-gar 
skad, Übersetzungen aus dem S. ins Chinesische 
16; Verfall des S. 41; S.-Name des Muham- 
mad 42; Sa-skya pandita lernt S. 61; S.-Glos- 
sen in Turfaner Manuskripten 65; S.-Kundige 
bei Khubilai 66; S. - Klostername des Tson- 
k'a-pa 70. 

sa-parivära, tib. *k*or-bcas, «mit Umgebung» 109. 

Saptaparna, Grotte bei (^r&vastl, Wohnort des 
VanaviUa 37. 

sapta ratnäni, «sieben Juwelen», aufgezählt 48. 

Saraha («mit dem Pfeile tötend»), einer der 
Siddhas, sein Attribut 40; hiess auch Rähola- 
bhadra, Lehrer des Nägärjuna 31; erscheint 
dem Tson-k*a-pa 71. 

Sarasvati, tib. dByaiis-can-ma, !^fag-gi Iha-mo, 
mongol. ägäsiktü ükä 138, 152, 155; ihr Ty- 
pus in (iandhära 24; ihre Zornesform 175. 

Säriputta, Päli für ^äriputra 7, 12. 

sarvajna, tib. kun-mk'yen, mongol. khamug-i 
ailaduktsi, «allwissend», Titel des Bu-ston 68. 

Sarvanivaranavishkambhi 109. 

Sarvästivädl-Sekte, tib. Tams-cad yod-par smra- 
bai sde 38, 35. 

sarvavyädhihäri 132. 

Satan, der S. des Buddhismus 10; vgl. Mära. 

Sätkil khanggaktsi ärdäni, mongol. für cintä- 
mani 43. 

Satrapen, die baktrischen S. empören sich 15, 16. 

sätva, tib. sems-can, 'gro-ba, mongol. amitan, 
«lebendes Wesen» 9, 32, 33, 48, 137; Götter, 
Menschen, Tiere, Preta (Gespenster), Höllen- 
geschöpfe. 

Satyaghna, «Mörder der Wahrheit», «Wort- 
brecher», Name eines Käkshasa- Königs im 
Pad-ma-t*an-yig 52. 

Sauras, Q'avaras (vgl. d.), ein Stamm der indi- 
schen Urbewohner 40. 

Sa-ba, mongol. bugu, Hirsch 172; sa-ba ra-cu 105. 

Saburun, mongol. 91. 

Schädel vgl. Kapäla, t*od-pa, t'od-k'rag, khat- 
vftnga; vgl. auch Drag-gsed; S. auf dem Khat- 
vänga 100; Attribut des Yamäri 102; Schädei- 
stück, Attribut des Bhairava 102 ; S. auf den 
Kronen 100, 106 vgl. t'od-pan; Schädelkrono 
der Kunikullä 152, der Däkinis 154; vgl. ur 



— 238 — 



Rosenkranz; Schädelkette, Schädelschale mit 
Menschen- und Tierfiguren, Attribut des He- 
vajra 105; des Yama 168, 170; des Simha- 
näda 130; der £kajatä 145; der Däkinis 154, 
158; der Bhrikutitärä 148; der Yum des 
Bhairava 104. 

^akiamuni, mongol. Umschrift von ^äkyamuni 111. 

Schamanismus der Mongolen, lebt nach dem 
Sturz der Juan-Dynastie wieder auf 68. 

San-dsot-ba, mongol. Verdrehung von tib. P*yag- 
mdsad-pa, Titel einer Rangstufe der Lamas 89. 

gSed i. q. gSin-rje gsed 172. 

Ses-rab, tib. für prajnä ses-rab spyan, vgl. unter 
Auge (Stirnauge) 45; ses-rab ral-gri, Schwert 
d. Manju^rl7y, 134; auch Attribut d.Grosslamas. 

Schiefner, Anton 30, 37, 125, 157. 

äigämtlni, mongol. Umschrift für ^'Äkyamuni 111. 

Siki, mongol. für gikhl 111. 

Schild, Attribut des Bhairava 102. 

Schildkröte, goldne 136. 

Simnu, Simnus, mongol. fürM&ra, tib. bDud 110. 

gSin-rje (rg>'al-po), tib. Name Yaraas 62, KU, 
164, 169; gSin-rje-ma Yaml; vgl. Yama, Ärlik; 
der blaue gS. 105; gSin-rje gsed: Yam&ntaka 

^ 101; der rote 172, 174. 

äirättt, Rangklasse der Lamas 89. 

Schirm, weisser, weisse S.-Göttin 93, 150. 

Schlagintweit 160. 

Schlangen, spenden Regen 160; die Schlangen er- 
scheinen im Munde des Vajrai)äni, abgebildet 
161; Seh. der Lha-mo 175; Seh. mit Rad KH); 
Schlangenkönig Mucilindal09; Schlangen über- 
schatten Buddha 1 10; um den Dreizack Simha- 
n&das 130; bei ICam-srin K)'); vgl. kLu, Näga, 
Lfts-un khän, Mucilinda, Anavatapta. rankha- 
päla, Ganula. 

Schleuderstein, Attribut des Yamüri 102. 

Schmidt, Johann Isaak 56, 61, 107. 

Schnecke, vgl. ^ankha, Attribut des Yamtlri 102. 

Schreckliche Götter, vgl. drag-gsed. 

Schreiten der Götter 101. 

Schweine, Schweinskopf, vgl. unter Marie! 145; 
Vajravar&hi 156, 157. 

Schwert, Sanskrit kripäna, tib. ses-rab ral-gri, 
des Yamftri 102; gewisser Bodhisatvas 119; 
der Ekajatä 145; des Manju^rl 140; des 
Brahma 178; der Bhrikutitärä 148; des ICam- 
srin 165; des Acala 162; des Khagarbha 141; 
der Karmadäkinl 154. 

sechs, 8. Schmucksachen 100; sechzehn Füsse 
Bhairavas 102. 

Seleuciden, Kämpfe mit A^oka 15; Revolte der 
baktrischen Satrapen gegen die S. 15, U). 

MfigtdpatJ, tctlor Heerführer», eines der sieben 



Juwelen, welches der buddhistische Grosskönig 
(cakravarti) besitzt, tib. dmag-dpon, mongol. 
tsirigün noyan 48. 

Sen-ldeu-nagS'pa , Ehadiravana i. q. Vanaväsa, 
ein Sthavira 37. 

Sen-ge sgra 127. 

Sen(-ge) gdon (can)-ma, eine Däkinl Simhavakträ 
174. 

Se-ra, eines der Ilauptklöster der gelben Kirche 
41, 72—74; Begründer des Klosters 64, be- 
rühmter Kanjur in Se-ra 74. 

gSer-beu, tib. für Kanakavatsa, einer der Stha- 
viras 38. 

Serien von Figuren, Wichtigkeit derselben für 
die Archäologie, vgl. Buddha, Bodhisatva, 
Sthavira. 

gSer-t*ub, tib. für Kanakamuni 111. 

«Shi-doi» 173. 

Siam; Metteyya in S. 122. 

Siddlia, tib. gnib (ts*ogs), «der durch Zauber- 
kraft Vollendete», «der die Siddhi erlangt hat», 
Mahäsiddha, tib. grub-6*en, Name von 84 Hei- 
ligen 40, 41, 42; abgebildet 38, 39; im Tsam 
169. 

Siddhärtha, Päli Siddhattha, tib. Don-grub, Name 
Buddhas als Prinz 5. 

Siddhasangha, «zauberhaft vollendete Gemeinde 
habend», Übersetzung des tib. Namens des 
ersten Dalai Lama dGe-Mun grub 75. 

Siddhi, tib. Grub-pa, tibernatürliche Kräfte, Zau- 
bei-macht 31, 36, 102; Siddhi-kftr 164. 

Sieben «Juwelen» 48; s. Augen der weissen 
Tärä 146; s. Köpfe des Hevajra 104, 105; s. 
Tathägatas 110. 

bSil-bai ts'al 170. 

Simhala, Ceylon, Padmasambhavas mythische 
Gattin eine Prinzessin von Ceylon 49; der 
Arhat Vajrlputra in S. 37. 

Simhanäda, tib. Seü-ge sgra 128; S. loke^vara 
130; S.-Manjugrl 138; Buddha Simhanäda 70; 
Simhanädadhäranl, Zauberformel des mit Lö- 
wenstimme begabten 62; S.-sädhana 127, 128, 
130, 132. 

siinhäsana, tib. sen-gei k'ri, mongol. arslan-tu 
tabtsang. Thron mit (goldenen) Löwen, die 
ihn tragen 10, 50. 

Simhamukhl, vgl. S.-vakträ 158. . 

Simhavakträ, tib. Sen-ge gdoii(-can-)ma 158, 173, 
174, 176, 177. 

Sltasara, Fluss bei Panca^lrshaparvata 134, 136. 

Sitätapaträ, «unbesiegte Göttin des weissen 
Schirms» 93, 150. 

Sitatäfii, tib. sGrol-dkar 144. 

Skvtheu 16, vgl. Tndoskvtlion. Kaiiishka. 



— 239 — 



slob-dpon, tib. für Äc4rya, mongoL baksi, sur- 
gaguli-in noyan (baksi) 42, 46. 

Smith, Vincent 20. 

bSod-nams rgya-mts^o, Dalai Lama vollbringt 
die zweite Bekehrung der Mongolen 80, 81, '82; 
Porträt 68. 

Somabhadra, falsche Rekonstruktion Csomas von 
tib. Zla-bzan, richtig Sucandra 41. 

Sommer, Göttin des S.s 176. 

Sonne, tib. nyi-ma, Sanskrit sür^a, Attribut des 
Khagarbha 141; des Samantabhadra 140; des 
Kshitigarbha 141; der Bodhisatvas 119; S. 
als Nebenfigur 120; von Vishnu der Lha-rao 
geschenkt 175; roter Sonnengott, Attribut des 
Hevajra 105. 

Sor, tib. Zor, das Opfer beim Tsam-Tanze 85. 

So-sor 'bran-ma, tib. für Aryajäiigull tärä 14<>. 

sotäpatti (Päli), vgl. srotaäpanna 8. 

Spiegel, Prof. 125. 

Spiegel, ädar^a, tib. me-lon 174. 

Spiess, ein gespiesster Mann, Attribut des Bhai- 
rava 102. 

spitze Waffe, Attribut des Yamäri 102. 

Spyi-ti-yoga , mystische Lehre des Padmasam- 
bhava 47, 50. 

Sre-mon, tib. für Nakula, ein Sthavira 38. 

Srin-mo, tib. für Räkshasi, menschenfressende 
weibliche Unholde, bei denen Padmasambhava 
wohnt 55. 

Srog-bdajr, Sanskrit Prajäpati, Begleiter des Beg- 
tse 166. 

Sron-btsan-sgam-po, der König von Tibet, wel- 
cher den Buddhismus einführte 28, 42, 43, 
45, 56, 134; abgebildet 45; seine Tara 144; 
vgl. Ton-mi Sambhota 134. 

srotaäpanna, tib. rgyun-du zugs-pa, mongol. 
surtaban, ttrgüldzidä oroksan; vgl. sotäpatti. 

Ssanang Ssetsen; vgl. Sanang Setsen 107. 

Steinhammer, Attribut des Bhairava 102. 

sthavira, tib. gnas-brtan, mongol. batu aktsi, 
«die Ältesten», wörtlich die «Festen» (so die 
Übersetzer) 35, 37, 74, abgebildet 7; um 
Buddha 108; im Tsam 169. 

Stier Yamas 170. 

Stock, Sanskrit danda, Attribut des Hayagrlva 
129, 163; derEkajatä 145; der Bhrikuti 148. 

Stotra, tib. sTod-pa 32. 

strl, «das Weib», tib. btsun-mo, mongol. khatun, 
eines der sieben Juwelen 4S. 

stüpa, tib. mö*od-rten, mongol. suburgan 12, 13; 
abgebildet 12; von Bharhut 15; Juwel in 
Stüpaform im Turban 22 (vgl. Abbildungen 14, 
23) 126; Attribut des Mi-p*yed 38; goldener 
S. fällt vom Himmel 43; vgl. Maitreya, 



Mah&sthänapr&pta, Biscbamon; in der Krone 

der Bodhisatvas 119, Maitreyas 124; Kä^ya- 

pas St. 124, 125. 
Subhüti, tib. Rab-*byor, mongoL Sain utsiraltu 

188, 189, 190. 
Suburgan 12, 136. 
Sucandra, vgl. Kälacakra 41. 
Sudhanakumära, tib. Nor-bzaü gzon-nu 129, 132. 
Südindien, ^ivaismus in S. 29, 42, 97; Tiru- 

magal 142. 
Sukhävati, tib. bDe-ba-can, Paradies AmitAbhas, 

-dem Yasubandliu die Lehre davon besonders 

zugeschrieben 36, 114, 115; S.-Modelle 115 fg.; 

S.-vyüha 115. 
Sumatikirti 70, vgl. Tson-k*a-pa. 
Sumeru 180, vgl. Meru. 
gSuns-dban, Vägi^vara, Manju^rl 140. 
Suü-Dynastie 116. 
Sung-yun 26. 
Sürya, tib. nyi-ma, Sonne, vgl. d.; Süryagarbha, 

Nyi-mai snyin-po 120. 
Sütra, tib. mDo, mongol. sudur 11, 58, 63. 
Svabh&vakaya, tib. No-bo-nyid sku 110. 
Svastika, tib. g.Yun-drun 66. 
Swät 18, 26. 

Symbole zur Darstellung Buddhas 13. 
Syringa villosa 71. 
Syrisches Reich 11; syrische Schrift 41, 65. 



rfa, tib. für a^va, haya, Herd; rTa-mgrin, tib. 

für Ilayagriva 129, 163, 164; rTa-*ghrin in 

der Unterschrift 163. 
Tabun idzagurtu burkhan, mongol. für panca 

dhy^nibuddha 95. 
Tabun khagan, mongol. für sKu-lüa 182. 
Tabun üdzügürtü agula, mongol. Panca^irsha- 

parvata 134. 
tädaüka, Ohrschmuck der Kurukullä 152. 
sTag, tib. ftlr vy&ghra, Tiger; sTag-gdon-ma 174. 
Tägüntsilän iräksän, mongol. für Tathägata 111. 
Tai-lo-pa, Te-lo-pa, Ti-lo-pa, Tilli-pa, ein Siddha, 

bekämpft den Islam 42, abgebildet 39. 
Takkasilä, Päli für Taksha^ilä 18. 
Takla-Makan 18, 41. 
Takshagilä, Päli: Takkasilä, tib. rDo-*jog, griech. 

Tag{Xa 18. 
Takshaka, mongol. Taksaki, ein Nftga, tib. 

7og-po 138, 190. 
Talai, mongol. für rGya-mts'o; T. bLa-ma, der 

Grosslama von Lha-sa; T. bLa-ma Vaj- 

radhara 81. 
Tämradvlpa, tib. Zans-glin, «Kupferinsel» 37. 
Tämttdziu 1. 



240 — 



TaudaYan, Tamil-Name Qivas, «der Tänzer», als ■ 
schaffende Gottheit 97. 

bsTan-'gyur, die zweite grosse Sammlung der ' 
buddhistischen Werke in Tibet; Kommentar 
zum Kanjur bKa-*gyur (s. d.) in mehr als \ 
200 Bänden 68; vgl. Tanjur. 

tanhä, Pftli für Sanskrit trishnä 6. 

Tanjur, tib. bsTan-*gyur («die Lehre», «was zur 
Lehre geworden ist»), vgl. d., von Bu-ston j 
gesammelt 68; Preislieder auf Götter von 
Nägärjuna im T. 32; ICan-skya-rol-pai rdo- 
rje soll den T. ins Mongolische übersetzen 93. 

Tantra, tib. rGyud, «die Zauberlitteratur» ; die : 
die T.s bilden das dritte Yäna, welches die 
Erlösung ermöglicht 50; Udayana lernt sie 
von Nägärjuna 31; Verwandtschaft mit dem 
alten Opfer 34; Asangas System 36; fremde 
Elemente in den T.s 41, 107; die 84 Siddhas 
Hauptvertreter der T.s 40; Abhayäkaras Hand- 
bücher 43; Padmasambhava der Vertreter der 
T.s 44, 54; die ersten T.s erhielt Äryadeva 
von Maitreya 46; Atl^a grosser Tantriker 58; 
Hevajratantra 63; g,Yun-ston rdo-rje dpal, 
Vertreter der Tantraschule 66; die Sa-skya- 
Lamas Hauptverbreiter der T.s 69; tantrische 
Formen der Tärä 148, des Manju^r! 140, des 
Avalokite^vara 133; T.s der Schildkröte 136; 
Tantragötter KJO; vgl. I)äka, Däkini. Tantras 
der Götter 138 ; T.-Attribut 106 ; drei Vajrapänis 
161; vgl. Sädhanamälätantra , Abhayakara- 
gupta, Kälacakra, (^Ylvajrabhairava. 

Tanz als Ausdruck einer Schöpfung 97, 106; 
vgl. nat, gar-byed-pa, tandavaii. 

bTaii-bzun, tibet. für Muciiinda 109, 11<). 

Tärä, tib. sGrol-ma (uncorr. von tar Ktiuss. abge- 
leitet, die «Erlöserin», die mongolischen Über- 
setzer halten das Feminin-Suflix -ma für ma, 
Mutter, und übersetzen «Mutter Tärä, Dara 
äkä» (vulgär Dara äkhä), oder gätülgäktsi | 
äkä; (ähnliche Übersetzungen durch äkä vgl. 
unter Ya^odharä, Sarasvatl), inkarnierte Ge- ' 
mahlin des Sron-btsan-sgam-po 44, 45; T. 
hat zwei Formen, die grüne (gyämä) 143 fg., 
die weisse (sitä) 144; T. neben Amoghapä^a ' 
126(?), 129, 130, 132; Preislied des Nägär- 
juna 32; givas Weib 158. 

Taräi, das Dschangelland am Fusse des Himä- 
laya (Nepal vorgelagert) 5, 12. 

Täranätha, der tibetische Historiker citiert 30, i 
37, 40. 157; inkarnierter Lama zu Urga 84. i 
abgebildet 73; vgl. rJe-btsun dam-pa. , 

Tä-ie sun, «die Geschichte des Tä-se», d.h. 
des Padmasambhava, Lepcha-Übersetzung der 
Padmasambbava-LegenAen, Probe 43, 55. 



Tathägata, tib. De-bzin-gsegs-pa, mongol. tägün- 
tsilän iräksän 110; in der Schale Simhanädas 
130. 

tausend Buddhas 113, 128. 

Tee-shoo loombo, veraltete -englische Schreibung 
der Aussprache von bKra-sis-lhun-po («Maii- 
galaküta, ein Haufen Segen»), etwa Ta-si- 
Ihum-bo, Tra-si-lhum-bo 76. 

Te-lo-pa, der Siddha 42; vgl. Tai-lo-pa. 

ter, tib. gter, «Schatz», in Höhlen u. s. w. unter dem 
Schutz eines Dam-can (s. d.), aufbewahrte 
heilige Bücher 46. 

Te-san, tib. Umschrift von (Nu) tai-san 134. 

Te-se, Gebirge, altheiliges Gebirge Tibets; ein 
Sthavira dort 37 ; Sieg Mi-Ias über einen Bon- 
Zauberer dort 60. 

t*abs, tib. für upäya 98; vgl. prajnä. 

Thäkiu- 5. 

Tams-cad mk*yen-po, tib. für Sarvajfia, «all- 
wissend, Titel Bu-stons 68. 

T'ams-cad skyob, tib. für Vi^vabhft 111. 

mTan-legs yons-grags dpal 117. 

mT'o-gliu, «hohe oder obere Insel», i. e. Wohn- 
ort, Kloster, wo Ati^a den König von Tibet 
bekehrte 58. 

mT'o-p'ug, «hohe oder obere Höhle», Geburts- 
ort Bu-stons 68. 

t'od-pa, tib. für kapäla, 79, Attribut der Siddhas 
40, Attribut der Tantragötter 100; t'od-skam, 
Totenkopf im Tsam-Tanz 169; t'od-pan, Schä- 
delkrone des Samvara 106. 

T'ogs-med, tib. für Asanga 35. 

T'on-mi sambhota oder T'u-mi sambhota, Mi- 
nister des Sroü-btsan sgam-po, Inkarnation 
des Maiiju^rl 28, 44, 134. 

t*ub-pa, «der Starke», i. q. C^kya 111. 

thftpa, Päli für stüpa 12. 

Tibet, nach Rockhill von sTod-bod, gesprochen 
Tö-böd, Bod = Sanskrit Bhota, der Landes- 
name, poetisch gern «das Land des Eises» 
u. s. w. genannt, tib. gans-can; Einführung des 
Buddhismus 28, 43 fg.; tibetisches Bild des 
Asaiiga 36; Angaja in T. 37; Kalender Tibets 
aus Zambhala 42; K'ri-sroü bde-tsan in T. 
53 fg.; Sa-skya- Schule beherrscht T. 61 fg.; 
Ming- Dynastie und T. 68 — 70, 73; wieder- 
geborne Lamas in T. 76; Altan Khans Ge- 
sandte in T. 80; Wiedergeburten dort 92, 93. 

tibetisch, vgl. T*on-mi sam-bhota, Bu-ston, Kan- 
jur, Tanjur, Mi-la-ras-pa, Pagur Vairocana; ti- 
betische Schrift Vorlage der mongol. Quadrat- 
schrift 56; tibetische Landesgötter 154, 178. 

Tiger, tib. sTag, Sanskrit vyäghra; T.-Däkinl 
174; T.-Fell der Lha-mo 173, des ICam-srin 



— 241 



1H5, des Simhanäda 130; des Hayagriva r21>; 
vgl. 106. 

Tülipa 42. 

Tina^ri (sie!), Eigenname eines Geschlechts von 
Fürsten im Pad-ma-t*an-yig 51. 

Tln ITiäl 115, 140. 

tlrthika, «Ketzer», Brähmanas in buddhistischen 
Texten (von ttrtha, «Badeteich», und den Ah- 
lutionen der Brähmanas), tib. Mu-stegs, die 
«Dirdiginer» von Pallas 4i>, 52. 

Tirumagal, Tamil für (^n 142. 

Titanentypen, Grundlage des kauernden Ganida 
zu Gandhära 25. 

titim, mongol. (vom griech. Stdtfir.fjia), für til). 
cod-pan, mukuta, Krone. 

titimtü burkhan, «gekrönte Buddhas», monjrol. 
Bezeichnung für Dhyanibuddha 08. 

sTobs-ldan, tib. für Balavän liM). 

sTon-gyi rgyal-mo, Göttin des Herbstes 17G. 

sTon-k'or khutuktu 84. 

Tope, englisch für Thüpa, Stüi)a 12. 

Totkhar-un kliagan, mongol. für Viglnie(;varii 
i. e. Ganapati 55. 

Transbaikalien 78, 85, 87, 93. 

Tr&yastrimgat, tib. Sum-bcu rtsa gsum 18(». 

Trias; beliebte Triaden sind: Ativa, Nägärjuna. 
Tson-k'a-pa 58; Tsoii-k*a-pa, r(jyal-ts'al)-rj(\ 
mK*a8-grub-rje 59; Mafiju^ri, Padmapäni, 
^'äntavajrapäni 127, 134; Amitabha, Gautama, 
Bhaishajyaguru 118; Dipankara, rakyammü, 
Maitreya 112; Amitayus, Vajrapäni, Manjurri 
113; Khadiravanatärö, Ekajatä, Marici IKr. 
ICam-sriu, Srog-bdag, Kigs-bii-mo l^iO; Siin- 
havakträ, Vyaghravakträ , Rikshavakträ 174; 
andere Trias: Tsoi'i-k'a-pa, C'akyaprabha, 
Guuaprabha. 

tri^üla, tib. k*a-tvan rtse ^'sum, Dreizack (vjrl. 
d.); Attribut des Ganapati 55; des Yama 02; 
des Mahäkäla 70; des Samvara lOO. 

Tripitaka, Päli Tipitaka, til). sDe-snod gsum, 
mongol. gurban aimak saba, «Dreikorb», Nanio 
der heiligen (kanonischen) Litteratur der Bud- 
dhisten 11. 

trishnä, Päli taiihä, tib. 'dod-pa, sred-ma, mongol. 
khoritsakliui G. 

Trommel vgl. damaru. 

Tsagan, mongol. «weiss», tsagan äbügUn 173; 
tsagan Dara äkil 144; tsagan itäfräl, eine 
Form Mahäkalas 177. 

Tsaglasi ttgäi gärälttt, mongol. für Amitabha, 
tib. *Od-dpag-med 99. 

Tsam, aus tib. 'f"am, Maskentanz Sf), KJG, Kw, 
169, 172. 

Tsa-ri, Kultort Samvaras KMi. 



'■ Tsakravarti, mongol. Umschrift von Sanskrit 
C'akravarti, Beherrscher der Welt 45. 
mts'an, tib. für lakshana 136. 
Ts'ans-pa, tib. für Brahma, Brahmas Kopf 106; 
vgl. Brahma, Kopf; ein Drag-gsed, der weisse 
Brahma 159, 164, 178. 
Ts*e ma-ra, eine Form des Mära, Orakelgott zu 

bSam-yas 56; vgl. Mära, bDud. 
Ts* e-dpag-med, tib. für Amitäyus 118. 
Tsikljula bayaskUulangtu Ifts-un kbagan, mongol. 
! für Upananda UM). 

1 Tsinggis, tib. ^*in-gis, Jin-gis (vgl. Melanges 

' asiatiques I, 425); 1, 2, ()2. 

I Tisin süzüktü Lama 86; Ts. s. nom-un khän 86. 

; Ts'ogs, mongol. KJlural, «Gemeinde» der Mönche 

in einem Kloster H6 ; gewöhnlich Übersetzung 

von Sanskrit gana als Name von bösen Geistern 

I in der l'mgebung Mahäkalas, daher Ts'ogs 

(kyi) bdag (-po) Ganapati, abgebildet 55. 

Tsok dzali dabkhurlaksan , mongol. für Ka-ba 

dpal-brtsegs 49. 
Tsoii-k*a-pa. bTson-k*a-pa, vgl. rJe-rin-po-ö*e, 
Sumatikirti, «der Mann aus bTson-k*a 70; ge- 
hört zu den «vier Sonnen» 32; mit Ati^a und 
Nägärjuna beliebte Trias 58, 59; abgebildet 
59; mit (.äkyaprabha und Gunaprabha 67; 
Lebensgeschicbte 70—73; seine Schtiler 75; 
sein Typus, Grundlage für die Grosslamas 
7S, 89; Khubilgan eines Lama unter T.s Schü- 
I lern gesucht 90; T. wohnt als *Jam-dpal 
I snyin-po, im Ilinuud Tushita 72; zu seiner 
Zeit (las Pantheon abgeschlossen 193; T. häufig 
abgebildet 107. 
' Tsordy.i, mongol. für C*os-rje, Titel einer Klasse 

der Lamas 89. 
I Tsugolsk am Onon, ein Kliubilgan zu T. 93. 

gTsui^-tor, tib. für Ushnisha, «Srheitelknorren 
I des Buddha», gTsug-tor can (^'ikhi 111; gTsug- 
tor-rnam(-par)-rgyal-ma, tib. für Ushuishavi- 
jayä 131, 148. 
T^ulum Bandsur Xi). 
Tugula (Tola) S4, 8(5. 
Tüitkär täin arilgakt>i, mongol. für Sarvani- 

varaiiavishkambhi s. d. 
Tiirliinella rapa 17H; vgl. (;ankha, dun. 
Turfan, Tiirfän, tib. T'ur-p'an, Funde der Bussen 

is, 41, 65. 
türkisch, Fragmente buddhistischer Texte in 
I türkischer Sprache 65. 
Turkistän 26, 41. 
Tümäd, mongol. Stamm so, S4. 
! Türbäl ügäi baksi, mongol. Name des Asanga 35. 
I Turushka, Sanskritbezeichnung der Muhamme- 
I daner 43; der Indoskvthen oder Kushan 16. 



— 242 — 



Tiwhite, «freudenvoll», Päli Tiisite, tib. dGa- 
Idan, mongol. Tägüs bayaskhulangtii , Name 
des HimmelSf in dem die Bodhisatvas weilen, 
bevor sie zum letztenmal auf die Erde herab- 
steigen 10, 14, 35, 46, 1U8; dort wohnt jetzt 
Tsoii-k^a-pa 72; vgl. 'Jam-dpal snyin-po. 

U^tra, Aufenthaltsort des Sthavira Ajita 37. 

udäna, tib. ö'ed-du brjod-pa, mongol. saisian 
ögtiläkü, Siegesruf des Bodhisatva 10. 

rdayana, tib. U-tra-ya-na, bl)e-spyod, hoisst 
auch Äntivähana (Antiochos), verderbt in 
^*]intivähana , mong. Amugulang suin jabu- 
daltu, Zeitgenosse des Nägärjuna, Besitzer 
eines berühmten Buddhabildes li), 31, 32, 108. 

UdyÄna, «der Garten», tib. l'-rgyan, *0-rgyan 
18, Land der Mkinis 44, 52, 53, 153; Ge- 
burtsland des Padmasambhava 50, 137; be- 
herrscht von König Indrabhüti 56. 

Ugra, ^Mva 23. 

Uiguren, tib. Yu-gur, Yo-gur, Turk-Stanim, wel- 
cher buddhistische Litteratur besass 66; be- 
nutzt die syrische Schrift; Vorstufe der mon- 
golischen Schrift 56, 65. 

Ckin tägri, mongolischer Name der Lha-nio, i 
a jungfräuliche Göttin», Kumäri 66; auch der 
Kigs-bu-mo 166. 

Clti kälbäriktsi, mongol. für Acala 163. 

Ültt küdältiktsi, mongol. für Akshobhya 1>8. 

rnsterblichkeitstrank,anirita, tib. blHul-rtsi 160. 

Upananda, «noch ein Nanda», tib. Nyer-dga-bu, 
mongol. Tsikhula bayaskhulangtu Ifis-un klia- 
gan, ein Nagakönig, ItN). 

upäya, vgl. prajnä, tib. t'abs *,^s. 

Uräusschlange, Vorstufe zur Darstellung d(»r 
N&gas 13, 15. 

Urbuddha, Adibuddha, vgl. Samantabhadra, 
Vajradhara 42. 

Urga 84, 86, 142. 

U-rgyan, tib. für Udyäna 56; U-rgyan-pa, «der , 
Mann aus UdyÄna», Padmasambhava (ebenso 
heisst seine Sekte) 44, 56, IM. ' 

Urislim, mongol. für Jerusalem 2. 

Uramunda, Aufenthaltsort eines Sthavira 38. 

rshuishavijayä, tib. gTsug-tor rnam-par-rgyal-ma ' 
131, 148. 151. 

Usun tägi-i, mongol. für Varuna UH. 

L'tbala, mongol. für Utpala 191. 

l'tpala. 1. Lotusblurae 136; 2. ein Näga, tib. 
Ut-pa-la, mongol. l'tbala VM. 

rttarakuru 31, 3S. 

Vac, Sarasvati 152. 

VAgl^vara, tib. dByans-can-bdag-po oder gSuns- 
vÄ inonffoh ägäsiktü ädzän 140. 153. ' 



Vai^&li, P&li Vesali, tib. Yaiis-pa-can 11; Konzil 
von V. 33. 

Vai^ravana i. q. Kubera Ji8; tib. rNam-t^os-sras 
oder Nal-bsos-bu (von vigrama !) (vgl. Schiefner, 
Bericht, zu Dsanglun, S. 84) 7, 15, 179, 181; 
V. als Yi-dam 98; vgl. Dsam-bhala, zu seinem 
Amazonenheer gehört KurukulU 152; auch: 
Vaigramana, kalmück. Bisman Tänggäri yäkft 
kMn, jap. Bishamon 180. 

Vai^yas der Nägas 187. 

Vaidüryaprabhärdj a 1 1 8. 

Vairocana, ein Dhy&nibuddha, tib. rNam-par 
snaü-mdsad, mongol. Masi gäigülün dzokiaktii, 
95, 96, 98. V,-Krone der Ushulshavijayä 149; 
Pagur Vairocana, Schüler Padmasambhavas 55. 

vajra, tib. rdo-rje, mongol. otsir, «Donnerkeil», 
Attribut der Dhyänibuddhas 98; persischer 
V. in Se-ra 41, 73; auf dem Tisch eines Lama 
79; Attribut der Parna^avarl u. s. w. 150; vgl. 
Donnerkeil, vi(;vavajra; Waffe Padmasambha- 
vas 46, 47, 49; das Trennungszeichen seiner 
Bücher ein Vajra 47; in den Tantras mysti- 
scher Ausdruck für linga, daher Name für die 
Cakti-Gruppen 94, 100, 101. 

Vajrabhairava 101, 140; vgl. YamÄntaka, ^rl- 
vajrabhairava, Bhairava. 

Vajrabhayankara 101. 

Vajracri, rDo-rje dpal 57, 66. 

Vajradäkini, Däkini mit Yab 94, 98, 154. 

Vajradhara, tib. rDo-rje *c'au, mongol. Otsir- 
dara (umschrieben Sanskrit), eine besondere 
Form Vajrasatvas, «der Donnerkeilhalter» 60, 
95, 98, 15i» (Nr. 9); aus Indra entwickelt 179. 

Vajramälä, Handbuch über Zauberkreise (man- 
dalas), von Abhayäkara 43. 

Vajrapaiii, tib. P*yag-na rdo-rje, P*yag-rdor, 
zuerst als gute und b(>se Form in Gandh&ra 
22—24, 99, 140; aus Indra entwickelt 179; 
?änta V. 113, 125, 134, 138; mit Garuda 188; 
schenkt Lha-mo eine Keule 175; Loblied 
NügArjunas auf V. 32; V. besucht Tson-k*a- 
pa 71; mit Manju^rl und Padmapäni 141; als 
Yi-dam 104; besondere Formen 127, 158, 160. 

VajrAsana, tib. rDo-rje gdan 10. 

Vajrasatva, tib. rDo-rje sems-dpa, mit V»*^«^» «^^i 
«dessenWesen der Donnerkeil ist» 94JH),99, IJIL 

Vajravarähl, tib. rDo-rje p'ag-mo 155—157; mit 
liayagriva 164. 

Vajrayanamülatantramayajala, Name eines wohl 
fingierten Werkes, im Pad-ma-t*an-yig er- 
wähnt 51. 

Vajriputra, tib. rDo-rje moi-bu, ein Sthavira 7, 37. 

Vakula, tib. Ba-ku-la oder Sre-mon (also Na- 
kula!), ein Sthavira 7, 3H.